Einleitung, Thema und Inhalt des Evangeliums (2)
Viele Menschen verbinden das Evangelium vor allem mit Vergebung und einem neuen Anfang, doch das Lukasevangelium zeichnet ein noch tieferes Bild: Es zeigt einen Menschen, in dem Gott selbst sichtbar wird – in seiner Zuwendung zu Sündern, in seinen Gleichnissen und im Umgang mit Verachteten. Wer diese Szenen genauer betrachtet, erkennt, dass es nicht nur um warme Gefühle geht, sondern um einen Lebensstandard, der weit über jede menschliche Moral hinausreicht und zugleich ganz nah an den Nöten der Menschen ist.
Der Man-S Heiland: göttliche Attribute in menschlichen Tugenden
Wenn Lukas den Herrn Jesus als Man-S Heiland vorstellt, geht es nicht zuerst um einzelne Taten der Barmherzigkeit, sondern um eine einzigartige Person. Dieser Jesus ist vom Heiligen Geist empfangen und von einer menschlichen Jungfrau geboren. Er ist sowohl der vollständige Gott als auch der vollkommene Mensch, der die göttliche Natur mit ihren göttlichen Attributen und die menschliche Natur mit ihren menschlichen Tugenden unterscheidbar besitzt. In seiner Person berühren sich Himmel und Erde, ohne sich zu vermischen oder zu verschmelzen. Deshalb wirkt sein Leben so ungewöhnlich und zugleich so schlicht menschlich: Er hungert und ermüdet, er weint und freut sich – und gerade in diesen gewöhnlichen Regungen leuchtet etwas auf, das aus einer anderen Welt stammt. Wenn die Schrift von ihm bezeugt: „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10:30), dann beschreibt sie nicht nur eine metaphysische Einheit, sondern die Quelle all jener menschlichen Regungen, in denen Gottes Herz sichtbar wird.
Wir haben gesehen, dass der Herr Jesus als der Menschen-Retter vom Heiligen Geist mit der göttlichen Wesenheit empfangen und von einer menschlichen Jungfrau mit der menschlichen Wesenheit geboren wurde. Daher besitzt Er sowohl die göttliche Natur mit ihren göttlichen Eigenschaften als auch die menschliche Natur mit ihren menschlichen Tugenden. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft zwei, S. 11)
An den Szenen, die Lukas auswählt, kann man ablesen, was es bedeutet, dass die Rettung des Man-S Heiland in der höchsten sittlichen Lebensführung steht. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter begegnet uns nicht bloß ein moralisches Beispiel für Nächstenliebe, sondern die göttliche Liebe, die sich in einer zutiefst menschlichen Zuwendung beugt, die Wunden eines Geschlagenen verbindet und seine Kosten übernimmt. Am Kreuz wendet sich Jesus einem Verbrecher zu, der nichts mehr vorzuweisen hat als ein spätes, schwaches Bitten – und doch öffnet er ihm ohne Vorbehalt das Paradies. Dort wird deutlich: Gottes Liebe und Gerechtigkeit stehen nicht gegeneinander, sie finden in diesem einen Menschen eine vollkommene, sittliche Ausprägung. Selbst die Gegner müssen bezeugen: „Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch“ (Johannes 7:46). In seiner Art zu sprechen, zu berühren, zu vergeben und zu leiden wird Moral neu definiert: nicht als höchstes Ergebnis menschlicher Disziplin, sondern als Ausdruck des Lebens Gottes in einem wahren Menschen.
Lukas führt uns dabei behutsam tiefer hinein. Die Gleichnisse vom guten Hirten, von der suchenden Frau und vom liebenden Vater sind nicht nur Illustrationen für abstrakte Wahrheiten, sondern Fenster in das innere Wesen des Man-S Heiland. Der Hirte, der das verlorene Schaf sucht, zeigt die ausdauernde, initiativ werdende Liebe Gottes. Die Frau, die die verlorene Drachme sucht, lässt seine sorgfältige, nichts aufgebende Aufmerksamkeit erkennen. Der Vater, der dem verlorenen Sohn entgegenläuft, enthüllt ein Herz, das mehr Freude am Wiederfinden als an der Bilanz von Schuld und Leistung hat. Alles, was in Gott Liebe, Licht, Heiligkeit und Gerechtigkeit ist, wird in diesem Menschen zu Barmherzigkeit, Treue, Sanftmut und Geradheit im Umgang mit den Menschen. Wenn es in Lukas am Anfang heißt, dass uns „Augenzeugen und Diener des Wortes“ das Geschehen überliefert haben (Lukas 1:2), dann bezeugen sie gerade diese unzertrennliche Verbindung von göttlicher Fülle und menschlicher Nähe.
Wer den Man-S Heiland in dieser Weise sieht, beginnt seine eigene Vorstellung von Moral zu hinterfragen. Es geht nicht um ein steiferes Befolgen von Geboten, sondern um ein Leben, in dem Gottes Wesen durch menschliche Tugenden hindurchscheint. Das kann tröstlich und zugleich herausfordernd sein: tröstlich, weil der Maßstab keine kalte Norm ist, sondern eine Person, die Sünder empfängt und mit ihnen isst; herausfordernd, weil bloß korrekter Anstand vor diesem Licht nicht bestehen kann. Doch gerade hier liegt die Ermutigung des Lukas-Evangeliums: Der, der in der höchsten sittlichen Lebensführung lebte, ist nicht fern und unnahbar. Er beugt sich heute noch zu Verwundeten hinab, trägt die Lasten derer, die nicht mehr aufstehen können, und spricht denen, die nur noch ein gebrochenes Wort hervorbringen, eine Zukunft zu. In seiner Gegenwart lernt das Herz, dass Gottes Rettung nicht nur aus dem Gericht, sondern hinein in ein neues Leben führt – ein Leben, in dem göttliche Attribute in den ganz irdischen Regungen unseres Menschseins Gestalt gewinnen dürfen.
Ich und der Vater sind eins. (Joh. 10:30)
Die Diener antworteten: Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch. (Joh. 7:46)
Die Betrachtung des Man-S Heiland im Lukas-Evangelium lädt dazu ein, Moral nicht als Wo seine Liebe, sein Licht, seine Heiligkeit und Gerechtigkeit unsere menschlichen Regungen durchdringen, wird unser Umgang mit Schuld, Schwäche und Fremdheit verändert. So wächst inmitten gewöhnlicher Alltage eine Lebensführung heran, die nicht auf eigener Leistung ruht, sondern aus der Person des Heilandes hervorgeht, der sich den Verwundeten zuneigt und ihnen einen neuen Anfang schenkt.
Gottes Bild und die höchste sittliche Lebensführung
Der Blick in das Lukas-Evangelium gewinnt an Tiefe, wenn er mit dem ersten Bild des Menschen in 1. Mose verbunden wird. Dort heißt es, dass Gott den Menschen in seinem Bild und nach seinem Gleichnis schuf. Er ist Liebe und Licht; Liebe ist das Wesen seines Seins, Licht ist das Wesen seines Ausdrucks. In seinem innersten Wesen ist er heilig, und in seinem Handeln ist er gerecht. All dies sollte im Menschen widergespiegelt werden. Die Würde des Menschen liegt nach 1. Mose nicht in seiner Selbstständigkeit, sondern darin, Abbild eines solchen Gottes zu sein. Dieses Abbild ist jedoch nicht mit der Wirklichkeit selbst identisch. Es zeigt die Form, deutet auf das Original, aber es trägt diese Fülle nicht in sich. Darum wird der Mensch in 1. Mose 2 vor den Baum des Lebens gestellt – ein stiller Hinweis darauf, dass Gott selbst als Leben in den Menschen hineinkommen will, damit das, was als Bild angelegt ist, von innen her mit Wirklichkeit gefüllt wird.
Im ersten Kapitel von 1. Mose sehen wir, dass der Mensch nach Gottes Bild und seinem Gleichnis geschaffen wurde. Gott ist Liebe und Licht. Liebe ist das Wesen seines Seins, und Licht ist das Wesen seines Ausdrucks. Außerdem ist Gott heilig und gerecht. In seinem Wesen ist er heilig, und in seinem Handeln ist er gerecht. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft zwei, S. 17)
Die Geschichte des ersten Menschen zeigt, wie dieses Ziel verfehlt wird. Anstatt vom Baum des Lebens zu empfangen, streckt sich der Mensch nach der Erkenntnis von Gut und Böse aus und versucht, durch eigenes Wissen und eigenes Urteil die Höhe zu erreichen, zu der er eigentlich durch Gemeinschaft mit Gott gelangen sollte. Die Folge ist eine Moral ohne Gegenwart Gottes: Formen, Maßstäbe, Gewissen – aber ohne die innere Quelle der Liebe und des Lichts. In dieses Defizit hinein tritt der Man-S Heiland des Lukas-Evangeliums. In ihm steht ein Mensch vor uns, in dessen Leben Gottes Liebe und Licht nicht nur aufscheinen, sondern dauerhaft wohnen. Er ist, wie es über ihn heißt: „Jesus nun ging hinaus und trug die Dornenkrone und das Purpurkleid. Und er spricht zu ihnen: Siehe, der Mensch!“ (Johannes 19:5). In diesem „Menschen“ erfüllt Gott, was er im ersten Buch Mose beabsichtigt hat: ein Mensch, dessen ganzes Sein von Gottes Wesen geprägt ist, dessen Verhalten von Gottes Gerechtigkeit getragen wird und dessen Barmherzigkeit nicht auf Kosten der Heiligkeit geht.
Lukas zeigt, wie dieses ursprüngliche Ziel Gottes in konkreten Szenen Gestalt gewinnt. Der Gott-Mensch Jesus ist nicht ein abstraktes Ideal, sondern bewegt sich in Häusern, auf Straßen, in Dörfern. Er lässt sich von einer „sündigen Frau“ berühren, die mit Tränen seine Füße wäscht; er kehrt bei Zachäus ein, der gesellschaftlich und moralisch diskreditiert ist; er nimmt sich der Kinder an, die von den Großen übersehen werden. In diesen Begegnungen wird sichtbar, was Gott in 1. Mose vorhatte: Ein Mensch, dessen Reaktionen im Einklang mit Liebe, Licht, Heiligkeit und Gerechtigkeit stehen. So wird das Evangelium bei Lukas zu einer Art „zweitem Anfang“ der Menschheit: Was im ersten Adam verloren ging, zeigt sich im zweiten als lebendige Wirklichkeit. Lukas schreibt seinem Adressaten, damit dieser „die Zuverlässigkeit der Dinge erkennst, in denen du unterrichtet worden bist“ (Lukas 1:4) – zu diesen Dingen gehört, dass Gott sein ursprüngliches Ziel mit dem Menschen nicht aufgegeben, sondern in Christus neu aufgerichtet hat.
Die Verbindung von 1. Mose und Lukas macht deutlich, wie tief das Evangelium reicht. Es geht nicht nur darum, dass unsere Schuld vergeben wird, sondern darum, dass der Mensch zu der Lebensweise zurückgeführt wird, für die er geschaffen wurde. Der Man-S Heiland ist nicht lediglich Retter aus der Vergangenheit, sondern das lebendige Vorbild und die gegenwärtige Kraft eines neuen Menschseins. Wer ihn betrachtet, beginnt zu ahnen, was „Bild Gottes“ in der Tiefe bedeutet: ein Leben, in dem Liebe die verborgene Triebkraft, Licht der klare Ausdruck, Heiligkeit die innere Qualität und Gerechtigkeit der äußere Maßstab ist. In dieser Perspektive verliert das Evangelium seinen engen Rahmen bloßer Problem-Lösung und gewinnt den weiten Horizont von Gottes ursprünglichem Vorsatz. Das kann ein Herz still froh machen: Gott hat den Menschen nicht aufgegeben. In Christus zeigt er, wie er ihn gedacht hat – und eröffnet damit die Möglichkeit, dass ein solches Leben auch in unserer Geschichte wieder anklingen darf.
damit du die Zuverlässigkeit der Dinge erkennst, in denen du unterrichtet worden bist. (Lk. 1:4)
Jesus nun ging hinaus und trug die Dornenkrone und das Purpurkleid. Und er spricht zu ihnen: Siehe, der Mensch! (Joh. 19:5)
Die Verbindung von 1. Mose und dem Lukas-Evangelium öffnet den Blick dafür, dass das Evangelium tiefer reicht als die Beantwortung einzelner Schuldfragen. Es führt zurück zu Gottes ursprünglichem Vorsatz mit dem Menschen: Bild und Widerschein von Liebe, Licht, Heiligkeit und Gerechtigkeit zu sein. Im Man-S Heiland sieht man nicht nur, wie dieses Ziel aussieht, sondern auch, dass Gott selbst derjenige ist, der den verlorenen Weg wieder öffnet. So darf das eigene Menschsein – trotz seiner Grenzen – als Raum begriffen werden, in dem Gottes ursprüngliche Gedanken neu Gestalt gewinnen können.
Der in uns lebende Christus und unser Alltag
Die Darstellung des Man-S Heiland bei Lukas wäre unvollständig, wenn sie nur von einem vergangenen Leben berichten würde. Das Wunder des Evangeliums besteht darin, dass der Christus, der einst in Galiläa und Jerusalem in der höchsten sittlichen Lebensführung lebte, heute in den Glaubenden wohnt. Paulus bringt dies in einem einzigen Satz auf den Punkt: „Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; und das Leben, das ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben, in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt und Sich Selbst für mich hingegeben hat“ (Galater 2:20). Der, der im Lukas-Evangelium Menschen berührt, tröstet, zurechtweist und vergibt, bleibt nicht der ferne Held einer heiligen Geschichte. Durch seinen Tod und seine Auferstehung ist er der inwohnende Herr geworden, der sein eigenes Leben in den Seinen fortsetzt.
Natürlich lebte der Herr Jesus diese Art von Leben außerhalb der Jünger. Aber von der Zeit Seiner Auferstehung an hat Er diese Art von Leben innerhalb der Gläubigen gelebt. Das bedeutet, dass heute in uns der Menschen-Retter immer noch ein Leben im höchsten Standard der Moral lebt, ein Leben, das eine Zusammensetzung der göttlichen Eigenschaften und der menschlichen Tugenden ist. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft zwei, S. 14)
Damit verschiebt sich der Akzent von moralischer Selbststeigerung zu einem Leben aus innerer Teilhabe. Die höchste sittliche Lebensführung wird nicht durch gesteigerte Vorsätze erreicht, sondern dadurch, dass der in uns lebende Christus seine göttlichen Attribute in unseren menschlichen Tugenden ausdrückt. Wo er Raum gewinnt, gewinnt sein Blick auf den Nächsten Gestalt in unserer Weise, Menschen anzusehen; seine Geduld färbt unsere Reaktionen in Spannungen; seine Wahrhaftigkeit berührt unsere Worte. Wenn er im Johannesevangelium ruft: „Wenn jemand durstig ist, der komme zu Mir und trinke. Wer in Mich hineinglaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Innerstem werden Ströme lebendigen Wassers fließen“ (Johannes 7:37–38), dann deutet das an, was Lukas in vielen Geschichten konkret beschreibt: Ein inneres Leben, das nicht bei uns seinen Ursprung hat, beginnt aus unserem Innersten zu fließen und andere zu berühren.
Im Alltag hat das eine unscheinbare, aber tiefgreifende Gestalt. Die Szenen bei Lukas – der Man-S Heiland im Gespräch mit einem Zöllner, mit einer weinenden Frau, mit einem verzweifelten Verbrecher – finden ihre Entsprechung in den Begegnungen, die unser eigener Tag bereithält. Es sind oft keine dramatischen Momente, sondern Gespräche am Arbeitsplatz, Spannungen in der Familie, leise Konflikte in der Gemeinde. In ihnen möchte derselbe Christus, der einst in vollkommener Übereinstimmung mit der Liebe des Vaters handelte, heute in unseren begrenzten Möglichkeiten wirken. Seine Gegenwart bedeutet nicht, dass unsere Schwächen verschwinden, wohl aber, dass sie nicht mehr das letzte Wort haben. Wo sein Leben den Ton angibt, kann echte Entschuldigung möglich werden, wo sonst nur Rechtfertigung stand; beharrliche Treue, wo man längst aufgeben wollte; milde Klarheit, wo man früher hart geworden wäre.
So gewinnt das Lukas-Evangelium einen sehr persönlichen Klang. Es ist nicht nur eine Biographie Jesu, sondern ein Spiegel dessen, was Christus in seinen Gläubigen vollbringen will. Der Man-S Heiland bleibt der Maßstab, den kein Mensch aus eigener Kraft erreicht, aber er ist zugleich der in uns lebende, der uns in sein eigenes Leben hineinzieht. Die höchste sittliche Lebensführung wird so zu einer verheißungsvollen Perspektive: nicht als unerreichbarer Idealismus, sondern als Weg, auf dem Christus Schritt für Schritt mehr Gestalt gewinnt. „Meine Kinder, um die ich abermals Geburtswehen erleide, bis Christus in euch Gestalt gewinnt“ (Galater 4:19), heißt es. Darin liegt eine stille Ermutigung: Das Entscheidende ist nicht, wie stark wir sind, sondern wie weit Christus in uns Raum gewinnt. Auf diesem Weg dürfen selbst kleine Veränderungen ein Hinweis darauf sein, dass der Man-S Heiland sein Werk in uns nicht nur begonnen hat, sondern treu fortsetzt.
Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; und das Leben, das ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben, in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt und Sich Selbst für mich hingegeben hat. (Gal. 2:20)
Meine Kinder, um die ich abermals Geburtswehen erleide, bis Christus in euch Gestalt gewinnt, (Gal. 4:19)
Die Erkenntnis, dass der im Lukas-Evangelium gezeichnete Man-S Heiland in den Glaubenden lebt, verändert den Blick auf Moral grundlegend. Es geht weniger um das Erreichen eines hohen Maßstabs durch Selbstdisziplin, als um das wachsende Sich-Beherrschen-Lassen von Christus, der seine göttlichen Attribute in unseren menschlichen Tugenden zur Entfaltung bringt. So kann der Alltag – mit seinen Spannungen, Grenzen und Möglichkeiten – zum Raum werden, in dem die Geschichte Jesu weitergeht: nicht als Wiederholung der äußeren Ereignisse, sondern als Ausdruck desselben Lebens, das einst in Galiläa sichtbar wurde und heute in verborgener Weise Herzen und Beziehungen prägt.
Herr Jesus Christus, du Man-S Heiland, in dem Gottes Liebe, Licht, Heiligkeit und Gerechtigkeit in einem wirklichen menschlichen Leben sichtbar wurden, wir beten, dass dein Leben in uns mehr Raum gewinnt. Dort, wo unsere eigene Kraft und Moral an Grenzen stoßen, sei du selbst unsere Barmherzigkeit, unsere Klarheit, unsere Reinheit und unsere Treue. Lass uns dich in den Bildern und Geschichten des Lukasevangeliums nicht nur bewundern, sondern dich als den in uns wohnenden Herrn erfahren, der in allen Umständen gnädig und gerecht handelt. Stärke unser Vertrauen, dass du fähig bist, unser Denken, Fühlen und Handeln zu prägen, sodass Gottes ursprüngliches Ziel mit uns mehr Gestalt gewinnt. Fülle uns mit der Gewissheit, dass deine rettende Gnade größer ist als unsere Schuld, und dass deine Gegenwart in uns stärker ist als jede Finsternis um uns. In deinem Namen vertrauen wir uns deiner bewahrenden Hand an. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Luke, Chapter 2