Das Wort des Lebens
lebensstudium

Der Dienst des Menschen-Erretters in Seinen menschlichen Tugenden mit Seinen göttlichen Eigenschaften in Galiläa (8)

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Wer die Vergebung Jesu erlebt hat, spürt oft den Wunsch, nicht einfach zum alten Alltag zurückzukehren, sondern anders zu leben. Doch wie sieht ein Leben aus, das wirklich zu diesem Erretter passt – mitten in Hektik, innerem Druck und den Ablenkungen unserer Zeit? Lukas zeigt uns, wie der Menschen-Erretter in Galiläa Menschen so berührt, dass sie ihm nachfolgen, ihm dienen, in seinem Leben wachsen und schließlich zu seinen echten Angehörigen werden.

Aus Vergebung wird dienende Liebe

Lukas stellt uns im Schatten der großen Szenen eine Gruppe von Menschen vor, deren Geschichte kaum mit Worten erzählt wird, sondern mit ihrem Tun. Nachdem Jesus durch Städte und Dörfer zieht und „das Evangelium vom Reich Gottes verkündigte“, heißt es nüchtern: „und einige Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren … und viele andere, die ihnen mit ihrer Habe dienten“ (Lukas 8:1–3; vgl. Lk. 8:2–3). Was der Text nur andeutet, ist geistlich von großer Tiefe: Aus einer Vergangenheit, die von Dunkelheit, Krankheit und Bindung gezeichnet war, erwächst ein neues Leben, das sich in konkreter Liebe niederlegt. Die Befreiung, die sie erfahren haben, bleibt nicht innerliche Erfahrung, sie findet ihren Weg in die sichtbarsten Bereiche ihres Alltags – in den Umgang mit Besitz, mit Zeit, mit Beziehungen. Was der Herr in seinen göttlichen Eigenschaften an ihnen gewirkt hat, beginnt durch ihre ganz menschlichen Tugenden zurückzufließen: in Fürsorge, Großzügigkeit, Treue.

Die in 8:2 und 3 genannten Frauen dienten dem Herrn und den Zwölfen mit ihrem Besitz. Es ist gut möglich, dass unter der Souveränität des Herrn die Ehemänner dieser Frauen wohlhabend waren. Wir können sagen, dass dieser Reichtum das Ergebnis der Ausübung der göttlichen Eigenschaften des Herrn war. Die Frauen wiederum übten ihre menschlichen Tugenden aus, indem sie ihren Besitz einsetzten, um dem Herrn und seinen Jüngern zu dienen. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft achtzehn, S. 152)

So wird deutlich, wie der Menschen-Erretter dient: Er schafft nicht zuerst Organigramme und Aufgabenlisten, sondern macht Herzen frei. Die Vergebung der Sünden, wie sie der Frau im Haus des Pharisäers zugesprochen wird – „Deine Sünden sind dir vergeben“ (Lukas 7:48) – öffnet einen inneren Raum, in dem Liebe wachsen kann. „Wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig“ (Lukas 7:47), heißt es; umgekehrt: Wo seine vergebende Gnade tief geht, wird auch die Liebe tief. Diese Liebe bleibt nicht im Bereich der Gefühle stehen, sie nimmt Gestalt an im Dienst: in der stillen Unterstützung, im Mittragen, im Teilen von Gütern. Im Licht dieser unscheinbaren Frauen wird ein Bild des Gemeindelebens erkennbar, in dem nicht nur die Zwölf im Vordergrund stehen, sondern der verborgene, treue Dienst vieler, den der Herr sehr hoch schätzt. Wer in Christus Vergebung und Frieden gefunden hat, darf deshalb damit rechnen, dass derselbe Herr ihn auch befähigt, mit dem, was er ist und hat, eine Antwort der Liebe zu geben. Daraus erwächst leise, aber beständige Ermutigung: Kein Leben ist zu unscheinbar, kein Besitz zu gering, als dass der Menschen-Erretter ihn nicht in seinen Händen zu einem Dienst formen könnte, der in Ewigkeit Gewicht hat.

und einige Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalena, von der sieben Dämonen ausgefahren waren, und Johanna, die Frau des Chusa, des Verwalters Herodes’, und Susanna und viele andere, die ihnen mit ihrer Habe dienten. (Lk. 8:2–3)

Deswegen sage Ich dir: Ihre vielen Sünden sind ihr vergeben, weil sie viel geliebt hat; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. Und zu ihr sagte Er: Deine Sünden sind dir vergeben. (Lk. 7:47–48)

Vergebung bleibt nicht abstrakt, sondern sucht im Alltag Gestalt. Wo der Menschen-Erretter uns innerlich beruhigt und befreit, wird unser Verhältnis zu Besitz, zu Anerkennung, zu Zeit spürbar verändert. In dieser Veränderung liegt eine stille Würde: Der eigene Beitrag muss nicht groß erscheinen, er ist Antwort auf erfahrene Gnade. So wird das ganz Gewöhnliche – ein offenes Haus, ein geteiltes Einkommen, ein verlässliches Dasein – zu einem Ort, an dem seine Liebe durch menschliche Tugenden hindurch sichtbar wird.

Ein gereinigtes Herz für Wachstum im Leben

Im Gleichnis vom Sämann führt uns der Herr aus der äußeren Beobachtung in die verborgene Welt des Herzens. „Der Sämann ging aus, seinen Samen zu säen“ (Lk. 8:5), und wenig später legt Jesus selbst aus: „Dies aber ist die Bedeutung des Gleichnisses: Der Same ist das Wort Gottes“ (Lk. 8:11). Dasselbe Wort, derselbe Sämann – und doch vier völlig verschiedene Ergebnisse. Der Unterschied liegt nicht im Samen, sondern im Boden. Damit lenkt der Menschen-Erretter den Blick weg von der Frage nach spektakulären Erfahrungen hin zu der nüchternen Frage: In welchem Zustand befindet sich das Innere, in das das Wort fällt?

Der Sämann ist der Herr selbst, und der Same ist das Wort mit dem Herrn in ihm als Leben. In den Versen 5 bis 8 werden vier Arten von Boden erwähnt. Wie wir sehen werden, bedeuten diese Arten von Boden vier Zustände des menschlichen Herzens. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft achtzehn, S. 153)

Der Wegesrand beschreibt ein Herz, über das vieles hinweggeht. „Die aber an dem Weg sind die, welche hören; dann kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihren Herzen weg, daß sie nicht glauben und errettet werden“ (Lk. 8:12). Ständige Betriebsamkeit, ein dauerndes Überflutet-Sein von Eindrücken, lässt das Wort auf der Oberfläche liegen. Der felsige Boden zeigt ein Herz, das zunächst begeistert aufnimmt, aber unter der Oberfläche harte Schichten trägt – unvergebene Verletzungen, festgehaltene Eigeninteressen, verborgener Stolz. „Diese haben keine Wurzel; für eine Zeit glauben sie, und in der Zeit der Versuchung fallen sie ab“ (Lk. 8:13). Es ist nicht der Mangel an Impulsen, der zum Problem wird, sondern der Mangel an Tiefe.

Die Dornen schließlich machen deutlich, wie mächtig die Kräfte dieser Zeit sind. Die Betroffenen haben gehört, und der Same beginnt zu wachsen. Aber „durch Sorgen und Reichtum und Vergnügungen des Lebens“ wird das, was wächst, „erstickt“ (Lk. 8:14; vgl. Mt. 13:22). Hier wird das Herz nicht von offenbarer Sünde, sondern von Vielheit besetzt: von Zukunftsangst und Erfolgshunger, von subtilem Druck, mithalten zu müssen, und von der feinen Faszination des Komforts. So entsteht ein Leben, in dem das Wort nie ganz leugnet wird, aber auch nie den ersten Platz bekommt. Dagegen steht der gute Boden: „Das in der guten Erde aber sind die, welche in einem redlichen und guten Herzen das Wort, nachdem sie es gehört haben, bewahren und Frucht bringen mit Ausharren“ (Lk. 8:15). Ein redliches und gutes Herz ist kein perfektes Herz, sondern ein geöffnetes, gereinigtes, vereinfachtes Herz – eines, das bereit ist, auf Kosten eigener Vorstellungen Raum zu machen.

Wo der Herr unser Herz so bearbeitet, wird das Wachstum im Leben konkret erfahrbar. Das Reich Gottes zeigt sich dann nicht primär in äußeren Erfolgen, sondern in inneren Qualitäten: „denn das Königreich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Römer 14:17). Gerechtigkeit bedeutet, innerlich in Ordnung gebracht zu sein – vor Gott, vor Menschen, mit sich selbst. Friede heißt, dass nicht jede Sorge sofort alles andere übertönt. Freude im Heiligen Geist ist der stille Grundton, der bleibt, auch wenn äußere Umstände sich nicht sofort ändern. In dieser Perspektive wird das Gleichnis des Sämanns zur Einladung, das eigene Herz vom Menschen-Erretter immer wieder umpflügen zu lassen. Die Mühe, die mit dieser inneren Bearbeitung verbunden ist, trägt Frucht: Christus verwurzelt sich tiefer, seine Gegenwart wird stabiler, und das Leben beginnt, still und verlässlich zur Reife zu kommen.

Dies aber ist die Bedeutung des Gleichnisses: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Weg sind die, welche hören; dann kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihren Herzen weg, daß sie nicht glauben und errettet werden. (Lk. 8:11–12)

Die aber auf dem Felsen sind die, welche, wenn sie hören, das Wort mit Freuden aufnehmen; und diese haben keine Wurzel; für eine Zeit glauben sie, und in der Zeit der Versuchung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, welche gehört haben und hingehen und durch Sorgen und Reichtum und Vergnügungen des Lebens erstickt werden und nichts zur Reife bringen. Das in der guten Erde aber sind die, welche in einem redlichen und guten Herzen das Wort, nachdem sie es gehört haben, bewahren und Frucht bringen mit Ausharren. (Lk. 8:13–15)

Wachstum im Leben ist weniger eine Frage zusätzlicher Aktivitäten als eine Frage des Bodens, auf den das Wort trifft. Wo der Herr verborgene Felsen ans Licht bringt und Dornen der Sorge und des Reichtums zurückschneidet, entsteht Raum für eine schlichte, beständige Beziehung zu ihm. Darin liegt eine große Ermutigung: Selbst kleine Schritte der inneren Klärung – ein geklärtes Verhältnis, ein losgelassener Anspruch, ein ehrliches Gebet – werden zu Vertiefungen im Boden, in denen das Leben Christi Wurzeln schlägt und bleibende Frucht reifen kann.

Leuchtende Zeugen und wahre Verwandte des Menschen-Erretters

Auf das Gleichnis vom Sämann folgt bei Lukas die kurze, aber gewichtige Rede von der Lampe. „Niemand aber, der eine Lampe angezündet hat, bedeckt sie mit einem Gefäß oder stellt sie unter ein Bett, sondern er stellt sie auf ein Lampengestell, damit die Hereinkommenden das Licht sehen“ (Lk. 8:16). Was zuvor im Verborgenen gewachsen ist, soll nun sichtbar werden. Der Menschen-Erretter sät nicht nur Leben, er entzündet auch Licht. Wachstum im Leben und Leuchten im Zeugnis gehören untrennbar zusammen: Wo sein Leben Wurzeln geschlagen hat, wird es durchscheinend. Nicht in erster Linie durch lautstarke Bekenntnisse, sondern durch eine Art zu leben, die etwas von seiner Klarheit und Güte ausstrahlt.

Nach dem Gleichnis vom Sämann müssen wir wachsen. Nach dem Gleichnis von der Lampe müssen wir leuchten. Wir sollten hell leuchten wie eine Lampe ohne jede Bedeckung. Wir sollten Lampen an einem offenen Ort sein, die leuchten, damit andere erleuchtet werden. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft achtzehn, S. 157)

Jesus fügt hinzu: „Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden wird, noch geheim, was nicht kundwerden und ans Licht kommen soll“ (Lk. 8:17). Dieser Satz ist nicht nur Warnung, dass Verstecktes offenbar wird, sondern auch Zusage, dass die stille Arbeit des Geistes nicht im Dunkeln bleibt. Dort, wo sein Wort gehört, aufgenommen und bewahrt wird, entsteht mit der Zeit ein Leuchten, das andere wahrnehmen, oft bevor wir selbst es sehen. Darum spricht der Herr unmittelbar danach über das Hören: „Seht nun zu, wie ihr hört; denn wer hat, dem wird gegeben werden, und wer nicht hat, von dem wird selbst, was er zu haben meint, genommen werden“ (Lk. 8:18). Die Art, wie wir dem Wort begegnen – oberflächlich oder innerlich geöffnet –, entscheidet darüber, ob das in uns angezündete Licht heller wird oder langsam verlöscht.

Dieses Leuchten führt in eine neue Art von Verwandtschaft. Als Jesus mitten im Dienst ist, heißt es: „Es kamen aber seine Mutter und seine Brüder zu ihm; und sie konnten wegen der Volksmenge nicht zu ihm gelangen“ (Lk. 8:19). Auf die Nachricht hin, dass seine Familie ihn sehen möchte, antwortet er überraschend: „Meine Mutter und meine Brüder sind die, welche das Wort Gottes hören und tun“ (Lk. 8:21). Der natürliche Zusammenhang wird nicht abgewertet, aber er wird relativiert. Die tiefste Nähe zu ihm entsteht dort, wo Menschen sich innerlich vom Wort prägen und lenken lassen. Wer so hört, dass er sich korrigieren lässt, so glaubt, dass er bereit ist, zu gehorchen, wird von Christus als wahrer Angehöriger betrachtet – als jemand, der ihm nicht nur äußerlich folgt, sondern sein Leben, seinen Willen, sein Licht in sich trägt.

Damit spannt Lukas einen großen Bogen: Aus vergebenen Sündern, deren Herzen gereinigt und vertieft werden, werden Menschen, in denen das Leben Christi wächst und die schließlich wie Lampen auf einem Leuchter stehen. Paulus beschreibt diese Wirklichkeit so: „damit ihr ohne Tadel und unverdorben seid, Kinder Gottes ohne einen Makel inmitten einer verkehrten und verdrehten Generation, unter der ihr wie Lichtkörper in der Welt scheint“ (Philipper 2:15). Wer das Wort hört und tut, wird nicht zu einem perfekten Menschen, aber zu einem leuchtenden. Die eigene Schwachheit bleibt spürbar, doch mitten in ihr wird das Licht des Menschen-Erretters sichtbar – in Geduld, wo Unruhe naheläge, in Milde, wo Härte erwartet würde, in Treue, wo andere sich zurückziehen. So wächst die stille Gewissheit: Er macht aus uns nicht nur Lernende, sondern Angehörige seines Hauses, Träger seines Lichts in einer Welt, die genau dieses Licht dringend braucht.

damit ihr ohne Tadel und unverdorben seid, Kinder Gottes ohne einen Makel inmitten einer verkehrten und verdrehten Generation, unter der ihr wie Lichtkörper in der Welt scheint, (Phil. 2:15)

Diese Wahrheit ermutigt dazu, vor dem Herrn still zu werden und neu zu sehen, wie Sein Leben Denken, Fühlen und Handeln von innen her prägt.


Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Luke, Chapter 18