Das Wort des Lebens
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Bestimmung durch Auferstehung

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Viele Christen verbinden Auferstehung vor allem mit einem zukünftigen Ereignis am Ende der Zeit. Doch das Neue Testament zeichnet ein tieferes Bild: Auferstehung ist nicht nur eine Lehre, sondern eine gegenwärtige Wirklichkeit in Christus, ein verborgenes Lebensprinzip, das in uns wirkt. Wer versteht, wie dieses Auferstehungsleben Sünde, Tod und innere Gebundenheiten überwindet und uns in das Bild des Sohnes Gottes umgestaltet, entdeckt einen roten Faden durch sein ganzes Glaubensleben.

Auferstehung als Leben und Kraft – der Weg zur Sohnschaft

Wenn Paulus das Evangelium Gottes als ein Evangelium der Sohnschaft beschreibt, öffnet er damit einen weiten Horizont. Gott sucht nicht nur Menschen, die an Ihn glauben, sondern Söhne, die Ihn in Seinem Wesen und in Seinem Ausdruck tragen. Diese Bestimmung geschieht nicht durch eine äußere Markierung, sondern durch einen inneren Weg, in den Er uns hineinzieht: Heiligung, Umwandlung, Gleichgestaltung und schließlich Verherrlichung. Entscheidend ist, dass all diese Etappen von derselben Wirklichkeit getragen werden: von der Auferstehung. Der Herr sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Johannes 11:25). Damit verschiebt sich der Blick weg von einem fernen Zeitpunkt hin zu einer gegenwärtigen Person. Wo Christus als Person gegenwärtig ist, dort ist Auferstehung – ganz gleich, in welcher Lebenslage und an welchem Ort.

Dies zeigt, dass das Evangelium Gottes ein Evangelium der Sohnschaft ist. Das Ziel dieses Evangeliums ist, Sünder in Söhne Gottes zu verwandeln, damit der Leib Christi gebildet wird. (Witness Lee, Life-Study of Romans, Botschaft vierundfünfzig, S. 565)

Dieses Auferstehungsleben wirkt in uns wie ein Samenkorn, das in die Erde gelegt wird. Nach außen scheint es klein und unscheinbar, fast verloren im Dunkel, aber in seinem Inneren liegt eine ungeheure Kraft zur Verwandlung: eine andere Lebensessenz, eine andere Lebensgestalt, eine andere Lebenskraft. Durch dieses Leben macht Gott aus verlorenen Sündern lebendige Söhne, die zu Seinem Leib gehören und Seinen Ausdruck tragen. In der Schrift heißt es von Christus: „den hat Gott auferweckt, nachdem Er die Wehen des Todes aufgelöst hatte, da es nicht möglich war, dass Er von ihm festgehalten wurde“ (Apostelgeschichte 2:24). Dieselbe Auferstehungskraft, die den Tod überfordert hat, ist heute die innere Triebkraft unserer Sohnschaft. Je mehr wir dieser verborgenen, aber mächtigen Wirklichkeit Raum geben, desto klarer prägt sie unser inneres Profil als Söhne: nicht spektakulär, aber real, nicht laut, aber unwiderruflich. Darin liegt eine sanfte, aber tiefgreifende Ermutigung: Unsere Bestimmung hängt letztlich nicht an unserer Stärke, sondern an der unaufhaltsamen Kraft eines Lebens, das den Tod bereits hinter sich gelassen hat.

Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. (Johannes 11:25)

den hat Gott auferweckt, nachdem Er die Wehen des Todes aufgelöst hatte, da es nicht möglich war, dass Er von ihm festgehalten wurde. (Apg. 2:24)

Die Bestimmung zur Sohnschaft gewinnt im Herzen an Kontur, wenn wir Auferstehung nicht nur als zukünftige Hoffnung, sondern als gegenwärtiges Lebensklima betrachten. Wo der Blick auf Christus als unsere Auferstehung gerichtet bleibt, verliert der Tod – in allen seinen Formen – seine definierende Macht. Das kann eine leise, aber spürbare Verschiebung in den inneren Gewichten sein: Wir vertrauen weniger auf das, was wir sehen, und mehr auf das, was Gott in der Verborgenheit säht. Wer so lebt, lernt, seine eigene Geschichte als Wachstumsweg eines Samens zu deuten, den Gott selbst gelegt hat. Dann werden auch unscheinbare, schwere oder unsichere Phasen zu einem Teil der Kennzeichnung: Gott formt Söhne, und Er tut es durch das Auferstehungsleben, das Er in ihnen angezündet hat.

Die Funktionen der Auferstehung – Sieg, Wachstum und Freisetzung

Das Auferstehungsleben Christi zeigt sich nicht nur in großen geistlichen Höhepunkten, sondern gerade im Geflecht des Alltags. Es ist Lebenskraft, die dem Tod widerspricht, wo immer er sich bemerkbar macht. In der Apostelgeschichte heißt es über den Herrn: „den hat Gott auferweckt, nachdem Er die Wehen des Todes aufgelöst hatte, da es nicht möglich war, dass Er von ihm festgehalten wurde“ (Apostelgeschichte 2:24). Wo dieses Leben wirkt, verliert der Tod seine bleibende Bindekraft: Sünde, Furcht, innere Härte, Bitterkeit und bleierne Hoffnungslosigkeit werden nicht einfach moralisch bekämpft, sondern durch ein stärkeres Leben Stück für Stück entmachtet. Diese Kraft verschlingt den Tod, bis er an Raum verliert. So wie das Land Kanaan für Israel real war, sind auch unsere inneren und äußeren Widerstände real – aber vor der Auferstehungskraft Gottes bleiben sie nicht bestehen.

Zu sagen, dass Christus die Auferstehung ist, bedeutet, dass Christus die Lebenskraft ist. Auferstehung ist Lebenskraft. Zum Leben gehören die Lebensessenz, die Lebensgestalt und die Lebenskraft. (Witness Lee, Life-Study of Romans, Botschaft vierundfünfzig, S. 567)

Bemerkenswert ist, wie die Schrift die Feinde Israels beschreibt: „…denn unser Brot werden sie sein! Ihr Schutz ist von ihnen gewichen, und der HERR ist mit uns. Fürchtet sie nicht!“ (4. Mose 14:9). In dieser Perspektive werden Bedrohungen zu „Speise“ – das, was uns zu verschlingen scheint, wird selbst verschlungen und dient letztlich unserem Wachstum. So wirkt Auferstehung im Verborgenen: Sie verwandelt Druck in Reife, Widerspruch in Festigkeit, Verlust in einen tieferen Besitz Christi. Das in uns gesäte Leben bringt seine eigene Gestalt hervor, wie eine Blume, die aus einem Samenkorn wächst und am Ende klar erkennen lässt, welche Art von Leben in ihr war. Dabei treten die Reichtümer Christi hervor – echte Liebe, Sanftmut, Demut und Ausdauer, nicht als Resultat angespannter Selbstkontrolle, sondern als Ausdruck des Lebens, das in uns wirkt. Wer diese Spur in seinem Alltag entdeckt, darf staunen: Gott macht selbst aus Widerständen Bausteine der Sohnschaft und formt durch das Wirken der Auferstehung ein neues, christusähnliches Lebensprofil.

den hat Gott auferweckt, nachdem Er die Wehen des Todes aufgelöst hatte, da es nicht möglich war, dass Er von ihm festgehalten wurde. (Apg. 2:24)

Nur empört euch nicht gegen den HERRN! Und fürchtet doch nicht das Volk des Landes, denn unser Brot werden sie sein! Ihr Schutz ist von ihnen gewichen, und der HERR ist mit uns. Fürchtet sie nicht! (4. Mose 14:9)

Wo das Auferstehungsleben Christi als Lebenskraft wahrgenommen wird, bekommt der Alltag einen anderen Grundton. Schwierigkeiten bleiben Schwierigkeiten, aber sie verlieren das letzte Wort; Versuchungen bleiben ernst, aber sie müssen dem wirksamen Leben Christi weichen. In dieser Sichtweise werden Hindernisse nicht idealisiert, wohl aber relativiert: Sie sind nicht mehr die Grenze, sondern das Umfeld, in dem Auferstehung sich erweist. So wächst eine stille Zuversicht: Kein Tag ist vergeudet, an dem dieses Leben wirken darf – sei es, indem es eine verborgene Wurzel der Bitterkeit austrocknet oder eine unerwartete Sanftmut hervorbringt. Diese Zuversicht trägt durch wechselnde Zeiten und macht Mut, das eigene Leben als Schauplatz göttlichen Wachstums zu verstehen.

Der Geist als Wirklichkeit der Auferstehung – Leben nach dem Geist

Die Auferstehung, in der Christus aus den Toten hervorgegangen ist, bleibt nicht auf die Vergangenheit beschränkt. Sie erreicht uns heute durch den Geist. Paulus schreibt: „Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird derselbe, der Christus Jesus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes“ (Römer 8:11). Hier wird Auferstehung unmittelbar mit dem Geist verknüpft: Der Geist ist die Wirklichkeit der Auferstehung. Was der Vater an Christus objektiv vollzogen hat, macht der Geist in uns innerlich wirksam. Er belebt, klärt, überführt, tröstet und richtet aus – nicht von außen her, sondern als innewohnende Gegenwart des Auferstandenen.

Römer 8:11 sagt: „Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird derselbe, der Christus Jesus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes.“ In diesem Vers ist die Auferstehung mit dem Geist verknüpft. Der Geist ist die Wirklichkeit der Auferstehung. Der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, wohnt in uns als die Wirklichkeit der Auferstehung. (Witness Lee, Life-Study of Romans, Botschaft vierundfünfzig, S. 571)

Nach dem Geist zu leben heißt daher, sich in Denken, Empfinden und Wollen von dieser Auferstehungswirklichkeit bestimmen zu lassen. Paulus beschreibt es so: „damit die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt würde in uns, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln. Denn die, die nach dem Fleisch sind, sinnen auf das, was des Fleisches ist; die aber nach dem Geist sind, auf das, was des Geistes ist“ (Römer 8:4–5). Wenn der Sinn auf den Geist ausgerichtet wird, beginnt ein stiller Umgestaltungsprozess: Reaktionen werden anders, Prioritäten verschieben sich, die innere Schwerkraft verlagert sich weg vom Selbst hin zu Christus. Nach und nach nimmt die Gestalt des erstgeborenen Sohnes Gottes Kontur in uns an. Die zukünftige Offenbarung der Söhne Gottes in Herrlichkeit ist dann keine abrupte Überraschung, sondern die Vollendung dessen, was der Geist in uns schon lange vorbereitet. Diese Perspektive schenkt Ruhe: Wir müssen die Auferstehung nicht hervorbringen, wir dürfen mit dem Geist gehen, der sie in uns gegenwärtig macht – Tag für Tag, Schritt für Schritt.

Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird derselbe, der Christus Jesus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes. (Römer 8:11)

damit die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt würde in uns, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln. Denn die, die nach dem Fleisch sind, sinnen auf das, was des Fleisches ist; die aber nach dem Geist sind, auf das, was des Geistes ist. (Römer 8:4-5)

Leben nach dem Geist erhält vor diesem Hintergrund eine warme, befreiende Note: Es ist weniger ein ständiges Ringen um geistliche Leistung, sondern vielmehr ein sensibler Umgang mit einer innewohnenden Realität. Wo der Geist als die Wirklichkeit der Auferstehung wahrgenommen wird, wird der Alltag zu einem Raum, in dem Christus sich ausbreitet – in stillen Entscheidungen, in der Art des Umgangs mit Enttäuschung, in der Bereitschaft zu vergeben. Mitten in Unreife und Bruchstückhaftigkeit leuchtet dann eine Gewissheit auf: Der Geist, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, ist nicht passiver Beobachter in uns, sondern tätiger Gestalter. Dieser Gedanke kann das Herz tief ermutigen: Die Bestimmung zur Sohnschaft ruht auf einer treuen göttlichen Gegenwart, die auch durch unsere Schwächen hindurch ihren Weg findet.


Herr Jesus Christus, du bist unsere Auferstehung und unser Leben, und in dir hat der Tod seine Macht verloren. Lass dein Auferstehungsleben in uns stärker sichtbar werden, damit alles, was dunkel, kalt und hoffnungslos ist, von deiner Kraft verschlungen wird. Heiliger Geist, du in uns wohnende Wirklichkeit der Auferstehung, erfülle unser Denken, unser Fühlen und unser Wollen, damit wir nicht nach dem Fleisch, sondern in deiner lebendigen Gegenwart leben. Vater, vollende in uns den Weg der Heiligung und Umgestaltung, bis wir deinem Sohn gleichgestaltet sind und deine Herrlichkeit ungetrübt widerspiegeln. Stärke alle, die müde geworden sind, durch die Kraft deines Lebens, richte sie innerlich auf und schenke ihnen die Gewissheit, dass du das gute Werk der Bestimmung durch Auferstehung sicher zu deinem Ziel bringst. In dieser Hoffnung ruhen wir in dir und preisen dich jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Romans, Chapter 54

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