Das Wort des Lebens
lebensstudium

Der Dienst des Menschen-Erretters in Seinen menschlichen Tugenden mit Seinen göttlichen Eigenschaften von Galiläa nach Jerusalem (5)

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Viele Christen empfinden Gebet als Last oder als Liste von Anliegen, die man vor Gott bringt – und bleiben doch innerlich leer. Lukas zeichnet jedoch ein anderes Bild: Er zeigt den Mensch-Erretter, in dem göttliche Eigenschaften und menschliche Tugenden miteinander verbunden sind, und gerade so öffnet Er uns den Weg in eine Gebetswirklichkeit, in der wir in Gott selbst hineingenommen und durch seinen Geist versorgt werden. Wer diese Linie in Lukas 11 erkennt, entdeckt, dass Gebet weit mehr ist als Worte – es ist ein Hineingezogenwerden in die Gegenwart des Dreieinen Gottes und in die Freiheit des neutestamentlichen Jubeljahres.

Der Mensch-Erretter: Gott und Mensch in einer Person

Wenn Lukas von Jesus als dem Mensch-Erretter spricht, rückt er eine Wirklichkeit in den Mittelpunkt, die unser Denken über Gott und Mensch still, aber grundlegend verändert. Jesus ist nicht entweder Gott oder Mensch, nicht einmal abwechselnd Gott und Mensch, sondern in einer Person zugleich der vollständige Gott und der vollkommene Mensch. In Ihm berühren sich oben und unten, ohne sich zu verwischen. Die göttliche Natur bleibt göttlich, die menschliche Natur bleibt menschlich; und doch sind beide in einer unauflöslichen Einheit verbunden. So begegnen wir im Evangelium einem, der müde wird und sich ausruht, der Hunger hat und isst, der weint und mitleidet – und in denselben Zügen einem, der Sünden vergibt, Dämonen austreibt, Herzen durchschaut und mit souveräner Freiheit das Reich Gottes bringt. Wenn Lukas in seinem Evangelium diesen Mensch-Erretter zeichnet, lenkt er unseren Blick auf eine Person, in der sich die tiefste Nähe Gottes und die volle Realität des Menschseins nicht ausschließen, sondern gegenseitig durchdringen.

Bis jetzt sollten wir erkannt haben, dass Lukas in seinem Evangelium den Menschen-Erretter als denjenigen offenbart, der aus der göttlichen Essenz, vermengt mit der menschlichen Essenz, zusammengesetzt ist. Als ein solcher ist Er der Gott-Mensch, weil Er sowohl der vollständige Gott als auch ein vollkommener Mensch ist. In Ihm sehen wir Gott und den Menschen. In Ihm haben wir den vollständigen Gott und einen vollkommenen Menschen. Das bedeutet, dass wir in Ihm eine Zusammensetzung der Vermengung Gottes mit dem Menschen haben. In dieser Vermengung verliert der Menschen-Erretter jedoch weder die göttliche Natur, die Natur Gottes, noch die menschliche Natur, die Natur des Menschen. Vielmehr bleiben in dieser Vermengung diese Naturen unterscheidbar, und es entsteht keine dritte Natur. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft siebenundzwanzig, S. 228)

Aus dieser heiligen Verbindung erwächst eine Moral, die nicht von menschlichen Idealen lebt, sondern von göttlichen Eigenschaften, die sich in menschlichen Tugenden aussprechen. Liebe wird bei Jesus nicht bloß Empfindung, sondern der Ausdruck des ewigen göttlichen Liebens in menschlichem Mitgefühl; Barmherzigkeit ist nicht nur Güte, sondern die Zartheit Gottes im Rahmen unserer menschlichen Empfindungen; Demut ist nicht eine Charakteranlage, sondern die freiwillige Selbsterniedrigung des Sohnes Gottes in der Gestalt eines Knechtes. Jesus ist „von einer menschlichen Jungfrau mit der menschlichen Essenz geboren“ und besitzt darum „die menschliche Natur mit den menschlichen Tugenden“, und zugleich bleibt Er der Sohn, in dem der Vater sein ganzes Wohlgefallen hat. Diese Verbindung von göttlicher Eigenschaft und menschlicher Tugend wird im Gebetsleben besonders sichtbar. Kein Mensch hat Gott jemals so gefürchtet wie Jesus: Er handelt nicht aus sich selbst, sucht nicht seine eigene Ehre, spricht nicht seine eigenen Worte, sondern lebt in einer stillen, durchgehenden Abhängigkeit vom Vater. Wenn Er in Lukas 11 über das Gebet spricht, lehrt Er darum nicht eine Technik, sondern öffnet den Zugang in diese göttlich-menschliche Wirklichkeit, in der wir als Menschen mit Gott verbunden leben. Wo wir so auf den Mensch-Erretter sehen, fällt das Gebet nicht mehr in die Kategorie religiöser Pflicht, sondern wird zur Antwort auf eine Person, in der Gott zu uns herabgekommen ist, um uns in sein eigenes Leben hineinzuziehen.

Besonders tröstlich ist: Dieser Gott-Mensch ruft das neutestamentliche Jubeljahr aus, in dem Gefangene freikommen, Schuld erlassen wird und ein neuer Anfang möglich wird. Er befreit nicht nur von Sünde, Satan und Welt, sondern eröffnet den Zugang zum Genuss des Dreieinen Gottes selbst. Das Gebet, das Er uns lehrt, steht auf diesem Boden der Gnade. Wenn wir den Mensch-Erretter so sehen, verliert das Gebet seinen drohenden Charakter. Es wird zu einem Weg, auf dem wir von seiner Person geprägt werden: Wir kommen mit unserer Schwachheit zu einem, der unsere menschlichen Grenzen kennt, aber aus göttlicher Fülle handelt. Lukas 11 beginnt darum nicht mit einer Forderung an die Jünger, sondern mit einer Beobachtung: „Und während Er an einem gewissen Ort war und betete, sagte ein Gewisser Seiner Jünger zu Ihm, als Er beendet hatte: Herr, lehre uns beten“ (Lukas 11:1). Das Gebet, das Jesus lehrt, wächst aus seinem eigenen Gebet, aus seinem Leben als Gott und Mensch in einer Person. Wer sich von dieser Sicht gewinnen lässt, darf im Gebet aufatmen: Er tritt nicht in einen kalten himmlischen Gerichtssaal, sondern in die Gegenwart des Mensch-Erretters, in dessen Gesicht Gottes Licht und menschliche Nähe zugleich sichtbar werden. In dieser Atmosphäre bekommt unser eigenes Gebet Raum, sich zu lösen von der Angst vor Versagen und sich zu öffnen für ein Leben, das von der göttlichen Fülle durch menschliche Schwachheit hindurch getragen wird.

Und während Er an einem gewissen Ort war und betete, sagte ein Gewisser Seiner Jünger zu Ihm, als Er beendet hatte: Herr, lehre uns beten, so wie auch Johannes seine Jünger gelehrt hat. (Lk. 11:1)

Wo Jesus als der Mensch-Erretter so vor uns steht, darf unser Gebetsleben von einem inneren Druck befreit werden, alles „richtig“ machen zu müssen. Es braucht nicht zuerst eine ausgefeilte Methode, sondern einen erneuerten Blick auf seine Person: Gott, der sich nicht scheut, in unsere menschliche Begrenztheit einzutreten, und Mensch, der sich ganz dem Vater öffnet. Aus dieser Sicht wächst Vertrauen: Wir kommen mit unseren zerbrochenen Tugenden zu dem vollkommenen Menschen, der unsere Menschlichkeit kennt, und mit unserer Glaubensarmut zu dem vollständigen Gott, der nicht arm an Barmherzigkeit ist. Gebet wird so zum stillen Einüben dieser Beziehung – ein Weg, auf dem wir uns von seinem göttlich-menschlichen Leben prägen lassen und langsam entdecken, dass seine Gegenwart wichtiger ist als die Erfüllung unserer Vorstellungen.

Gebet: uns selbst in Gott hineinbeten

Der Zugang zum Gebet in Lukas 11 beginnt erstaunlich unspektakulär. Die Jünger sehen Jesus beten und merken, dass in seiner Art zu beten etwas liegt, das sie nicht kennen. Aus dieser Beobachtung entsteht ihre Bitte: „Herr, lehre uns beten“ (Lukas 11:1). Jesus antwortet nicht mit einer langen Abhandlung, sondern mit einem schlichten, klaren Gebet, das die Blickrichtung des Herzens ordnet: „Vater, geheiligt werde Dein Name; Dein Königreich komme“ (Lukas 11:2). Am Anfang steht nicht das Ich, sondern der Vater; nicht das Problem, sondern der Name Gottes; nicht die eigene Agenda, sondern das Kommen seines Reiches. Wer dieses Gebet ehrlich betet, merkt, wie sich der innere Schwerpunkt verschiebt. Die eigenen Bedürfnisse verschwinden nicht, aber sie ordnen sich einem größeren Ganzen unter. Die Beziehung zum Vater wird zum Zentrum, aus dem heraus alles andere gesehen wird.

In 11:1–13 finden wir die Lehre des Menschen‑Erretters über das Gebet. Wenn wir diesen Abschnitt immer wieder aufmerksam lesen, erkennen wir, dass Gebet bedeutet, dass wir uns selbst in Gott hineinbeten. … Ich komme zu dem Schluss, dass, wenn wir auf diese Weise immer wieder beten, das Ergebnis sein wird, dass wir uns selbst in Gott hineinbeten. Mit anderen Worten: Das Ergebnis dieses Gebets ist, dass wir uns in Gott wiederfinden. Wenn wir gemäß der Lehre des Herrn in diesen Versen beten, werden wir Menschen in Gott sein. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft siebenundzwanzig, S. 230)

In dieser Bewegung liegt der Schlüssel zum Verständnis dessen, was es heißt, sich im Gebet „in Gott hinein zu beten“. Wenn wir mit diesem Gebet leben, treten wir mit unserer Geschichte, unseren Verletzungen und unseren Wünschen in einen Raum, in dem Gottes Name, Gottes Königreich, Gottes Wille und Gottes Vergebung größer sind als wir selbst. Das tägliche Brot, um das wir bitten, steht dann nicht isoliert da, sondern im Licht des Vaters, der weiß, was wir brauchen. Auch die Bitte um Vergebung und die Bereitschaft, anderen zu vergeben, sind nicht moralische Höchstleistungen, sondern Ausdruck dessen, dass wir uns innerlich in die Wirklichkeit von Gottes Gnade und Herrschaft hineinnehmen lassen. Wer so betet, wird mit der Zeit entdecken: Gebet ist weniger ein Mittel, Gott für eigene Pläne zu gewinnen, als ein Weg, in Gottes Wirklichkeit hineinzuwachsen. „Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir vergeben jedem, der an uns schuldig geworden ist. Und führe uns nicht in Versuchung“ (Lukas 11:4). In solchen Worten beugt sich ein Herz unter Gott und findet gerade darin Freiheit.

Wenn Gebet uns von Gott wegzieht, indem es ständig um unsere eigenen Ansprüche kreist, verfehlt es seinen eigentlichen Sinn. Es bleibt dann in der engen Kammer des eigenen Ichs gefangen, auch wenn viele fromme Worte fallen. Beim Mensch-Erretter lernen wir eine andere Richtung: Sein Gebet geht vom Vater aus und führt zum Vater zurück. So wird das Gebet zu einer Art innerer Weg: Wir kommen mit unserer Unruhe, unseren Fragen, unserer Schuld, und während wir die Worte dieses Gebets bewegen, lässt Gott uns seinen Blick, seine Prioritäten, seine Barmherzigkeit teilen. Wer sich darauf einlässt, wird erfahren, dass in der Nähe des Vaters manches, was vorher groß erschien, klein wird, und anderes, das wir gering achteten – Heiligung seines Namens, Kommen seines Reiches, Kraft zur Vergebung –, unerwartet kostbar wird. Gerade darin liegt Ermutigung: Auch wenn das eigene Gebetsleben brüchig und unbeständig wirkt, bleibt die Einladung bestehen, mit diesem einfachen Gebet zu beginnen und sich von Gott Schritt für Schritt in seine eigene Weite hineinziehen zu lassen.

Es gehört zur Sanftmut des Mensch-Erretters, dass Er mit solchen Worten unser Herz nicht bedrängt, sondern öffnet. Lukas zeichnet Jesus hier nicht als strengen Lehrer, sondern als einen, der seine Jünger in ein Gebetsleben hineinführt, das sie selbst nie hätten erfinden können. Das entlastet: Wir müssen nicht in einem Zug zu „Menschen in Gott“ werden; vielmehr dürfen wir in vielen kleinen Gebeten lernen, uns von uns selbst weg und hin zum Vater beten zu lassen. Auf diesem Weg werden wir merken, dass sich Beziehungen klären, Bitterkeit an Kraft verliert, Sorgen weniger laut schreien – nicht weil wir uns zusammengerissen hätten, sondern weil wir in Gottes Gegenwart zu anderen Menschen werden. So wird das Gebet, das Jesus in Lukas 11 lehrt, zu einem stillen, aber kraftvollen Strom, der unser Leben in eine Richtung trägt, die wir alleine nie gefunden hätten.

Und Er sagte zu ihnen: Wenn ihr betet, sagt: Vater, geheiligt werde Dein Name; Dein Königreich komme. (Lk. 11:2)

Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir vergeben jedem, der an uns schuldig geworden ist. Und führe uns nicht in Versuchung. (Lk. 11:4)

Die Perspektive von Lukas 11 lädt dazu ein, das eigene Gebet weniger an inneren Gefühlen und sichtbaren Ergebnissen zu messen und stärker an der Frage, wohin es unser Herz bewegt. Dort, wo der Name des Vaters, sein Reich und seine Vergebung mehr Raum gewinnen als unsere Selbstverteidigung und unsere Ängste, sind wir dabei, uns in Gott hineinbeten zu lassen. Diese Bewegung geschieht oft unscheinbar: im leisen Wiederholen der Worte, im Ringen um Vergebung, im erneuten Sagen des „Dein“ vor dem eigenen „unser“. Gerade hier wirkt der Mensch-Erretter mit seinen göttlichen Eigenschaften in unseren menschlichen Empfindungen und lässt ein Gebetsleben wachsen, das nicht brillant, aber echt ist – und das uns in eine immer tiefere Heimat in Gott hineinführt.

Der Heilige Geist als unsere Lebensversorgung

Nachdem Jesus seine Jünger das Gebet zum Vater gelehrt hat, erzählt Er eine kleine Nachtgeschichte. Ein Mann bekommt unerwarteten Besuch und steht mit leeren Händen da. Er geht zu seinem Freund und bittet um drei Brote. Die Tür ist verschlossen, das Haus zur Ruhe gekommen, alles spricht gegen Hilfe. Und doch heißt es: „Ich sage euch, wenn er auch nicht aufstehen und ihm geben wird, weil er sein Freund ist, so wird er wenigstens um seiner Unverschämtheit willen aufstehen und ihm geben, so viel er braucht“ (Lukas 11:8). Damit zeichnet Jesus kein Bild eines widerwilligen Gottes, sondern ermutigt zu beharrlichem, unverschämtem Bitten. Die drei Brote stehen für eine Lebensversorgung, die wir selbst nicht erzeugen können, die aber für andere dringend nötig ist. Im Hintergrund ist klar: In unserem eigenen Vorratsschrank liegt nicht, was die Menschen brauchen, die an unsere Tür kommen.

Hier wird die Lebensversorgung durch den Fisch, das Ei und den Heiligen Geist angedeutet. In Vers 5 wird sie durch die Brote angedeutet. Wenn wir die Brote miteinbeziehen, haben wir vier Elemente der Lebensversorgung. Wenn wir uns in Gott hineinbeten, empfangen wir Seine Reichtümer als unsere Versorgung. In Vers 13 sagt der Herr, dass, wenn wir, die wir böse sind, wissen, wie wir unseren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr der Vater den Heiligen Geist denen geben wird, die Ihn bitten. Dies impliziert, dass die eine Gabe, die wirklich gut ist, der Heilige Geist ist. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft siebenundzwanzig, S. 232)

In den folgenden Versen weitet Jesus das Bild: Er spricht von Fisch und Ei, vertrauten Nahrungsmitteln des Alltags: „Wo ist unter euch ein Vater, den der Sohn um einen Fisch bitten wird … Oder auch, wenn er um ein Ei bäte“ (Lukas 11:11–12). Brot, Fisch, Ei – Nahrung aus Erde, Wasser und Luft – stehen zusammen für eine umfassende Lebensversorgung. Am Ende bündelt Jesus diese Bilder in einer überraschenden Zusage: „Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater, der vom Himmel ist, den Heiligen Geist denen geben, die Ihn bitten!“ (Lukas 11:13). Die vielen Gaben laufen auf eine einzige Gabe zu: den Heiligen Geist. Er ist die eigentliche Lebensversorgung, die Zusammenfassung aller göttlichen Reichtümer in einer Person. Wenn wir uns im Gebet in Gott hineinbeten, ist das tiefste, was wir empfangen, nicht eine Reihe von Einzellösungen, sondern der Heilige Geist, der in uns wohnt, belebt, tröstet, erleuchtet und uns mit Christus verbindet.

Praktisch heißt das: In unserem Rufen nach Brot, nach Kraft, nach Weisheit, nach Trost und Mut steckt letztlich eine tiefere Bitte – die Bitte, von innen her vom Geist Gottes getragen zu werden. Oft kommen wir mit konkreten Nöten und sehen nur die Oberfläche: eine schwierige Beziehung, eine Entscheidung, eine eigene innere Leere. Gott rührt diese Äußerlichkeiten nicht einfach weg, sondern beantwortet sie, indem Er sich selbst gibt. Der Heilige Geist wird uns in solchen Gebeten nicht nur als Helfer an die Seite gestellt, sondern als Lebensquelle ins Herz gelegt. Aus dieser Quelle heraus lernen wir, andere zu tragen, ohne innerlich auszubrennen; zu vergeben, ohne uns selbst aufzugeben; zu dienen, ohne aus der eigenen Anerkennungsnot zu schöpfen. So wird das Gebet nicht nur Ort unseres Empfangens, sondern auch der stillen Zurüstung: Wer vom Geist gespeist wird, erhält zugleich Brot, das er weitergeben kann.

Gerade hier liegt eine leise, aber starke Ermutigung für den Alltag. Viele erleben ihr Gebetsleben wie das Klopfen des Freundes in der Nacht – müde, unbeholfen, manchmal mit dem Gefühl, dass sich innen nichts rührt. Lukas 11 legt in diese Erfahrung eine Zusage: Hinter unserem stammelnden Bitten steht ein Vater, der weiß, welche Gabe wirklich gut ist. Er gibt nicht immer, was wir erwarten, aber Er enthält uns den Heiligen Geist nicht vor. Wo wir im Glauben weiter bitten, suchen, anklopfen, vertraut Er uns seinem Geist neu an. Und dieser Geist ist nicht nur Kraft für außergewöhnliche Momente, sondern stille Lebensversorgung für den Weg durch ganz gewöhnliche Tage – dort, wo wir lieben, tragen, arbeiten und warten. In dieser Perspektive wird Gebet zu einem fortwährenden Atemholen aus Gott: Wir kommen leer, und Er füllt mit seinem Geist; wir kommen schwach, und Er teilt seine Stärke; wir kommen ratlos, und Er lässt in uns ein Licht aufgehen, das den nächsten Schritt sehen lässt.

Ich sage euch, wenn er auch nicht aufstehen und ihm geben wird, weil er sein Freund ist, so wird er wenigstens um seiner Unverschämtheit willen aufstehen und ihm geben, so viel er braucht. (Lk. 11:8)

Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater, der vom Himmel ist, den Heiligen Geist denen geben, die Ihn bitten! (Lk. 11:13)

Wer Lukas 11 ernst nimmt, darf lernen, im Gebet weniger auf das Sichtbare zu schauen und mehr auf die Person, die der Vater gibt: den Heiligen Geist. Unsere ärmlichen Bitten nach „Brot“ verlieren damit nicht an Bedeutung, sie werden vielmehr hineingenommen in eine größere Erhörung, in der Gott uns innerlich formt und stärkt. So kann selbst ein müdes, bruchstückhaftes Gebet zum Ort werden, an dem der Geist Gottes neu Raum erhält, uns zu nähren, zu korrigieren und zu trösten. Wer diese Versorgung Schritt für Schritt kennenlernt, entdeckt: Die größten Veränderungen geschehen oft nicht dort, wo äußere Umstände umgestoßen werden, sondern dort, wo der Heilige Geist uns still von innen her erneuert – und uns befähigt, inmitten unveränderter Situationen aus der Fülle Gottes zu leben.


Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Luke, Chapter 27