Das Wort des Lebens
lebensstudium

Umgang mit der Frage der Auferstehung (1)

12 Min. Lesezeit

Viele Menschen verbinden den christlichen Glauben vor allem mit Moral, Tradition oder Trost in schweren Zeiten. Doch das Neue Testament spricht von einer Wirklichkeit, die weit darüber hinausgeht: einer Kraft, die selbst den Tod überwunden hat. Die Frage, ob es wirklich eine Auferstehung gibt, ist nicht nur ein theologisches Problem, sondern entscheidet darüber, ob unser Glaube nur eine schöne Idee oder eine lebendige Erfahrung ist. 1.Korinther 15 zeigt, dass die Auferstehung Christi das pulsierende Herz des Evangeliums ist – und der Boden, auf dem Gottes Plan mit uns überhaupt erst Gestalt gewinnen kann.

Die Auferstehung Christi – die Lebenskraft des Evangeliums

Wenn Paulus das Evangelium zusammenfasst, beginnt er nicht mit moralischen Forderungen, sondern mit einem Ereignis und einer Person: „daß Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften; und daß er begraben wurde und daß er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften“ (1.Kor 15:3-4). Das Herz des Evangeliums ist nicht ein System von Ideen, sondern der gekreuzigte und auferstandene Christus selbst. Die Auferstehung ist dabei nicht nur ein Anhängsel an das Kreuz, sondern die innere Lebenskraft dessen, was am Kreuz geschehen ist. Am Kreuz wird die Schuld getragen, in der Auferstehung wird das neue Leben freigesetzt. Ohne Auferstehung bliebe das Evangelium ein bewegender Gedanke über Vergebung, aber ohne reale Lebensversorgung. Paulus geht so weit zu sagen: „wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist also auch unsere Predigt inhaltslos, inhaltslos aber auch euer Glaube“ (1.Kor 15:14). Wo die Auferstehung fehlt, da erlischt das Leben des Evangeliums.

Die Auferstehung Christi ist die Lebenskraft des Evangeliums. Es gibt viele Philosophien und Religionen auf der Erde, aber keine von ihnen ist lebendig. Im Gegenteil, jede einzelne ist ohne Leben. In einer Philosophie oder Religion mag es viele Lehren und Doktrinen geben, aber kein Leben. Religionen sind durch und durch leblos; keine von ihnen besitzt irgendeine Lebenskraft. Das Evangelium des Herrn hingegen enthält Leben, ja sogar Auferstehungsleben. Auferstehungsleben ist ein Leben, das den Tod überwunden hat – ein Leben, das in den Tod hineinging, eine Zeitlang im Tod blieb und dann aus dem Tod wieder hervorkam. Daher ist dieses Leben ein den Tod überwindendes und den Tod unterwerfendes Leben. Deshalb wird es Auferstehungsleben genannt. Das Evangelium Christi hat nicht nur Leben; es hat auch die Lebenskraft, den Tod zu unterwerfen, den Tod zu überwinden und den Tod zunichtzumachen. (Witness Lee, Life-Study of 1 Corinthians, Botschaft fünfundsechzig, S. 603)

Dieses Auferstehungsleben ist nicht einfach eine Verlängerung unseres natürlichen Lebens, sondern ein Leben anderer Art. Es ist ein Leben, das durch den Tod hindurchgegangen ist, im Tod geblieben ist und den Tod dennoch überwunden hat. Darum kann Jesus von sich sagen: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer in Mich hineinglaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“ (Johannes 11:25). Er bietet nicht nur Trost angesichts des Todes an, sondern er erscheint als das Leben, das den Tod bereits hinter sich hat. In Ihm ist der Tod nicht mehr der unüberwindbare Endpunkt, sondern ein besiegter Feind, dessen Macht gebrochen ist.

Weil der auferstandene Christus als Geist zu uns kommt, bleibt die Auferstehung keine entfernte Erinnerung an einen Ostermorgen, sondern wird zu einer gegenwärtigen Kraft. Paulus verbindet Versöhnung und tägliche Rettung, wenn er schreibt: „Denn wenn wir, als wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod Seines Sohnes, werden wir viel mehr in Seinem Leben gerettet werden, nachdem wir versöhnt worden sind“ (Römer 5:10). Der Tod Christi versöhnt; das Auferstehungsleben Christi rettet fortwährend. Wo unser eigenes Vermögen an seine Grenze kommt, wo Beziehungen „abgestorben“, Hoffnungen zerbrochen oder Kräfte erschöpft sind, wirkt dieses andere Leben in uns. Nicht als spektakuläres Gefühl, sondern als stille, tragende und erneuernde Wirklichkeit.

So erhält das Evangelium ein Gesicht: Es ist die Einladung, an einem Leben teilzuhaben, das stärker ist als Schuld, Finsternis und Verzweiflung. Wer sich Christus anvertraut, steht nicht mehr allein mit seiner Schwachheit da, sondern trägt in sich einen, der den Tod bereits durchschritten hat. Daraus erwächst leise, aber beharrliche Zuversicht: Kein Tal der Niedergeschlagenheit ist endgültig, kein innerer Winter bleibt ewig. Die Auferstehung Christi bedeutet, dass mitten in der Realität von Leid und Sterben ein anderes Licht aufgehen darf. Dieses Licht löscht die Dunkelheit nicht mit einem Schlag aus, aber es nimmt ihr ihre letzte Macht. In dieser Gewissheit wird das Evangelium zu einer Quelle neuer Anfänge – immer wieder, auch dort, wo wir menschlich keine Zukunft mehr sehen.

Denn ich habe euch vor allem überliefert, was ich auch empfangen habe: daß Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften; und daß er begraben wurde und daß er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften; (1.Kor 15:3-4)

Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer in Mich hineinglaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; (Joh. 11:25)

Wer den auferstandenen Christus als die Lebenskraft des Evangeliums kennenlernt, muss nicht mehr die eigene Lebendigkeit verwalten, sondern lernt, sich von einem anderen Leben tragen zu lassen. In den kleinen Sterben des Alltags – Enttäuschungen, Abschieden, unerfüllten Erwartungen – kann innerlich ein Raum entstehen, in dem Sein Auferstehungsleben wirksam wird: als neue Geduld, als unerwartete Hoffnung, als leise, aber beharrliche Freude. Die Auferstehung wird so zu einer Haltung: nicht resigniert hinnehmen, was nach Tod aussieht, sondern in Christus mit der Möglichkeit rechnen, dass gerade dort Sein Leben zu wachsen beginnt.

Kreuz und Auferstehung – das Ende der alten und der Anfang der neuen Schöpfung

Der erste Satz der Bibel spannt einen weiten Horizont auf: „Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde“ (1.Mose 1:1). Gott schafft nicht um der bloßen Existenz willen, sondern mit einer Absicht: Die Schöpfung soll seine Herrlichkeit widerspiegeln, der Mensch soll als Sein Ebenbild Seine Herrschaft auf der Erde ausdrücken. Doch diese gute Ordnung wird erschüttert. In der unsichtbaren Welt wie in der sichtbaren erhebt sich Rebellion. Die Engel fallen, der Mensch misstraut seinem Schöpfer, und die alte Schöpfung gerät unter die Macht des Todes. In dieser Situation wird Gottes ursprüngliche Verwaltung in der Schöpfung blockiert. Die Geschichte treibt nicht einfach neutral voran, sondern sie ist von einem Bruch durchzogen, der sich bis in unsere Erfahrungen hinein fortsetzt.

In der Schöpfung konnte Gott aufgrund der Rebellion der Engel und des Menschen Seine Verwaltung nicht ausführen. Da kam eines Tages Gott Selbst im Sohn als Mensch. Nach Jesaja 9:6 wurde Sein Name „Wunderbar“ genannt. Er ist so wunderbar, dass niemand Ihn völlig erfassen kann. Er ist zugleich Gott und Mensch. Jesaja 9:6 sagt uns auch, dass Er, obwohl Er ein Kind war, „mächtiger Gott“ genannt wurde und dass, obwohl Er ein Sohn war, Sein Name doch „Ewiger Vater“ genannt wurde. Dieser wunderbare Gott-Mensch lebte dreiunddreißig und ein halbes Jahr auf der Erde. (Witness Lee, Life-Study of 1 Corinthians, Botschaft fünfundsechzig, S. 605)

In dieses zerbrochene Gefüge tritt Christus ein. Er ist nicht nur ein besonders frommer Mensch, sondern der, von dem Johannes bezeugt: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!“ (Johannes 1:29). Am Kreuz geschieht darum mehr als individuelle Sündenvergebung. In seinem Tod nimmt Christus die gesamte alte Schöpfung mit allem, was von Gott losgelöst ist, mit in das Gericht hinein. Der alte Mensch, die gefallene Ordnung, der Machtbereich des Todes – alles, was an Adam gebunden ist, wird vor Gott zum Ende gebracht. Seine Beerdigung ist das konsequente Zu-Ende-Führen dieses Werkes: Was unter dem Zeichen der Rebellion stand, wird beiseitegesetzt.

Mit der Auferstehung Christi setzt Gott dann neu an. Paulus beschreibt es so: „Denn gleichwie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden. Jeder aber in seiner eigenen Ordnung: der Erstling, Christus; sodann die, welche Christus gehören bei seiner Ankunft“ (1.Kor 15:22-23). Christus ist der Erstling einer neuen Schöpfung, der Anfang eines neuen Menschengeschlechts. Wer zu Ihm gehört, tritt aus dem Bereich Adams in den Bereich Christi hinüber, aus der Herrschaft des Todes in die Sphäre des Auferstehungslebens. Auf diesem Boden kann Gott seine Verwaltung verwirklichen: Er setzt Christus als Haupt ein, legt alle Feinde unter seine Füße und arbeitet darauf hin, dass „Gott alles in allem sei“ (1.Kor 15:28).

Damit weitet sich die Perspektive über unsere persönliche Rettung hinaus. Kreuz und Auferstehung sind der Wendepunkt in Gottes Geschichte mit der Welt. Jenseits aller sichtbaren Krisen, Systeme und Mächte läuft eine tiefere Bewegung: Gott führt die alte Schöpfung ihrem Ende zu und lässt zugleich die neue Schöpfung in Christus heranwachsen. Glaubende leben mitten in dieser Spannung – sie erfahren die Zerbrechlichkeit der alten Ordnung und tragen zugleich schon etwas von dem neuen Leben in sich. Das kann trösten, wenn Zerfall, Unrecht oder persönliches Scheitern drückend werden: Sie haben nicht das letzte Wort. In Christus hat Gott bereits mit der neuen Wirklichkeit begonnen, in der Tod, Rebellion und Entfremdung ihre Macht verloren haben. Wer sich an Ihn bindet, steht innerlich schon jetzt auf der Seite dieser kommenden Welt.

Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. (1.Mose 1:1)

Am folgenden Tag sieht Johannes Jesus zu sich kommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt! (Joh. 1:29)

Wer Kreuz und Auferstehung als Ende der alten und Anfang der neuen Schöpfung erkennt, bewertet die eigene Gegenwart anders. Schmerzhafte Abschiede, das Altern, das Scheitern menschlicher Systeme bleiben real, verlieren aber ihren absoluten Charakter. Sie weisen darauf hin, dass die alte Ordnung ihrem Ziel entgegengeht. Zugleich wird jede kleine Spur von Gerechtigkeit, Versöhnung und Liebe zu einem Vorgeschmack der neuen Schöpfung in Christus. So wächst eine nüchterne Hoffnung: mitten in den Bruchlinien dieser Welt ist der auferstandene Herr bereits am Werk, um die Geschichte auf den Punkt hinzuführen, an dem Gott alles in allem sein wird.

Gnade bedeutet: Der auferstandene Christus lebt in uns

Die Auferstehung Christi könnte eine beeindruckende, aber ferne Tatsache bleiben, wenn sie nicht einen Weg in unser eigenes Leben fände. Für Paulus ist genau das unvorstellbar: Er versteht sein ganzes Dasein als ein lebendiges Zeugnis dafür, dass der auferstandene Herr wirklich lebt. Er erinnert daran, dass der Herr „zuletzt aber von allen, gleichsam der unzeitigen Geburt, erschien er auch mir“ (1.Kor 15:8). Ausgerechnet der, der die Gemeinde Gottes verfolgt hatte, wird zum Zeugen und Apostel. Der Bruch zwischen früher und jetzt ist so tief, dass Paulus nur eine Erklärung kennt: Gnade. „Doch durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin; und Seine Gnade mir gegenüber hat sich nicht als vergeblich erwiesen, sondern im Gegenteil, ich habe mich überströmender abgemüht als sie alle, jedoch nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist“ (1.Kor 15:10).

Einerseits sind wir errettet worden, andererseits werden wir noch errettet. Wir sind durch den Tod Christi errettet worden, aber wir werden weiterhin in Seiner Auferstehung errettet. (Witness Lee, Life-Study of 1 Corinthians, Botschaft fünfundsechzig, S. 610)

Wenn Paulus von Gnade spricht, meint er nicht nur göttliches Wohlwollen, sondern die wirksame Gegenwart Christi selbst. Die Gnade ist der auferstandene Christus, der als lebenspendender Geist in ihm wohnt und handelt. Darum kann er an anderer Stelle sagen: „nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir“ (Galater 2:20). Auferstehung wird damit von einem datumshaften Ereignis zu einer inneren Dynamik. Einerseits sind Glaubende bereits errettet: Durch den Tod Christi ist die Versöhnung geschehen. Andererseits geschieht Rettung fortlaufend: „Denn wenn wir, als wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod Seines Sohnes, werden wir viel mehr in Seinem Leben gerettet werden, nachdem wir versöhnt worden sind“ (Römer 5:10). Dieses „viel mehr“ beschreibt den Raum, in dem der auferstandene Christus täglich in uns handelt.

Gerade in Schwachheit wird diese Wirklichkeit tastbar. Wo Müdigkeit, Entmutigung oder innere Widerstände sich melden, zeigt sich, ob das christliche Leben aus eigener Anstrengung oder aus einer anderen Quelle lebt. Auferstehungsleben bedeutet nicht, dass Schwierigkeiten verschwinden, sondern dass inmitten der Schwierigkeiten ein anderes Leben wirksam ist: eine Kraft, die nicht aus uns stammt, eine Treue, die über unsere Launen hinausreicht, eine Liebe, die auch dann noch nicht erlischt, wenn menschliche Gründe längst erschöpft sind. So wird der Alltag zum Schauplatz der Auferstehung: unscheinbar, aber real.

Wer diese Gnade kennt, muss sich nicht mehr an den eigenen Grenzen festklammern. Schuld, die ans Licht kommt, wird nicht mehr verdrängt, weil der Gekreuzigte und Auferstandene größer ist als das Versagen. Aufgaben, die überfordern, werden nicht mehr nur als Last empfunden, weil der, der ruft, zugleich in uns wirkt. In dieser Perspektive wird das Leben mit Christus still mutiger: nicht, weil der Mensch stabiler würde, sondern weil der auferstandene Herr seine Wohnung im brüchigen Herzen nimmt und dort sein Werk fortsetzt. Das macht dankbar und hoffnungsvoll – auch dann, wenn vieles noch unvollkommen ist, weil klar bleibt: Es ist „nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist“.

zuletzt aber von allen, gleichsam der unzeitigen Geburt, erschien er auch mir. (1.Kor 15:8)

Doch durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin; und Seine Gnade mir gegenüber hat sich nicht als vergeblich erwiesen, sondern im Gegenteil, ich habe mich überströmender abgemüht als sie alle, jedoch nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist. (1.Kor 15:10)

Wenn Gnade bedeutet, dass der auferstandene Christus selbst in uns lebt, verliert das geistliche Leben seinen leistungsorientierten Charakter. Wachstumswege und Dienste werden weniger zur Bühne eigener Stärke und mehr zu Gelegenheiten, in denen sich Seine Auferstehungskraft zeigen darf. So wächst eine gelassene Ernsthaftigkeit: das eigene Herz bleibt wach und bereit, doch die eigentliche Zuversicht ruht darauf, dass der Lebendige nicht draußen bleibt, sondern in uns wohnt und handelt. Darin liegt eine tiefe Ermutigung – die Geschichte mit Ihm ist nicht auf den Anfang beschränkt, sondern trägt sich Tag für Tag aus Seinem Auferstehungsleben.


Herr Jesus Christus, auferstandener Herr, wir danken Dir, dass Du den Tod überwunden hast und als lebendiges Auferstehungsleben in uns wohnst. Wo wir an unsere Grenzen kommen, wo Umstände, Schuld oder Angst wie ein Grab über uns liegen, bist Du die Kraft, die nicht festgehalten werden kann und neues Leben hervorbringt. Stärke unseren Glauben an Dein Wort, auch da, wo wir Deine Wege nicht verstehen, und lehre uns, Dir als der Gnade in uns zu vertrauen. Lass Deine Auferstehungswirklichkeit unsere Gedanken, unsere Entscheidungen und unser Miteinander in der Gemeinde prägen, damit Gottes Plan in und durch unser Leben Raum gewinnt. Fülle uns neu mit der Hoffnung, dass Gott alles in allem sein wird, und bewahre unsere Herzen in dem Frieden, den nur Du geben kannst. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of 1 Corinthians, Chapter 65

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