Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Ausbreitung in Kleinasien und Europa durch den Dienst der Gruppe um Paulus (34)

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Vor hohen Richtern, feindlichen Religionisten und römischen Politikern – genau dort entfaltet sich das Evangelium mit besonderer Klarheit. Wenn Paulus vor König Agrippa spricht, steht nicht nur ein Angeklagter im Gerichtssaal, sondern ein Zeuge des auferstandenen Christus. Seine Geschichte verbindet die große Hoffnung der Auferstehung mit einer tief persönlichen Begegnung mit Jesus und stellt die Frage, was unser Leben wirklich trägt, wenn wir zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Hoffnung der Auferstehung als Zentrum des Evangeliums

Vor Agrippa fasst Paulus sein ganzes Ringen und Leiden in eine knappe Formulierung: Er stehe vor Gericht „wegen der Hoffnung auf die von Gott an unsere Väter geschehene Verheißung“ und fragt den König: „Warum wird es bei euch für etwas Unglaubliches gehalten, wenn Gott Tote auferweckt?“ (Apg. 26:6-8). Hinter allen Anklagen, religiösen Streitfragen und politischen Interessen steht für ihn diese eine Wirklichkeit: Entweder ist Gott der, der die Toten auferweckt, oder er ist es nicht. Schon als Pharisäer hielt Paulus an der Auferstehung fest, wie sie im Alten Bund verheißen ist. In Daniel 12:2. heißt es: „Und viele von denen, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen: die einen zu ewigem Leben und die anderen zur Schande, zu ewigem Abscheu.“ Der Gott der Väter hatte sich als der Gott der Lebenden offenbart, nicht der Toten; wenn Er seinen Verheißungen treu bleibt, muss Er die, die im Staub ruhen, ins Licht seines kommenden Tages rufen.

In der Bibel setzt die Auferstehung das kommende Gericht voraus, und das Gericht setzt die Eschatologie voraus. Die Auferstehung steht daher in Beziehung zur ewigen Zukunft eines Menschen, also dazu, ob er in der Ewigkeit glücklich sein oder Verderben erleiden wird. Die ewige Zukunft eines Menschen hängt vom Gericht ab, und das Gericht erfordert die Auferstehung. Daran erkennen wir, dass die Auferstehung in den Schriften eine wichtige Sache ist, denn sie betrifft unser ewiges Schicksal. (Witness Lee, Life-Study of Acts, Botschaft achtundsechzig, S. 594)

Durch die Begegnung mit dem auferstandenen Christus erkennt Paulus jedoch den vollen Ernst und die ganze Hoffnung, die in der Auferstehung verborgen liegen. Jesus selbst sagt: „Es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben, zur Auferstehung des Gerichts“ (Johannes 5:28-29). Die Offenbarung beschreibt jenen Tag genauer: jene, die um des Zeugnisses Jesu willen litten, werden lebendig und herrschen mit Ihm (Offenbarung 20:4-6), und schließlich stehen die übrigen Toten vor dem großen weißen Thron, um nach ihren Werken gerichtet zu werden (Offenbarung 20:11-15). Damit wird die Auferstehung zur Linie, an der sich alles entscheidet: nicht nur, ob es ein Weiterleben nach dem Tod gibt, sondern ob dieses Weiterleben Teilnahme am Leben Christi oder Eintritt in ein gerechtes Gericht ist. Für Paulus ist das kein theoretisches Lehrstück. Er steht in Fesseln und weiß zugleich: „weil der Herr Selbst … vom Himmel herabkommen wird, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen“ (1. Thessalonicher 4:16). Die Hoffnung der Auferstehung trägt seine Freimütigkeit, seinen Mut vor Königen und seine Geduld im Leiden. Wer mit ihm erkennt, dass die Ewigkeit nicht von vagen Gefühlen, sondern von Gottes festem Ratschluss bestimmt ist, wird nüchtern und zugleich getröstet: nüchtern, weil das kommende Gericht alles ans Licht bringt; getröstet, weil derselbe, der richtet, uns in seiner Auferstehung ein unvergängliches Leben schenkt. So wird die Auferstehung zum stillen, tragenden Grund unter den wechselnden Böden des Lebens.

Und nun stehe ich vor Gericht wegen der Hoffnung auf die von Gott an unsere Väter geschehene Verheißung, zu der unser zwölfstämmiges (Volk), unablässig Nacht und Tag (Gott) dienend, hinzugelangen hofft. Wegen dieser Hoffnung, o König, werde ich von den Juden angeklagt. Warum wird es bei euch für etwas Unglaubliches gehalten, wenn Gott Tote auferweckt? (Apg. 26:6-8)

Und viele von denen, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen: die einen zu ewigem Leben und die anderen zur Schande, zu ewigem Abscheu. (Dan. 12:2)

Wenn die Auferstehung als Zentrum des Evangeliums vor Augen steht, verschieben sich die Maßstäbe, an denen das eigene Leben gemessen wird. Augenblickliche Erfolge oder Verluste, Anerkennung oder Ablehnung behalten ihr Gewicht, aber sie verlieren den Charakter des Letztgültigen. Die Zusage, dass der Herr die Seinen auferweckt und gerecht richtet, lässt den Ernst der Gegenwart nicht schwinden, aber sie schenkt eine Freiheit, Entscheidungen nicht aus Angst vor dem Tod oder aus Furcht vor Menschen zu treffen. Wer in dieser Hoffnung lebt, kann Schritte gehen, die sich im Moment klein, verborgen oder kostspielig anfühlen, weil er weiß, dass der auferstandene Christus der Boden seiner Zukunft ist. So wird die Aussicht auf die Auferstehung nicht zu einer Flucht aus der Wirklichkeit, sondern zur inneren Kraft, ihr mit Ruhe und Ausdauer zu begegnen – im Bewusstsein, dass die letzte Stimme über unserem Leben die des auferstandenen Herrn sein wird.

Vom Verfolger zum Zeugen: Christus begegnet uns persönlich

Wenn Paulus vor Agrippa von seiner Vergangenheit spricht, beschönigt er nichts. Er schildert einen Weg, der von religiösem Eifer und innerer Verhärtung geprägt war: „Ich meinte freilich bei mir selbst, gegen den Namen Jesu, des Nazoräers, viel Feindseliges tun zu müssen“ (Apg. 26:9). Er schließt viele der Heiligen ins Gefängnis ein, gibt seine Stimme, wenn sie getötet werden, und gesteht: „indem ich über die Maßen gegen sie raste, verfolgte ich sie sogar bis in die ausländischen Städte“ (Apg. 26:11). Dieser Mann ist nicht ein neutraler Beobachter, sondern ein entschiedener Gegner derer, die den Namen des Herrn anrufen. Es ist der Eifer eines Gewissens, das von seiner Sache überzeugt ist und doch gegen den Willen Gottes steht.

„Ich war nun in mir selbst der Meinung, ich müsse vieles gegen den Namen Jesu, des Nazaräers, unternehmen; was ich auch in Jerusalem getan habe. Viele der Heiligen habe ich in Gefängnisse einsperren lassen, nachdem ich Vollmacht von den Hohenpriestern empfangen hatte; und wenn sie umgebracht wurden, stimmte ich dagegen. Und in allen Synagogen habe ich sie oft bestrafen lassen und sie gezwungen zu lästern; und in maßloser Wut gegen sie verfolgte ich sie sogar bis in ausländische Städte.“ (Witness Lee, Life-Study of Acts, Botschaft achtundsechzig, S. 595)

Gerade auf diesem Weg des Widerstands unterbricht Christus seine Bahn. Paulus berichtet von einem Licht „mitten am Tag … vom Himmel her“, das „den Glanz der Sonne übertraf“ und ihn und die Mitreisenden umstrahlte (Apg. 26:13). Das äußere Licht wird zum Bild eines inneren Aufleuchtens: Was Paulus bisher nicht sehen konnte, stellt sich ihm unwiderstehlich vor Augen. Die Stimme, die er hört, spricht ihn persönlich an: „Saul, Saul, was verfolgst du mich? Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen“ (Apg. 26:14). In einem Satz wird deutlich, wie eng Christus sich mit seinem Leib verbindet. Paulus verfolgt Menschen auf Erden – und doch sagt der Herr: „Ich bin Jesus, den du verfolgst“ (Apg. 26:15). Wer die Gemeinde trifft, trifft Ihn; wer die Gläubigen unterdrückt, stößt sich an seinem eigenen Herrn. Zugleich geschieht etwas Erstaunliches: Der, der alle Macht in Händen hat, zerbricht den Verfolger nicht, sondern richtet ihn auf. „Doch steh auf und stell dich auf deine Füße; denn zu diesem Zweck bin Ich dir erschienen“ (Apg. 26:16). Aus dem Gegner wird ein Zeuge, aus dem, der zerstört, einer, der aufbaut. Die Begegnung mit dem auferstandenen Christus ist nicht nur eine Korrektur einer Lehre, sondern ein tiefes Umschmelzen einer Person. Sie zeigt, dass kein Herz zu hart, kein Weg zu weit und keine Geschichte zu verfahren ist, als dass das Licht Christi nicht hineinscheinen könnte.

So wird Paulus’ Vergangenheit nicht ausgelöscht, sondern in ein neues Licht gestellt. Er trägt die Erinnerung an seine Verfolgung mit sich, doch sie ist nun verbunden mit der Stimme, die ihn bei seinem Namen rief. Darin liegt eine stille Ermutigung für jedes Leben, das auf seine Geschichte zurückblickt und Brüche, Schuld oder verhärtete Muster sieht. Der Herr, der Saul in seiner Raserei begegnete, kennt auch jene Wege, die von erstaunlicher Entschlossenheit und zugleich von innerer Blindheit gekennzeichnet sind. Dass er nicht in erster Linie richtet, sondern ruft, nicht vernichtet, sondern aufrichtet, zeigt, wie Er mit Widerstand umgeht. Eine persönliche Begegnung mit Ihm hebt den Menschen nicht aus seiner Verantwortung, aber sie setzt ihn in einen neuen Horizont: Die Vergangenheit bleibt wahr, doch sie ist nicht mehr das letzte Wort. Das letzte Wort gehört dem, der sagt: „Ich bin Jesus.“ Wo diese Stimme gehört wird, verwandelt sich biographische Schwere in ein leises, aber echtes Zeugnis von Gnade – und genau daraus werden Menschen, die nicht nur von Christus reden, sondern sichtbar machen, was seine Begegnung mit einem Herzen vermag.

Ich meinte freilich bei mir selbst, gegen den Namen Jesu, des Nazoräers, viel Feindseliges tun zu müssen, was ich auch in Jerusalem getan habe; und viele der Heiligen habe ich in Gefängnisse eingeschlossen, nachdem ich von den Hohenpriestern die Vollmacht empfangen hatte; und wenn sie umgebracht wurden, so gab ich meine Stimme dazu. Und in allen Synagogen zwang ich sie oftmals durch Strafen, zu lästern; und indem ich über die Maßen gegen sie raste, verfolgte ich sie sogar bis in die ausländischen Städte. (Apg. 26:9-11)

sah ich mitten am Tag auf dem Weg, o König, vom Himmel her ein Licht, das den Glanz der Sonne übertraf, welches mich und die mit mir reisten umstrahlte. Als wir aber alle zur Erde niedergefallen waren, hörte ich eine Stimme in hebräischer Mundart zu mir sagen: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen. Ich aber sprach: Wer bist du, Herr? Der Herr aber sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Doch steh auf und stell dich auf deine Füße; denn zu diesem Zweck bin Ich dir erschienen, um dich als Diener und Zeugen zu bestimmen, sowohl für die Dinge, in denen du Mich gesehen hast, als auch für die Dinge, in denen Ich dir erscheinen werde; (Apg. 26:13-16)

Die Geschichte des Paulus lädt dazu ein, die eigene Biographie nicht als eine feste Größe zu betrachten, die das Weitere streng begrenzt, sondern als den Raum, in dem Christus bereits gesprochen hat oder noch sprechen will. Selbst dort, wo Schuld und Verirrung im Rückblick bedrückend sind, bleibt die Möglichkeit, dass der Herr in seinem Licht noch einmal neu ansetzt und eine andere Richtung gibt. Die Tatsache, dass Er aus einem glühenden Verfolger einen freimütigen Zeugen macht, ist kein Einzelfall exotischer Gnade, sondern ein Spiegel seiner Art, mit Menschen umzugehen. Daraus wächst eine stille Hoffnung: Die Vergangenheit, so schwer sie wiegen mag, muss nicht zur letzten Überschrift über einem Leben werden. Im Licht dessen, der sagt „Ich bin Jesus, den du verfolgst“, kann sie zur Vorgeschichte einer Berufung werden, in der nicht die alten Muster, sondern die erfahrene Barmherzigkeit den Ton angibt.

Berufen als Diener und Zeugen der Dinge, in denen wir Christus sehen

Vor Damaskus bleibt es nicht bei einem überwältigenden Lichterlebnis und einer erschütternden Stimme. Der Herr legt Paulus zugleich den Charakter seines künftigen Lebens in wenige Worte: „Doch steh auf und stell dich auf deine Füße; denn zu diesem Zweck bin Ich dir erschienen, um dich als Diener und Zeugen zu bestimmen, sowohl für die Dinge, in denen du Mich gesehen hast, als auch für die Dinge, in denen Ich dir erscheinen werde“ (Apg. 26:16). Damit zeichnet Christus eine doppelte Bewegung: Paulus wird in einen Dienst gerufen und zugleich in ein Zeugnis gestellt. Dienst meint das, was er tut; Zeugnis meint das, was er ist. Und beides wird an einen Inhalt gebunden: die „Dinge“, in denen er Christus sieht. Paulus empfängt also nicht nur Lehrsätze oder Strategien, sondern eine Reihe von Offenbarungen, in denen der Herr selbst der Mittelpunkt ist. Alles, was er später verkündigt – Kreuz, Auferstehung, Leib Christi, Königreich Gottes – lebt aus dieser Quelle: Es sind die Dinge, in denen ihm Christus erschienen ist.

Als der Herr Jesus Paulus erschien, beauftragte Er ihn und setzte ihn als Diener und Zeugen ein. Dazu sagte der Herr zu ihm: „Steh auf und tritt auf deine Füße; denn dazu bin ich dir erschienen, dich zu einem Diener und Zeugen zu bestimmen, sowohl der Dinge, in denen du Mich gesehen hast, als auch der Dinge, in denen Ich dir erscheinen werde“ (V. 16). Hier sehen wir, dass der Herr Paulus sowohl zu einem Diener als auch zu einem Zeugen bestimmte. Ein Diener ist für den Dienst da, ein Zeuge für das Zeugnis. Der Dienst bezieht sich hauptsächlich auf das Werk, auf das, was der Diener tut. Das Zeugnis bezieht sich auf die Person, auf das, was der Zeuge ist. (Witness Lee, Life-Study of Acts, Botschaft achtundsechzig, S. 596)

Dieses Muster begegnet später in den Visionen des Johannes wieder. Als Johannes „eine laute Stimme wie von einer Posaune“ hört und sich umwendet, sieht er „sieben goldene Leuchter, und inmitten der Leuchter einen gleich einem Sohn des Menschen“ (Offenbarung 1:12-13). Später wird er „einen Thron im Himmel“ sehen (Offenbarung 4:2) und „ein Lamm, wie geschlachtet“ inmitten des Thrones (Offenbarung 5:6). In jeder Schau stehen Dinge vor ihm – Leuchter, Thron, Lamm –, doch inmitten von allem ist die Person Christi. Echte geistliche Erkenntnis trennt daher nie Inhalt und Person. Wo der Blick in der Schrift an Strukturen, Ordnungen oder Lehren hängen bleibt, ohne den Herrn darin zu erkennen, bleibt das Wissen blass und trocken. Wo hingegen Christus in den Dingen, die wir sehen, aufleuchtet, entsteht das, was Paulus hier beschrieben wird: ein Dienst, der Leben vermittelt, und ein Zeugnis, das nicht aufgesteckt, sondern gelebt wird. Es ist bezeichnend, dass Paulus später sagen kann, er habe „nicht unterlassen, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen“ (Apg. 20:27), und zugleich bekennen muss, dass sein Leben selbst in Schwachheit und Tränen mit diesem Wort verknüpft war. Der Herr will nicht nur Prediger, sondern lebendige Zeugen, deren Tun und Sein von den Begegnungen mit Ihm geprägt sind.

Darin liegt eine leise, aber weitreichende Perspektive für das geistliche Leben. Die Dinge, in denen der Herr sich uns zeigt – sei es durch ein Wort der Schrift, eine Wegführung, eine Bewahrung, auch durch schmerzliche Umstände –, sind mehr als private Eindrücke. Sie werden zu jenem Stoff, aus dem der persönliche Dienst und das persönliche Zeugnis gewoben werden. Nicht jede Erkenntnis muss laut ausgesprochen werden, aber sie formt das Innere und lässt mit der Zeit etwas Sichtbares hervortreten: eine Haltung, eine Art zu sprechen, ein Umgang mit anderen, in dem sich etwas von dem widerspiegelt, was man in Christus gesehen hat. So wächst ein Dienst, der nicht primär aus Methoden, sondern aus Begegnungen besteht, und ein Zeugnis, das nicht aus Parolen, sondern aus gelebter Wirklichkeit besteht. Wer in diesem Sinn als Diener und Zeuge lebt, muss nicht spektakulär auftreten, sondern lernt, in den kleinen Dingen des Alltags das zu verkörpern, was ihm vom Herrn her gezeigt wurde. Gerade darin entsteht ein stiller, aber kraftvoller Beitrag zur Ausbreitung des Reiches Gottes – durch Menschen, deren Leben selbst zu einem Fenster wird, durch das der auferstandene Christus hindurchscheint.

Doch steh auf und stell dich auf deine Füße; denn zu diesem Zweck bin Ich dir erschienen, um dich als Diener und Zeugen zu bestimmen, sowohl für die Dinge, in denen du Mich gesehen hast, als auch für die Dinge, in denen Ich dir erscheinen werde; (Apg. 26:16)

Und ich wandte mich um, die Stimme zu sehen, die mit mir redete; und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter, und inmitten der Leuchter einen gleich einem Sohn des Menschen, bekleidet mit einem bis zu den Füßen reichenden Gewand und an der Brust umgürtet mit einem goldenen Gürtel. (Offb. 1:12-13)

Die Berufung des Paulus legt nahe, geistliches Leben nicht auf das Ansammeln von Wissen oder das Erfüllen von Aufgaben zu reduzieren. Entscheidend sind die „Dinge, in denen du Mich gesehen hast“ – jene Schnittstellen, an denen Christus in seinem Wort und auf dem Lebensweg wirklich begegnet. Was dort geschieht, bleibt nicht im Verborgenen, sondern prägt mit der Zeit den eigenen Blick, die eigene Sprache und den Umgang mit anderen. Es entsteht ein Dienst, der nicht aus Druck, sondern aus innerer Überzeugung wächst, und ein Zeugnis, das nicht aus Slogans, sondern aus gelebter Realität besteht. Wer sich von dieser Perspektive leiten lässt, darf seine Erfahrungen mit dem Herrn, so unspektakulär sie erscheinen mögen, als kostbare Grundlage sehen: In ihnen bereitet der Herr Menschen zu Dienern und Zeugen, die weniger von sich, dafür umso klarer von Ihm sprechen – mit ihren Worten und mit ihrem Lebenswandel.


Herr Jesus Christus, du auferstandener und verherrlichter Herr, danke, dass deine Auferstehung stärker ist als jede Anklage, jede Schuld und selbst der Tod. Du hast Paulus auf seinem Weg des Widerstands gefunden und sein blindes Herz in ein Herz voller Licht verwandelt, und so vertraue ich dir, dass du auch meine Wege, meine Vergangenheit und meine inneren Kämpfe in dein Zeugnis verwandeln kannst. Öffne mir die Augen, damit ich in deinem Wort nicht nur Lehren erkenne, sondern dich selbst sehe, wie du mitten in den „Dingen“ stehst und zu mir sprichst. Stärke meinen Glauben an die Hoffnung der Auferstehung, damit ich im Blick auf das kommende Gericht nicht von Furcht bestimmt bin, sondern von der Gewissheit, dass mein Leben in dir geborgen ist. Lass dein Licht heller scheinen als alle Umstände, und erfülle mich mit deinem Auferstehungsleben, sodass mein ganzes Sein – Worte, Entscheidungen und Beziehungen – ein leiser, aber klarer Hinweis auf dich wird. Der Gott des Friedens bewahre Herz und Gedanken in Christus Jesus und halte die Hoffnung lebendig, bis wir dich von Angesicht zu Angesicht sehen werden. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Acts, Chapter 68