Das Leben des Dreieinen Gottes, in den dreiteiligen Menschen ausgeteilt
Viele Christen wissen, dass Gott ihnen ihre Sünden vergeben hat, aber nur wenige sehen, dass Gott noch viel weiter gehen möchte: Er will sich selbst als Leben in unser ganzes Wesen hinein austeilen. Zwischen ethischer Anstrengung auf der einen Seite und dem lebendigen Wirken des Dreieinen Gottes auf der anderen liegt ein gewaltiger Unterschied. Wer entdeckt, dass er als dreiteiliger Mensch geschaffen wurde, damit der Dreieine Gott ihn ganz durchdringen kann, bekommt eine neue Sicht auf das christliche Leben und auf die Gemeinde.
Gottes Austeilung: von der Gerechtigkeit zur Herrlichkeit
Gottes Weg mit dem Menschen hat einen inneren Verlauf: Er beginnt auf dem festen Boden seiner Gerechtigkeit, führt durch die wirksame Kraft seiner Heiligkeit und mündet in die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit. Am Kreuz hat Gott seine Gerechtigkeit in einer Tiefe verwirklicht, die alles menschliche Recht übersteigt. Dort wurde der ganze Fall Adams, die aufgestaute Ungerechtigkeit der Schöpfung und unsere persönliche Schuld in Christus zusammengefasst und gerichtet. Paulus spricht davon, dass wir „unentgeltlich gerechtfertigt werden durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist“, und fährt fort: Gott tat dies, „damit er selbst gerecht sei und den rechtfertige, der des Glaubens an Jesus ist“ (Römer 3:24–26). Die Gerechtigkeit Gottes ist also kein abstraktes Prinzip, sondern der durch Leiden hindurchgegangene Christus selbst, der das ganze negative Erbe unserer Geschichte getragen und beendet hat. Auf diesem unerschütterlichen Boden kann Gott mit uns umgehen, ohne seine eigene Heiligkeit zu kompromittieren – und genau deshalb kann er uns sein Leben austeilen.
649 Gott ist mitgemeint. Der Geist und Christus, der Sohn, werden ausdrücklich erwähnt, während Gott, der Vater, dadurch mitgemeint ist, dass der Geist der Geist Gottes ist. So haben wir hier Gott, Christus und den Geist. (Witness Lee, Life-Study of Romans, Botschaft zweiundsechzig, S. 649)
Aus dieser erfüllten Gerechtigkeit heraus entfaltet sich Gottes Heiligung. Die Auferstehung Christi ist nicht nur ein historisches Ereignis, sondern eine gegenwärtige Wirklichkeit: Der auferstandene Christus selbst ist als Geist in uns tätig, um uns zu heiligen, zu verwandeln und „dem Bild seines Sohnes gleichgestaltet“ zu machen (Römer 8:29). Heiligung bedeutet daher nicht zuerst moralische Verfeinerung, sondern dass die heilige Natur Gottes unser Inneres durchdringt. Man könnte sagen: Heiligkeit ist Gottes Wesen in Bewegung, „Heiligkeit in Aktion“, die unser Denken, unsere Motive und Sehnsüchte durchsäuert. Wo diese heilige Durchdringung stärker wird, bleibt sie nicht verborgen. Sie tritt hervor als Herrlichkeit – als sichtbare Offenbarung dessen, wer Gott ist. Die Schrift verbindet diese Herrlichkeit eng mit dem Leben der Gemeinde. Petrus preist Gott, „der uns … wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten“ (1. Petrus 1:3). In der Apostelgeschichte sehen wir daraufhin, wie an Pfingsten dieselbe Auferstehungskraft auf die Gemeinde herabkommt, und im gemeinsamen Zeugnis, in der Einheit und in der Kühnheit des Glaubens wird die Herrlichkeit Gottes tastbar.
Wenn Jesus in seinem Gebet spricht: „Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche“ und diese Herrlichkeit mit der Einheit der Glaubenden verbindet (Johannes 17:1, 21–23), öffnet er uns einen Blick in das Ziel von Gottes Austeilung. Gerechtigkeit ist der tragende Grund, auf dem wir unverrückbar stehen dürfen; Heiligung ist der liebevolle, manchmal auch schmerzhafte Prozess, in dem Gottes eigenes Wesen unsere inneren Strukturen umformt; Herrlichkeit ist die Frucht, wenn Gottes Wesen nach außen leuchtet – besonders im wirklichen Gemeindeleben. Je mehr einzelne Gläubige sich dem heiligenden Wirken Christi öffnen, desto klarer wird die Gemeinde zu einem Ort, an dem nicht menschliche Leistung, sondern der Ausdruck des Vaters sichtbar wird. Das macht Mut: Unser Weg mit Gott ist nicht ein Kreis aus Versagen und Neubeginn, sondern eine Bewegung von der gerechtfertigten Grundlage hin zu einer immer reicheren Teilhabe an seiner Herrlichkeit. Inmitten von Schwachheit und Unvollkommenheit dürfen wir damit rechnen, dass der Dreieine Gott selbst daran arbeitet, sich in seinem Volk zu zeigen – leise, beharrlich und mit dem Ziel, dass seine Herrlichkeit im Alltag der Gemeinde aufscheint.
und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. Ihn hat Gott dargestellt als ein Sühnmittel durch den Glauben an sein Blut, zum Erweis seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der zuvor geschehenen Sünden unter der Nachsicht Gottes, zum Erweis seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit, dass er selbst gerecht sei und den rechtfertige, der des Glaubens an Jesus ist. (Röm. 3:24–26)
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten. (1.Pet. 1:3)
Wer diese Linie erkennt – von der erfüllten Gerechtigkeit über die wirksame Heiligung zur offenbar werdenden Herrlichkeit – sieht das eigene Glaubensleben in einem neuen Licht. Rückschläge und innere Kämpfe verlieren etwas von ihrer bedrückenden Endgültigkeit, weil sie eingebettet sind in Gottes größeren Prozess, uns als Gefäße seiner Heiligkeit zu gewinnen. Der Blick löst sich von der Frage, ob wir genügen, und richtet sich mehr auf den, der in seiner Gerechtigkeit alles erfüllt hat und nun beständig daran ist, sein heiliges Leben in uns zu wirken. So wächst stille Zuversicht: Jeder kleine Schritt im inneren Gehorsam, jede verborgene Reinigung des Herzens trägt dazu bei, dass Gottes Herrlichkeit im Miteinander der Glaubenden deutlicher sichtbar wird. Die Gemeinde wird dann weniger Projekt und mehr Geheimnis – der Ort, an dem die Geschichte von Gottes Gerechtigkeit, Heiligkeit und Herrlichkeit weitergeschrieben wird.
Der Dreieine Gott und der dreiteilige Mensch
Dass Gott dreieinig und der Mensch dreiteilig ist, ist keine abstrakte Lehre, sondern die Grundlage dafür, dass Gottes eigenes Leben in unser Wesen hineinpasst. Der Dreieine Gott – Vater, Sohn und Geist – bleibt in seinem Gottsein unveränderlich, und doch ist er in Christus durch eine Folge von Stufen gegangen: Er wurde Mensch, lebte ein verborgenes menschliches Leben, ging ans Kreuz, wurde begraben, auferstand, fuhr auf in die Himmel und kam als allumfassender Geist zurück. Ein Leben, das vorher für den Menschen unerreichbar war, ist damit auf eine Weise „verarbeitet“ worden, dass es teilbar und mitteilbar wurde. Jetzt kann dasselbe göttliche Leben, das in der Ewigkeit beim Vater war, in Herzen wohnen, die aus Staub gemacht sind. Johannes fasst es schlicht zusammen: „Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben“ (Johannes 3:36). Dieses ewige Leben ist nicht bloß Verlängerung unseres Daseins, es ist Gottes unerschaffenes Leben selbst.
650 war noch nicht durch die notwendigen Stufen hindurchgegangen. Jetzt aber ist es völlig möglich, dass ein solch wunderbares Leben in uns ausgeteilt wird. Dieses Leben ist gegenwärtig und verfügbar, und wir können es ganz einfach empfangen, indem wir den Namen des Herrn Jesus anrufen. (Witness Lee, Life-Study of Romans, Botschaft zweiundsechzig, S. 650)
Dazu passt, wie Gott den Menschen angelegt hat. Paulus erinnert die Thessalonicher daran, dass der ganze Mensch aus Geist, Seele und Leib besteht und spricht die Bitte aus: „Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig, und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus“ (1. Thessalonicher 5:23). Im Zentrum unseres Wesens steht der menschliche Geist – der Ort, an dem wir Gott begegnen und in den der Geist Gottes einziehen will. In Römer 8 beschreibt Paulus, wie der „Geist des Lebens in Christus Jesus“ (Römer 8:2) in diesen Geist eintritt, sodass unser innerstes Organ nicht nur belebt, sondern vom Wesen her von Gottes „zoe“ erfüllt wird. Von dort aus will Gott nicht stehen bleiben: Unser Denken, Fühlen und Wollen, also unsere Seele, soll durchdrungen werden, wenn unser Sinn auf den Geist ausgerichtet ist; unser Leib, so vergänglich er ist, wird als Tempel des Geistes zur Bühne, auf der Gottes Leben sich ausdrückt. Die Dreieinigkeit Gottes findet so ihr Gegenstück in der Dreiteiligkeit des Menschen: Der Vater plant, der Sohn vollbringt, der Geist teilt aus – und Geist, Seele und Leib werden Schritt für Schritt in diese Bewegung hineingenommen.
Entscheidend ist dabei, dass es nicht um die Veredelung einer ohnehin vorhandenen Lebensqualität geht, sondern um den Einzug eines anderen Lebens. Zwischen unserem natürlichen Leben – ob biologisch (bios) oder seelisch (psuche) – und dem ewigen Leben Gottes (zoe) liegt ein qualitativer Unterschied. Dieses göttliche Leben macht uns nicht zu „besseren Versionen“ unseres alten Selbst, sondern beginnt einen inneren Umbau, in dem Christus selbst Gestalt gewinnt. Wenn unser Geist durch die Gegenwart Christi Leben geworden ist (Römer 8:10), beginnt sich das in unserer Seele zu spiegeln: in anderen Wertungen, in einem sensibleren Gewissen, in einer tieferen Freude an Gottes Willen. Und selbst unser Leib, der der Schwachheit und Vergänglichkeit unterliegt, wird von Hoffnung umspannt, weil „der, der Christus Jesus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wird durch seinen in euch wohnenden Geist“ (Römer 8:11). So wird verständlich, warum die Schrift den dreiteiligen Menschen so deutlich hervorhebt: Er ist das Gefäß, das in allen Schichten von der Fülle des Dreieinen Gottes berührt, durchzogen und schließlich erfüllt werden soll. Darin liegt eine stille Würde: Unser oft als brüchig empfundenes Menschsein ist genau der Raum, den Gott sich erwählt hat, um sein eigenes Leben zu offenbaren.
Wer anfängt, sich selbst so zu sehen – als dreiteiliges Wesen, das vom Dreieinen Gott her gedacht ist –, muss nicht länger zwischen „geistlich“ und „menschlich“ einen unüberbrückbaren Gegensatz empfinden. Geist, Seele und Leib werden nicht gegeneinander ausgespielt, sondern in eine Ordnung gebracht, in der Gottes Leben vom Zentrum her alles umfasst. Das nimmt dem Glaubensleben den moralischen Druck, ständig aus eigener Kraft höher steigen zu müssen, und schenkt eine tiefere Ruhe: Gott selbst hat sich in Christus auf uns zubewegt, und der in Auferstehung verarbeitete Christus als Geist ist nahe genug, um in unserem innersten Geist zu wohnen. Von dort will er behutsam in unsere Gedanken, Gefühle und Entscheidungen hineinwirken, bis hinein in die alltägliche Gebrechlichkeit unseres Leibes. So wird das Bewusstsein wach, dass unser ganzes Menschsein – mit seinen Grenzen, seiner Geschichte und seinen Möglichkeiten – ein Ort ist, an dem der Dreieine Gott sein Leben austeilt und seinen Reichtum sichtbar machen möchte.
Relevante Schriftstellen: 1.Thess. 5:23, Röm. 8:2, Röm. 8:6, Röm. 8:10-11, Joh. 3:36, Joh. 10:10.
Diese Wahrheit ermutigt dazu, vor dem Herrn still zu werden und neu zu sehen, wie Sein Leben Denken, Fühlen und Handeln von innen her prägt.
Ausgeteiltes Leben im Alltag und in der Gemeinde
Wo das göttliche Leben in unseren Geist ausgeteilt ist, bleibt es nicht eine stille Reserve, die nur in außergewöhnlichen Momenten zum Tragen kommt. Es meldet sich mitten im gewöhnlichen Alltag, in Reaktionen, Stimmungen und Entscheidungen. Wenn Ärger aufsteigt, wenn Entmutigung uns zu lähmen droht oder Versuchungen laut werden, entscheidet sich viel daran, welches Leben in uns das Sagen hat. Die Schrift spricht schlicht davon, dass Christus in uns lebt: „Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir“ (Galater 2:20). Wer in solchen Situationen innerlich mit dem rechnet, der in seinem Geist wohnt, erfährt, dass Gottes Leben tragfähiger ist als die spontanen Regungen der alten Natur. Es geht nicht zuerst um gesteigerte Selbstdisziplin, sondern darum, dass unser Geist – erfüllt von „zoe“ – nicht übergangen, sondern beachtet wird. In Römer 8 heißt es: „Denn das Sinnen des Fleisches ist Tod, das Sinnen des Geistes aber Leben und Frieden“ (Römer 8:6). Wenn unser Sinn auf den Geist ausgerichtet ist, beginnt unser Denken, Fühlen und Wollen von einer anderen Atmosphäre geprägt zu werden: weniger von innerem Druck, mehr von einem tiefen Frieden, der nicht an die Umstände gebunden ist.
652 auf das Fleisch gerichtet ist, ist Tod, aber der Sinn, der auf den Geist gerichtet ist, ist Leben und Frieden.“ Hier sehen wir, dass auch unser Sinn zoe sein kann. Wenn wir unseren Sinn auf den Geist richten, wird unser Sinn, der unsere Seele repräsentiert, zu zoe. Wir brauchen nicht dem Weg des Konfuzius zu folgen, um die helle Tugend zu kultivieren. (Witness Lee, Life-Study of Romans, Botschaft zweiundsechzig, S. 652)
Diese innere Durchdringung bleibt nicht eine private Erfahrung, sondern zeigt sich besonders dort, wo Gläubige zusammenkommen. In einer Umgebung, in der viele Einzelne im Verborgenen lernen, auf den Geist zu achten, gewinnt das Gemeindeleben eine Qualität, die sich schwer in Kategorien von Organisation oder Programm fassen lässt. Die Atmosphäre verändert sich: Worte tragen Gewicht, nicht weil sie brillant formuliert sind, sondern weil sie aus einem Leben kommen, das von Christus berührt ist; Gebet wird weniger Pflichterfüllung, mehr teilnehmendes Atmen mit dem Herzen Gottes; gegenseitige Korrektur verliert ihren scharfen Rand, weil sie aus einem Bewusstsein der eigenen Bedürftigkeit geschieht. Jesus hat seine Jünger daran erinnert, dass die Welt ihn an der gelebten Liebe erkennen wird: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt; wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid“ (Johannes 13:34–35). Wo das ausgeteilte Leben Christi wirklich den Ton angibt, wird die Gemeinde weniger als moralische Instanz wahrgenommen, sondern als Ort, an dem Gottes Liebe, Geduld und Treue Gestalt gewonnen haben.
Gott verfolgt mit dieser alltäglichen Austeilung seines Lebens ein weitreichendes Ziel. Er will Söhne hervorbringen, die dem Bild seines Erstgeborenen ähnlich sind, und eine Gemeinde, in der Christus nicht nur verkündigt, sondern tatsächlich sichtbar wird. In inneren Spannungen, in misslungenen Versuchen und in mühsamen Neuanfängen arbeitet Gott daran, dass wir weniger aus der Logik der Selbstbehauptung, sondern mehr aus der Logik seines Lebens handeln. So entsteht Schritt für Schritt eine andere Art von Menschen: keine makellosen Helden, sondern „Menschen des Lebens“, deren Kraftquelle nicht in ihrer Stabilität, sondern in der Treue des in ihnen wohnenden Christus liegt. Wenn eine solche Qualität von Leben in vielen Gliedern vorhanden ist, wird die Gemeinde zu einem Ort, an dem Gottes Gegenwart nicht nur geglaubt, sondern geschmeckt werden kann – in echter Einheit, in einem weiten Herzen und in einer Hoffnung, die auch durch Leiden hindurchträgt.
In dieser Perspektive bekommt das unscheinbare Geflecht aus Alltag, Beziehungen und Gemeindesituationen ein neues Gewicht. Was oft klein und wenig geistlich erscheint – ein bewusst gedämpftes hartes Wort, ein Schritt auf den anderen zu, ein stilles Gebet mitten im Gedränge –, wird Teil der großen Bewegung, mit der der Dreieine Gott sein Leben in seinem Volk ausbreitet. Das kann entlasten: Es geht nicht darum, außergewöhnliche Taten zu vollbringen, sondern im Gewöhnlichen dem Raum zu geben, der in uns lebt. So wächst ein stiller Mut, die eigene Geschichte mit ihren Brüchen nicht zu verstecken, sondern sie offen vor den zu halten, der beschlossen hat, sich gerade in brüchigen Gefäßen zu verherrlichen. In dieser Haltung kann die Gemeinde mehr und mehr zu dem werden, wozu sie bestimmt ist: zum sichtbaren Ausdruck des Dreieinen Gottes in einer dreiteiligen Menschheit, die von seinem Leben berührt, durchdrungen und letztlich verherrlicht wird.
Denn das Sinnen des Fleisches ist Tod, das Sinnen des Geistes aber Leben und Frieden. (Röm. 8:6)
Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben, nämlich in dem des Sohnes Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat. (Gal. 2:20)
Wenn das ausgeteilte göttliche Leben nicht nur als Lehre, sondern als stille Realität im Hintergrund des eigenen Alltags wahrgenommen wird, verliert das Glaubensleben etwas von seiner Schwere. Situationen, die früher ausschließlich als Belastung erschienen, werden zu Gelegenheiten, in denen sich zeigt, welches Leben in uns zum Zug kommt. Die Gemeinde erscheint dann nicht mehr primär als Ort von Erwartungen, sondern als Raum, in dem viele Lernende gemeinsam unter der gleichen Lebensquelle stehen. Daraus kann eine tiefe Ermutigung erwachsen: Unsere Grenzen schließen Gott nicht aus, sondern sind gerade die Stellen, an denen seine Kraft sichtbar werden will. Schritt um Schritt lernt man, auf das innere Zeugnis des Geistes zu achten, und entdeckt: Der Dreieine Gott ist dem dreiteiligen Menschen näher, als wir vermuten – mitten in all dem, was uns gewöhnlich und unscheinbar vorkommt.
Herr Jesus Christus, danke, dass du als der Dreieine Gott durch deinen Tod und deine Auferstehung den Weg bereitet hast, dein eigenes Leben in unser ganzes Wesen hineinzuteilen. Vater, du siehst unseren Alltag mit seinen Spannungen, Versuchungen und Begrenzungen, und doch hast du beschlossen, dass dein Leben in unserem Geist, in unserer Seele und sogar in unserem Leib wirksam sein soll. Heiliger Geist, erfülle uns neu mit der klaren Sicht, dass unser Geist Leben ist, und durchdringe unser Denken, Fühlen und Entscheiden mit deiner heiligen, friedvollen Gegenwart. Lass in unserer Mitte eine Gemeinde heranwachsen, in der deine Herrlichkeit sichtbar wird und Menschen deine Liebe und Kraft erfahren. Stärke alle, die müde geworden sind, und lass sie in der Gewissheit ruhen, dass dein Leben stärker ist als jede Schwachheit und jede Dunkelheit. So vertrauen wir uns dir an und preisen dich, dass du dein Werk in uns vollenden wirst. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Romans, Chapter 62