Das Wort des Lebens
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Die Verwaltung des Dreieinen Gottes zur Erfüllung Seines Vorsatzes

15 Min. Lesezeit

Viele Christinnen und Christen erleben ihren Glauben vor allem als eine Abfolge von Lehren, Geboten und Gemeindeaktivitäten – und spüren zugleich, dass Gott doch mehr vorhat, als dass wir nur informiert oder organisiert sind. Hinter der sichtbaren Geschichte von Kreuz und Auferstehung steht eine unsichtbare, aber sehr konkrete Wirklichkeit: Der lebendige Gott hat einen ewigen Vorsatz, und Er handelt als der Dreieine – Vater, Sohn und Geist –, um sich selbst in Menschen hineinzuteilen. Wer diese Linie im Römerbrief erkennt, beginnt das eigene Leben, das Wirken des Geistes und die Bedeutung der Gemeinde mit neuen Augen zu sehen.

Gottes ewiger Vorsatz: Ein Leib für Christus

Wenn der Römerbrief von Gottes Vorsatz spricht, öffnet sich der Blick weit über individuelle Frömmigkeit hinaus. Gott sucht nicht zuerst fromme Einzelleistungen, sondern einen Leib für Christus. Paulus schreibt: „Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir viele ein Leib in Christus, einzeln aber Glieder voneinander“ (Römer 12:4–5). Der ewige Vorsatz Gottes ist, dass Christus als Haupt einen lebendigen, vielgliedrigen Leib hat, durch den Er auf der Erde sichtbar wird. Alles, was Gott in der Heilsgeschichte tut – Erwählung, Berufung, Errettung, Zurechtbringung, Heiligung –, ist auf dieses eine Ziel hin geordnet: Christus soll einen Leib haben, die universale Gemeinde, die sich konkret in örtlichen Gemeinden ausdrückt.

Gottes ewiger Vorsatz ist es, einen Leib für Christus zu haben. Dieser Leib ist die universale Gemeinde. Die universale Gemeinde muss an verschiedenen Orten in örtlichen Gemeinden zum Ausdruck kommen. Die Ökonomie des Dreieinen Gottes zur Erfüllung Seines ewigen Vorsatzes hat sehr viel mit den örtlichen Gemeinden zu tun. Um Seinen Vorsatz zu erfüllen, ist es notwendig, dass Gott Sich Selbst in Sein auserwähltes Volk austeilt. (Witness Lee, Life-Study of Romans, Botschaft sechzig, S. 625)

Diese Linie lässt sich von Anfang an verfolgen. In 1. Mose ruft Gott Abraham aus den Völkern, um sich ein auserwähltes Volk zu sammeln: „Und ich will dich zu einem großen Volk machen … und du sollst ein Segen sein … und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf der Erde“ (1. Mose 12:2–3). Später sagt Er zu Israel: „Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, dass ich in ihrer Mitte wohne“ (2. Mose 25:8). Gott will nicht fern und abstrakt bleiben, sondern mitten unter einem Volk wohnen, das Ihn trägt und ausdrückt. Im Neuen Bund geht Er noch tiefer: Er ist nicht mehr nur äußerlich bei Seinem Volk, sondern teilt sich selbst in Christus durch den Geist den Glaubenden mit, sodass Er in ihnen wohnt und durch sie lebt (Römer 8:9–11). Sünde, Rechtfertigung, Heiligung und Verherrlichung stehen deshalb nicht nebeneinander wie einzelne Themenblöcke; sie sind Schritte in einem großen Bauplan, durch den Gott viele ehemals feindliche Sünder zu Söhnen macht, die gemeinsam den Leib Christi bilden. In diesem Licht gewinnt auch das unscheinbare Leben der örtlichen Gemeinde Gewicht: Hier beginnt der Leib Christi konkret sichtbar zu werden, hier bekommt Gottes ewiger Vorsatz Gestalt im Alltag. Es ist eine stille, aber tief tröstliche Perspektive, dass unser begrenztes Glaubensleben damit verwoben ist, dass Gott Seinen Sohn durch einen Leib auf Erden verherrlicht.

Dieser Vorsatz Gottes nimmt uns hinein in ein größeres Drama, als wir oft sehen. Wer an Christus glaubt, ist nicht nur individuell gerettet, sondern in eine Geschichte hineingestellt, die vor Grundlegung der Welt beschlossen wurde. Paulus fasst es so: „Denn die er zuvor erkannt hat, die hat er auch zuvorbestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern“ (Römer 8:29). Gott will viele Söhne, die dem Sohn gleichförmig sind; diese vielen Söhne aber stehen nicht vereinzelt nebeneinander, sondern sind als Glieder eines Leibes miteinander verflochten. Gerade in der Spannung zwischen unserer Schwachheit und dieser hohen Berufung entsteht ein Raum des Vertrauens: Gott trägt die Verantwortung, Seinen Vorsatz zu erfüllen. Er hat ihn gefasst, Er hat ihn in Christus begonnen, und Er bringt ihn durch Seinen Geist zur Vollendung. Wer das im Herzen bewegt, sieht die eigene Geschichte in einem anderen Licht: selbst unscheinbare Schritte des Glaubens sind Teil einer göttlichen Bewegung hin zu einem Leib, in dem Christus alles in allen ist.

Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir viele ein Leib in Christus, einzeln aber Glieder voneinander. (Römer 12:4–5)

Und ich will dich zu einem großen Volk machen und dich segnen und deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein. Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den will ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf der Erde. (1. Mose 12:2–3)

Im Bewusstsein von Gottes ewigem Vorsatz bekommt der Alltag der Glaubenden eine stille Würde. Die eigene Geschichte ist dann nicht mehr ein loses Nebeneinander von Erfolgen und Versagen, sondern eingebettet in das große Ziel, dass Christus einen Leib hat, durch den Er sich ausdrückt. Diese Sicht schützt sowohl vor Überheblichkeit als auch vor Mutlosigkeit: Überheblichkeit verliert ihren Boden, weil alles auf Gottes Plan und Sein Wirken hin geordnet ist; Mutlosigkeit verliert ihre Endgültigkeit, weil selbst brüchige Erfahrungen in einen viel größeren Bau eingefügt werden. Wer vor Gott damit rechnet, dass Er auf den Leib Christi hin arbeitet, entdeckt im unscheinbaren Miteinander der Gläubigen die Spuren einer verborgenen Herrlichkeit und kann mit neuer innerer Ruhe auf Gottes Handeln warten.

Der Dreieine Gott in Seinem Prozess: Vom Kreuz in unser Inneres

Dass der heilige, unendliche Gott in Menschen wohnen will, steht im Zentrum des Evangeliums und zugleich vor einem scheinbaren Widerspruch: Wie kann der Gott der Herrlichkeit in unser vom Tod gekennzeichnetes Menschsein eintreten, ohne Seine Heiligkeit aufzugeben? Die Schrift zeichnet darauf eine Antwort, die keine technische Erklärung ist, sondern eine Geschichte: der Weg des Dreieinen Gottes durch Menschwerdung, Kreuz und Auferstehung. Paulus fasst den Anfang dieses Weges so: „… über seinen Sohn, der geworden ist aus dem Samen Davids nach dem Fleisch“ (Römer 1:3). Der Sohn, der von Ewigkeit her bei dem Vater ist, tritt in unsere Geschichte ein, legt unsere Natur an und wird ein wirklicher Mensch namens Jesus. Nur so konnte es Wahrheit werden, dass Er „für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften“ (1. Korinther 15:3) und dass Gott „seinen eigenen Sohn gesandt und ihn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde“ verurteilt hat (Römer 8:3). Am Kreuz geht Er an den äußersten Rand der Gottesferne, „schmeckt den Tod für alle“ (Hebräer 2:9) und trägt die Last unserer Schuld.

In diesem Vers werden drei entscheidende Dinge behandelt: der Dreieine Gott, der Prozess und die Austeilung. Damit Gott in uns wohnen kann, muss Er der Dreieine Gott sein, der einen vollständigen Prozess durchlaufen hat. Dieser Prozess umfasst Menschwerdung, Kreuzigung und Auferstehung. Bevor der Sohn Gottes für uns am Kreuz sterben konnte, musste Er als Mensch geboren werden. Durch die Menschwerdung legte Er die Menschheit mit Fleisch und Blut an und wurde ein Mensch namens Jesus. Nur auf diese Weise war Er imstande, Sein Blut am Kreuz für unsere Sünden zu vergießen. (Witness Lee, Life-Study of Romans, Botschaft sechzig, S. 631)

Doch dieser Weg bleibt nicht im Tod stehen. Paulus bekennt: Christus ist derjenige, „der eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft nach dem Geist der Heiligkeit durch Totenauferstehung, Jesus Christus, unseren Herrn“ (Römer 1:4). In der Auferstehung erscheint derselbe Jesus, der in Niedrigkeit lebte und starb, in neuer Qualität: Er ist derselbe Sohn, aber nun als der in Kraft bezeichnete Sohn Gottes, der den Tod überwunden hat. Der Dreieine Gott hat diesen ganzen Prozess durchlaufen, um sich uns als der Geist mitzuteilen. Paulus spricht vom „Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat“ (Römer 8:11) und nennt denselben Geist einmal „Geist Gottes“, dann „Geist Christi“; wenig später sagt er: „Wenn aber Christus in euch ist…“ (Römer 8:9–10). Die wechselnden Bezeichnungen zeigen, dass hier kein austauschbares religiöses Gefühl gemeint ist, sondern der Dreieine Gott selbst, der als Geist in uns Wohnung macht, nachdem Er diesen Weg durch Menschwerdung, Kreuzigung und Auferstehung gegangen ist.

Ein einfaches Bild kann dies erhellend spiegeln: Nahrung muss verarbeitet werden, damit sie für den Organismus verfügbar wird. Erst wenn das Brot gebrochen, zubereitet und im Menschen aufgenommen ist, kann es den Leib nähren, durchdringen und beleben. In einer unendlich höheren Weise hat der Dreieine Gott sich „verarbeiten“ lassen, damit Er sich uns als Leben mitteilen kann. Was am Kreuz geschah, war nicht nur ein moralisches Vorbild oder ein juristischer Akt, sondern die Öffnung eines Weges, auf dem Gott selbst mit uns verbunden und in uns wirksam wird. Daher schreibt Paulus: „Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen“ (Römer 8:10), und wenige Verse später: „Wenn der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird derselbe, der Christus Jesus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen in euch wohnenden Geist“ (Römer 8:11). Die Austeilung Gottes bleibt nicht an der Oberfläche unseres Denkens stehen, sie dringt bis in die Tiefen unseres Geistes und reicht schließlich bis an den Rand unseres sterblichen Leibes.

Die Gemeinschaft mit diesem verarbeiteten, innewohnenden Gott hat etwas leise Befreiendes. Der Glaube ist damit nicht mehr in erster Linie eine Frage der eigenen religiösen Leistungsfähigkeit, sondern eine Antwort auf einen Gott, der bereits den ganzen Weg zu uns gegangen ist und nun im Verborgenen wirkt. Wer auf den Geist dessen achtet, der Jesus von den Toten auferweckt hat, entdeckt inmitten von Schwachheit eine Quelle, die nicht aus der eigenen Kraft stammt. Es wird möglich, die Realität zu ahnen, von der Paulus spricht, wenn er sagt, dass wir „im neuen Wesen des Geistes“ (Römer 7:6) dienen: getragen von einem Leben, das den Tod schon hinter sich hat. In dieser Perspektive verliert selbst die Endlichkeit unseres Leibes ihren letzten Schrecken, weil sie von der Zusage umfangen ist, dass derselbe Geist, der Christus aus dem Grab herausgeführt hat, auch unseren sterblichen Leib einmal vollständig vom Leben durchdringen wird.

… über seinen Sohn, der geworden ist aus dem Samen Davids nach dem Fleisch, der eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft nach dem Geist der Heiligkeit durch Totenauferstehung, Jesus Christus, unseren Herrn. (Römer 1:3–4)

Wir sehen aber Jesus, der ein wenig unter die Engel erniedrigt war wegen des Todesleidens, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt; denn durch Gottes Gnade sollte er für alle den Tod schmecken. (Hebräer 2:9)

Die Betrachtung des Weges des Dreieinen Gottes von der Herrlichkeit des Himmels bis in unser Inneres löst den Druck, sich selbst zum geistlichen Maßstab machen zu müssen. Die Kraft des Glaubens liegt nicht in der Intensität unserer Gefühle, sondern in der Treue dessen, der Mensch geworden, gekreuzigt und auferstanden ist und sich nun als Geist mitteilt. Wo dieser Blick Raum gewinnt, entsteht eine stille Gelassenheit: Wir dürfen unser eigenes Unvermögen nüchtern wahrnehmen und zugleich mit dem Wirken eines Lebens rechnen, das den Tod bereits überwunden hat. So wird der Alltag – mit all seiner Brüchigkeit – zum Ort, an dem die Auferstehungswirklichkeit Christi im Verborgenen wirksam ist und uns Schritt für Schritt aus der Enge des bloßen Selbst in den weiten Raum der Gemeinschaft mit dem Dreieinen Gott führt.

Sohnschaft und Leib Christi: Die Frucht von Gottes Austeilung

Wo der Dreieine Gott sich selbst in Menschen austeilt, bleibt es nicht bei einer neuen religiösen Zugehörigkeit; es entsteht ein neues inneres Sein. Paulus beschreibt diesen Wechsel mit schlichten, aber tiefen Worten: „Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, wie viel mehr werden wir als Versöhnte gerettet werden durch sein Leben“ (Römer 5:10). Aus Feinden werden Versöhnte, aus Versöhnten werden Söhne. Dieses neue Verhältnis ist keine bloße juristische Stellung, sondern wird von innen her tastbar durch das Wirken des Geistes. „Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch wiederum fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (Römer 8:14–15). Der Ruf „Abba, Vater“ ist dabei mehr als ein liturgischer Titel; er ist der Ausdruck eines Herzens, das sich von Gottes Nähe gefunden weiß und ihn als Vater anredet, weil Sein eigenes Leben in uns Raum gewonnen hat.

Vers 11 zeigt, dass der Dreieine Gott nicht nur in unseren Geist, das Zentrum unseres Seins, wie in Vers 10 gezeigt, sondern sogar in unseren sterblichen Leib, den Umfang unseres Seins, ausgeteilt wird. Das bedeutet, dass die Austeilung des Dreieinen Gottes unser ganzes Sein durchtränkt. (Witness Lee, Life-Study of Romans, Botschaft sechzig, S. 632)

Diese Sohnschaft trägt zugleich den Geschmack der kommenden Herrlichkeit in sich. Paulus spricht davon, dass wir „den Erstling des Geistes“ haben und „in uns selbst seufzen, in Erwartung der Sohnschaft, der Erlösung unseres Leibes“ (Römer 8:23). In Christus sind wir bereits Söhne, und doch wartet unser Leib noch auf die volle Erlösung. In dieser Spannung ist der innewohnende Geist unser Helfer: „Ebenso kommt aber auch der Geist unserer Schwachheit zu Hilfe; denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt, aber der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen“ (Römer 8:26). Gottes Austeilung geht also nicht an unserer Brüchigkeit vorbei; sie nimmt sie ernst und verwandelt sie, indem der Geist mitten in der Schwachheit für uns eintritt und uns auf das Ziel hin ausrichtet, das Gott mit uns hat.

Wo viele solche Söhne heranwachsen, tritt der größere Zusammenhang hervor: „Denn die er zuvorbestimmt hat, die hat er auch berufen; und die er berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt; die er aber gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht“ (Römer 8:30). Gottes einziggeborener Sohn wird so zum Erstgeborenen unter vielen Brüdern (Römer 8:29). Diese vielen Söhne stehen nicht nebeneinander wie isolierte Sterne, sondern sind in einem Leib miteinander verbunden. Paulus formuliert es schlicht: „So sind wir viele ein Leib in Christus, einzeln aber Glieder voneinander“ (Römer 12:5). Jede persönliche Sohnschaft ist damit zugleich eine Berufung zur Gemeinschaft; das Leben, das Gott austeilt, drängt nicht in die Vereinzelung, sondern verbindet. In diesem Leib Christi werden Gaben und Funktionen vielfältig verteilt, aber sie dienen einem gemeinsamen Ziel: Christus als Haupt soll durch den ganzen Leib sichtbar werden.

In dieser Perspektive erhält unsere innere Erneuerung eine gemeinschaftliche Tiefe. Was Gott in einem einzelnen Herzen wirkt – Vertrauen, Ruf nach dem Vater, Hoffnung in der Schwachheit –, ist immer zugleich ein Baustein in der Bildung des Leibes Christi. Gerade diese Verbindung kann in Zeiten der inneren Dunkelheit trösten: Die eigene Sohnschaft hängt nicht an der Stabilität der eigenen Gefühle, sondern an der Treue dessen, der uns „vor Grundlegung der Welt in Liebe vorherbestimmt hat zur Sohnschaft für sich selbst“ (Epheser 1:4–5). Wer das im Herzen bewegt, kann seine eigene Geschichte mit mehr Milde ansehen und zugleich ahnen, dass jede leise Antwort des Glaubens in einen größeren Leib hineinwirkt, in dem Christus seine Fülle entfaltet. So wächst unter der Oberfläche des Sichtbaren ein Leib heran, der einmal in Herrlichkeit offenbar machen wird, was jetzt schon im Verborgenen gilt: dass Gott aus vielen Söhnen einen Leib für Seinen Christus geformt hat.

Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, wie viel mehr werden wir als Versöhnte gerettet werden durch sein Leben. (Römer 5:10)

Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch wiederum fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater! (Römer 8:14–15)

Die Erkenntnis, dass Gottes Austeilung uns in die Sohnschaft hineinführt und uns zugleich als Glieder in den Leib Christi stellt, öffnet einen weiten Horizont über die eigene Befindlichkeit hinaus. Die innere Bewegung – von der Angst zur vertrauten Anrede „Abba, Vater“, vom Allein-sein in der Schwachheit zur geteilten Hoffnung im Leib – wird Teil eines göttlichen Werkes, das weit über unser Erfassen hinausreicht. Diese Sicht kann im Verborgenen eine stille Zuversicht wachsen lassen: dass keine Träne, kein Seufzer, kein unsicheres Gebet verloren ist, weil der Geist selbst darin mitseufzt und alles in das große Ziel einwebt, Christus in vielen Söhnen und in einem Leib sichtbar zu machen. So bleibt die eigene Geschichte aufgehoben in der größeren Geschichte Gottes, und aus dieser Gewissheit kann leise, aber beständig neue Hoffnung aufbrechen.


Vater, wir staunen darüber, dass Du als der Dreieine Gott diesen Weg durch Menschwerdung, Kreuz und Auferstehung gegangen bist, um Dich selbst in uns hineinzuteilen. Danke, dass Du uns nicht nur vergibst, sondern uns in Deine eigene Sohnschaft hineinziehst und uns zu Gliedern des Leibes Christi machst. Stärke in uns den inneren Ruf „Abba, Vater“ und vertiefe die Gewissheit, dass Dein Geist in jeder Schwachheit für uns eintritt und uns bis zur Herrlichkeit trägt. Lass Dein göttliches Leben unseren ganzen Menschen durchdringen, damit Christus in uns Gestalt gewinnt und durch uns sichtbar wird. Bewahre uns in der lebendigen Gemeinschaft mit Dir und miteinander, bis Dein Vorsatz in Deinem Leib vollständig erfüllt ist. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Romans, Chapter 60

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