Das Wort des Lebens
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Christus in Gottes Ökonomie

12 Min. Lesezeit

Viele Christen kennen Jesus als Retter und Erlöser, aber nur wenige haben eine klare Sicht davon, wie groß, weit und allumfassend Christus wirklich ist. Paulus zeichnet im Epheserbrief ein Bild von Christus, das die Grenzen unseres Denkens sprengt: Er steht über allem, erfüllt alles und macht zugleich in den Herzen der Gläubigen Wohnung. Wer diese Sicht gewinnt, beginnt die Gemeinde und sein eigenes Glaubensleben in einem ganz neuen Licht zu sehen.

Christus – weit über allem und alles erfüllend

Wenn der Epheserbrief von Christus spricht, öffnet sich ein Raum, der größer ist als alles, was der menschliche Blick zu fassen vermag. Paulus beschreibt, dass Gott „in Christus wirken ließ, als Er Ihn von den Toten auferweckte und Ihn zu Seiner Rechten niedersetzte im Himmlischen, hoch über jedem Fürstentum und jeder Gewalt und Macht und Herrschaft und jedem Namen, der genannt wird“ (Eph. 1:20-21). Christus steht nicht nur über religiösen Mächten oder politischen Systemen, sondern über jeder sichtbaren und unsichtbaren Ordnung, über jedem Namen, der in dieser Welt und in der kommenden Welt genannt wird. Er ist nicht einfach einer unter vielen, nicht einmal nur der höchste unter vielen, sondern der, der jede Grenze von Macht, Raum und Zeit sprengt. So wird Er uns gezeigt als der, den Gott zum Haupt über alles eingesetzt hat, und zwar „der Gemeinde, die Sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“ (Eph. 1:22-23).

Epheser 1:21 sagt, dass Christus „hoch über allem“ ist. Ein solcher Ausdruck findet sich im Kolosserbrief nicht. Der Kolosserbrief sagt, dass Christus in allen Dingen den Vorrang, den ersten Platz, haben muss, aber er sagt nicht, dass Christus hoch über allem ist. Manche mögen den dritten Himmel als den höchsten Punkt im Universum ansehen. Aber in 4:10 sagt Paulus, dass Christus „hoch über alle Himmel hinaufgestiegen ist, damit Er alle Dinge erfüllte“. Epheser 1:23 sagt, dass Christus „alles in allem erfüllt“. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft siebenundsiebzig, S. 654)

Dieses „hoch über allem“ bedeutet nicht Distanz, sondern Herrschaft in Liebe. Der, der über allem steht, ist derselbe, der alles erfüllt. Er beherrscht das Universum nicht von außen, sondern indem Er es durchdringt und trägt. Wenn der Brief später von der „Breite und Länge und Höhe und Tiefe“ spricht (Eph. 3:18), werden nicht abstrakte Dimensionen genannt, sondern das Maß dieser Person selbst. Er ist nicht nur höher als alles, Er ist die Höhe; nicht nur tiefer als jede Tiefe, Er ist die Tiefe. Seine „unerforschlichen Reichtümer“ (Eph. 3:8) – Leben in Fülle, Licht, das jede Finsternis aufdeckt, Gerechtigkeit, die trägt, Heiligkeit, die nicht abstößt, sondern heilt – das sind die Inhalte, mit denen Er erfüllt, was leer, begrenzt und gebrochen ist.

Damit rückt Gottes Ökonomie in ein anderes Licht. Es geht nicht zuerst um das, was Menschen für Gott tun, sondern darum, was Gott in Christus in Seinem Volk tut. Nicht unser religiöses Leistungsvermögen, sondern der Raum, den dieser Christus in uns gewinnt, steht im Zentrum. Wo Er als der Erhöhte geglaubt, geehrt und geliebt wird, beginnt Er zu erfüllen: Gedanken, die sich im Kreis drehen, werden von Seinem Licht durchzogen; Herzen, die sich verschließen, werden von Seiner Liebe geweitet; Gemeinschaften, die sich um sich selbst drehen, werden von Seiner Gegenwart umgestaltet. Der allumfassende Christus, der alles in allem erfüllt, schenkt der Gemeinde Anteil an Seiner Fülle, damit durch sie sichtbar wird, dass Er wirklich über allem steht. Daraus wächst eine leise, aber tiefe Zuversicht: Kein Name, keine Macht, keine Geschichte ist am Ende stärker als der, der hoch über allem ist und doch nahe genug, um das eigene Leben neu zu füllen.

die Er in Christus wirken ließ, als Er Ihn von den Toten auferweckte und Ihn zu Seiner Rechten niedersetzte im Himmlischen, (Eph. 1:20-23)

Mir, dem Allergeringsten von allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, den Heiden den unerforschlichen Reichtum Christi als das Evangelium zu verkünden (Eph. 3:8)

Wer Christus so sieht – weit über allem und doch alles erfüllend –, lernt, die eigene Existenz nicht mehr als in sich geschlossenen Kreis zu deuten. Sorgen, Erfolge und Grenzen stehen nicht länger im Zentrum; sie werden hineingestellt in den Raum eines Herrn, der über allem steht und alles trägt. So kann innere Enge sich lösen, weil der Blick von der eigenen Leistung zu der Fülle gelenkt wird, die in Christus bereitsteht. In dieser Perspektive wird das Leben nicht leichter zu berechnen, aber reich an Sinn: Jeder Tag, jede Begegnung kann zu einer Stelle werden, an der der erhöhte Christus etwas von Seiner Breite, Länge, Höhe und Tiefe sichtbar macht.

Der unermessliche Christus wohnt in unseren Herzen

Die Größe Christi im Epheserbrief bleibt nicht beim kosmischen Panorama stehen. Derselbe Christus, der über allem ist, lässt sich im verborgensten Inneren des Menschen nieder. Paulus betet, „dass Er euch gebe, nach dem Reichtum Seiner Herrlichkeit, durch Seinen Geist mit Kraft gestärkt zu werden hinein in den inneren Menschen, damit Christus durch den Glauben in euren Herzen Wohnung mache“ (Eph. 3:16-17). Der Dreieine Gott handelt hier in einer feinen Bewegung: Der Geist stärkt, der innere Mensch wird tragfähig, und Christus macht sich im Herzen heimisch. Er kommt nicht als flüchtiger Besucher, sondern richtet Sein Zuhause ein. Das Herz ist in der Schrift der Ort der Gedanken, Entscheidungen, Wünsche und Zuneigungen – genau dort will dieser unermessliche Christus wohnen.

Obwohl Christus unergründlich ist, macht Er dennoch Sein Zuhause in unseren Herzen. Der unergründliche Christus ist eine wunderbare Person, die in sehr inniger Weise in unseren Herzen wohnt. Damit Christus in unseren Herzen Sein Zuhause machen kann, müssen wir durch den Geist mit Kraft gestärkt werden in unserem inneren Menschen. Dann werden wir erfüllt werden zu der ganzen Fülle Gottes (V. 19). (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft siebenundsiebzig, S. 657)

Weil Er unergründlich ist, passt Er in kein festes Gedankensystem und in keine fromme Schablone. Und gerade darum kann Er jeden Winkel des Herzens ausfüllen, dem Er sich zuwendet. In derselben Passage heißt es weiter, dass wir so „die alle Erkenntnis übersteigende Liebe Christi erkennen“ und „zur ganzen Fülle Gottes erfüllt werden“ (Eph. 3:19). Hier berühren sich das Größte und das Innerste: Gottes Fülle wird nicht zuerst im Außergewöhnlichen sichtbar, sondern darin, dass Christus schrittweise Herr über unsere inneren Räume wird – über Verletzungen und Hoffnungen, über verborgene Ängste und unausgesprochene Sehnsüchte. Wo Er nicht mehr nur geduldet, sondern willkommen ist, beginnt Er umzuräumen, zu heilen, zu ordnen. Die Ökonomie Gottes wird so persönlich erfahrbar: Der allumfassende Christus teilt sich mit, prägt das Innere um und macht Menschen zu Trägern Seiner Gegenwart.

Aus dieser Wirklichkeit entsteht leise, aber anhaltende Ermutigung. Das Herz muss nicht zuerst groß werden, damit Christus darin wohnen kann; es wird weit, weil Er eingezogen ist. Die Begrenzungen des eigenen Charakters, die Geschichte des eigenen Lebens, bleiben nicht der letzte Rahmen. Inmitten von Alltag, Bruchstellen und Routinen wächst ein anderes Bewusstsein: In diesem unscheinbaren Herzen wohnt einer, dessen Liebe jede Erkenntnis übersteigt. Daraus wird Mut, auch das Dunkle nicht zu beschönigen, weil jemand da ist, der nicht weicht. Und es wächst eine stille Freude, dass die Fülle Gottes nicht fern in den Himmeln bleibt, sondern mitten im eigenen Inneren Gestalt gewinnt.

dass Er euch gebe, nach dem Reichtum Seiner Herrlichkeit, durch Seinen Geist mit Kraft gestärkt zu werden hinein in den inneren Menschen, (Eph. 3:16)

damit Christus durch den Glauben in euren Herzen Wohnung mache, damit ihr, indem ihr in der Liebe verwurzelt und gegründet werdet, (Eph. 3:17)

Die Erkenntnis, dass der unermessliche Christus im Herzen Wohnung macht, verändert die Sicht auf das eigene Innenleben. Gedanken und Regungen, die zuvor nur als chaotisch oder störend erschienen, werden zu einem Ort, an dem Christus gegenwärtig ist. Es entsteht Raum für Ehrlichkeit vor Gott, weil Seine Liebe nicht von äußerer Perfektion abhängig ist, sondern im Inneren wirkt. So wächst Vertrauen, dass selbst lange eingegrabene Muster unter der stillen, beharrlichen Gegenwart Christi nicht fest bleiben müssen. Das Herz wird zu einem Lebensraum, in dem Gottes Fülle nicht nur geglaubt, sondern immer wieder neu erfahren werden darf.

Der hinab- und hinaufsteigende Christus und die Gemeinde als Ausdruck Gottes

Der Christus, der erhöht ist und in den Herzen wohnt, wird im Epheserbrief zugleich als der gezeigt, der hinab- und hinaufgestiegen ist. „Darum sagt die Schrift: ‚Hinaufgestiegen in die Höhe, hat Er Gefangene gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben.‘ Dieses ‚Er ist hinaufgestiegen‘ nun, was bedeutet es anderes, als dass Er auch in die unteren Teile der Erde hinabgestiegen ist? Er, der hinabgestiegen ist, ist auch der, der hinaufgestiegen ist, hoch über alle Himmel, damit Er alle Dinge erfülle“ (Eph. 4:8-10). Sein Weg führt von der Herrlichkeit des Himmels in die Tiefe der Menschwerdung, weiter in die unteren Teile der Erde – in den Tod und den Hades –, und von dort in Auferstehung und Himmelfahrt. Diese Bewegung ist kein bloßer Heilsweg in der Vergangenheit; sie eröffnet den Weg, auf dem Er heute die Tiefen und Höhen unseres eigenen Lebens durchzieht.

In 4:9 und 10 sagt Paulus: „Dass Er aber hinaufgestiegen ist, was ist es anderes, als dass Er auch hinabgestiegen ist in die unteren Teile der Erde? Der hinabgestiegen ist, ist derselbe, der auch hoch über alle Himmel hinaufgestiegen ist, damit Er alle Dinge erfüllte.“ Christus hat im Universum eine weite Reise unternommen. Zuerst stieg Er in Seiner Menschwerdung vom Himmel zur Erde hinab. Dann stieg Er weiter hinab, von der Erde in den Hades, die unteren Teile der Erde, in Seinem Tod. Schließlich stieg Er in Seiner Auferstehung vom Hades zur Erde hinauf und in Seiner Himmelfahrt von der Erde zum Himmel. Durch eine solche Reise bahnte Er den Weg, damit Er alle Dinge erfüllen konnte. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft siebenundsiebzig, S. 658)

Wenn innerlich alles unten ist, wenn sich das Herz wie in eine Tiefe ohne Boden verliert, ist der Weg dieses Christus nicht fremd: Er ist hinabgestiegen, wo kein Mensch mehr tragen kann. Und wenn Er emporsteigt, zieht Er nicht allein; in Seiner Auferstehung nimmt Er Gefangene mit sich, führt Gebundenes in die Freiheit und teilt Gaben aus. Darum wird im Blick auf Gottes ewigen Vorsatz gesagt, dass Gott ihn „in Christus Jesus, unserem Herrn“ gefasst hat (Eph. 3:11): Dieser Weg Christi durch Tiefen und Höhen ist die Spur, auf der Gottes Plan mit den Menschen Wirklichkeit wird. Aus den von Ihm durchlebten Tiefen entstehen die Gaben für die Gemeinde, und aus Seiner Erhöhung erwächst die Kraft, dass die Gläubigen nicht im Eigenen kreisen, sondern „zur Ausrüstung der Heiligen, zum Werk des Dienstes, zum Aufbau des Leibes Christi“ dienen können (vgl. Eph. 4:11-12).

So wird sichtbar, wie die Gemeinde zur „Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“ wird (Eph. 1:23). Was Christus an Weg gegangen ist, spiegelt sich im Leib wider: In einer Gemeinschaft, in der Menschen ihre Tiefen nicht verstecken müssen und dennoch von der himmlischen Wirklichkeit Christi geprägt werden, wird Gottes Wesen sichtbar. Die Gemeinde ist dann nicht in erster Linie eine Organisation, sondern der Ausdruck eines Herrn, der alles durchschritten hat und alles erfüllt. In dieser Sicht wird sie zu einem Ort, an dem Gottes Ökonomie Gestalt gewinnt: nicht durch äußere Größe, sondern dadurch, dass der hinab- und hinaufsteigende Christus in den Gliedern Seines Leibes lebt, wirkt und zum Ausdruck kommt.

Das schenkt eine besondere Art von Trost und Ausrichtung. Kein Abstieg im eigenen Erleben bleibt isoliert stehen, wenn er mit diesem Christus verbunden wird, der tiefer hinabgestiegen ist, als Menschen je fallen können. Und kein Aufstieg, kein Erfolg muss sich verselbständigen, wenn er unter der Herrschaft dessen steht, der hoch über alle Himmel hinaufgestiegen ist. So wächst eine Haltung, in der persönliche Geschichte und Gemeindegeschichte nicht getrennt von Gottes Vorsatz gelesen werden, sondern als Orte, an denen Christus Sein Hinab- und Hinaufsteigen fortsetzt. In dieser Bewegung, die manchmal verborgen bleibt, formt Er eine Gemeinde, die nicht sich selbst ausstellt, sondern leise, aber spürbar etwas erkennen lässt von dem Gott, der in Christus alles erfüllt.

Darum sagt die Schrift: „Hinaufgestiegen in die Höhe, hat Er Gefangene gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben.“ (Eph. 4:8-10)

nach dem ewigen Vorsatz , den Er in Christus Jesus, unserem Herrn, gefasst hat, (Eph. 3:11)

Die Betrachtung des hinab- und hinaufsteigenden Christus verbindet die eigene Lebensgeschichte mit Gottes großem Vorsatz. Tiefe Erfahrungen von Schwäche und Versagen verlieren ihren endgültigen Charakter, weil Einer sie schon vor uns durchschritten hat und auch dort Herr bleibt. Zugleich bekommen Gaben und Dienste in der Gemeinde ein anderes Gewicht: Sie sind keine Bühne für menschliche Stärke, sondern Frucht des Weges Christi, der durch Tod und Auferstehung führt. Wer so denkt, lernt, die Gemeinde als Raum zu sehen, in dem Gottes Ökonomie sichtbar wird – nicht perfekt, aber real –, weil Christus selbst ihr Inhalt und Ausdruck ist.


Herr Jesus Christus, Du allumfassender und erhöhter Herr, wir staunen darüber, dass Du weit über allem stehst und doch in unseren Herzen Wohnung machen willst. Stärke uns durch Deinen Geist im inneren Menschen, damit Du in uns mehr Raum gewinnst und wir tiefer in Deine unerschöpflichen Reichtümer hineingeführt werden. Lass Deine hinab- und hinaufsteigende Bewegung in unserem Inneren nicht zum Stillstand kommen, sondern verwandle uns Schritt für Schritt zu einem lebendigen Ausdruck Deiner selbst. Erfülle Deine Gemeinde mit der Fülle Gottes, damit Dein Name geehrt wird und Deine Gegenwart sichtbar wird – in unserem Alltag, in unseren Beziehungen und im Leben der ganzen Gemeinde. Wir vertrauen darauf, dass Du Dein Werk vollendest und uns immer mehr in Deine himmlische Perspektive hineinziehst. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Ephesians, Chapter 77

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