Das Wort des Lebens
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Paulus’ Verteidigung Seiner apostolischen Autorität (5)

12 Min. Lesezeit

Manchmal scheint Gott gerade diejenigen zu führen, die Ihm am engsten dienen, durch besonders schwere Wege. Paulus, der große Apostel, schildert in 2.Kor 11 nicht überwältigende Erfolge, sondern Schläge, Hunger, Gefahren und eine Flucht im Korb. Diese scheinbar beschämenden Erfahrungen werden für ihn zum Siegel seiner Berufung und zu einem Schlüssel, Gottes Weg mit seinen Dienern zu verstehen.

Paulus’ „törichtes“ Rühmen und Gottes andere Sicht von Ehre

Paulus beginnt seine Verteidigung nicht mit glänzenden Erfolgsbilanzen, sondern mit einem Satz, der wie ein Stolperstein wirkt: „WIEDERUM sage ich: Niemand halte mich für töricht; wenn aber doch, so nehmt mich doch an als einen Törichten, damit auch ich mich ein wenig rühmen kann“ (2.Kor 11:16). Er weiß, wie sein Reden klingt. Er durchbricht bewusst den Rahmen gepflegter Zurückhaltung, um eine Gemeinde wachzurütteln, die sich von glänzenden Persönlichkeiten beeindrucken lässt. Falsche Apostel hatten Korinth mit einer anderen Art von „Weisheit“ erobert: sie glänzten mit Redekunst, Erfolg und religiöser Aura. Paulus dagegen setzt etwas ein, was in menschlichen Augen unklug und peinlich wirkt – ein erzwungenes Rühmen –, um sichtbar zu machen, was Gott ehrt und was er verwirft. Seine „Torheit“ besteht nicht in Übertreibung, sondern darin, dass er alles ausspricht, was andere aus taktischem Kalkül verschweigen würden.

In 11:16–33 war Paulus nicht auf natürliche Weise weise, und er betrieb keine Politik. Wäre er weise oder politisch gewesen, hätte er sich nicht gerühmt. Er war jedoch bereit, durch sein Rühmen als töricht zu erscheinen. Von Paulus müssen wir lernen, dass es Zeiten gibt, in denen wir nicht so weise oder politisch sein sollten. Unsere natürliche Höflichkeit kann eine Art subtile Weisheit sein. Stattdessen müssen wir treu, ehrlich und offen sein. Dabei können wir in den Augen anderer töricht wirken. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft vierundfünfzig, S. 488)

Damit berührt Paulus eine Spannung, die jeder kennt, der Christus dienen will: Wie weit geht Treue zur Wahrheit, wenn sie den eigenen Ruf kostet? Er hätte diplomatisch schweigen, die Lage beruhigen und seine Person aus der Schußlinie nehmen können. Stattdessen entlarvt er „falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, die die Gestalt von Aposteln Christi annehmen“ und fügt hinzu, dass „auch der Satan sich in einen Engel des Lichts verwandelt“ (vgl. 2.Kor 11:13-14). Treue zur Wahrheit konfrontiert; sie kann nicht auf Dauer in einer höflichen Neutralität bleiben, wenn die Gemeinde verführt wird. Gott lässt es zu, dass ein echter Apostel in diesem Moment als unweise, unkultiviert oder überhart erscheint, damit deutlich wird: Autorität im Reich Gottes speist sich nicht aus diplomatischem Geschick, sondern aus der Bereitschaft, die Ehre Christi höher zu achten als die eigene reputationsschonende Klugheit.

Die Schrift zeichnet diese göttliche Logik an vielen Stellen nach. Wenn Jesus von sich sagt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht“ (Johannes 12:24), stellt er das Gesetz des Lebens dem Gesetz menschlicher Selbsterhaltung entgegen. Die scheinbar „törichte“ Saat des Selbstverlustes ist Gottes Weg zur Frucht. Ebenso schreibt Paulus an einer anderen Stelle: „Das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen … damit sich vor Gott kein Fleisch rühme“ (1.Korinther 1:25.29). Gottes Ehre entfaltet sich dort, wo menschliche Klugheit an ihre Grenze kommt und wo Menschen bereit sind, um Christi willen missverstanden zu werden.

Das stellt auch unsere versteckte Sehnsucht nach Anerkennung infrage. Wie oft kleiden wir den Wunsch, gut dazustehen, in das Gewand einer vermeintlich weisen Zurückhaltung. Was Paulus „natürliche Höflichkeit“ nennen könnte, kann zur Maske werden, hinter der wir uns der Konfrontation mit Lüge und Selbstinszenierung entziehen. Der Herr führt seine Diener immer wieder in Situationen, in denen beides nicht zugleich möglich ist: vom Applaus der Menschen getragen zu werden und zugleich unverkürzt für die Wahrheit einzustehen. An solchen Weggabelungen schenkt Gott nicht die Sicherheit eines makellosen Rufes, sondern die Ehre, etwas von der Torheit des Kreuzes zu tragen.

WIEDERUM sage ich: Niemand halte mich für töricht; wenn aber doch, so nehmt mich doch an als einen Törichten, damit auch ich mich ein wenig rühmen kann. (2.Kor 11:16)

Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, die die Gestalt von Aposteln Christi annehmen. Und kein Wunder, denn der Satan selbst nimmt die Gestalt eines Engels des Lichts an. (2.Kor 11:13-14)

Wenn das Kreuz unsere Maßstäbe für Ehre und Weisheit prägt, verlieren wir die Angst, wegen klarer Worte als töricht zu gelten, und gewinnen den Mut, auch dann transparent und wahrhaftig zu sein, wenn uns das menschlich etwas kostet.

Leiden, Schwachheit und die Echtheit apostolischen Dienstes

Nachdem Paulus die falschen Maßstäbe seiner Widersacher bloßgelegt hat, öffnet er sein eigenes Leben. Er sagt: „Von den Juden habe ich fünfmal vierzig (Streiche) weniger einen bekommen. Dreimal bin ich mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt worden, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten; einen Tag und eine Nacht habe ich in Seenot zugebracht“ (2.Kor 11:24-25). Das ist keine heldenhafte Abenteuerliste; es ist ein nüchternes Protokoll von Schmerz. Dazu kommen die unzähligen Gefahren, von denen er spricht: „in Gefahren von Flüssen, in Gefahren von Räubern … in Gefahren unter falschen Brüdern“ (2.Kor 11:26). Nach menschlichen Kategorien disqualifiziert eine solche Biographie eher: Wo sind der sichtbare Segen, die Anerkennung, der Erfolg? Doch gerade hier dreht Paulus die Perspektive um: „Wenn gerühmt werden muß, so will ich mich der (Zeichen) meiner Schwachheit rühmen“ (2.Kor 11:30).

In Vers 30 fährt Paulus fort: „Wenn ich mich rühmen muss, will ich mich der Dinge meiner Schwachheit rühmen.“ Damit bezieht er sich auf seine Leiden und Mühsale, durch die er in den Augen seiner Widersacher schwach, gering und verächtlich erschien. Gerade durch diese Dinge wurde er als ein echter Apostel bestätigt, nicht durch die Stärke, deren sich seine Widersacher rühmten. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft vierundfünfzig, S. 490)

Die Schwachheiten und Leiden, die seine Gegner als Argument gegen ihn verwenden wollten, deutet Paulus als Siegel seiner Berufung. Sie sind die Spur des gekreuzigten Herrn in seinem Dienst. Christus selbst wurde nicht durch unangefochtenen Triumph verherrlicht, sondern ging den Weg der freiwilligen Erniedrigung: „Er entäußerte sich selbst, nahm Knechtsgestalt an … er erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz“ (Philipper 2:7-8). Hebräer 5:8 sagt in schlichter Klarheit: „Obwohl er Sohn war, lernte er an dem, was er litt, den Gehorsam.“ Wenn der Sohn den Weg des Gehorsams durch Leiden geht, kann ein Diener nicht erwarten, durch einen Weg ohne Widerstand bestätigt zu werden.

In diesem Licht wird auch Paulus’ Wort an die Kolosser verständlich: „Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und ergänze in meinem Fleisch das, was noch an den Trübsalen Christi fehlt, um seines Leibes willen, welcher die Gemeinde ist“ (Kolosser 1:24). Er fügt den stellvertretenden, erlösenden Leiden Christi nichts hinzu – die sind vollkommen. Aber er tritt in jene Leiden ein, die aus dem Widerstand gegen Christus und seinen Leib in dieser Welt erwachsen. Jedes Missverständnis, jede Ablehnung um Christi willen, jede Nacht der Sorge um die Gemeinde ist ein Teilnehmen an den Leiden dessen, der jetzt im Himmel ist und doch mit seinem Leib auf der Erde verbunden bleibt. Darum kann Paulus sagen: „Abgesehen von den Dingen, die nicht erwähnt worden sind, ist dies: die Sorgen, die täglich auf mich einstürmen, die ängstliche Besorgnis um alle Gemeinden“ (2.Kor 11:28).

Wenn man Dienst am Evangelium nach Wohlstand, äußerem Wachstum und Unangreifbarkeit bewertet, bleibt dieses Geheimnis unsichtbar. Dann gelten die, die kaum Widerstand erleben, als besonders gesegnet. Aber die Schrift zeichnet eine andere Linie: „Alle aber auch, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden“ (2.Timotheus 3:12). Gottes Diener stehen mitten in einer Welt, die seinen Ratschluss bekämpft; in diesem Feld bedeutet Treue notwendigerweise Kollision. Leiden ist darum kein romantisches Ideal und kein selbstgesuchter Schmerz, sondern eine unvermeidliche Folge, wenn Christus durch ein Leben hindurch Raum gewinnt.

Von den Juden habe ich fünfmal vierzig (Streiche) weniger einen bekommen. Dreimal bin ich mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt worden, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten; einen Tag und eine Nacht habe ich in Seenot zugebracht; oft auf Reisen, in Gefahren von Flüssen, in Gefahren von Räubern, in Gefahren von (meinem) Volk, in Gefahren von den Nationen, in Gefahren in der Stadt, in Gefahren in der Wüste, in Gefahren auf dem Meer, in Gefahren unter falschen Brüdern; in Mühe und Beschwerde, in Wachen oft, in Hunger und Durst, in Fasten oft, in Kälte und Blöße. (2.Kor 11:24-27)

Abgesehen von den Dingen, die nicht erwähnt worden sind, ist dies: die Sorgen, die täglich auf mich einstürmen, die ängstliche Besorgnis um alle Gemeinden. (2.Kor 11:28)

Wenn wir Leiden und Schwachheiten im Dienst nicht vorschnell als Beweis des Scheiterns deuten, sondern im Licht des leidenden Christus betrachten, werden sie zu Orten vertiefter Gemeinschaft mit ihm und zu stillen Zeugnissen echter apostolischer Gesinnung.

Zwei Geheimnisse echter Unterscheidung: Christus genießen und für seinen Leib leiden

Zwischen den scharfen Worten gegen falsche Apostel und der langen Liste seiner Leiden zeichnet Paulus zwei leise, aber entscheidende Linien, an denen sich echte geistliche Autorität prüfen lässt. Am Anfang des Kapitels sagt er: „Denn ich eifere um euch mit Gottes Eifer; denn ich habe euch einem Mann verlobt, um euch als eine reine Jungfrau Christus zuzuführen. Ich fürchte aber, daß etwa, wie die Schlange Eva durch ihre List verführte, so euer Sinn verdorben und abgewandt werde von der Einfalt gegenüber Christus“ (2.Korinther 11:2-3). In allem, was Paulus tut, steht dieses Ziel im Vordergrund: die Gemeinde als Braut in der ungeteilten Liebe zu Christus zu bewahren. Echte Diener Christi führen nicht in Abhängigkeit von sich selbst, von Systemen oder Erfolgsmodellen, sondern in eine einfache, vielschichtige, aber ungeteilte Beziehung zum Herrn.

Mit den Worten aus Kolosser 1:24 füllen wir das aus, was an den Leiden Christi noch fehlt, um Seines Leibes, der Gemeinde, willen. … Wir müssen jedoch an den Leiden Christi für Seinen Leib teilhaben. Das bedeutet, dass wir Seinen Weg, den schmalen Weg, gehen müssen. Wir müssen in Seinen Fußstapfen wandeln und das Kreuz tragen. Der Herr Jesus lebte ein Leben des Leidens, und wir müssen dasselbe tun. Das ist es, das auszufüllen, was an den Leiden Christi noch fehlt, für den Aufbau der Gemeinde, Seines Leibes. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft vierundfünfzig, S. 494)

Das erste Geheimnis der Unterscheidung lautet daher: Wozu führt ein Dienst? Vertieft er die Liebe zu Christus, klärt er den Blick auf seine Person, erneuert er die Freude am Evangelium? Oder bindet er an menschliche Autoritäten, Methoden und Programme? Die Liebe Christi ist der Maßstab. „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist“ (Römer 5:5). Wo Dienst dieser von Gott ausgegossenen Liebe Raum gibt, wächst eine Gesinnung, die Christus zum Mittelpunkt macht. Wo hingegen alles auf Leistung, Zugehörigkeit oder Erfolg fokussiert wird, rückt der Bräutigam in den Hintergrund und die Braut beginnt, andere Dinge zu bewundern.

Die zweite Linie der Unterscheidung zeigt Paulus, wenn er von seiner inneren Last schreibt: „Wer ist schwach, und ich bin nicht schwach? Wer leidet Ärgernis, und ich brenne nicht?“ (2.Kor 11:29). Und er fasst zusammen: „die Sorgen, die täglich auf mich einstürmen, die ängstliche Besorgnis um alle Gemeinden“ (2.Kor 11:28). Das ist kein allgemeines Mitleid, sondern die konkrete Teilnahme an den Leiden Christi für seinen Leib. In Kolosser 1:24 nennt er es, „ergänzen in meinem Fleisch das, was noch an den Trübsalen Christi fehlt, um seines Leibes willen, welcher die Gemeinde ist“. Echte geistliche Autorität zeigt sich darin, dass jemand bereit ist, für den Aufbau der Gemeinde – des Leibes Christi – einen Preis zu tragen: Missverständnis, Korrektur, Unsichtbarkeit, Mühe.

Diese beiden Linien gehören untrennbar zusammen: Christus genießen und für seinen Leib leiden. Wo das eine ohne das andere vorkommt, entsteht Schieflage. Eine vermeintliche Christusfrömmigkeit ohne konkrete Last für seine Gemeinde kann in frommen Individualismus abgleiten. Ein Aktivismus für „die Gemeinde“ ohne lebendigen Genuss des Herrn erschöpft und verdirbt. Echte Diener sind Menschen, die aus der Nähe zum Bräutigam leben und gerade deshalb seine Braut nicht gleichgültig ansehen können. Sie kennen sowohl die Freude seiner Gegenwart als auch den Schmerz, wenn sein Leib zerstritten, schwach oder verführt ist. Ihr Maßstab ist nicht die eigene Karriere im Dienst, sondern, ob Christus Gestalt gewinnt und der Leib aufgebaut wird.

Denn ich eifere um euch mit Gottes Eifer; denn ich habe euch einem Mann verlobt, um euch als eine reine Jungfrau Christus zuzuführen. Ich fürchte aber, daß etwa, wie die Schlange Eva durch ihre List verführte, so euer Sinn verdorben und abgewandt werde von der Einfalt gegenüber Christus. (2.Korinther 11:2-3)

die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist. (Römer 5:5)

Wenn wir die Liebe zum Bräutigam und die Last für seine Gemeinde als zwei untrennbare Seiten eines Lebens mit Christus verstehen, gewinnen wir einen klaren Maßstab für geistliche Autorität: Sie ist dort echt, wo Herzen zu Christus gezogen und zugleich bereit werden, die Nöte seines Leibes mitzutragen.


Herr Jesus Christus, danke, dass Du Deine Herrlichkeit nicht dadurch offenbart hast, dass Du Dich geschont hast, sondern indem Du den Weg der Schwachheit und des Kreuzes gegangen bist. Danke für das Beispiel des Paulus, der lieber als töricht galt, als Deine Wahrheit zu verschweigen, und der bereit war, für Deinen Leib zu leiden. Stärke das Vertrauen darauf, dass Du mitten in Unverständnis, Druck und Mangel gegenwärtig bist und Deinen Willen durchsetzt. Vertiefe die Liebe zu Dir als dem himmlischen Bräutigam und schenke ein Herz, das sich nicht von glänzenden, aber leeren Angeboten losreißen lässt. Erfülle mit Deinem Geist, damit Dein Leib aufgebaut wird und Dein Weg – auch durch Schwachheit und Leiden hindurch – sichtbar wird zur Ehre des Vaters. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of 2 Corinthians, Chapter 54

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