Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Diener des neuen Bundes (8)

9 Min. Lesezeit

Vieles im christlichen Umfeld dreht sich um sichtbaren Dienst, Erfolg und Gaben: Predigen, Leiten, Organisieren, Wirken mit Kraft. Dabei gerät leicht in den Hintergrund, welche Art Mensch hinter all dem steht. Paulus öffnet im 2.Korintherbrief einen Blick hinter die Kulissen: Für Gott ist nicht zuerst entscheidend, was wir leisten, sondern wer wir in Christus sind und welches Leben wir tatsächlich führen. Gerade daran macht sich auch fest, ob unser Dienst Bestand und geistliche Wirkung hat.

Gott interessiert mehr, wer wir sind, als was wir tun

Wenn Paulus im 2. Korintherbrief über den neuen Bund spricht, hält er bei den Personen länger inne als bei ihrem Auftrag. Auf wenige Verse über den Dienst folgen viele Verse über die Diener (2. Korinther 3:12–7:16). Darin zeigt sich ein stilles, aber deutliches Gewicht Gottes: Vor Ihm steht zuerst, wer der Mensch ist, dann erst, was er tut. Ein Werk kann beeindruckend wirken, Zahlen können wachsen, Strukturen können stehen – und doch fehlt etwas Entscheidendes, wenn das innere Leben des Dieners nicht zu dem passt, was er nach außen vertritt. Gott misst geistliches Gewicht nicht an Sichtbarkeit, sondern an Übereinstimmung mit Seinem eigenen Wesen. Darum ist es bemerkenswert, wie nüchtern und zugleich tief Paulus seinen Dienst beschreibt: ohne prunkvolle Erfolge, aber durchzogen von einem geformten Leben vor Gott.

Der Abschnitt in diesem Brief über die Diener des neuen Bundes ist deutlich länger als der Abschnitt über den Dienst des neuen Bundes. Der Grund dafür ist, dass Gott Sich viel mehr um die Diener kümmert als um den Dienst. Anders ausgedrückt: Gott liegt mehr daran, was wir sind, als daran, was wir tun. Das heißt, dass für Ihn unser Sein weit wichtiger ist als unser Tun. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft neununddreißig, S. 350)

In 2. Korinther 6 entfaltet Paulus dieses Leben. Er nennt Drangsale, Bedrängnisse, Wachen, Fasten, Ehre und Unehre, gute und böse Nachrede. Inmitten all dem steht er als jemand, der innerlich nicht zerbricht und nicht verbittert, sondern „als Traurige, aber allezeit uns freuend; als Arme, aber viele reich machend; als nichts habend und (doch) alles besitzend“ (2.Kor 6:10). Das ist mehr als Charakterstärke; es ist ein allgenügsames Leben, das „in allem“ trägt. In solchen Menschen bekommt der Dienst eine andere Tiefe: Worte, die aus durchlittenem Vertrauen kommen, tragen eine andere Schwere als bloße Formulierungen. Es wird spürbar, dass hier jemand nicht nur von Gnade redet, sondern von ihr durchdrungen wurde. Gerade darin liegt eine stille Ermutigung: Gott ist nicht zuerst auf unsere Leistung angewiesen, sondern darauf bedacht, unser Sein zu prägen. Wo Er unser Inneres formt, verliert der Druck, etwas Vorzeigbares tun zu müssen, seine Macht – und an seine Stelle tritt die Freude, Ihm in Einfachheit und Wahrheit zu gehören.

application_de: Unser Selbstverständnis als Diener wird gesund, wenn wir uns nicht zuerst über Aufgaben und Ergebnisse definieren, sondern darüber, wie Gott unser Inneres vor Seinem Angesicht gestaltet; so wird unsere Tätigkeit nicht abgeschwächt, sondern erhält Tiefe, Beständigkeit und einen Ton, der aus der Wirklichkeit Gottes kommt und andere trägt.

als Traurige, aber allezeit uns freuend; als Arme, aber viele reich machend; als nichts habend und (doch) alles besitzend. (2.Kor 6:10)

Unser Selbstverständnis als Diener wird gesund, wenn wir uns nicht zuerst über Aufgaben und Ergebnisse definieren, sondern darüber, wie Gott unser Inneres vor Seinem Angesicht gestaltet; so wird unsere Tätigkeit nicht abgeschwächt, sondern erhält Tiefe, Beständigkeit und einen Ton, der aus der Wirklichkeit Gottes kommt und andere trägt.

Versöhnung heißt: in Gott hineingebracht werden

Versöhnung im Sinn des neuen Bundes beginnt mit der großen Wende: Der Mensch, der Gott fremd und feindlich war, wird durch das Kreuz Christi zurückgebracht, seine Schuld wird getilgt, Frieden wird möglich. Doch Paulus bleibt an dieser Schwelle nicht stehen. Wenn er schreibt, dass wir „in Christus Gottes Gerechtigkeit würden“ (2. Korinther 5:21), öffnet sich eine tiefere Dimension: Versöhnung bedeutet nicht nur, wieder vor Gott stehen zu dürfen, sondern in Christus an einem Ort zu sein, an dem unsere ganze Existenz zu Gott passt. Es geht nicht allein um eine juristische Klärung, sondern um eine neue Wirklichkeit der Gemeinschaft. Wer versöhnt ist, wird nicht nur nahegebracht, sondern hineingenommen.

Was ist die Versöhnung, die Paulus dient? Ich habe eine Reihe von Büchern zu diesem Thema gelesen, aber keines von ihnen hat deutlich gemacht, dass der Dienst der Versöhnung nicht nur darin besteht, Sünder zu Gott zurückzubringen, sondern noch mehr darin, Gläubige völlig in Gott hinein zu bringen. Daher genügt es nicht, einfach zu Gott zurückgebracht zu werden; wir müssen auch in Ihm sein. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft neununddreißig, S. 353)

Im Alltag zeigt sich, wie brüchig diese Wirklichkeit in unserer Erfahrung ist. Ein verletzendes Wort, ein Moment der Ungeduld, die stille Selbstanklage – und plötzlich sind Herz und Blick eng geworden. Formal bleiben wir Gottes Kinder, praktisch aber leben wir in diesen Augenblicken „in uns selbst“, im alten Muster der Reaktion. Gerade hier entfaltet sich der Dienst der Versöhnung, von dem Paulus spricht: Christus wirkt durch Sein Wort und Seinen lebengebenden Geist, um uns aus unseren Stimmungen, Rechtfertigungen und inneren Rückzügen heraus wieder in sich selbst hineinzuziehen. Darauf weist auch der Herr, wenn Er sagt: „Bleibt in Mir, und Ich in euch. Wie die Rebe von sich aus keine Frucht bringen kann, wenn sie nicht im Weinstock bleibt, so könnt auch ihr es nicht, wenn ihr nicht in Mir bleibt“ (Johannes 15:4). Versöhnung wird so zu einer fortlaufenden Bewegung: weg aus der Enge des eigenen Ichs, hinein in den weiten Raum Gottes. In dieser Bewegung wächst ein leiser Mut: Wir sind nicht dazu bestimmt, an der Schwelle zu stehen zu bleiben, sondern die Tiefe des „in Ihm“ kennenzulernen – und gerade in unseren Schwächen neu zu entdecken, wie treu Er uns dahin zurückholt.

application_de: Wer Versöhnung so versteht, lernt, seine Rückfälle in alte Reaktionsweisen nicht als Ende, sondern als Ruf zu erneuter Hinwendung zu Christus zu sehen; darin wird die Gemeinschaft mit Gott nicht ein theoretischer Status, sondern ein gelebter Ort, an den wir immer wieder zurückgeführt werden und in dem unser Inneres zur Ruhe kommt.

Bleibt in Mir, und Ich in euch. Wie die Rebe von sich aus keine Frucht bringen kann, wenn sie nicht im Weinstock bleibt, so könnt auch ihr es nicht, wenn ihr nicht in Mir bleibt. (Joh. 15:4)

Wer Versöhnung so versteht, lernt, seine Rückfälle in alte Reaktionsweisen nicht als Ende, sondern als Ruf zu erneuter Hinwendung zu Christus zu sehen; darin wird die Gemeinschaft mit Gott nicht ein theoretischer Status, sondern ein gelebter Ort, an den wir immer wieder zurückgeführt werden und in dem unser Inneres zur Ruhe kommt.

Mit Gott zusammenwirken durch ein allgenügsames Leben aus Gnade

Wenn Paulus sagt: „Und als solche, die mit Ihm zusammenarbeiten, bitten wir euch auch flehentlich, die Gnade Gottes nicht vergeblich zu empfangen“ (2.Kor 6:1), zeichnet er ein stilles, aber starkes Bild von Dienst. Er sieht sich nicht vor Gott als selbständiger Arbeiter, der für Gott ein Projekt ausführt, sondern als Mitarbeiter, der mit Gott handelt. Der Unterschied liegt in der Quelle: Wer nur „für Gott“ arbeitet, kann leicht aus eigener Kraft planen, antreiben, beurteilen. Wer „mit Gott“ arbeitet, dient aus der Gegenwart Gottes heraus und bleibt innerlich bei Ihm, während er nach außen handelt. So wird Dienst nicht nur Auftrag, sondern Ausdruck von Gemeinschaft.

Die Apostel waren nicht nur mit dem Werk, dem Dienst, der Versöhnung beauftragt, sondern sie arbeiteten, indem sie andere in Gott hineinbrachten, mit Gott zusammen. Sie wussten, dass sie aus sich selbst niemanden in Gott hineinbringen konnten. Sie hatten nicht diese Fähigkeit, diese Kapazität. Sie mussten dieses Werk mit Gott zusammen tun. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft neununddreißig, S. 356)

Die Kraft dafür nennt Paulus Gnade. Er bezeugt: „Doch durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin; und Seine Gnade mir gegenüber hat sich nicht als vergeblich erwiesen, sondern im Gegenteil, ich habe mich überströmender abgemüht als sie alle, jedoch nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist“ (1.Kor 15:10). Gnade ist hier nicht ein Gefühl, sondern der auferstandene Christus als lebengebender Geist, der den Dreieinen Gott selbst als Leben und Lebensversorgung in unser Inneres bringt. Wo diese Gnade wirkt, entsteht dasselbe allgenügsame Leben, das Paulus in 2. Korinther 6 beschreibt: ein Leben, das unter wechselnden Umständen nicht dauernd wechselt, sondern in sich gegründet ist; ein Leben, das hart arbeiten kann, ohne hart zu werden; das leidet, ohne zu verbittern; das müde sein kann, ohne innerlich aufzugeben. In einem solchen Leben beginnt das verborgene Wunder: Gott kann andere nicht nur durch unsere Worte informieren, sondern durch unser Sein in sich hineinziehen. Daraus wächst eine gelassene Zuversicht: Unser Maß an Frucht hängt nicht zuerst von unserer Begabung ab, sondern davon, wie weit Gnade uns in diese stille Mitarbeit mit Gott hineinführt.

application_de: Wer seinen Dienst als Mitarbeit mit Gott aus Gnade versteht, kann in Treue handeln, ohne sich von Erfolgsdruck treiben zu lassen, und lernt, jede Situation – gelingend oder schwer – als Gelegenheit zu sehen, in der Gnade zu bleiben und so Raum zu geben, dass Gott selbst durch ein geformtes Leben wirkt.

Und als solche, die mit Ihm zusammenarbeiten, bitten wir euch auch flehentlich, die Gnade Gottes nicht vergeblich zu empfangen; (2.Kor 6:1)

Doch durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin; und Seine Gnade mir gegenüber hat sich nicht als vergeblich erwiesen, sondern im Gegenteil, ich habe mich überströmender abgemüht als sie alle, jedoch nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist. (1.Kor 15:10)

Wer seinen Dienst als Mitarbeit mit Gott aus Gnade versteht, kann in Treue handeln, ohne sich von Erfolgsdruck treiben zu lassen, und lernt, jede Situation – gelingend oder schwer – als Gelegenheit zu sehen, in der Gnade zu bleiben und so Raum zu geben, dass Gott selbst durch ein geformtes Leben wirkt.


Herr Jesus Christus, du lebengebender Geist, danke, dass du mich nicht nur zu Gott zurückgebracht hast, sondern mich immer tiefer in Gott hineinführen willst. Forme in mir dieses allgenügsame Leben, das in jeder Lage in dir bleibt und mit dir zusammenwirkt. Wo ich aus mir selbst, aus meiner Kraft und meinen Vorstellungen lebe, zieh mich durch deine Gnade neu in deine Gegenwart und mach mich eins mit deinem Herzen. Lass dein Leben in mir stärker sein als meine Schwachheit, meine Stimmungen und meine Grenzen, damit dein Licht und deine Liebe durch mein Sein mehr sprechen als meine Worte. So segne du meinen Weg mit dir und lass mich deine Gnade nicht vergeblich empfangen. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of 2 Corinthians, Chapter 39

Diesen Artikel teilen

Wenn er hilfreich war, kannst du ihn einfach weitergeben.

E-Mail WhatsApp