Das verarbeitete Leben zur Vermehrung (4)
Ostern ist für viele Menschen vor allem eine vertraute Geschichte, doch zwischen dem Wissen um ein leeres Grab und der lebendigen Begegnung mit dem Auferstandenen liegt eine große Spannweite. Johannes 20 zeigt uns Menschen, die derselben Tatsache gegenüberstehen und sie doch völlig unterschiedlich wahrnehmen – vom verschlafenen Zurückbleiben über nüchterne Erkenntnis bis hin zur tiefen Herzensbegegnung. Gerade in dieser Spannung wird sichtbar, wie Gott durch das verarbeitete Leben Christi nicht nur ein Ereignis in der Vergangenheit, sondern eine Quelle gegenwärtiger Vermehrung und Gemeinschaft geschaffen hat.
Die Tatsache der Auferstehung und das liebende Suchen
Die Auferstehung Christi ist kein inneres Gefühl und keine fromme Deutung der Jünger, sondern ein vollendeter Vorgang in Gottes Geschichte mit der Welt. Sie steht fest, ob Menschen sie beachten oder vergessen, ob sie geglaubt oder bestritten wird. Als Petrus und Johannes zum Grab eilen, betreten sie deshalb keinen Raum vager Hoffnung, sondern ein Feld bereits geschehener Wirklichkeit. Die Leinentücher liegen geordnet, die Kopfbinde ist sorgfältig zusammengelegt – stille Zeugen eines Sieges, der sich ohne menschliches Zutun vollzogen hat. So berichtet es die Schrift, wenn in 1. Petrus 1:3. von Gott gesagt wird, es heiße, dass Er uns „wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“. Der Apostel blickt zurück auf etwas, das erledigt ist, und von dem her alles weitere geistliche Leben seinen Ausgang nimmt. Doch dieselbe Erzählung in Johannes 20 zeigt eine andere Seite: Neben der objektiven Tatsache steht die Frage, wer sie wahrnimmt, wer sich von ihr berühren, wer in sie hineinführen lässt.
Obwohl die Auferstehung des Herrn bereits vollbracht war, bedurfte ihre Entdeckung des Suchens durch Seine Jünger. Die Auferstehung des Herrn Jesus wurde von den liebenden Suchern entdeckt. Johannes 20 zeigt, welche Art von Menschen die Auferstehung des Herrn erkennen und welchen Menschen die Vision Seiner Auferstehung offenbart werden kann. (Witness Lee, Life-Study of John, Botschaft fünfundvierzig, S. 539)
Genau hier tritt das liebende Suchen ins Bild. Maria aus Magdala verfügt nicht über klare Auferstehungslehre; sie kommt, „als es noch finster war“, mit einem Herzen, das den Herrn verloren zu haben meint. Ihr Verstehen bleibt zunächst hinter ihr Suchen zurück. Sie sieht den weggewälzten Stein, sie sieht das leere Grab, sie spricht mit Engeln – aber sie geht nicht einfach wieder nach Hause. Während Petrus und Johannes, nachdem sie gesehen und geglaubt haben, in ihre Häuser zurückkehren, bleibt Maria an dem Ort, an dem sie den Herrn zuletzt wusste. Ihr Weinen, ihr Fragen, ihr beharrendes Stehenbleiben vor dem scheinbar sinnlosen leeren Ort wird zum Gefäß, in das der Auferstandene seine erste persönliche Offenbarung legt. So entsteht ein feines geistliches Muster: Der Herr lässt sich finden, wo sein festes Werk auf ein sehnsüchtiges Herz trifft. Die Auferstehung ist da, bevor wir suchen; aber sie beginnt uns zu verwandeln, wo unser Inneres nicht bei nüchterner Kenntnis stehenbleibt, sondern in Liebe die lebendige Person hinter der Tatsache sucht. Wer so sucht, erfährt, dass das, was objektiv längst gilt, zu einer Quelle von Trost, Korrektur und Kraft im eigenen Leben wird.
Die Linie, die sich in dieser Szene abzeichnet, ist weitreichend. Ein Mensch kann an Kreuz und Auferstehung glauben, die Sätze des Glaubensbekenntnisses zustimmend sprechen und doch innerlich von der Macht des Todes geprägt bleiben: von Resignation, von Zynismus, von unversöhnten Brüchen. Die Auferstehung bleibt dann ein Stück Lehrbestand, aber sie dringt nicht in die Reaktionsmuster des Herzens ein. Maria steht für eine andere Haltung. Sie ist in ihrem Schmerz nicht gelähmt, sondern suchend. Sie nimmt die eigene Verwirrung ernst, flieht aber nicht vor ihr, sondern trägt sie dorthin, wo sie den Herrn vermutet. So erhält das leere Grab eine neue Bedeutung: Es ist nicht mehr bloß ein Rätsel, das erklärt werden müsste, sondern ein Ort, an dem der Auferstandene sich finden lässt. Die Schrift weist in Römer 8:29 darauf hin, dass Gott uns „dem Bild Seines Sohnes gleichgestaltet“ und der Sohn „der Erstgeborene unter vielen Brüdern“ ist. Diese große Absicht Gottes gewinnt im Konkreten dort Gestalt, wo Menschen sich wie Maria nicht mit Fernwissen zufriedengeben, sondern sich vom Auferstandenen persönlich rufen lassen.
Aus dieser Beobachtung wächst eine stille, zugleich tiefgehende Konsequenz für unser eigenes geistliches Leben. Die großen Wahrheiten des Evangeliums werden fruchtbar, wo sie auf ein Herz treffen, das mehr will als Rechtgläubigkeit – ein Herz, das nach der Nähe des Herrn hungert, das seine Gegenwart im heutigen Dunkel nicht loslässt. Ein solches Suchen ist nicht laut und nicht spektakulär; es besteht oft im Bleiben, im Ausharren an den scheinbar leeren Orten, im Weinen, im Fragen. Gerade dort aber kommt der Auferstandene gern hinzu und schreibt seine lebendige Wirklichkeit in die Biographie eines Menschen ein. Wer im Licht dieser Szene auf sein eigenes Leben schaut, entdeckt: Die Auferstehung ist größer als die Enge meiner Wahrnehmung, und doch beugt sie sich hinab bis auf die Ebene meiner Tränen. Das ermutigt, die bekannten Worte nicht zu verlassen, sondern tiefer in sie hineinzuwachsen – in der Erwartung, dass der Herr auch heute denen seine Auferstehung zeigt, die ihn in Liebe suchen.
Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach Seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, (1.Pet. 1:3)
Weil Er die, die Er vorher erkannt hat, auch vorherbestimmt hat, dem Bild Seines Sohnes gleichgestaltet zu sein, damit Er der Erstgeborene unter vielen Brüdern sei; (Röm. 8:29)
Die Spannung zwischen bereits vollendeter Auferstehung und noch suchendem Herzen bewahrt vor geistlicher Oberflächlichkeit. Sie lädt ein, die objektiven Wahrheiten des Evangeliums nicht zu relativieren, sondern gerade ernst zu nehmen, indem man sie mit einem sehnsüchtigen, fragenden, verweilenden Herzen verbindet. So wird der Glaube an den auferstandenen Christus von einer bloßen Zustimmung zu einer gelebten Beziehung, in der der Herr selbst die Brücke zwischen der Tatsache seines Sieges und den offenen, oft schmerzhaften Fragen unseres Alltags schlägt.
Vom Fakt zur Erfahrung: Begegnung mit dem Auferstandenen
Vor dem leeren Grab wird deutlich, wie weit das Herz eines Menschen und seine Wahrnehmung der Gegenwart Christi auseinanderliegen können. Maria steht unmittelbar dort, wo der Herr gelegen hatte, und erlebt dennoch innerlich nur Verlust. Sie klagt: „Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“ In ihrer Sicht ist alles, was bleibt, ein geraubter Leichnam, ein verschwundenes Andenken, eine unerklärliche Leerstelle. Selbst die Engel, die sie sehen darf, stillen ihre innere Not nicht. Es ist, als ob der Himmel selbst sie vorbereitete, aber noch nicht tröstete. Die Jünger hatten zuvor die Fakten geprüft, ihre Schlüsse gezogen und waren gegangen; Maria bleibt zurück mit einem Herzen, das den Herrn vermisst, ohne ihn noch im Glauben fassen zu können. Gerade in dieser Spannung tritt der Auferstandene hinzu, unerkannt, scheinbar ein Gärtner, einer unter vielen. Erst als er sie mit ihrem Namen anspricht, öffnet sich ihr Blick. Von außen betrachtet war der Herr schon die ganze Zeit da; von innen her gesehen war er bis zu diesem Augenblick unerreichbar.
Möglicherweise hatte der Herr Jesus selbst nicht vor, einem Seiner Jünger zu begegnen. Als Erstlingsfrucht der Auferstehung sollte Er in Seiner Neuheit und Frische dem Vater dargebracht werden. Zuerst hätte Er niemandem außer dem Vater begegnen sollen. Doch wegen des Ernstes und des suchenden Herzens dieser Schwester konnte der Herr Jesus Sich nicht von ihr fernhalten. So erschien Er ihr. (Witness Lee, Life-Study of John, Botschaft fünfundvierzig, S. 543)
In dieser zarten Wende vom Nicht-Erkennen zum Erkennen liegt der Übergang vom bloßen Faktum zur persönlichen Erfahrung. Maria braucht nicht zuerst eine vollständig geklärte Auferstehungslehre, sie braucht die Stimme des Herrn, die sie in ihrer Verlorenheit findet. Der Auferstandene legt den Weg nicht als intellektuelle Prüfung an, sondern als Beziehung. Erkenntnis führt an die Schwelle; hinüber führt sein Ruf. Dasselbe Grundmuster erscheint am Abend jenes Tages im Kreis der Jünger. Während die Türen aus Furcht verschlossen sind, steht der Herr in ihrer Mitte und sagt: „Friede sei mit euch“, und er zeigt ihnen Hände und Seite. Die Evangelien bezeugen, wie er sie sogar auffordert, ihn konkret wahrzunehmen; so heißt es in Lukas 24:39: „Seht meine Hände und meine Füße, daß ich es selbst bin; betastet mich und seht, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr seht, daß ich habe.“ Was am Morgen in der Begegnung mit Maria persönlich begann, weitet sich am Abend zu einer gemeinsamen Erfahrung: Der Auferstandene tritt in ihre Mitte, er bringt Frieden in ihre Angst, und er macht seine Auferstehungswirklichkeit berührbar.
Auffällig ist zudem die Bewegung, dass der Herr Maria zunächst den direkten körperlichen Kontakt untersagt. „Rühr mich nicht an, denn ich bin noch nicht zum Vater aufgefahren“, sagt er in Johannes 20:17. In dieser Zurückhaltung leuchtet eine heilige Ordnung auf: Die Neuheit und Frische der Auferstehung gehört zuerst dem Vater. Das durch Tod und Auferstehung hindurchgegangene, verarbeitete Leben des Sohnes wird zunächst Gott dargebracht, dem Ursprung aller Dinge, dem Ziel allen Heilshandelns. Der Sohn trägt seine Wunden und seinen Sieg in die Gegenwart des Vaters hinein, bevor er sich den Jüngern als bleibender Gegenwärtiger hingibt. Doch dieselbe Perikope zeigt, wie mitten in dieser auf Gott ausgerichteten Bewegung noch Raum für die Sehnsucht eines suchenden Herzens bleibt: Maria darf die erste Botin des Auferstehungstages sein, sie wird mit einer Nachricht gesendet, die sie selbst kaum zu fassen vermag.
Wenn der Herr am Abend desselben Tages die Jünger ermutigt, ihn anzusehen und zu berühren, und wenn er über sie haucht und ihnen seinen Geist schenkt, wird sichtbar, wohin der Weg führt: Die Gegenwart des Auferstandenen bleibt nicht äußerlich, sondern wird innerlich, nicht flüchtig, sondern bleibend. Er, der zunächst verborgen neben dem Grab stand, bewohnt nun die Mitte der Versammelten und dringt durch seinen Geist in ihr Inneres ein. So wird die persönliche Anrede „Maria!“ zur Vorwegnahme dessen, was allen Jüngern zugedacht ist: eine durch den Geist vermittelte, erfahrbare Nähe des Auferstandenen. Das Herz, das am Morgen im Dunkel tastete, findet sich am Ende des Tages eingebunden in eine Gemeinschaft, in der Christus als der Lebendige gegenwärtig ist. Darin liegt eine stille Ermutigung: Zwischen dem Nicht-Erkennen und der erfahrbaren Nähe des Herrn liegt kein unerreichbarer Abgrund, sondern sein eigener Schritt auf uns zu – oft mitten hinein in verschlossene Räume, ängstliche Gedanken und alte Verletzungen.
Seht meine Hände und meine Füße, daß ich es selbst bin; betastet mich und seht, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr seht, daß ich habe. (Lk. 24:39)
Jesus sagte zu ihr: Rühr Mich nicht an, denn Ich bin noch nicht zum Vater aufgefahren; geh aber zu Meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu Meinem Vater und eurem Vater und zu Meinem Gott und eurem Gott. (Joh. 20:17)
Der Weg vom Wissen zur Begegnung verläuft selten geradlinig. Die Erzählung von Maria und den Jüngern bewahrt davor, die eigene Ratlosigkeit oder Trockenheit vorschnell zu verurteilen, und zugleich davor, sich in einem bloß theoretischen Glauben einzurichten. Sie lädt dazu ein, das eigene Leben als Raum zu sehen, in dem der Auferstandene sich zeigen will – manchmal im Fragen, manchmal im Hören des eigenen Namens, manchmal im unerwarteten Frieden inmitten verschlossener Türen. Wer sich dieser leisen, aber treuen Initiative Christi öffnet, entdeckt, dass seine Auferstehung nicht nur gestern geschehen ist, sondern heute zur erfahrbaren Gegenwart wird.
Viele Brüder: Die Vermehrung des Sohnes in der Auferstehung
Wenn der Auferstandene Maria seinen Auftrag gibt, klingt in seinen Worten eine völlig neue Anrede an: „Geh aber zu meinen Brüdern.“ Vor der Auferstehung hatte der Herr seine Jünger Knechte oder Freunde genannt; nun, nach dem Durchgang durch Tod und Auferstehung, spricht er von Brüdern. Diese Veränderung ist mehr als eine gesteigerte Vertraulichkeit. Sie zeigt an, dass in der Auferstehung etwas Neues in Gottes Heilsgeschichte geschehen ist: Der einziggeborene Sohn ist zum Erstgeborenen unter vielen Brüdern geworden. Römer 8:29 bringt diese Bewegung in eine dichte Formulierung, indem es heißt, Gott habe uns vorherbestimmt, „dem Bild Seines Sohnes gleichgestaltet zu sein, damit Er der Erstgeborene unter vielen Brüdern sei“. Aus dem einen Sohn ist nicht eine lose Glaubensgemeinschaft entstanden, sondern eine wirkliche Familie, die an seinem Leben Anteil hat.
Vor Seiner Auferstehung nannte der Herr Seine Jünger niemals „Brüder“. Der innigste Ausdruck, den Er bis dahin gebrauchte, war „Freunde“. … Jetzt aber, nach Seiner Auferstehung, sind Seine „Freunde“ zu Seinen „Brüdern“ geworden. Durch Seine Auferstehung sind Seine Jünger wiedergeboren worden (1.Petr. 1:3) mit dem göttlichen Leben, das durch Seinen lebenmitteilenden Tod freigesetzt wurde, wie in 12:24 angedeutet. (Witness Lee, Life-Study of John, Botschaft fünfundvierzig, S. 546)
Der Weg dorthin führt über das Bild des Weizenkorns, das der Herr in Johannes 12 gebraucht. Das eine Korn fällt in die Erde, stirbt und bringt viele Körner hervor. Im Licht der Auferstehung wird dieses Bild transparent: Der Sohn Gottes, der einziggeborene, lässt sich in den Tod hineinfallen, um in der Auferstehung als das vermehrte Leben in vielen hervorzukommen. 1. Petrus 1:3. greift genau das auf, wenn es von Gott heißt, dass Er uns „wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“. In der Auferstehung wird nicht nur Christus bestätigt, sondern sie wird zur Geburtsstunde vieler. Wer an ihn glaubt, empfängt nicht nur Vergebung, sondern wird in dasselbe göttliche Leben hineingezogen, das im Sohn Wohnung hat. Aus der Perspektive des Vaters gesehen bedeutet dies, dass er in Christus nicht mehr nur den Einen, sondern viele Söhne vor sich hat, die alle von derselben Lebensquelle getragen sind.
Wenn der Herr von „meinem Vater und eurem Vater, meinem Gott und eurem Gott“ spricht, legt er die Spannung zwischen Einzigartigkeit und Gemeinschaft offen. Er bleibt der eingeborene Sohn in seinem einzigartigen Verhältnis zum Vater; zugleich teilt er seine Stellung, soweit es einem Geschöpf nur möglich ist, mit denen, die an ihn glauben. Die Jünger werden nicht göttlich im Sinne eigener Göttlichkeit, aber sie erhalten in Christus Anteil an der Sohnschaft – sie werden in den Raum hineingenommen, in dem Christus als Sohn vor dem Vater steht. Die Gemeinde ist in diesem Sinn kein religiöser Verein, sondern der Kreis derer, die aus dem auferstandenen Leben geboren sind. Paulus fasst dies in 1. Korinther 10:17 in ein starkes Bild: „Da es ein Brot ist, sind wir, die Vielen, ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot.“ Viele Körner bilden ein Brot, viele Brüder einen Leib – die Vermehrung des Sohnes nimmt konkrete Gestalt in einer sichtbaren, gemeinschaftlichen Wirklichkeit an.
So erweist sich die Auferstehung als der Weg Gottes zur Vermehrung seines Lebens in der Welt. Was am Morgen des dritten Tages im Garten bei der Grabhöhle geschieht, hat eine Reichweite bis an die Enden der Erde und bis zum Ende der Zeiten: Aus der Einsamkeit des einen Sohnes wächst eine große Familie; aus dem einen Kreuz folgt eine vielstimmige, aber von einem Geist durchwehte Gemeinde. Der Vater, für den und durch den alle Dinge sind, „führt viele Söhne zur Herrlichkeit“ und schämt sich nicht, sie Brüder des Erstgeborenen zu nennen. Wer sich selbst als Teil dieser vielen Brüder und Schwestern versteht, trägt eine doppelte Würde: Er lebt aus einer Quelle, die stärker ist als Tod und Sünde, und er ist hineingestellt in einen Leib, der Christus sichtbar machen soll.
Jesus sagte zu ihr: Rühr Mich nicht an, denn Ich bin noch nicht zum Vater aufgefahren; geh aber zu Meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu Meinem Vater und eurem Vater und zu Meinem Gott und eurem Gott. (Joh. 20:17)
Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach Seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, (1.Pet. 1:3)
Die Rede von den „vielen Brüdern“ verankert den Glauben an die Auferstehung in einer gemeinsamen Berufung. Sie lädt dazu ein, die eigene Identität nicht isoliert zu denken, sondern als Teil einer von Christus selbst hervorgebrachten Familie. Indem dieser Blick wächst, werden Vergleich, Konkurrenz und Vereinsamung relativiert, und an ihre Stelle tritt die Erfahrung, gemeinsam an einem Leben Anteil zu haben, das aus dem Tod hervorgegangen ist und in dem der Erstgeborene in vielen Widerschein findet.
Herr Jesus Christus, du Auferstandener, danke, dass deine Auferstehung mehr ist als eine Geschichte, dass du selbst das Leben bist, das den Tod überwunden hat. Du siehst unsere Klarheit und unsere Blindheit, unsere Erkenntnis und unsere Tränen, und du stehst oft näher bei uns, als wir ahnen. Öffne unsere inneren Augen, damit wir nicht beim leeren Grab stehenbleiben, sondern deine persönliche Gegenwart erkennen, wenn du uns beim Namen rufst. Vater, wir preisen dich, dass du durch die Auferstehung deines Sohnes viele Söhne hervorgebracht hast und uns in dieselbe Familie hineingenommen hast, sodass du unser Vater und unser Gott bist. Lass die Kraft dieses verarbeiteten Lebens in uns wirken, damit die Wirklichkeit der Auferstehung unseren Alltag, unsere Gemeinschaft und unser Erleben als deine Gemeinde durchdringt. Stärke die Müden, tröste die Weinenden, vertiefe die Liebe derer, die suchen, und lass uns als viele Brüder gemeinsam ein lebendiger Ausdruck deiner Herrlichkeit sein. In dieser Hoffnung und in diesem Vertrauen bergen wir uns in dir. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of John, Chapter 45