Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Ausbreitung in Jerusalem, Judäa und Samaria durch den Dienst der Gruppe um Petrus (9)

15 Min. Lesezeit

Wenn Menschen an Glauben denken, haben sie oft Pflichten, Gebote und Lehre vor Augen – aber kaum jemand verbindet damit Freude, Genuss und echte Erquickung. Gerade in Apostelgeschichte 3 wird jedoch deutlich, dass der Herr nicht nur als Wundertäter wirkt, sondern als der lebendige Heiler, der Herzen erneuert, Lasten löst und von innen her erfrischt. Wer sich von festgefahrenen Vorstellungen löst und den Text neu liest, entdeckt einen Christus, der als erhöhter Herr gegenwärtig ist, in seinem Geist wirkt und Gottes Segen in unser konkretes Leben bringt.

Der wunderbare Heiler: Diener, Heiliger, Gerechter und Lebensursprung

Die Szene in Apostelgeschichte 3 scheint auf den ersten Blick von der Heilung des Gelähmten beherrscht zu sein. Ein Mann, der von Geburt an nicht gehen konnte, springt plötzlich auf, geht umher und lobt Gott; das ganze Volk ist ergriffen von Verwunderung und Staunen (Apostelgeschichte 3:8-10). Doch Petrus lässt den Blick nicht bei dem Ereignis stehen. Er weist die staunenden Menschen zurecht: „Männer von Israel, was verwundert ihr euch hierüber, oder was seht ihr so gespannt auf uns, als hätten wir aus eigener Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, daß er gehen kann?“ (Apostelgeschichte 3:12). Hinter dem Wunder steht eine Person, und Petrus entfaltet vor den Augen der Menge, wer diese Person ist. Er spricht vom „Knecht Jesus“, den Gott verherrlicht hat, vom „Heiligen und Gerechten“ und vom „Fürsten des Lebens“ (Apostelgeschichte 3:13-15). Die Heilung ist wie ein Fenster, durch das das Licht der Person Christi in die Herzen fällt. Wer nur das Schauspiel betrachtet, aber die Person dahinter nicht erkennt, verpasst den eigentlichen Inhalt von Gottes Handeln.

Anstatt auf diese Weise zu beten: „Herr, mein Sohn hat in der Schule versagt. Herr, bitte hilf mir“, sollte der Bruder den Herrn anrufen und sagen: „Herr Jesus, Du bist der Herr! Du bist souverän.“ (Witness Lee, Life-Study of Acts, Botschaft vierzehn, S. 113)

Christus wird hier zuerst als Knecht Gottes gezeigt. Der „Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht“ (Apostelgeschichte 3:13). In ihm sehen wir einen, der vollkommen für den Willen des Vaters lebt, nicht für eigene Interessen oder eigenen Ruhm. Dieser Diener ist zugleich der Heilige, ganz abgesondert für Gott, und der Gerechte, der in allen Beziehungen – zu Gott und zu Menschen – im Reinen ist. Dann führt Petrus noch weiter: „den Fürsten des Lebens aber habt ihr getötet, den Gott aus den Toten auferweckt hat“ (Apostelgeschichte 3:15). Jesus ist nicht nur ein Spender von Leben, er ist der Ursprung, die Quelle, der Autor des Lebens selbst. Wo er wirkt, kommt nicht nur Besserung, sondern Leben in seiner göttlichen Qualität. Deshalb ist die größte Gabe Gottes nicht zuerst die äußere Heilung oder sichtbare Hilfe, so kostbar sie sein mögen, sondern die Gemeinschaft mit dieser Person – mit dem Heiler selbst.

Petrus verankert diese Offenbarung in der Geschichte Gottes mit seinem Volk. Er erinnert an Mose, der einen Propheten wie sich selbst ankündigte, auf den das Volk hören sollte (Apostelgeschichte 3:22-23): In Christus steht Gott selbst in menschlicher Stimme vor uns, redet, ruft, warnt und tröstet. Dann wendet er den Blick noch weiter zurück zu Abraham: „Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott mit euren Vätern geschlossen hat, als Er zu Abraham sagte: ‚Und in deinem Samen sollen alle Familien der Erde gesegnet werden‘“ (Apostelgeschichte 3:25). Dieser Same ist nach dem Zeugnis des Neuen Testaments Christus; in ihm konzentriert sich der ganze Segen Gottes. Wer ihn gewinnt, empfängt nicht nur eine Gabe Gottes, sondern tritt in den Bund Gottes ein, in Vergebung, Erneuerung und ein Leben, das von seiner Gegenwart durchdrungen ist.

So gewinnt die Heilung des Gelähmten eine andere Farbe. Der Mann erhält nicht nur gesunde Füße, sondern wird hineingenommen in die Bewegung des Lebens, das von Christus ausgeht: Er steht auf, geht, betritt den Tempel, lobt Gott gemeinsam mit den Aposteln. Die äußere Wiederherstellung wird zum Zeichen für eine tiefere Wiederherstellung: der Mensch findet seine Bestimmung wieder, vor Gott zu stehen, ihn zu preisen und in seiner Gegenwart zu leben. Dass Christus der Diener, der Heilige, der Gerechte und der Fürst des Lebens ist, bleibt nicht eine theologische Beschreibung, sondern öffnet einen Zugang. In dieser Person begegnet uns ein Herr, der unsere Gebrochenheit kennt, sie nicht verharmlost, aber sie mit seinem eigenen Leben beantwortet. Wo er angenommen wird, wächst eine stille Zuversicht: Der, der mich kennt, der für mich gedient und gelitten hat, ist derselbe, der heute mein Leben trägt und gestaltet. In dieser Beziehung liegt ein Segen, der über jedes sichtbare Wunder hinausgeht.

Als aber Petrus es sah, sprach er zum Volk: Männer von Israel, was verwundert ihr euch hierüber, oder was seht ihr (so) gespannt auf uns, als hätten wir aus eigener Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, daß er gehen kann? (Apg. 3:12)

Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr überliefert und vor Pilatus verleugnet habt, als dieser geurteilt hatte, ihn loszugeben. (Apg. 3:13)

Die Frage, die sich daraus stellt, berührt das Herz: Ist für uns die Hilfe Gottes wichtiger oder der Gott, der hilft? Apostelgeschichte 3 lenkt den Blick immer wieder von der Gabe zur Person. Der Gelähmte hoffte auf ein Almosen, das ihn durch den Tag bringen würde; er empfing Christus, der ihn in ein neues Leben stellte. Die Menge suchte das Außergewöhnliche; Petrus verkündete ihnen den Fürsten des Lebens. Wo Christus so vor Augen steht, verliert der Glaube etwas von seiner Ungeduld und Berechnung. Er wird zu einem Vertrauen in die Person, das nicht an die Bedingung sichtbarer Erfolge gebunden ist. Die Beziehung zum Heiler wird dann zum kostbarsten Gut: In seiner Nähe erfahren wir Vergebung, wenn die Vergangenheit uns anklagt; in seinem Dienst für uns erkennen wir, dass unser Leben nicht von eigener Leistung getragen wird; in seiner Heiligkeit wird unsere Unruhe über uns selbst nicht unterdrückt, sondern von seiner Gerechtigkeit aufgenommen und verwandelt. Wer so mit ihm lebt, entdeckt Schritt für Schritt, dass der größte Segen nicht darin besteht, dass alles gelingt, sondern dass der Fürst des Lebens selbst unsere Wege begleitet.

Zeiten der Erquickung: Christus als unser Genuss

Wenn Petrus nach der Beschreibung der Heilung zum Aufruf kommt, wählt er eine überraschend zarte Formulierung: „So tut nun Buße und bekehrt euch, daß eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erfrischung von der Gegenwart des Herrn kommen“ (Apostelgeschichte 3:19-20). Der Weg geht über Umkehr und Vergebung, aber das Ziel ist nicht bloß ein geregeltes Schuldverhältnis, sondern „Zeiten der Erfrischung“ aus dem Angesicht des Herrn. Das Wort deutet auf Atemholen, Aufatmen hin – als würde eine gedrückte, stickige Atmosphäre plötzlich von frischer Luft durchzogen. In diesem Licht erscheint Buße nicht als dunkler Tunnel, sondern als Öffnung eines Fensters, durch das die Gegenwart Christi einströmt.

Unter diesen verschiedenen Aspekten bringt Petrus in Vers 26 ein abschließendes Wort zum Ausdruck: „Euch zuerst hat Gott, nachdem Er Seinen Knecht auferweckt hat, Ihn gesandt, euch zu segnen, indem Er jeden von euch von euren Bosheiten abwendet.“ Gott hat den aufgefahrenen Christus zuerst zu den Juden zurückgesandt, indem Er an dem Tag der Pfingsten Seinen Geist ausgoss. Daher ist der Geist, den Gott ausgegossen hat, eben der Christus, den Gott auferweckt und in die Himmel erhöht hat. Als die Apostel diesen Christus predigten und dienten, wurde der Geist den Menschen gedient. (Witness Lee, Life-Study of Acts, Botschaft vierzehn, S. 115)

Durch die ganze Schrift zieht sich die Spur dieser Erfrischung als innerer Genuss. Am Anfang steht der Baum des Lebens in der Mitte des Gartens (1. Mose 2), Zeichen dafür, dass der Mensch von Gott leben, ihn „essen“ soll. Später isst Israel das Passahlamm mit ungesäuertem Brot, lebt von Manna in der Wüste und kommt in ein gutes Land, das als allumfassende Versorgung beschrieben wird – ein Bild für den allumfassenden Christus. Jesaja nimmt diese Bilder auf: „Und mit Freuden werdet ihr Wasser schöpfen aus den Quellen des Heils“ (Jesaja 12:3), und gleich darauf heißt es, dass der Name des Herrn ausgerufen und gepriesen wird (Jesaja 12:4). Im Neuen Testament verdichtet Jesus all das in einem Wort, das die Zuhörer schockiert: Er ist das Brot des Lebens, und wer von ihm isst, lebt durch ihn. Am Ende der Bibel wird den Überwindern verheißen: „Dem, der überwindet, dem werde Ich zu essen geben vom Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist“ (Offenbarung 2:7), und es heißt: „Gesegnet sind die, die ihre Kleider waschen, damit sie ein Anrecht am Baum des Lebens haben“ (Offenbarung 22:14). Erfrischung ist demnach nicht einfach ein besseres Lebensgefühl, sondern die Erfahrung, dass Christus selbst – als Brot, Wasser, Baum des Lebens, als gutes Land – unser innerer Vorrat wird.

Wenn Petrus von „Zeiten der Erfrischung“ spricht, geht es also um mehr als um einzelne Trostmomente. Der erhöhte Christus, den Gott gesandt hat, um zu segnen (Apostelgeschichte 3:26), will für sein Volk ein wiederkehrender Raum des Aufatmens sein. Er ist unsere Ruhe, nicht erst dann, wenn alle äußeren Konflikte gelöst sind, sondern mitten in ungelösten Spannungen. Er ist unser Friede, nicht weil alle Menschen um uns herum friedlich wären, sondern weil sein Geist unser Herz neu ordnet. Und er ist unser innerer Genuss, nicht als flüchtiger Kick, sondern als eine stille, tragende Freude, die sich oft gerade im Unscheinbaren zeigt: in einem Vers, der plötzlich lebendig wird; in einem Augenblick der Anbetung; im Bewusstsein, trotz eigener Schwäche von ihm gehalten zu sein.

So entsteht ein anderes Bild von Christsein. Nicht die Summe der Aufgaben, nicht das korrekte Lehrgebäude, nicht einmal das Maß sichtbarer Frucht steht im Vordergrund, sondern die Beziehung zu einer Person, aus deren Angesicht Erfrischung kommt. Es kann Zeiten geben, in denen die äußeren Umstände rau bleiben, in denen Fragen unbeantwortet und Wunden nicht sofort verheilt sind. Petrus macht keine Zusage, dass alle Spannungen verschwinden. Aber er spricht von einem Herrn, dessen Gegenwart inmitten der Spannungen wie ein kühler Strom durch eine erschöpfte Seele fließt. Wo Christus so als Genuss erfahren wird, beginnt sich auch das eigene Tun zu verändern: Dienst wird weniger von Pflicht, mehr von empfangenem Leben geprägt; Beziehungen werden weniger von Anspruch, mehr von geschenkter Gnade getragen. In solchen „Zeiten der Erfrischung“ ahnt das Herz etwas von dem, wozu es geschaffen wurde – bei Gott Ruhe und Nahrung zu finden.

So tut nun Buße und bekehrt euch, daß eure Sünden ausgetilgt werden, (Apg. 3:19)

damit Zeiten der Erfrischung von der Gegenwart des Herrn kommen und Er den Christus sende, der im Voraus für euch bestimmt worden ist, Jesus, (Apg. 3:20)

Die Frage, was „Zeiten der Erfrischung“ konkret bedeuten, berührt den Alltag oft an unscheinbaren Stellen. Manchmal ist es die Müdigkeit nach vielen Anforderungen, manchmal eine leise innere Trostlosigkeit, manchmal das Gefühl, innerlich trocken zu sein. Petrus weist darauf hin, dass diese Trockenheit nicht einfach mit einem äußeren Tapetenwechsel zu beantworten ist, sondern dass sie einen Raum braucht, in dem der Mensch vor Gott umkehrt, sich neu ausrichten lässt und seine Vergebung empfängt. In diesem Raum begegnet uns Christus nicht als strenger Aufseher, sondern als der, der uns zu Atem kommen lässt. Wenn sein Wort uns trifft, wenn seine Gnade uns wieder aufrichtet, wenn sein Geist neu in uns bezeugt, dass wir Kinder Gottes sind, dann beginnt etwas von dem, was Petrus ankündigt: Zeiten, in denen das Herz aus der Gegenwart des Herrn erfrischt wird. Diese Erfahrung ist nicht laut und spektakulär; sie kann fast unscheinbar sein – und gerade darin liegt ihre Kostbarkeit. Sie erinnert daran, dass Christsein letztlich davon lebt, dass der Herr selbst unser täglicher innerer Vorrat ist.

Den Herrn anrufen: Zugang zur Erquickung durch den ausgegossenen Geist

Apostelgeschichte 3 verbindet die Erfrischung aus der Gegenwart des Herrn mit der Sendung des erhöhten Christus: „Zu euch zuerst hat Gott, nachdem Er Seinen Diener hat erstehen lassen, Ihn gesandt, um euch zu segnen, indem Er einen jeden unter euch von euren bösen Taten abwendet“ (Apostelgeschichte 3:26). Dieser Gesandte ist kein ferner Besucher, der einmal kurz erscheint und dann wieder verschwindet. Gott hat ihn gesandt, indem er seinen Geist ausgegossen hat; der ausgegossene Geist ist der erhöhte Christus in gegenwärtiger Wirksamkeit. Die Frage ist darum nicht, ob Christus da wäre, sondern wie wir mit seiner Nähe in Berührung kommen. Einer der schlichtesten und zugleich tiefsten Wege, den die Schrift zeigt, ist das Anrufen seines Namens.

Wir haben gesehen, dass wir Christus als Brot des Lebens essen und auch Seinen Leib essen. Außerdem betrachteten wir die Verheißung des Herrn in Offenbarung 2:7, dass die Überwinder vom Baum des Lebens essen werden. Wir sahen auch die Verheißung in Offenbarung 22:14, dass die, die ihre Kleider waschen, ein Anrecht am Baum des Lebens haben. (Witness Lee, Life-Study of Acts, Botschaft vierzehn, S. 111)

Bereits im Anfang der biblischen Geschichte taucht dieses Motiv auf: „Und auch Seth wurde ein Sohn geboren, und er gab ihm den Namen Enosch. Damals fing man an, den Namen Jehovahs anzurufen“ (1. Mose 4:26). Ausgerechnet in einer Zeit, in der die Zerbrechlichkeit des Menschen deutlicher hervortritt – der Name Enosch bedeutet Schwachheit, Hinfälligkeit –, beginnt das laute Rufen nach Gott. Was hier zaghaft ansetzt, wird bei den Propheten zu einem bewussten Weg: „Und mit Freuden werdet ihr Wasser schöpfen aus den Quellen des Heils und werdet an jenem Tage sprechen: Preist den HERRN, ruft seinen Namen aus, macht unter den Völkern seine Taten bekannt“ (Jesaja 12:3-4). Erfrischung und Anrufung gehören zusammen: Wasser schöpfen und den Namen des Herrn ausrufen sind zwei Seiten derselben Bewegung. In der Apostelgeschichte wird dieses Rufen ausdrücklich aufgegriffen: Es wird verheißen, dass „jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, errettet werden“ soll, und die ersten Christen werden als solche erkennbar, die Jesus in dieser Weise anrufen.

Was so einfach klingt, berührt eine tiefe geistliche Wirklichkeit. In der Anrufung des Namens Jesu öffnet sich das Herz konkret für die Gegenwart des lebengebenden Geistes. Es ist mehr als ein leiser Gedanke und auch mehr als eine formelle Gebetsformel. Wenn ein bedrücktes Herz „O Herr Jesus“ ruft, wenn in einer verworrenen Situation laut „Herr, erbarme dich“ gesagt wird, dann bricht im Innern etwas auf. Die Fesseln, von denen Petrus spricht – „indem Er einen jeden unter euch von euren bösen Taten abwendet“ (Apostelgeschichte 3:26) – werden nicht zuerst äußerlich gelöst, sondern verlieren ihre innere Macht. Das Rufen ist kein magischer Klang, sondern Ausdruck eines Vertrauens, das sich nicht mehr auf sich selbst stützt, sondern sich der Herrschaft Christi anvertraut. Gerade in Momenten, in denen Worte fehlen oder Gedanken sich im Kreis drehen, kann diese schlichte Anrufung zu einem Tor werden, durch das Zeiten der Erfrischung eintreten.

So wirft das Anrufen des Herrn ein Licht auf unseren Umgang mit Schwachheit. Die Bibel zeichnet kein Bild des souveränen, immer überlegenen Gläubigen, der alles im Griff hat, sondern zeigt Menschen wie Enosch, wie Petrus, wie die ersten Christen, die gerade in ihrer Begrenztheit den Namen des Herrn ausrufen. In dieser Perspektive ist Schwachsein nicht nur ein Mangel, sondern auch eine Einladung. Wo eigene Kraft an ein Ende kommt, entsteht Raum, in dem der lebengebende Geist wirksam werden kann. Das ehrliche, manchmal auch gebrochene Rufen „Herr Jesus“ verwandelt die Atmosphäre nicht immer sofort im Außen, aber es verbindet innerlich mit dem, der gesandt ist zu segnen und zu erfrischen. Aus solcher Verbundenheit wächst eine stille Hoffnung: Dass kein Tag so dunkel ist, dass sein Name ihn nicht durchdringen könnte, und keine Bindung so fest, dass sein gerufener Name sie nicht lockern könnte. In diesem Bewusstsein wird das Anrufen des Herrn weniger zu einer Technik, sondern mehr zu einem gelebten Atemzug des Glaubens.

Zu euch zuerst hat Gott, nachdem Er Seinen Diener hat erstehen lassen, Ihn gesandt, um euch zu segnen, indem Er einen jeden unter euch von euren bösen Taten abwendet. (Apg. 3:26)

Und auch Seth wurde ein Sohn geboren, und er gab ihm den Namen Enosch. Damals fing man an, den Namen Jehovahs anzurufen. (1.Mose 4:26)

Manche inneren Lasten tragen sich über Jahre hinweg mit, als ließen sie sich durch keine Einsicht und keinen Vorsatz lösen. Apostelgeschichte 3 greift solche Wirklichkeiten nicht mit schnellen Lösungen an, sondern deutet einen Weg an, auf dem der erhöhte Christus selbst wirksam wird. Dass Gott seinen Diener Jesus gesandt hat, „um euch zu segnen“, bedeutet, dass er in die Nähe eines Lebens kommt, das sich nicht selbst heilen kann. Das Anrufen seines Namens ist in diesem Zusammenhang ein stiller, aber sehr wirklicher Ausdruck: Es ist das Eingeständnis, dass Hilfe nicht aus dem eigenen Inneren hervorgebracht wird, sondern von außen, von oben kommt – und zugleich die Erfahrung, dass dieser „oben“ seiende Herr im Geist ganz nah ist. Dort, wo sein Name wieder und wieder, ehrlich und manchmal auch stöhnend, angerufen wird, kann etwas von dem geschehen, was Petrus „Zeiten der Erfrischung“ nennt: nicht immer spektakulär, oft unauffällig, aber real. In solchen Momenten wird spürbar, dass der Weg der Nachfolge nicht auf der Stärke der Nachfolger ruht, sondern auf der Treue des Herrn, dessen Name über jedem Tag steht.


Herr Jesus Christus, Du wunderbarer Heiler, Diener Gottes, Heiliger und Gerechter, wir staunen darüber, dass Du nicht fern im Himmel geblieben bist, sondern als lebengebender Geist zu uns gekommen bist. Du bist der Ursprung des Lebens, der Same Abrahams, durch den Gottes Segen alle Völker erreicht, und auch unser Herz heute. Wir bringen Dir unsere Müdigkeit, unsere gebundenen Bereiche und unsere verborgenen Lasten und danken Dir, dass Du Zeiten der Erquickung schenkst, wenn wir Deinen Namen anrufen. Lass uns Dich nicht nur als Lehre kennen, sondern als den, der unsere Seele erfrischt, unsere Beziehungen heilt und uns inmitten aller Umstände mit Deiner Gegenwart erfüllt. Stärke den Glauben, der sich Dir immer wieder öffnet, und lass Dein Leben in uns neu aufblühen, damit Dein Segen von uns zu anderen weiterfließen kann. In Deinem Namen, Herr Jesus, empfangen wir Deine Gnade und Deinen Frieden. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Acts, Chapter 14

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