Das Wort des Lebens
lebensstudium

Umgang mit dem Eheleben (1)

10 Min. Lesezeit

Fragen rund um Ehe, Ehelosigkeit und zweite Ehe gehören zu den sensibelsten Themen im christlichen Leben. Wer verheiratet ist, kennt sowohl Freude als auch Spannungen; wer allein lebt, erlebt Freiheit und zugleich Druck oder Einsamkeit. In Korinth traf diese Spannung auf ein Umfeld, das alles zerlegte und diskutierte – sogar das eigene Eheleben. Paulus nimmt diese Unsicherheit ernst und antwortet nicht mit starren Regeln, sondern mit geistlichen Grundsätzen, die bis heute helfen, die eigene Situation vor Gott einzuordnen.

Gottes Berufung und die Gabe – Ehe oder Ehelosigkeit aus seiner Hand

Wenn Paulus über Ehe und Ehelosigkeit spricht, rückt er die Frage aus dem engen Feld unserer Neigungen in den weiteren Raum der Berufung Gottes. Er sagt: „Ich wünsche aber, alle Menschen wären wie ich; doch jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so“ (1.Korinther 7:7). Nicht der spontan wirkende Eindruck, etwas sei „geistlicher“, entscheidet, sondern das, was Gott einem Menschen an Gnade anvertraut. Die Ehelosigkeit des Paulus ist keine asketische Leistung, sondern eine Gabe – eine innere Freiheit, die ihn befähigt, ungeteilt für den Herrn da zu sein. Wer diese Gabe nicht hat und dennoch versucht, sie sich aufzuerlegen, gerät in eine Spannung, die ihn zermürbt: Das, was fromm aussieht, wird zur Last, die Herz, Körper und Glaubensleben unter Druck setzt.

In Vers 7 sagt Paulus: „Ich wünsche aber, alle Menschen wären wie ich; doch jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so.“ Weil der Apostel Paulus so absolut für den Herrn und Seine Ökonomie ist, wünscht er, dass alle Menschen so sind wie er (V. 8). Er wünscht sich, dass sie nicht heiraten, sondern so bleiben wie er, damit auch sie ohne Ablenkung absolut für die Interessen des Herrn sein können (V. 33, 35). Mit diesem Wunsch bringt er das Verlangen des Herrn in Bezug auf Seine Berufenen zum Ausdruck. Dass ein Gläubiger an Christus nicht zu heiraten vermag, ist eine Gabe von Gott (Mt. 19:10–12). Für diejenigen, die eine solche Gabe nicht empfangen haben, ist es besser zu heiraten (1.Kor. 7:9). Alles hängt von der Gabe ab, die wir von Gott empfangen haben. (Witness Lee, Life-Study of 1 Corinthians, Botschaft einundvierzig, S. 374)

Darum stellt Paulus Ehe und Ehelosigkeit nicht als zwei Stufen geistlicher Reife gegenüber, sondern als zwei Wege innerhalb derselben Berufung durch Gott. Er ermutigt: „Doch wie der Herr einem jeden zugeteilt hat, wie Gott einen jeden berufen hat, so wandle er“ (1.Korinther 7:17). Der Stand – verheiratet oder unverheiratet – ist der Rahmen, in den Gott uns gestellt hat; die eigentliche Wandlung geschieht darin, dass ein Mensch in diesem Rahmen zu einem Leben mit Christus findet. So kann ein Verheirateter lernen, seine Ehe nicht als Konkurrenz zu Gott zu erleben, sondern als Raum, in dem Gottes Liebe Gestalt gewinnt. Und ein Lediger bleibt nicht ein isolierter Einzelgänger, sondern entdeckt in seiner Ungebundenheit eine besondere Verfügbarkeit für das Reich. Wo wir unseren Lebensstand als von Gott zugelassen oder sogar ausdrücklich geschenkt ansehen, verliert der Vergleich mit anderen seine Macht. Statt mit Sehnsucht auf das zu starren, was wir nicht haben, entdecken wir, wie reich Gott gerade in unserem konkreten Leben gegenwärtig ist – und genau darin liegt Trost und stille Motivation, ihm in der eigenen Berufung freier zu dienen.

Ich wünsche aber, alle Menschen wären wie ich; doch jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so. (1.Kor 7:7)

Doch wie der Herr einem jeden zugeteilt hat, wie Gott einen jeden berufen hat, so wandle er; und so verordne ich es in allen Gemeinden. (1.Kor 7:17)

Ehe oder Ehelosigkeit werden so zu unterschiedlichen Ausdrucksformen derselben Gnade Gottes: Wer seine Situation als Gabe aus Gottes Hand annimmt, findet Ruhe inmitten offener Fragen und wächst gerade dadurch in eine reife, dankbare Hingabe hinein, die nicht vom äußeren Stand, sondern von der inneren Antwort auf Gottes Berufung getragen ist.

Ehe, Gebet und geistliche Konzentration

In der nüchternen Klarheit von 1.Korinther 7 beschreibt Paulus, dass Ehe immer auch Konzentration bindet. „Der Unverheiratete ist für die Sache des Herrn besorgt, wie er dem Herrn gefallen möge; der Verheiratete aber ist um die Dinge der Welt besorgt, wie er der Frau gefallen möge“ (1.Korinther 7:32–33). Damit stellt er Ehe nicht bloß, sondern benennt ehrlich die innere Teilung: Wer liebt, denkt an den Geliebten. Dieses Denken kostet Zeit und Kraft, und Gott verschließt davor nicht die Augen. Zugleich bleibt Ehe Teil seiner guten Schöpfungsordnung. Das Ja zur Ehe ist kein Nein zu Gott, aber es verändert die Art, wie ein Mensch seine Kräfte verteilt.

Wenn Paulus zu verheirateten Gläubigen spricht, sagt er in Vers 5: „Entzieht euch einander nicht, es sei denn nach Übereinkunft eine Zeitlang, damit ihr Muße habt zum Gebet, und dann wieder zusammen seid, damit der Satan euch nicht versuche wegen eurer Unenthaltsamkeit.“ Das griechische Wort, das mit Muße haben wiedergegeben wird, bedeutet wörtlich Muße haben, frei sein für; daher: sich hingeben. Gebet erfordert, dass wir frei sind von Personen, Angelegenheiten und Dingen. (Witness Lee, Life-Study of 1 Corinthians, Botschaft einundvierzig, S. 373)

Darum spricht Paulus so konkret über die leibliche Seite des Ehelebens. Er schreibt: „Entzieht euch einander nicht, es sei denn nach Übereinkunft eine Zeitlang, damit ihr euch dem Gebet widmet und dann wieder zusammen seid, damit der Satan euch nicht versuche, weil ihr euch nicht enthalten könnt“ (1.Korinther 7:5). Körperliche Nähe wird nicht als störender Faktor geistlichen Lebens dargestellt, sondern als legitimer und geschützter Ausdruck der Ehe. Nur für begrenzte, gemeinsam verantwortete Zeiten kann es angemessen sein, sexuelle Enthaltsamkeit zu leben, um sich einem besonderen Gebetsanliegen ungeteilt zuzuwenden. Selbst dann bleibt der Blick realistisch: Ein überzogenes Ideal der Askese verschließt nicht Türen für Versuchung, sondern öffnet sie. Paulus will „nicht, um euch eine Schlinge überzuwerfen, sondern damit ihr ehrbar und beständig ohne Ablenkung beim Herrn bleibt“ (1.Korinther 7:35). So entsteht kein Gegensatz zwischen Ehe und Gebet, sondern ein Spannungsfeld, in dem Ehepartner gemeinsam lernen dürfen, einander Raum zu geben – für Nähe und für Stille vor Gott. Wenn beides in gegenseitigem Respekt seinen Platz findet, wird die Ehe nicht zum Hemmnis, sondern zur stillen Unterstützung eines Lebens, das Gott sucht.

Entzieht euch einander nicht, es sei denn nach Übereinkunft eine Zeitlang, damit ihr euch dem Gebet widmet und dann wieder zusammen seid, damit der Satan euch nicht versuche, weil ihr euch nicht enthalten könnt. (1.Kor 7:5)

Ich will aber, daß ihr ohne Sorge seid. Der Unverheiratete ist für die (Sache) des Herrn besorgt, wie er dem Herrn gefallen möge; der Verheiratete aber ist um die (Dinge) der Welt besorgt, wie er der Frau gefallen möge, (1.Kor 7:32-33)

Wer diese Spannung annimmt, statt sie zu leugnen oder einseitig zu lösen, findet in der Ehe einen Weg, auf dem Liebe, Realismus und geistliche Sehnsucht zusammenkommen: In der gegenseitigen Rücksichtnahme wächst eine Form von Frömmigkeit, die nicht vom Rückzug lebt, sondern von einer geerdeten Hingabe, in der Alltag und Gebet einander durchdringen.

Frieden und Heil in gemischten Ehen

Wo in einer Ehe nur einer an Christus glaubt, wird die Spannung oft im Verborgenen getragen. Paulus nimmt dieses Thema behutsam auf und sagt: „Und eine Frau, die einen ungläubigen Mann hat, und er willigt ein, bei ihr zu wohnen, entlasse den Mann nicht“ (1.Korinther 7:13). Die erste Bewegung ist nicht weg von der Ehe, sondern hin zu ihrem Erhalt. Der Glaube des einen hebt das Band der Ehe nicht auf, sondern verändert seine geistliche Qualität: „Denn der ungläubige Mann ist durch die Frau geheiligt und die ungläubige Frau ist durch den Bruder geheiligt; sonst wären ja eure Kinder unrein, nun aber sind sie heilig“ (1.Korinther 7:14). Dieses „geheiligt“ meint keine automatische Errettung, sondern eine Zugehörigkeit zur Sphäre Gottes. Wie der Tempel das Gold heiligt, das in ihm dargebracht wird – „Was ist denn größer, das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt?“ (Matthäus 23:17) – so rückt die Verbindung mit einem Gläubigen den anderen in die Nähe der heiligen Wirklichkeit Gottes.

In den Versen 13 und 14 sagt Paulus: „Und eine Frau, die einen ungläubigen Mann hat und er willigt ein, bei ihr zu wohnen, soll ihn nicht verlassen. Denn der ungläubige Mann ist geheiligt durch die Frau, und die ungläubige Frau ist geheiligt durch den Bruder; sonst wären ja eure Kinder unrein, nun aber sind sie heilig.“ In Vers 16 spricht Paulus von der Möglichkeit, dass eine Frau ihren Mann rettet oder ein Mann seine Frau rettet. Hier haben wir das Prinzip, in der Ehe zu bleiben, damit die ungläubige Partei gerettet werden kann. Das bedeutet, dass ein Gläubiger, der mit einem Ungläubigen verheiratet ist, nicht von sich aus die Initiative ergreifen sollte, diese Ehe aufzugeben. Statt zu versuchen, seinen Status zu ändern, sollte er im Eheleben bleiben, um die ungläubige Partei zu retten. (Witness Lee, Life-Study of 1 Corinthians, Botschaft einundvierzig, S. 376)

Gleichzeitig wahrt Paulus den Frieden der Seele. Wenn der ungläubige Teil die Verbindung nicht tragen will, soll der Gläubige nicht mit Gewalt festhalten: „Wenn aber der Ungläubige sich scheidet, so scheide er sich. Der Bruder oder die Schwester ist in solchen Fällen nicht geknechtet; zum Frieden hat uns Gott doch berufen“ (1.Korinther 7:15). Die Berufung zum Frieden bedeutet nicht Gleichgültigkeit, sondern befreit von einem missionarischen Druck, der die Ehe erdrücken würde. Paulus öffnet einen Raum des Vertrauens: „Denn was weißt du, Frau, ob du den Mann erretten wirst? Oder was weißt du, Mann, ob du die Frau erretten wirst?“ (1.Korinther 7:16). Hier wird der Blick weg von der eigenen Wirksamkeit hin zu Gottes Möglichkeiten gelenkt. Der gläubige Ehepartner darf seine Ehe als Ort stiller Fürbitte, geduldiger Liebe und unspektakulärer Treue verstehen, in der Gottes Wort und Gebet das gemeinsame Leben gleichsam „heiligen“ – so wie es heißt: „denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und durch Gebet“ (1.Timotheus 4:5). In dieser Sicht verliert selbst eine schmerzhaft unausgewogene Beziehung den Charakter eines Irrtums, der nur zu korrigieren wäre, und wird zu einem Feld, auf dem Gott Frieden bewahrt und Heil wirken kann, oft leise, oft langsam, aber getragen von seiner Treue.

Und eine Frau, die einen ungläubigen Mann hat, und er willigt ein, bei ihr zu wohnen, entlasse den Mann nicht. Denn der ungläubige Mann ist durch die Frau geheiligt und die ungläubige Frau ist durch den Bruder geheiligt; sonst wären ja eure Kinder unrein, nun aber sind sie heilig. Wenn aber der Ungläubige sich scheidet, so scheide er sich. Der Bruder oder die Schwester ist in solchen (Fällen) nicht geknechtet; zum Frieden hat uns Gott doch berufen. (1.Kor 7:13-15)

Denn was weißt du, Frau, ob du den Mann erretten wirst? Oder was weißt du, Mann, ob du die Frau erretten wirst? (1.Kor 7:16)

Wer in einer gemischten Ehe lebt, muss sein Leben nicht als dauerhaften Ausnahmezustand deuten; in Gottes Hand kann gerade dieser Weg zu einer besonderen Schule des Friedens werden, in der die eigene Hoffnung tiefer in Christus verankert und die Liebe geweitet wird – für den Partner, für die Kinder und für den Gott, der mitten in der Unvollkommenheit seine stille Gegenwart schenkt.


Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of 1 Corinthians, Chapter 41

Diesen Artikel teilen

Wenn er hilfreich war, kannst du ihn einfach weitergeben.

E-Mail WhatsApp