Das Wort des Lebens
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Die neutestamentlichen Gläubigen zum Lob der Herrlichkeit Gottes

11 Min. Lesezeit

Viele Christen verbinden Gottes Herrlichkeit vor allem mit großen Offenbarungen, wunderbaren Erfahrungen oder besonderen geistlichen Diensten. Epheser 1.öffnet jedoch eine viel tiefere Perspektive: Gott möchte seine Herrlichkeit gerade in ganz normalen Menschen sichtbar machen, die von seiner Gnade durchdrungen werden. Wenn sein Plan vollendet ist, wird das, was er in den Gläubigen gewirkt hat, so kostbar und staunenswert sein, dass Engel und sogar die Schöpfung selbst Gott dafür preisen.

Gottes feine Arbeit in uns zur universellen Anbetung

Wenn Paulus davon spricht, dass wir „zum Lob seiner Herrlichkeit“ da sind, denkt er weiter als an unser persönliches Gotteslob im Gebet oder im Gottesdienst. Er sieht eine Bewegung Gottes, die so tief in die neutestamentlichen Gläubigen hineinreicht, dass sie zum Anlass werden, dass andere Gott preisen. In Epheser 1.steht nicht zuerst: Wir loben Gott, sondern: an uns wird sichtbar, was seine Gnade vermag, und das ruft das Lob der ganzen Schöpfung hervor. Es ist, als würde Gott im Verborgenen an einem Kunstwerk arbeiten, das zunächst unscheinbar wirkt, das aber, wenn es enthüllt wird, Bewunderung und Staunen auslöst – und diese Bewunderung richtet sich letztlich nicht auf das Kunstwerk, sondern auf den Künstler.

Dieser Vers bedeutet nicht, dass wir Gott preisen werden. Er bedeutet, dass durch Gottes überströmende Gnade so viel für uns und in uns gewirkt werden wird, dass alle Engel und alle positiven Dinge im Universum Gott preisen werden. Sie werden Gott preisen, weil wir, die Söhne Gottes, das Zentrum, der Brennpunkt, von Gottes Wirken im Universum sein werden. Wir werden wie die Nabe eines Rades sein. Wenn die Nabe entfernt wird, bricht das Rad zusammen, weil die Speichen keine Stütze mehr haben. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft elf, S. 98)

Die Schrift lässt ahnen, dass die Schöpfung selbst eine Stimme hat, die im Blick auf Gottes vollendetes Werk aufklingen wird. In Psalm 96:12 heißt es: „Es frohlocke das Feld und alles, was darauf ist! / Auch alle Bäume im Wald sollen jubeln“. Jetzt scheint diese Freude meist verdeckt, als ob die Natur in einem gedämpften Ton lebt. Doch der Plan Gottes zielt darauf, die Söhne Gottes so zu erneuern und zu verherrlichen, dass in ihnen die Herrlichkeit des Schöpfers aufleuchtet. Wenn Engel und Kreatur eines Tages die verherrlichte Gemeinde sehen, wird in ihnen etwas aufbrechen wie ein längst vorbereitetes Jubellied.

Das Bild von Nabe und Speichen kann helfen, diese Rolle der neutestamentlichen Gläubigen zu greifen. Die Engel und alle positiven Dinge im Universum sind wie Speichen, die vom Zentrum her gehalten und geordnet werden. Die Söhne Gottes sind wie die Nabe, nicht aus eigener Bedeutung, sondern weil Gott sich selbst in sie hineingelegt hat. Nimmt man die Nabe weg, bricht alles auseinander. Übertragen heißt das: Gott verbindet sein Wirken im Universum mit dem, was er in seinen Menschen tut. Je tiefer Christus in uns Gestalt gewinnt, desto mehr werden wir zum Brennpunkt, an dem sich Gottes Wege kreuzen und ordnen.

Diese feine Arbeit Gottes geschieht oft in unscheinbaren Schritten: ein korrigierter Gedanke, ein gereinigtes Motiv, ein stilles Gehorchen, wo niemand es sieht. Gerade dort, wo unser natürliches Leben nach vorne drängen will, führt Gott uns dazu, Christus den ersten Platz zu geben. Das verändert nicht nur unsere äußeren Entscheidungen; es verschiebt das innere Gewicht unseres Seins. An die Stelle des eigenen Ruhms tritt die Freude daran, dass Gott groß wird. Die Schöpfung wird einmal in diesen Menschen ein Licht sehen, das sie jetzt nur ahnt.

Es frohlocke das Feld und alles, was darauf ist! / Auch alle Bäume im Wald sollen jubeln / (Ps. 96:12)

Ihr Berge und alle Hügel, / Fruchtbäume und alle Zedern! / (Ps. 148:9)

Wer im eigenen Leben nur Bruchstücke sieht – Versagen, langsames Wachstum, unscheinbare Treue –, darf wissen: Gott arbeitet an einem Ganzen, das weit über die eigene Perspektive hinausgeht. Die Verheißung, dass Engel und Schöpfung einmal an uns Gottes Gnade erkennen werden, entlastet vom Druck, sich selbst glänzend präsentieren zu müssen. Es genügt, dass Gott sein Werk tut. In dieser Ruhe wächst eine stille Zuversicht: Der, der jetzt im Verborgenen formt, wird am Ende etwas hervortreten lassen, das nicht uns, sondern ihn sichtbar machen wird – und dieses Wissen trägt durch Tage, an denen die eigene Geschichte noch gar nicht nach Herrlichkeit aussieht.

Gott macht uns zu seinem Erbteil durch Umwandlung

Wenn Paulus schreibt, dass wir „in Christus zu einem Erbteil gemacht“ wurden, führt er uns in eine erstaunlich innige Beziehung zwischen Gott und Menschen hinein. Er beschreibt nicht nur, was wir einmal empfangen werden, sondern was Gott in uns finden will. Ein Erbteil ist nicht austauschbar, es ist etwas Kostbares, das man bewahrt, betrachtet, genießt. Von Natur her gleichen wir eher ungeformtem Ton als einem kostbaren Erbe. Aber Gott hat sich vorgenommen, aus diesem Ton ein Gefäß zu machen, das seine eigene Herrlichkeit trägt. In 1. Mose sieht man, wie Gott aus dem Staub der Erde den Menschen formt; im Neuen Testament formt er aus gefallenen Menschen ein Erbteil für sich selbst.

In Christus sind wir zu einem Erbteil gemacht worden. Bitte achte hier genau auf die Zeitform. In der Zukunft werden alle Dinge in Christus aufgehauptet werden, aber schon jetzt sind wir in Ihm zu einem Erbteil gemacht worden. … Einerseits sind wir zu Gottes Erbteil gemacht worden (V. 18) zu Gottes Genuss, und andererseits sind wir dazu gemacht worden, Gott als unser Erbteil zu erben (V. 14) zu unserem Genuss. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft elf, S. 102)

Diese Gestaltung geschieht, indem Gott sein eigenes Wesen in uns einarbeitet. Was er im Bild des Goldes im Alten Testament vorzeichnet, erfüllt sich innerlich in den Gläubigen: Das „Gold“ seiner göttlichen Natur nimmt zu, während das natürliche Leben an Einfluss verliert. Das ist mehr als moralische Verbesserung oder die Ausbildung eines frommen Charakters. Es ist eine Umwandlung, in der unsere Gedanken, Gefühle und Entscheidungen nach und nach von Gottes Licht durchdrungen werden. In 2. Korinther 3:18 heißt es: „Wir alle aber, indem wir mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen wie in einem Spiegel, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit“. Diese Umwandlung ist der Weg, auf dem wir tatsächlich zu einem Erbteil werden, an dem Gott Freude hat.

Gleichzeitig spricht Paulus davon, dass wir Gott als unser Erbteil haben. Diese doppelte Bewegung ist entscheidend: Gott arbeitet an uns, damit er sich in uns genießen kann, und indem er das tut, schenkt er sich selbst uns zur Freude. So entsteht eine gegenseitige Besitznahme: Wir gehören ihm, und er gehört uns. Wenn unser inneres Leben vom Geist geprägt wird, merken wir, dass uns nicht mehr dieselben Dinge tragen wie früher. Die Quellen der Freude verlagern sich. Wo früher Anerkennung, Erfolg oder Sicherheit den Ton angaben, wird nun die Gegenwart Gottes selbst zu dem, was das Herz still macht.

Dieser ganze Prozess steht nicht unter dem Zeichen zufälliger Entwicklungen oder wechselnder Launen. Paulus spricht von Gottes „Vorsatz“ und seinem „Ratschluss“. Das bedeutet: Es gibt eine durchdachte, liebevolle Absicht, nach der Gott uns führt – auch durch Spannungen, Verluste und Grenzen hindurch. In schwierigen Phasen, in denen das eigene Leben eher wie Bruchstückarbeit wirkt, bleibt dieser Grundsatz: Gott gestaltet sein Erbteil. Psalm 73:26 drückt die innere Richtung solcher Umwandlung aus: „Wenn mir auch Leib und Herz vergehen, so ist Gott doch meines Herzens Fels und mein Anteil auf ewig“. Wo Gott zum „Anteil“ wird, gewinnt seine Gegenwart ein Gewicht, das Umstände nicht mehr aus der Hand schlagen können.

Wir alle aber, indem wir mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen wie in einem Spiegel, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht. (2.Kor 3:18)

Wenn mir auch Leib und Herz vergehen, so ist Gott doch meines Herzens Fels und mein Anteil auf ewig. (Ps. 73:26)

Wenn der Weg mit Gott mühsam erscheint und das eigene innere Wachstum kaum wahrnehmbar ist, hilft der Blick auf Gottes Sicht: Er sieht nicht nur, wie weit wir sind, sondern vor allem, wozu er uns bestimmt hat. In seinen Augen ist jeder kleine Schritt der Umwandlung Teil eines großen Ganzen – seines Erbteils. Diese Perspektive nimmt der eigenen Schwachheit das letzte Wort und nährt eine stille Hoffnung: Der, der uns zu seinem Erbteil gemacht hat, wird nicht nachlassen, bis sein Wesen unser Inneres so durchdrungen hat, dass er sich in uns wiedererkennt – und wir in ihm unseren bleibenden Anteil finden.

Hoffnung in Christus und das Lob der Herrlichkeit Gottes

Wenn Paulus die neutestamentlichen Gläubigen als diejenigen beschreibt, „die zuvor auf Christus gehofft haben“, zeichnet er eine besondere Stellung im Heilsweg Gottes. Bevor Christus sichtbar wiederkommt, bevor er sein Reich in Macht aufrichtet, gibt es eine Zeit, in der er nur im Wort, im Evangelium, im Zeugnis seiner Gemeinde sichtbar ist. In dieser Zwischenzeit entstehen Menschen, die ihre Hoffnung auf einen Christus setzen, den sie nicht sehen. Ihre Hoffnung ist nicht die eines Volkes, das die sichtbare Herrlichkeit des Messias vor Augen hat, sondern die stille, manchmal angefochtene Hoffnung in einer Welt, die von anderen Maßstäben beherrscht scheint.

Wir, die Gläubigen des Neuen Testaments, sind diejenigen, die zuerst auf Christus gehofft haben; das heißt, wir haben in diesem Zeitalter unsere Hoffnung auf Ihn gesetzt. Die Juden werden ihre Hoffnung im nächsten Zeitalter auf Christus setzen. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft elf, S. 105)

Diese Hoffnung ist mehr als ein vages Ausrichten auf eine bessere Zukunft. Sie ist eine innere Bindung an Christus selbst. In 1. Petrus 1:8–9 heißt es über die Gläubigen: „Ihn liebt ihr, obgleich ihr ihn nicht gesehen habt; an ihn glaubt ihr, obgleich ihr ihn jetzt nicht seht, und freut euch mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens davontragt, die Rettung der Seelen.“ Hoffnung in Christus bedeutet, seinen unsichtbaren Zusagen mehr Gewicht zu geben als den sichtbaren Umständen. Genau in dieser Spannung formt Gott Menschen, die für ihn kostbar sind: Sie halten an jemandem fest, den die Welt nicht anerkennt.

Dass diese Hoffnung zum „Lob der Herrlichkeit Gottes“ führt, zeigt sich darin, dass sie Raum schafft für Gottes Wirken. Wer seine Hoffnung auf Christus setzt, hält sein Leben gewissermaßen offen für die Einwirkungen Gottes. Der Dreieine Gott bleibt nicht außen vor, sondern findet Zugänge: er tröstet, richtet auf, korrigiert, stärkt. Mit der Zeit zeichnet sich in solchen Menschen ein anderes Leuchten ab – nicht unbedingt äußerlich, aber im Inneren. In Kolosser 1:27 wird diese Perspektive verdichtet: „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“. Wo Christus selbst zur Hoffnung wird, wächst eine Herrlichkeit, die jetzt noch verborgen ist, aber schon ein künftiges Strahlen in sich trägt.

Gott verbindet mit dieser vorlaufenden Hoffnung der Gemeinde eine besondere Absicht. Es ist, als würde er in dieser Zeit Menschen heranbilden, die inmitten von Zerbruch, Unglauben und Orientierungslosigkeit einen stillen Gegenakzent setzen. Sie leben von einer Quelle, die nicht versiegt, wenn sichtbare Stützen wegbrechen. Das bleibt der geistlichen Welt nicht verborgen. Engel beobachten, wie Gott Menschen durch Leid, Versuchungen und Enttäuschungen hindurch trägt, und erkennen darin etwas von Gottes Treue. Was heute als unscheinbares Durchhalten erscheint, wird einmal als geformte Geschichte der Gnade sichtbar werden.

Ihn liebt ihr, obgleich ihr ihn nicht gesehen habt; an ihn glaubt ihr, obgleich ihr ihn jetzt nicht seht, und freut euch mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens davontragt, die Rettung der Seelen. (1. Pet. 1:8-9)

Ihnen wollte Gott kundtun, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Nationen ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. (Kol. 1:27)

Wer im Glauben an Christus lebt und zugleich die Widersprüche dieser Welt spürt, muss seine Hoffnung nicht kleinreden. Gerade die unsichtbare, angefochtene Hoffnung ist der Ort, an dem Gott seine zukünftige Herrlichkeit vorbereitet. Die Verheißung, dass unsere heutige, manchmal mühsam festgehaltene Ausrichtung auf Christus einmal im Lob Gottes münden wird, verleiht dem eigenen Weg Würde. In dieser Perspektive bekommt jedes gebetete „Dennoch vertraue ich dir“ Gewicht vor Gott – nicht als Heldentat, sondern als Teil einer Geschichte, in der er selbst seine Treue erweist und sich am Ende durch die Hoffenden verherrlicht.


Vater, wir danken Dir, dass Du uns in Christus erwählt und bestimmt hast, Dein Erbteil zu sein und Deine Herrlichkeit widerzuspiegeln. Du siehst nicht nur unsere Schwachheit und unser Ton-Gefäß, sondern vor allem das Werk Deiner Gnade und das Gold Deiner Natur, das Du in uns hineinwirkst. Stärke in uns die Hoffnung auf Christus, damit unser Blick über unsere Begrenzungen hinaus auf Deine vollendete Absicht gerichtet bleibt. Wir bitten Dich, durch Deinen Geist unser inneres Wesen weiter zu durchdringen, damit Deine Herrlichkeit in uns sichtbarer wird und Dein Name an dem sichtbar wird, was Du aus gewöhnlichen Menschen machst. Lass diese Hoffnung uns trösten und tragen, bis der Tag kommt, an dem die ganze Schöpfung Deine Gnade in den Söhnen Gottes bestaunen und Dich dafür preisen wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Ephesians, Chapter 11

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