Das Wort des Lebens
lebensstudium

Teilhaben an Christus als unserem Anteil

12 Min. Lesezeit

Viele Christen kennen den Begriff, dass Christus ihr „Anteil“ ist – und doch fühlen sich Ehe, Familienalltag und Gemeindeleben oft mühsam, spannungsgeladen oder leer an. Zwischen der großen Wahrheit von Christus und unseren ganz praktischen Situationen scheint eine Kluft zu liegen. Die Botschaft des 1. Korintherbriefes verbindet genau diese beiden Welten: Der verherrlichte Christus, der durch Tod und Auferstehung gegangen ist, ist heute als lebendig machender Geist bei uns, um in uns genossen zu werden und unsere reale Lebensversorgung zu sein.

Christus – der allumfassende, lebendig machende Geist als unser Anteil

Wenn das Neue Testament Christus als unseren Anteil beschreibt, dann ist damit weit mehr gemeint als eine fromme Idee oder ein Ehrentitel. Der Sohn Gottes ist in die Geschichte eingetreten, hat als wahrer Mensch gelebt, den Tod erlitten und ist in der Auferstehung in einen neuen Zustand eingegangen: Er ist der lebendig machende Geist geworden. Als Jesus zu Marta sagte: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer in Mich hineinglaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“ (Johannes 11:25), redete Er nicht über eine unpersönliche Kraft, sondern über sich selbst als Person. Auferstehung ist nicht nur ein Ereignis am Ende der Zeiten, sondern die Gegenwart Christi in der Kraft des Geistes – gegenwärtig, zugänglich, wirksam. Der verarbeitete Dreieine Gott, der Vater, der Sohn und der Geist, kommt in diesem lebendig machenden Geist auf uns zu und teilt sich uns als unser Anteil mit, so konkret wie ein Stück Land, das einem zugelost wird. So kann Paulus sagen, dass Christus „derselbe Herr … sowohl ihr Herr als auch unser“ ist und dass Gott treu ist, „durch den ihr berufen worden seid hinein in die Gemeinschaft Seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn“ (1. Korinther 1:2.9).

Unser Christus ist der Allumfassende. Er ist der Dreieine Gott – der Vater, der Sohn und der Geist. Als der Mensch gewordene Gott lebte Er dreiunddreißig und ein halbes Jahr als Mensch auf der Erde. Durch Seinen Tod am Kreuz hat Er die alte Schöpfung gekreuzigt und sie so zu Gott zurückgebracht. Jetzt, da Christus uns am Kreuz beendet hat, ersetzt Er in der Auferstehung das, was Er beendet hat, durch Sich Selbst. In der Auferstehung wurde Christus ein lebengebender Geist. Tatsächlich ist der lebengebende Geist die Auferstehung. Daher ist die Auferstehung nicht nur eine Sache oder eine Angelegenheit – sie ist eine lebendige Person. (Witness Lee, Life-Study of 1 Corinthians, Botschaft zwölf, S. 107)

Damit wird deutlich, warum so viele Nöte in unserem Alltag, in Ehe und Gemeindeleben nicht zuerst Struktur- oder Charakterfragen sind, sondern Fragen der Quelle. Wer Christus nur als Lehre kennt, wer Ihn nur als vergangenen Jesus der Evangelien betrachtet, bleibt innerlich arm; über seinem Leben liegt eine Schwere, die man mit Willensanstrengung vielleicht zeitweise überspielen, aber nicht wirklich überwinden kann. Der lebendig machende Geist hingegen ist wie eine immer sprudelnde Quelle mitten in der Wüste der alten Schöpfung. Wo Schuld, Versagen und Verstrickung uns binden, hat Christus am Kreuz beendet, was uns gefangen hielt, um in der Auferstehung uns selbst mit sich zu ersetzen. Schritt für Schritt löst Er das Alte ab, nicht indem Er uns nur höhere Maßstäbe vorlegt, sondern indem Er seine eigene Auferstehungswirklichkeit in unser Inneres hineinlegt. Dann beginnt eine leise, aber reale Veränderung: Bitterkeit verliert ihre Gewalt, Niedergeschlagenheit wird durch einen fremden, dennoch vertrauten Trost durchzogen, und mitten in den Spannungen unseres Lebens blitzt eine andere Qualität von Leben auf. Diese Erfahrung bleibt zerbrechlich und zugleich kostbar, weil sie nicht aus unserer Anstrengung wächst, sondern aus der Treue dessen, der sich uns selbst als Anteil gegeben hat. Wer lernt, auf diesen Christus im Geist zu achten, entdeckt, dass der Himmel nicht weit weg ist, sondern als lebendig machender Geist inmitten der gewöhnlichsten Umstände seines Lebens gegenwärtig ist.

Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer in Mich hineinglaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; (Joh. 11:25)

Gott ist treu, durch den ihr berufen worden seid hinein in die Gemeinschaft Seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. (1.Kor 1:9)

Weil Christus als lebendig machender Geist unser zugeteilter Anteil ist, sind wir den Tiefen des Todes – in uns und um uns – nicht ausgeliefert. Auch wenn Gefühle und Umstände etwas anderes erzählen, bleibt wahr, was in Johannes 11:25 heißt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Diese Zusage ist kein fernes Versprechen, sondern die Beschreibung dessen, wer heute in dir lebt. So darfst du, mitten im Unfertigen, damit rechnen, dass Er in dir das Alte beendet und sich selbst an seine Stelle setzt. Es ist eine leise, oft unspektakuläre, aber nachhaltige Hoffnung: Du musst dich nicht selbst neu erfinden; du darfst entdecken, dass dir bereits ein unerschöpflicher Anteil geschenkt ist – der allumfassende Christus selbst.

Eins gemacht mit dem Herrn – in einem Geist leben

Dass Christus unser Anteil ist, bleibt abstrakt, solange es nicht mit unserem innersten Menschsein verbunden wird. Paulus fasst dieses Geheimnis in einen knappen, überraschenden Satz: „Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist“ (1. Korinther 6:17). Der Glaube an Christus bedeutet nicht nur, dass unsere Schuld vergeben ist; er schließt ein, dass Gott unseren menschlichen Geist neu gemacht und durch seinen Geist bewohnt hat. In dieser tiefsten Sphäre unseres Seins treffen sich der lebendig machende Geist und unser Geist, nicht äußerlich nebeneinander, sondern innerlich verbunden. Man könnte sagen: Gott hat in uns eine „Kontaktstelle“ geschaffen, an der Er selbst sich mit uns vereint. So wird Gemeinschaft nicht nur ein geistliches Schlagwort, sondern eine konkrete Wirklichkeit: In unserem Geist sind wir eins mit dem Herrn.

In diesem Vers sagt Paulus: „Wer dem Herrn anhängt, ist ein Geist.“ Die Gemeinschaft, zu der wir berufen worden sind, ist Christus als der lebengebende Geist. Um diese Gemeinschaft zu erfahren, müssen wir ein Geist mit Ihm sein. In unserem Geist sind wir eins mit dem lebengebenden Geist. (Witness Lee, Life-Study of 1 Corinthians, Botschaft zwölf, S. 111)

Gerade im Alltag, in der Ehe, in der Familie oder im Gemeindeleben zeigt sich, wie kostbar und zugleich wie umkämpft dieses Einssein ist. Spontan reagieren wir aus Verstand, Stimmung oder verletzter Ehre. Dann ziehen wir uns zurück, rechtfertigen uns oder greifen an. Der Weg des Geistes ist anders: Inmitten der Situation innerlich zum Herrn hin umschalten, Ihn im Herzen anrufen, innerlich auf Ihn achten. 1. Korinther 1:2. beschreibt die Heiligen als solche, „die den Namen unseres Herrn Jesus Christus an jedem Ort anrufen, ihres und unseres Herrn“. Wo sein Name aus einem geübten Geist heraus angerufen wird, beginnt etwas Zartes, aber Entscheidendes zu geschehen: Der Herr selbst wird in uns zur Geduld, wo wir keine mehr haben; Er wird zur Sanftmut inmitten gereizter Worte; Er wird zur Klarheit, wo unser Denken im Kreis läuft. So verschiebt sich der Schwerpunkt unseres Lebens: Nicht mehr wir versuchen, christliche Ideale zu erfüllen, sondern Christus lebt sein Leben in uns, und unser Anteil ist es, innerlich mit Ihm verbunden zu bleiben. Aus dieser stillen, verborgenen Wirklichkeit heraus erhalten selbst konflikthafte Beziehungen einen neuen Horizont – nicht weil alle Probleme sofort verschwinden, sondern weil ein anderer, sanfterer Geist inmitten derselben Menschen und Umstände zu spüren ist.

Wer beginnt, diese Wirklichkeit ernst zu nehmen, entdeckt eine neue Freiheit: Du bist den Launen deiner Seele und den Prägungen deiner Vergangenheit nicht ausgeliefert. Der lebendig machende Geist wohnt in deinem Geist; dort, in diesem unspektakulären Innersten, ist Christus dir näher als deine eigenen Gedanken. In Situationen, die dich überfordern, kannst du dich daran erinnern: Ich bin nicht allein in mir selbst eingeschlossen, ich bin ein Geist mit dem Herrn. Diese leise Erinnerung verändert nicht sofort alle Gefühle, aber sie setzt einen anderen Ton, einen anderen Anfang. Und Schritt für Schritt wächst Vertrauen: Dass Er, der sich so tief mit dir eins gemacht hat, dich auch durch das führt, was du dir selbst nie zugetraut hättest.

Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist. (1.Kor 6:17)

an die Gemeinde Gottes, die in Korinth ist, an die, die in Christus Jesus geheiligt worden sind, an die berufenen Heiligen, zusammen mit allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus an jedem Ort anrufen, ihres und unseres Herrn: (1.Kor 1:2)

Ein Geist mit dem Herrn zu sein heißt nicht, ständig „geistlich zu funktionieren“, sondern im Innersten nicht mehr von Ihm getrennt zu sein. Auch wenn deine Gedanken abschweifen und deine Gefühle schwanken, bleibt bestehen, was in 1. Korinther 6:17 heißt: „Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist.“ In dieser Verbundenheit liegt eine stille Ermutigung: Du darfst deine Schwachheit wahrnehmen, ohne dich von ihr bestimmen zu lassen, weil in deinem Geist einer wohnt, dessen Geduld, Liebe und Wahrheit größer sind als deine Begrenzung. Aus dieser Verborgenheit heraus gewinnt dein tägliches Leben – gerade in den kleinen, unscheinbaren Entscheidungen – eine neue Qualität.

Christus genießen – die praktische Gemeinschaft am Tisch des Herrn

Die Teilhabe an Christus gewinnt eine besondere Dichte, wenn das Neue Testament vom Tisch des Herrn spricht. Paulus nennt den Kelch „Kelch des Segens“ und sagt: „Der Kelch des Segens, den wir segnen, ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?“ (1. Korinther 10:16). Hier erscheint Christus als der Sohn Gottes, der Fleisch und Blut angenommen hat, der am Kreuz Blut und Leib voneinander getrennt hat und in der Auferstehung zum Brot des Lebens geworden ist. Wie ein sorgfältig zubereitetes Mahl ist Er durch Fleischwerdung, Tod und Auferstehung „verarbeitet“ worden, nicht um eine abstrakte Lehre zu illustrieren, sondern um sich selbst als Nahrung zu geben. Am Tisch des Herrn steht darum nicht zuerst unser Erinnern im Vordergrund, sondern sein Geben: Christus legt sich gleichsam selbst vor uns hin, als Brot, das gebrochen, und als Kelch, der gereicht wird, damit wir an Ihm teilhaben.

In 10:16 kommt Paulus zu einem weiteren wichtigen Punkt: „Der Kelch des Segens, den wir segnen, ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes des Christus? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes des Christus?“ 1. Korinther 1:9 spricht von der Gemeinschaft des Sohnes, aber 10:16 spricht von der Gemeinschaft des Leibes und des Blutes des Christus. Die Gemeinschaft in 10:16 ist praktischer als die in 1:9, denn in 10:16 ist das Blut Christi von Seinem Leib getrennt. Das zeigt, dass es für uns möglich ist, Ihn zu genießen. (Witness Lee, Life-Study of 1 Corinthians, Botschaft zwölf, S. 114)

Wo der Tisch des Herrn so verstanden und im Glauben empfangen wird, verliert er den Charakter eines bloßen Rituals und wird zu einem Ort stiller, aber tiefer Versorgung. 1. Korinther 10:17 führt weiter: „Da es ein Brot ist, sind wir, die Vielen, ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot.“ Wenn viele Hände nach demselben Brot greifen, wird sichtbar, was uns innerlich verbindet: nicht gleiche Meinungen, nicht gemeinsame Geschichte, sondern derselbe Christus als Lebensversorgung. Viele Spannungen im persönlichen und im gemeinschaftlichen Leben entstehen dort, wo dieser Genuss fehlt und andere „Speisen“ unser Inneres prägen – der Geschmack von Bitterkeit, von verletztem Stolz, von Vergleichen. Am Tisch des Herrn tritt ein anderer Geschmack in den Vordergrund: der Geschmack der Hingabe Christi, seines vergossenen Blutes, seines gebrochenen Leibes, seiner treuen Liebe. Wo dieser Geschmack im Glauben aufgenommen wird, verliert Anklage an Schärfe, Rechthaberei wird leiser, und Spaltungen werden relativiert, weil uns der eine Christus wichtiger wird als unsere Unterschiede. So wird der Tisch des Herrn zu einem wöchentlichen, ja lebenslangen Lernort: Wir lernen, dass unsere wahre Nahrung nicht in Erfolgen oder Anerkennung liegt, sondern darin, dass wir von Christus leben, der sich selbst zu unserem Brot und Kelch gemacht hat.

Aus dieser Sicht wird der Tisch des Herrn zu einer Quelle leiser Ermutigung. Vielleicht kommst du mit Müdigkeit, mit ungelösten Fragen oder mit dem Gefühl innerer Dürre. Das Brot und der Kelch ändern deine Umstände nicht sofort, aber sie richten deinen Blick neu aus: Deine tiefste Versorgung liegt nicht in dem, was du im Griff hast, sondern in dem, was Christus für dich vollbracht und dir zugedacht hat. In jeder Feier flüstert Er gleichsam zu dir: Ich selbst bin deine Speise, ich selbst bin dein Anteil, ich selbst trage dich und verbinde dich mit den anderen. In dieser nüchternen, zugleich tröstlichen Wirklichkeit darf dein Glaube ruhiger werden – genährt nicht von deiner Leistung, sondern von dem, der sich selbst dir darreicht.

Der Kelch des Segens, den wir segnen, ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? (1.Kor 10:16)

Da es ein Brot ist, sind wir, die Vielen, ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot. (1.Kor 10:17)

Den Tisch des Herrn als praktischen Ausdruck der Gemeinschaft mit Christus zu sehen, verändert den Blick auf Gemeinde und Alltag. Wenn du das Brot nimmst und den Kelch empfängst, wird dir neu vor Augen gestellt, dass dein Leben von etwas lebt, das du dir nicht selbst bereiten kannst. Was in 1. Korinther 10:16–17 gesagt ist, bleibt auch nach der Zusammenkunft wahr: „Der Kelch des Segens … ist … die Gemeinschaft des Blutes Christi … Das Brot … ist … die Gemeinschaft des Leibes Christi … denn wir alle haben teil an dem einen Brot.“ Diese Erinnerung begleitet dich in die Woche hinein und lässt dich ahnen, dass inmitten aller Aufgaben eine unsichtbare, aber reale Lebensversorgung fließt – Christus selbst als dein tägliches Brot.


Herr Jesus Christus, Du allumfassender, lebendig machender Geist, danke, dass Du durch Deinen Tod und Deine Auferstehung zu unserem zugeteilten Anteil geworden bist. Du kennst die verborgenen Spannungen, Müdigkeiten und Fragen in unseren Herzen und Familien, und doch rufst Du uns in die Gemeinschaft mit Dir hinein, damit Dein Leben in uns fließt. Vergib uns, wo wir uns mit Ersatzbefriedigungen zufriedengegeben und Dich nur als Lehre, nicht aber als lebendige Person gesucht haben. Berühre unseren Geist neu, lehre uns, Deinen Namen anzurufen und uns in allem auf Deine innere Versorgung zu stützen, damit Dein Friede unsere Häuser erfüllt und Deine Liebe unsere Beziehungen prägt. Lass uns am Tisch des Herrn immer wieder neu staunen über Deine Inkarnation, Deinen Kreuzestod und Deine Auferstehung und dort wirkliche Nahrung, Trost und Freude in Dir finden. Stärke alle, die schwach sind, richte die auf, die unter Lasten seufzen, und erfülle Deine Gemeinde mit dem Genuss Deiner Fülle, damit wir Dich widerspiegeln und Deine Herrlichkeit sichtbar wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of 1 Corinthians, Chapter 12

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