Das Wort des Lebens
lebensstudium

Ein Leben ganz gemäß und für Gottes neutestamentliche Ökonomie (13)

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Viele Christen verbinden das Wirken Jesu vor allem mit der Vergebung von Sünden und der Rettung vor dem Gericht. Doch die Evangelien, besonders das Markus-Evangelium, zeichnen ein noch tieferes Bild: Der Sohn Gottes kommt mitten in die religiöse und kulturelle Hochburg seiner Zeit, nicht um Systeme zu verbessern, sondern um sich selbst in Menschen hineinzulegen wie ein lebendiger Same. Wer diesen Blick gewinnt, erkennt, dass Gottes Reich nicht zuerst als äußere Ordnung kommt, sondern als verborgenes, aber mächtiges Leben, das wächst und die Gemeinde formt.

Das Evangelium des Reiches ist Gott selbst als Same in uns

Wenn Markus berichtet, dass Jesus „das Evangelium Gottes“ predigt, öffnet sich ein weiter Horizont. Es ist nicht einfach die Nachricht, dass es einen Gott gibt, der etwas getan hat. In diesem Ausdruck schwingt mit, dass Gott selbst in Christus herannaht und sich mitteilt. Darum heißt es in Markus 1:14–15: „Und nachdem Johannes überliefert war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und sagte: Die Zeit ist erfüllt und das Königreich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ Das Königreich Gottes „kommt nahe“, weil der König selbst gegenwärtig ist. In Ihm steht Gott leibhaftig mitten unter den Menschen, nicht nur mit Worten, sondern als lebendige Gegenwart, als hinreichende Antwort auf die innere Leere des Menschen.

Die Wendung „das Evangelium Gottes“ bedeutet nicht einfach, dass das Evangelium Gott gehört. Der Hauptgedanke ist vielmehr, dass das Evangelium etwas von Gott Selbst ist. Im Neuen Testament bedeuten Ausdrücke wie das Leben Gottes, die Liebe Gottes und die Gerechtigkeit Gottes, dass Leben, Liebe und Gerechtigkeit in Wirklichkeit Gott Selbst sind. Nach demselben Grundsatz macht der Ausdruck „das Evangelium Gottes“ deutlich, dass das Evangelium Gott Selbst ist. Daher bedeutet es, wenn wir das Evangelium Gottes predigen, in Wirklichkeit, dass wir Gott predigen. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft vierundsechzig, S. 541)

Dieses Kommen Gottes bleibt nicht äußerlich. Derselbe Jesus, der spricht, ist auch der, der sich sät. Später erklärt Er: „Und Er sagte: Das Königreich Gottes ist so: Wie wenn ein Mensch den Samen auf die Erde wirft“ (Mk. 4:26). Was Er predigt, ist zugleich das, was Er in die Herzen hineinlegt: Er selbst als Same. So wird das Evangelium des Reiches zum göttlichen Leben, das in uns hineinfällt, in der Verborgenheit Wurzeln treibt und unser Inneres Schritt für Schritt unter die sanfte Herrschaft Gottes stellt. Wer diesem Evangelium glaubt, nimmt nicht zuerst eine Lehre, sondern eine Person auf. Daraus erwächst eine stille, aber reale Freude: Gottes ewiger Vorsatz, sich in Menschen zu säen und in ihnen Gestalt anzunehmen, verbindet sich mit unserem Verlangen nach einem Leben, das von innen her erneuert ist. In dieser Verbindung beginnt ein Weg, auf dem Gottes Reich nicht nur gepredigt, sondern erfahren wird – als Gott selbst, der in uns wohnt und unser Leben durchdringt.

Und nachdem Johannes überliefert war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes (Mk. 1:14)

und sagte: Die Zeit ist erfüllt und das Königreich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium! (Mk. 1:15)

So lädt uns das Evangelium des Reiches ein, Christus nicht als bloßes Thema zu betrachten, sondern Ihn als den lebendigen Same willkommen zu heißen, der unser Herz erfüllt und uns Tag für Tag tiefer in die Wirklichkeit von Gottes Königreich hineinführt.

Predigen heißt säen – das Reich wächst als verborgenes Leben

Der Dienst Jesu ist bemerkenswert schlicht und zugleich unergründlich tief. Markus überliefert nur wenige längere Reden des Herrn, und doch zeigt sich darin das Herzstück seines Wirkens. Statt ausgedehnter moralischer Vorträge verwendet Jesus ein Bild aus dem Alltag: den Sämann, der seinen Samen ausstreut. Er lässt uns erkennen, dass das eigentliche Predigen ein Säen ist – nicht von Ideen, sondern von Leben. Das, was die Jünger hören, ist untrennbar verbunden mit dem, der vor ihnen steht. Sein Wort trägt Sein eigenes Leben in sich und fällt wie Same in die Erde der menschlichen Herzen.

Wie wir gesehen haben, offenbart Kapitel vier des Markus-Evangeliums, dass das Predigen des Evangeliums das Säen des Samens ist. Wie wir in früheren Botschaften hervorgehoben haben, ist der in Markus 4 gesäte Same der Same des Reiches. Wenn wir ein richtiges Verständnis des Evangeliums und der Predigt des Evangeliums haben wollen, müssen wir das in Betracht ziehen, was im Markus-Evangelium offenbart ist. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft vierundsechzig, S. 544)

Damit rückt die Wirklichkeit des Reiches Gottes in eine verborgene Sphäre. Sie beginnt nicht mit sichtbaren Strukturen, sondern mit einem unscheinbaren Wachstumsprozess in den Glaubenden. Paulus beschreibt diese Seite des Reiches, wenn er sagt: „denn das Königreich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Römer 14:17). Wo Christus als Same Raum gewinnt, wächst Gerechtigkeit als ein Zustand, in dem die Beziehungen vor Gott und untereinander geordnet werden; Friede breitet sich aus als ruhende Mitte inmitten von Spannungen; Freude im Heiligen Geist wird erfahrbar, ohne dass die äußeren Umstände sich notwendigerweise ändern. Aus vielen einzelnen Herzen, in die derselbe Christus gesät ist, entsteht so die gemeinsame Gestalt des Reiches in der Gemeinde – unscheinbar, oft unspektakulär, aber von bleibender Kraft. In diesem Blick wird das Predigen des Evangeliums zugleich tröstlich und befreiend: Gott verlangt nicht zuerst sichtbaren Erfolg, sondern schenkt verborgenes Wachstum, an dem Er selbst als der in uns wohnende König treu arbeitet.

Und Er sagte: Das Königreich Gottes ist so: Wie wenn ein Mensch den Samen auf die Erde wirft (Mk. 4:26)

denn das Königreich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. (Röm. 14:17)

Wo das Wort Christi uns erreicht, darf es wie Same in die Tiefe sinken, damit das Reich Gottes als Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist in unserem persönlichen Leben und im Gemeindeleben mehr Gestalt gewinnt.

Christus statt „Unkraut“: Gottes Reich erfüllt Gottes Vorsatz und unseren Hunger

Wenn Jesus am Beginn seines öffentlichen Wirkens in den Jordan hinabsteigt, geschieht mehr als ein persönliches Vorbild der Demut. Mit seiner Taufe markiert Er einen Einschnitt in Gottes Geschichte mit den Menschen. In Ihm geht ein ganzer Bereich menschlicher Sicherheiten und religiöser Ordnungen unter: das Vertrauen auf Kultur, auf tradierte Formen der Frömmigkeit, auf moralische Selbstverbesserung. Alles, worauf der Mensch sich stützen kann, ohne auf Gott selbst angewiesen zu sein, wird mit Christus symbolisch begraben. Von diesem Punkt an tritt Er auf als der, der nicht Systeme reformiert, sondern sich als lebendiges Weizenkorn in die Herzen pflanzt. Statt ein Feld voller gemischter Pflanzen zu fördern, strebt Gott nach einem klaren Wachstum des einen wahren Weizens – Christus in uns.

Als Er im Begriff war, Seinen Dienst des Säens zu beginnen, ließ der Herr Jesus Sich zuerst taufen. Mit Seiner Taufe wurden die Dinge der Kultur und der Religion mit Ihm begraben. Das bedeutet, dass der Herr Jesus Kultur und Religion beendete. Nachdem Er aus den Wassern der Taufe hervorgegangen war, begann Er, Sich Selbst in Gottes Volk hineinzusäen. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft vierundsechzig, S. 546)

Gerade darin liegt die verborgene Konkurrenz zwischen Kultur, Religion und Christus. Was vordergründig edel wirkt – moralische Anstrengung, traditionelle Frömmigkeit, selbst geistliche Aktivität –, kann in Gottes Augen zu „Unkraut“ werden, wenn es den Platz einnimmt, an dem Christus selbst wachsen möchte. Gottes ewiger Vorsatz gilt nicht einem veredelten alten Leben, sondern einer Gemeinde, in der der Dreieine Gott Ausdruck findet. Wo der Same Christi die Oberhand gewinnt, entsteht eine andere Atmosphäre: nicht Leistungsdruck, sondern Genuss; nicht geistliche Müdigkeit, sondern Freude in der Gegenwart des Herrn. So erfüllt das Reich Gottes zugleich Gottes Herz und unseren innersten Hunger. Gottes Herz findet Ruhe in einem Volk, in dem Sein Sohn Gestalt gewinnt; unser Herz findet Frieden, weil es nicht mehr an Ersatzpflanzen hängt, sondern in Christus die Quelle aller Gerechtigkeit, allen Friedens und aller Freude entdeckt. „Zuverlässig ist das Wort und aller Annahme wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, um die Sünder zu retten, von denen ich der Erste bin“ (1. Timotheus 1:15) – diese Rettung reicht weiter als die Vergebung; sie umfasst ein neues Feld, auf dem nur noch eine Pflanze wirklich zählt: Christus, der in uns wächst und das ganze Feld unseres Lebens erfüllt.

Zuverlässig ist das Wort und aller Annahme wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, um die Sünder zu retten, von denen ich der Erste bin. (1.Tim. 1:15)

denn das Königreich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. (Röm. 14:17)

Je mehr Christus als der wahre Weizen in uns Raum gewinnt, desto mehr verliert alles religiöse und kulturelle „Unkraut“ an Anziehung, und wir entdecken, dass Gottes Reich unsere tiefsten Bedürfnisse stillt, indem es uns in der Person des Sohnes mit Gerechtigkeit, Frieden und Freude im Heiligen Geist beschenkt.


Herr Jesus Christus, danke, dass Du nicht nur eine Botschaft gebracht hast, sondern Dich selbst als lebendigen Samen in uns gesät hast. Du siehst alles, was wie Unkraut in unserem Inneren mit Dir konkurriert, und dennoch gibst Du uns nicht auf, sondern lässt Dein Leben weiter wachsen. Vater, erfülle uns mit dem Geist der Weisheit und Offenbarung, damit wir Dein Reich als Deine eigene Gegenwart in uns erkennen und schätzen. Lass Deine Gerechtigkeit, Dein Frieden und Deine Freude im Heiligen Geist in unserem Alltag überfließen und jede innere Leere ersetzen. Stärke in uns die Gewissheit, dass Dein Reich kommen und Dein Vorsatz mit der Gemeinde vollendet wird, auch wenn vieles noch verborgen scheint. Wir vertrauen darauf, dass der von Dir gesäte Same sein Ziel erreicht und Du durch unser Leben verherrlicht wirst. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Mark, Chapter 64