Das Wort des Lebens
lebensstudium

Einleitung und Vorbereitung (3)

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Zwischen Ostern und Pfingsten liegt eine oft übersehene Wegstrecke: eine Zeit, in der der auferstandene Christus seine Jünger lehrt, ihnen begegnet und sie Schritt für Schritt auf ihre Aufgabe vorbereitet. Die Szene der sichtbaren Himmelfahrt, das Warten in Jerusalem, das beharrliche Gebet im Obersaal und die Wahl von Matthias wirken auf den ersten Blick wie lose Episoden, ergeben aber in der biblischen Linie ein klares Bild davon, wie Gott Menschen für seinen Auftrag zurüstet – damals wie heute.

Die Himmelfahrt Christi und seine fortdauernde himmlische Sendung

Die Himmelfahrt Jesu bildet keine glanzvolle Schluss-Szene, nach der der Vorhang über seinem Wirken fällt. Lukas lenkt den Blick genau in die andere Richtung: Was „hoch“ geschieht, öffnet den Raum für ein vertieftes Handeln „unten“. Im Evangelium schildert er „alles, was Jesus angefangen hat, zu tun und auch zu lehren“ (Apg. 1:1). Die Formulierung bleibt bewusst offen – als sei mit der Aufnahme in den Himmel nicht abgeschlossen, sondern ein Anfang markiert. Wenn es in Apostelgeschichte 1.dann heißt, dass Jesus „bis zu dem Tag, an dem er (in den Himmel) aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er sich auserwählt, durch den Heiligen Geist Befehl gegeben hatte“ (Apg. 1:2), ist damit schon angedeutet, wie es weitergeht: Der erhöhte Herr führt seinen Dienst fort, jetzt durch den Heiligen Geist, der in und durch seine Zeugen handelt. Die Wolke, die ihn vor den Augen der Jünger verbirgt (Apg. 1:9), ist deshalb nicht nur Schleier, sondern auch Zeichen: Er tritt in die Sphäre der unsichtbaren Herrschaft Gottes ein, von wo aus er seine Gemeinde als lebendige Gegenwart leitet und trägt.

Sein Evangelium ist der Bericht über den Dienst des inkarnierten Jesus auf der Erde. Die Apostelgeschichte ist die Aufzeichnung des nachfolgenden Dienstes des auferstandenen und aufgefahrenen Christus im Himmel, der durch Seine Gläubigen auf der Erde ausgeführt wird. In den Evangelien hat der Herr durch Seinen eigenen Dienst auf der Erde nur Sich Selbst als den Samen des Königreiches Gottes in Seine Gläubigen gesät; die Gemeinde war damals noch nicht zum Aufbau gelangt. In der Apostelgeschichte breitet der Dienst des Herrn im Himmel, ausgeführt durch Seine Gläubigen in Seiner Auferstehung und Himmelfahrt, Ihn als die Entwicklung des Königreiches Gottes für den Aufbau der Gemeinde (Mt. 16:18) über die ganze Erde aus, um Seinen Leib, Seine Fülle (Eph. 1:23), zu bilden, um Ihn auszudrücken, ja sogar die Fülle Gottes (Eph. 3:19), zur Ausdruckgebung Gottes. (Witness Lee, Life-Study of Acts, Botschaft fünf, S. 35)

Von hier aus wird seine Himmelfahrt zur Quelle einer neuen Wirksamkeit. Der, der sich auf der Erde klein gemacht hatte, ist nun als der lebengebende Geist fähig, die Früchte seines Kreuzes und seiner Auferstehung auszuteilen. Paulus fasst dies später so zusammen: „Der letzte Adam wurde zu einem Leben gebenden Geist“ (1.Kor 15:45). Der erhöhte Christus ist nicht abwesend, sondern in einer tieferen Weise gegenwärtig – nicht mehr lokal an einem Ort, sondern geistlich in vielen Gliedern, um den Leib Christi aufzubauen. In der Sprache des Epheserbriefes ist die Gemeinde „Sein Leib … die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“ (Eph. 1:23). Himmelfahrt bedeutet also nicht Distanz, sondern die Ausweitung seiner Person: Der eine Herr teilt sich vielen mit, damit seine Fülle in einer Vielzahl von Menschen Gestalt gewinnt. So schließt sich der Bogen zum Wort Jesu: „… auf diesen Felsen werde Ich Meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Hades werden nicht den Sieg über sie gewinnen“ (Mt. 16:18). Was auf der Erde verheißen wurde, setzt der erhöhte Christus vom Himmel her unaufhaltsam fort.

Zugleich trägt die Himmelfahrt eine Verheißung in sich, die den Horizont weit über die Gemeindezeit hinaus spannt. Die beiden Männer in weißen Kleidern sprechen zu den staunenden Jüngern: „Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel“ (Apg. 1:11). Der Abschied ist in der Form des Wiedersehens gestaltet. Der Ort ist genannt – der Ölberg (Apg. 1:12) –, und die Schrift im Alten Bund gibt dem eine prophetische Tiefe: „Und seine Füße werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem im Osten (liegt)“ (Sach. 14:4). Die Himmelfahrt bindet das Jetzt der Gemeinde an das Kommen des Reiches in Herrlichkeit. Der erhöhte Christus regiert bereits, aber seine Herrschaft wird in einem sichtbaren Wiederkommen offenbar werden. Zwischen diesen beiden Polen – erhöht und wiederkehrend – entfaltet sich die gegenwärtige Haushaltung der Gnade: eine Zeit, in der Erlösung verkündigt, Gemeinde gebaut und das Königreich Gottes ausgebreitet wird.

In dieser Spanne leben Glaubende heute: Sie sehen Christus nicht mit leiblichen Augen, und doch ist ihr Leben von seinem himmlischen Dienst bestimmt. Aus der Himmelfahrt erwächst eine doppelte Zuversicht. Zum einen die Gewissheit, dass der erhöhte Herr alles, was er am Kreuz vollbracht hat, nun wirksam werden lässt – in ihrer persönlichen Geschichte und im Aufbau seiner Gemeinde. Zum anderen die Hoffnung, dass die Geschichte nicht in menschlichen Katastrophen endet, sondern in seinem Wiederkommen in Macht und Herrlichkeit, wie es in Matthäus 24:30 heißt: „… und sie werden den Sohn des Menschen auf den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit kommen sehen.“ Wer sich dieser himmlischen Perspektive öffnet, beginnt, seinen Alltag nicht mehr nur von unten nach oben zu lesen, sondern von oben her zu deuten: aus der Hand dessen, der erhöht ist, doch gerade darin nah geworden ist. Das schenkt stille Kraft, nüchterne Hoffnung und den Mut, sich von ihm gebrauchen zu lassen, damit sein Leben weiterfließt – bis der, der aufgefahren ist, sichtbar wiederkehrt.

DEN ersten Bericht habe ich verfaßt, Theophilus, von allem, was Jesus angefangen hat, zu tun und auch zu lehren, (Apg. 1:1)

bis zu dem Tag, an dem er (in den Himmel) aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er sich auserwählt, durch den Heiligen Geist Befehl gegeben hatte. (Apg. 1:2)

Die Himmelfahrt Christi lädt dazu ein, Leben und Dienst bewusst unter den offenen Himmel zu stellen: nicht in eigener Kraft, sondern im Vertrauen auf den, der als lebengebender Geist gegenwärtig ist und zugleich als wiederkommender Herr die Geschichte vollenden wird; wer sich innerlich daran festmacht, findet im Verborgenen eine tragende Freude und einen weiten Horizont für jeden Schritt auf dieser Erde.

Die innere Veränderung der Jünger: vom Streit zur Einmütigkeit im Gebet

Wer die Jünger in den Evangelien kennt, erkennt sie in Apostelgeschichte 1.kaum wieder. Kurz vor dem Leiden Jesu entstand unter ihnen „ein Streit …, wer von ihnen für den Größten zu halten sei“ (Lukas 22:24), und im Garten Gethsemane übermannt sie der Schlaf, als Jesus sie zum Wachen und Beten ruft (vgl. Lk. 22:40, 45–46). Ihre Aufmerksamkeit kreist um Rang und Sicherheiten, nicht um das unsichtbare Wirken Gottes. Doch dieselben Menschen kehren nach der Himmelfahrt in das gefährliche Jerusalem zurück, suchen nicht die Deckung in Galiläa, sondern „blieben beharrlich mit Einmütigkeit im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und mit Seinen Brüdern“ (Apg. 1:14). Zwischen Streit und Einmütigkeit, zwischen Schlaf und beharrlichem Gebet liegt nicht in erster Linie eine moralische Besserung, sondern eine neue Wirklichkeit: der auferstandene Christus als Leben in ihnen.

Vor dem Tod des Herrn hatten die Jünger kein Interesse daran, für geistliche Dinge zu beten (Lk. 22:40, 45–46). Stattdessen stritten sie untereinander darüber, wer von ihnen für den Größten zu halten sei (Lk. 22:24). Jetzt aber, nach der Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn, hatte sich ihr geistlicher Zustand grundlegend verändert. Sie stritten nicht mehr untereinander, sondern trugen eine Last, beharrlich in Einmütigkeit zu beten, und das sogar noch vor dem Tag der Pfingsten, an dem sie den ausgegossenen Geist der Kraft in der Ökonomie empfangen würden (Apg. 2). (Witness Lee, Life-Study of Acts, Botschaft fünf, S. 37)

Johannes beschreibt einen entscheidenden Moment: „Und als Er dies gesagt hatte, hauchte Er in sie hinein und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist“ (Johannes 20:22). Der Geist kommt hier nicht als brausender Sturm, sondern wie ein Atem, der innerlich erfüllt. In den vierzig Tagen bis zur Himmelfahrt erscheint der Herr ihnen wiederholt (Apg. 1:3) und gewöhnt sie daran, seine unsichtbare Gegenwart zu beachten. So werden ihre Herzen umgeprägt: Ihre Sicherheit liegt nicht mehr in der Nähe eines sichtbaren Meisters, sondern in der Treue eines gegenwärtigen, aber verborgenen Herrn. Dass sie zehn Tage lang in Einmütigkeit ausharren, ist darum Ausdruck dieses inneren Werkes. Die Einmütigkeit ist mehr als das Ergebnis einer guten Organisation; sie ist Frucht des einen Lebens, das sie teilen. Der, der ihnen eingehaucht wurde, verbindet, statt zu trennen, und richtet ihren Blick gemeinsam auf Gott aus.

Bemerkenswert ist, dass diese Einmütigkeit gerade in einer angespannten Situation wächst. Jerusalem ist der Ort der Kreuzigung, der religiösen und politischen Spannungen. Rein menschlich läge es nahe, sich zu zerstreuen, Pläne zu schmieden, Verantwortung abzuschieben. Stattdessen kehren sie an den Ort zurück, den der Herr ihnen genannt hatte, und warten „auf die Verheißung des Vaters“ (Apg. 1:4). Es ist, als ob Gott selbst ihren inneren Wandel bestätigt: Die Jünger, die einst kaum einen Augenblick beten konnten, tragen nun gemeinsam die Verheißung, die er erfüllen will. Sie übernehmen Anteil an seinem Plan, ohne ihn in die eigene Hand zu nehmen. Dass der Geist der Kraft dann an Pfingsten ausgegossen wird, ist nicht Lohn ihrer Leistung, aber doch eng verwoben mit dieser Haltung: Gott verwirklicht seine Absicht, indem er Menschen innerlich so verändert, dass sie mit ihm im Gebet übereinkommen.

Wer diese Entwicklung betrachtet, erkennt darin ein tröstliches Muster für die eigene Geschichte mit Gott. Auch heute kennt das Herz des Glaubenden den Weg von Zersplitterung zu Einmütigkeit, von innerer Unruhe zu stillem Ausharren. Der auferstandene Christus bleibt derselbe: Er konfrontiert nicht nur das Verhalten, sondern schenkt ein neues Sein. „Und siehe, ich sende die Verheißung meines Vaters auf euch. Ihr aber, bleibt in der Stadt, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe“ (Lukas 24:49). Zwischen Verheißung und Erfüllung liegt oft ein Raum des Wartens, in dem der Geist lehrt, auszuhalten, sich nicht selbst ins Zentrum zu stellen, sondern gemeinsam auf Gott ausgerichtet zu bleiben. Dort wächst jene stille Stärke, die nicht laut von sich redet und doch tragfähig wird – für Gebet, für Gemeinschaft, für den Dienst am Leib Christi. Darin steckt eine leise Ermutigung: Kein Charakter ist so festgefahren, keine Geschichte so verworren, dass der auferstandene Herr sie nicht in einen Weg der Einmütigkeit hineinführen könnte.

Es entstand aber auch ein Streit unter ihnen, wer von ihnen für den Größten zu halten sei. (Lk. 22:24)

denen Er Sich auch nach Seinem Leiden durch viele unwiderlegbare Beweise als lebendig dargestellt hatte, indem Er ihnen einen Zeitraum von vierzig Tagen hindurch erschien und die Dinge über das Königreich Gottes sprach. (Apg. 1:3)

Der Wandel der Jünger von Streit zu Einmütigkeit macht deutlich, dass bleibende Veränderung aus der Begegnung mit dem auferstandenen Christus wächst: Wo sein Geist das Innere still und beständig erneuert, kann aus menschlicher Zersplitterung eine von ihm gewirkte Einheit werden, in der Gebet nicht Last, sondern geteiltes Vertrauen wird und selbst unscheinbare Wartestrecken in den Raum seiner Vorbereitung verwandeln.

Vom alten Muster zur Führung des innewohnenden Geistes

In der Wahl des Matthias zeigt sich auf eindrückliche Weise, wie die erste Gemeinde in einer Übergangszeit lebt. Einerseits tritt eine neue geistliche Klarheit hervor: Petrus, der in den Evangelien mit spontanen und oft unbedachten Worten auffällt (vgl. Matthäus 16:22; 17:24–26; 26:33–35), steht nun „in der Mitte der Brüder auf“ (Apg. 1:15) und interpretiert mit ruhiger Sicherheit die Schrift. Er erkennt im Schicksal des Judas die Erfüllung dessen, was „im Buch der Psalmen geschrieben“ steht (Apg. 1:20), und leitet daraus die Notwendigkeit ab, den Dienstplatz zu ergänzen. Der gleiche Mann, der einst die Kreuzeswege Jesu abgewiesen hatte, sieht nun im Licht der Schrift, wie Gottes Plan auch durch menschliches Versagen hindurch weitergeht. Darin wird sichtbar, dass der auferstandene Christus sein Verständnis geprägt hat: Er liest die eigene Geschichte und die der Gemeinschaft im Horizont des Wortes Gottes.

Vor dem Tod des Herrn redete Petrus oft unsinnig (Mt. 16:22–23; 17:24–26; 26:33–35), aber nach der Auferstehung des Herrn konnte er in den Versen 16 bis 20 die alttestamentlichen Prophezeiungen in ihrer richtigen Bedeutung angemessen auslegen. Dies ist ebenfalls ein Beweis dafür, dass die Jünger, bevor sie am Tag der Pfingsten den Geist der Kraft in der Ökonomie empfingen, am Tag der Auferstehung des Herrn den Geist des Lebens der Wesensart nach empfangen hatten. (Witness Lee, Life-Study of Acts, Botschaft fünf, S. 39)

Apostelgeschichte 1.beschreibt zugleich, wie die Jünger bei der konkreten Wahl handeln: „Und sie gaben ihnen Lose; und das Los fiel auf Matthias, und er wurde den elf Aposteln zugezählt“ (Apg. 1:26). Damit knüpfen sie an eine vertraute Linie Israels an. Im Alten Bund warfen die Priester Lose, um Gottes Entscheidung sichtbar werden zu lassen: „Und Aaron soll Lose werfen über die zwei Ziegenböcke, ein Los für den HERRN und ein Los für Asasel“ (3.Mose 16:8). Auch das Erbteil des Landes wurde „durch das Los“ zugeteilt (Josua 14:2). Die Jünger stehen noch an der Schwelle: Sie haben den Heiligen Geist als Leben empfangen, sie beginnen, die Schrift neu zu verstehen, und doch bedienen sie sich in dieser frühen Phase noch eines äußeren Mittels, das sie aus der Geschichte Gottes mit Israel kennen. Ihr Handeln ist nicht geistlich minderwertig; es ist Ausdruck eines Gewissens, das Gottes Entscheidung sucht – aber der Weg der inneren, direkten Führung des innewohnenden Geistes ist erst im Werden.

Im weiteren Verlauf der Apostelgeschichte verschiebt sich dieser Schwerpunkt. Später heißt es etwa über die Leitung der Gemeinde in Antiochien: „Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus aus …“ (Apg. 13:2; Text nicht im Pool, aber im biblischen Zusammenhang). Hier ist nicht mehr vom Los die Rede, sondern von einem Hören auf die Stimme des Geistes in der betenden Gemeinschaft. Der Dreieine Gott, der sich in 1. Mose, 3. Mose oder Josua vor allem durch äußere Zeichen und ordnende Strukturen kundgibt, teilt sich nun als innewohnender Geist direkt mit. Die Wahl des Matthias steht genau an dieser Nahtstelle: Sie zeigt einerseits eine erstaunliche Reife in der Auslegung der Schrift, andererseits das Festhalten an einem vertrauten Muster äußerer Bestätigung. Beides gehört zu einer Lernbewegung, in der der auferstandene Herr seine Zeugen langsam aus einer kultisch geprägten Sicherheit in die freie, aber anspruchsvolle Führung des innerlich redenden Geistes hineinleitet.

Dieser Spannungsbogen ist von bleibender Aktualität. Auch heute bewegen sich Glaubende oft zwischen bekannten religiösen Mustern und der zarten, unmittelbaren Leitung des innewohnenden Christus. Äußere Strukturen, Verfahren und Traditionen sind nicht einfach falsch; sie können Ausdruck der Ehrfurcht vor Gottes Entscheidung sein. Doch sie tragen die Gefahr, zur Ersatzsprache zu werden, wenn die Aufmerksamkeit für die leise Stimme des Geistes im Herzen erlahmt. Die frühen Jünger zeigen, dass Gott geduldig mit diesem Übergang umgeht: Er verwirft ihren Weg nicht, sondern führt sie Schritt für Schritt weiter. Die innere Erneuerung – der Geist, der belehrt, überführt, tröstet – drängt langsam nach vorne, bis Entscheidungen mehr aus der lebendigen Gemeinschaft mit dem Herrn und weniger aus äußerer Absicherung getroffen werden.

Und in diesen Tagen stand Petrus in der Mitte der Brüder auf und sprach (Apg. 1:15)

Denn es steht im Buch der Psalmen geschrieben: «Seine Wohnung werde öde, und es sei niemand, der darin wohne», und: «Sein Aufseheramt empfange ein anderer.» (Apg. 1:20)

Die Wahl des Matthias spiegelt die Bewegung von äußerer zu innerer Leitung wider und macht Mut, auch die eigenen Übergangsphasen nicht zu verachten: Wo Entscheidungen noch von vertrauten Mustern geprägt sind, aber im ehrlichen Gebet an den Herzenskenner festgemacht werden, ist der Raum geöffnet, in dem der innewohnende Geist uns geduldig in ein reiferes Hören hineinführt und Vertrauen an die Stelle bloßer Absicherung treten lässt.


Herr Jesus Christus, erhöhte und lebendige Mitte deiner Gemeinde, danke, dass deine Himmelfahrt nicht Distanz bedeutet, sondern dass du als lebengebender Geist nahe bist und in deinen Menschen wohnst. Wo unser Blick klein und irdisch geworden ist, richte ihn neu auf deine himmlische Regierung und auf die Gewissheit deines Wiederkommens. Stärke in uns das Vertrauen, dass deine vollbrachte Erlösung genügt und dass du uns in unserer Schwachheit zu Zeugen deiner Auferstehung machen kannst. Lehre uns, wie die Jünger im Obersaal in Einmütigkeit vor dir zu bleiben, uns von dir innerlich verändern zu lassen und deine leise Führung ernster zu nehmen als unsere alten Muster und Sicherheiten. Erfülle dein Volk neu mit dem Geist der Kraft und des Gebets, damit dein Leib aufgebaut und das Evangelium kraftvoll bezeugt wird, bis du sichtbar wiederkommst. Bewahre alle, die sich nach deinem Wirken sehnen, in deiner Treue und schenke ihnen Hoffnung und inneren Trost auf dem Weg. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Acts, Chapter 5