Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Bewegung des Evangeliumsdienstes des Sklaven‑Erlösers (17)

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Man kann lange mit Jesus unterwegs sein und ihn doch in entscheidenden Punkten nicht wirklich sehen. Die Jünger waren jahrelang an seiner Seite, hörten seine Worte und sahen seine Wunder – und trotzdem dachten sie in Kategorien von Rang, Ehre und eigener Größe. Direkt daneben sitzt ein blinder Bettler am Straßenrand, ohne Ansehen, ohne Einfluss, aber mit einem Schrei nach Erbarmen. Zwischen ehrgeizigen Jüngern und einem blinden Bettler macht Jesus deutlich, was es heißt, ihm als Sklaven-Erlöser zu folgen: durch den Weg des Kreuzes in die Auferstehung und in das wahre Licht.

Ambition als Zeichen geistlicher Blindheit

Wenn Markus erzählt, wie Jesus mit seinen Jüngern „hinauf nach Jerusalem“ geht, zeichnet er eine ernste Szene: „Jesus ging vor ihnen her; und sie erschraken. Die ihm aber nachfolgten, fürchteten sich“ (Markus 10:32). Der Herr spricht klar von seinem bevorstehenden Leiden: „Der Sohn des Menschen wird den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten überliefert werden … und nach drei Tagen wird er auferstehen“ (Markus 10:33–34). Genau an dieser Stelle, im Schatten der angekündigten Kreuzigung, treten Jakobus und Johannes mit ihrer Bitte hervor: Ehrenplätze in seiner Herrlichkeit. Die Spannung könnte größer kaum sein: Während Jesus innerlich den Kelch des Leidens vor Augen hat, sehen die beiden den Glanz des Thrones. Ihre Worte verraten, dass ihre Gedanken von Rangordnung erfüllt sind, nicht von der Hingabe des Sohnes, der sein Leben hingeben wird „als Lösegeld für viele“ (Markus 10:45). Fromme Sprache bedeckt hier ein Herz, das die Tiefen des Weges Christi noch nicht erfasst hat.

Aber obwohl sie dem Herrn mehr als drei Jahre gefolgt waren, blieben sie dennoch blind und brauchten eine weitere Heilung, eine besondere Heilung ihres Sehvermögens. Johannes und Jakobus waren nicht imstande, Christus sowie Seinen Tod und Seine Auferstehung zu erkennen. Der Herr hatte dreimal mit ihnen über Seinen Tod gesprochen, aber weil sie blind waren, konnten sie nicht verstehen, was Er sagte. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft dreiunddreißig, S. 292)

Jesus entlarvt diese fromme Ambition nicht durch eine schroffe Zurechtweisung, sondern indem er sie ins Licht seines Kreuzes stellt: „Ihr wißt nicht, um was ihr bittet“ (Markus 10:38). Sie reden von Herrlichkeit, er spricht von Kelch und Taufe, von Gericht und Tod. So zeigt er: Ein Ehrgeiz, der nach geistlicher Position greift, aber das Kreuz ausblendet, ist keine Tugend, sondern Ausdruck von Blindheit. Die Jünger wissen viel, sie haben viel gehört, sie folgen ihm sichtbar – und doch erkennen sie ihn und seinen Weg nicht. Was später in Jericho äußerlich an Bartimäus sichtbar wird, ist in ihnen innerlich vorhanden: Blindheit im Blick auf Christus. Jericho, die Stadt, über der nach dem Wort aus 1. Mose und Josua ein Fluch lag, wird zum Symbol: eine Sphäre von Finsternis, Sünde und Tod, aus der Gott „die Augen öffnen“ will, „um sie zu wenden von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt Satans zu Gott“ (Apostelgeschichte 26:18).

In diesem Spiegel werden die Bewegungen unseres eigenen Herzens erkennbar. Ambition kann sich geistlich kleiden, kann sich als „Eifer für Gott“ präsentieren, und doch vom gleichen Geist wie die Bitte der Zebedäussöhne getragen sein: vom Wunsch, gesehen, bestätigt, erhöht zu werden. Wo Stellung, Ansehen oder Einfluss unser verborgenes Begehren nähren, verliert das Kreuz an Schärfe und das Leiden Christi an Gewicht. Dann wird der Weg des Herrn zum Mittel, unser eigenes Projekt zu verwirklichen, statt dass wir in seinem Weg verwandelt werden. Die Jünger gleichen dem blinden Bettler mehr, als ihnen bewusst ist, nur sitzt ihre Blindheit im Herzen. Jesus deckt das nicht auf, um zu beschämen, sondern um zu heilen. Wo er unsere verborgenen Wünsche ans Licht bringt, lädt er uns ein, neu zu ihm zu rufen, wie Bartimäus rief: „Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ (Markus 10:47). In diesem Rufen beginnt die Heilung eines Sehens, das nicht mehr auf Rang, sondern auf den Gekreuzigten und Auferstandenen gerichtet ist.

So wird dieser Abschnitt zu einer leisen, aber tiefen Ermutigung: Geistliche Blindheit ist kein Endurteil, sondern ein Zustand, den der Sklaven-Erlöser berührt. Er geht voran nach Jerusalem, auch für Jünger, die ihn noch missverstehen. Er trägt ihren Ehrgeiz mit, um ihn am Kreuz zu richten und ihre Augen zu öffnen. Wer sich von diesem Licht treffen lässt, braucht seine inneren Beweggründe nicht mehr zu verteidigen. Er darf lernen, sich selbst im Licht des Kreuzes zu sehen, und darin erfahren, dass der Herr uns genau dort begegnet, wo wir verstrickt sind. Aus dem Geständnis eigener Blindheit erwächst eine neue Klarheit: Christus selbst wird kostbarer als jede Stellung, und sein Weg des Dienstes wichtiger als unser Platz auf diesem Weg. In dieser Perspektive verliert Ambition ihre Macht, und ein stiller, freie Geborgenheit schenkender Wunsch entsteht: bei ihm zu sein, auch wenn der Weg durch Jericho, durch Fluch und Dunkelheit führt – in der Gewissheit, dass er unsere Augen immer weiter öffnet.

SIE waren aber auf dem Weg und gingen hinauf nach Jerusalem, und Jesus ging vor ihnen her; und sie erschraken. Die ihm aber nachfolgten, fürchteten sich. Und er nahm wieder die Zwölf zu sich und fing an, ihnen zu sagen, was ihm widerfahren sollte: (Mk. 10:32)

Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten überliefert werden; und sie werden ihn zum Tod verurteilen und werden ihn den Nationen überliefern; (Mk. 10:33)

Der Blick auf Jakobus und Johannes lädt ein, den eigenen Eifer neu zu deuten: Wo geistlicher Dienst von Vergleich, von innerem Druck, von der Suche nach Anerkennung geprägt ist, deutet dies auf ein Sehen hin, das noch vom Glanz der Herrlichkeit, nicht vom Ernst des Kreuzes bestimmt ist. Gerade dort arbeitet Christus geduldig weiter, stellt unsere Wünsche in das Licht seines Leidens und öffnet uns die Augen für die Freiheit, die darin liegt, einfach in seiner Spur zu gehen, ohne uns selbst sichern zu müssen. Wer sich von ihm als innerlich Blinder ansprechen lässt, entdeckt, dass seine Liebe nicht zurückweicht, sondern uns aus der engen Welt des Positionsstrebens in die weite, lichte Wirklichkeit seines Kreuzes und seiner Auferstehung hineinführt.

Der Tod Christi als unser bereitetes Teil und Prozess

Auf die Bitte nach den Plätzen zu seiner Rechten und Linken antwortet Jesus mit einer Frage, die alles verschiebt: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder mit der Taufe getauft werden, mit der ich getauft werde?“ (Markus 10:38). Kelch und Taufe sind seine Bilder für das Kreuz. Der Kelch ist der ihm von seinem Vater zugeteilte Anteil: „Den Kelch, den mir der Vater gegeben hat, soll ich den nicht trinken?“ (Johannes 18:11). Die Taufe ist der von Gott verordnete Weg, der ihn bis in die Tiefen des Gerichts führt: „Ich habe aber eine Taufe, mit der Ich getauft werden muss, und wie bin Ich bedrängt, bis sie vollbracht ist!“ (Lukas 12:50). Jesus lenkt den Blick der Jünger weg von der Frage nach Position und hin zu seinem bevorstehenden Sterben. Er macht deutlich: Der Weg in seine Herrlichkeit führt nicht an seinem Tod vorbei, sondern durch ihn hindurch.

Wir haben gesehen, dass sich sowohl der Kelch als auch die Taufe auf den Tod des Sklaven-Heilandes beziehen (Joh. 18:11; Lk. 12:50). Der Kelch bedeutet, dass Sein Tod der von Gott zugeteilte Anteil war, den Er für die Sünder auf Sich nehmen sollte, die Er für Gott erlösen würde. Die Taufe bedeutet, dass Sein Tod der von Gott verordnete Weg war, den Er zur Vollbringung der Erlösung durchschreiten musste. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft dreiunddreißig, S. 294)

Doch damit bleibt er nicht bei sich selbst stehen. Als Jakobus und Johannes, voller Selbstvertrauen, sagen „Wir können es“, antwortet er: „Den Kelch, den ich trinke, werdet ihr trinken, und mit der Taufe, mit der ich getauft werde, werdet ihr getauft werden“ (Markus 10:39). Nicht nur sein Tod ist von Gott bereitet, sondern auch ihr Anteil daran. Der Tod Christi ist ihr zugeteilter Kelch, ihr Weg. Später entfaltet das Neue Testament, was hier angelegt ist: „Oder wißt ihr nicht, daß wir, so viele auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? … Denn wenn wir mit ihm einsgemacht worden sind in der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch in der seiner Auferstehung sein“ (Römer 6:3–5). Sein Kreuz ist nicht nur stellvertretend für uns vollzogen, sondern auch einschließend: In seinem Tod endet unser altes, eigenmächtiges Ich vor Gott; in seiner Auferstehung beginnt ein neues Leben unter seiner Herrschaft.

Damit wird der Tod Christi zu mehr als einem historischen Ereignis, das man bejaht. Er wird Prozess und Atmosphäre unseres Lebens mit ihm. Wenn Paulus bekennt: „Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir“ (Galater 2:20), beschreibt er genau diese Wirklichkeit. Das tägliche Sterben mit Christus bedeutet keine dunkle Selbstverneinung um ihrer selbst willen, sondern das fortwährende „Nein“ zu jenem alten Menschen, der sich behaupten, durchsetzen, erhöhen will. Dieses Nein öffnet Raum für ein „Ja“, in dem die Kraft der Auferstehung Christi Gestalt gewinnt – in Geduld statt im Drängen, im Dienen statt im Beherrschen, in der Bereitschaft, zurückzutreten, damit sein Leben erscheinen kann.

So entsteht eine stille Tröstung: Der Weg, den Gott uns bereitet, ist nicht in erster Linie eine bestimmte Position, eine sichtbare Aufgabe oder ein besonderer Rang in seinem Reich. Unser vorbereitetes Teil ist, mit Christus identifiziert zu sein in seinem Tod und in seiner Auferstehung. Was aus menschlicher Perspektive wie Verlust aussieht, zählt in Gottes Ökonomie als Gewinn, weil es uns tiefer in die Gemeinschaft mit seinem Sohn hineinführt. Wer so lernt, den eigenen Weg zu verstehen, muss Vergängliches nicht mehr festhalten. Er kann den Kelch, den der Vater zuteilt, annehmen und entdecken, dass in den Erfahrungen des Sterbens mit Christus ein Erbe verborgen liegt: mehr Wirklichkeit seiner Auferstehung, mehr Freiheit von sich selbst, mehr Teilnahme an der unsichtbaren Herrschaft des Königs, der durch das Kreuz zur Rechten des Vaters erhöht worden ist.

Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wißt nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder mit der Taufe getauft werden, mit der ich getauft werde? (Mk. 10:38)

Sie aber sprachen zu ihm: Wir können es. Jesus aber sprach zu ihnen: Den Kelch, den ich trinke, werdet ihr trinken, und mit der Taufe, mit der ich getauft werde, werdet ihr getauft werden; (Mk. 10:39)

Die Antwort Jesu auf die Bitte um Ehrenplätze zeigt, dass die entscheidende Frage nicht lautet, welchen Rang jemand im Königreich Gottes einnehmen wird, sondern ob sein Leben in den Prozess von Tod und Auferstehung Christi hineingezogen ist. Wenn Wege sich verengen, Pläne scheitern oder eigene Stärke an Grenzen kommt, kann darin mehr als ein bloßer Rückschlag liegen: Es kann der von Gott verordnete Weg sein, auf dem das alte, selbstbezogene Ich stirbt und Christus in größerer Klarheit Gestalt gewinnt. Wer seinen Alltag so liest, entdeckt in schmerzlichen Erfahrungen nicht nur Verlust, sondern die Einladung, den bereiteten Kelch mit Vertrauen anzunehmen und im Glauben zu erwarten, dass auf jedes Sterben mit Christus eine Spur seiner Auferstehung folgt.

Vom Bettler zum Nachfolger: geistliche Sicht in der Auferstehung

Der Weg nach Jerusalem führt Jesus und die Seinen durch Jericho. Dort sitzt, am Rand der Straße, ein blinder Bettler: Bartimäus (Markus 10:46). Er ist nicht Teil des Zuges, sondern außen, passiv, abhängig. Seine Welt ist Dunkelheit und Warten auf Almosen. Als er hört, dass Jesus vorübergeht, greift er das, was ihm bekannt ist, mit ganzer Seele: „Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner!“ (Markus 10:47). Er nennt ihn mit dem messianischen Titel und wirft sich damit gewissermaßen selbst in die Geschichte der Verheißungen Israels hinein. Viele aber bedrängen ihn, er solle schweigen; seine Not störe den geordneten Zug. Doch gerade dieses verzweifelte Rufen durchbricht die Barriere der Menschenmenge und erreicht das Herz des Sklaven-Erlösers.

Dann blieb Jesus stehen und sagte: „Ruft ihn.“ Trotz der Zurechtweisung durch viele befahl der Sklaven-Heiland ihnen, den erbärmlichen blinden Bettler zu rufen. Damit kam erneut Seine Menschlichkeit in Seinem Mitleid mit elenden Menschen zum Ausdruck. Daraufhin warf Bartimäus sein Gewand weg, sprang auf und kam zu Jesus (V. 50). (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft dreiunddreißig, S. 297)

Markus zeichnet eine zarte Szene: „Und Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn!“ (Markus 10:49). Der Herr, der auf dem Weg zum Kreuz ist, hält inne für einen einzelnen blinden Bettler. In diesem Stehenbleiben blitzt seine barmherzige Menschlichkeit auf. Bartimäus reagiert mit einer bezeichnenden Geste: „Er aber warf sein Gewand ab, sprang auf und kam zu Jesus“ (Markus 10:50). Das Gewand steht für Schutz und Selbstverständnis, für das Wenige, das ihm als Bettler bleibt. Er lässt es zurück, weil ihn nur eines drängt: zum Herrn zu gelangen. Jesus begegnet ihm nicht mit Distanz, sondern mit der gleichen Frage, die er kurz zuvor Jakobus und Johannes gestellt hatte: „Was wollt ihr, daß ich euch tun soll?“ (Markus 10:36.51). Den ehrgeizigen Jüngern und dem blinden Bettler stellt er dieselbe Frage – aber hier antwortet einer, dem es nicht um Platz, sondern um Sehen geht: „Rabbuni, daß ich sehend werde“ (Markus 10:51).

Die Heilung folgt schlicht: „Und Jesus sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt! Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm auf dem Weg nach“ (Markus 10:52). Bartimäus bleibt nicht beim Almosen, er bleibt auch nicht am Rand der Straße; er tritt ein in die Bewegung mit Jesus. Vom Bettler wird er zum Nachfolger, von der Randfigur zum Mitgehenden. Das Licht, das ihm geschenkt wird, ist mehr als körperliche Sehkraft. Es ist ein neues Dasein: Er sieht nun den, der den Weg nach Jerusalem führt, und schließt sich ihm an. In ihm wird sichtbar, was der Herr in seinem ganzen Dienst wirkt: Er rettet Menschen aus einer Existenz unter Fluch, Finsternis und Tod hinein in das Licht seiner Gegenwart. Wo er Augen öffnet, löst er zugleich aus alten Sicherheiten und aus der Passivität eines Lebens „am Weg“.

In Bartimäus spiegelt sich eine innere Bewegung wider, die auch im Leben der Jünger nötig ist. Ihre Blindheit ist weniger offensichtlich, aber nicht weniger real: „Denn bei wem diese Dinge nicht vorhanden sind, der ist blind, kurzsichtig und hat die Reinigung von seinen früheren Sünden vergessen“ (2. Petrus 1:9). Wer seine eigenen „Gewänder“ – die vertrauten Muster von Selbstschutz, Anerkennungssuche, religiösem Funktionieren – festhält, bleibt leicht Zuschauer am Rand. Der Ruf des Blinden ermutigt dazu, diese Sicherheiten loszulassen und mit der nackten Bitte um sehend machende Gnade zu Christus zu kommen. In seinem Erbarmen entsteht ein neues, klareres Sehen, das uns in Bewegung versetzt: weg von einem Leben, das sich um sich selbst dreht, hin zu einem einfachen Hinterhergehen hinter ihm, auch wenn der Weg nach Jerusalem führt. Dort, in der Nachfolge auf dem Weg des Kreuzes, wird Blindheit Schritt für Schritt von Auferstehungslicht durchdrungen.

Und sie kommen nach Jericho. Und als er und seine Jünger und eine große Volksmenge aus Jericho hinausgingen, saß der Sohn des Timäus, Bartimäus, ein blinder Bettler, am Weg. (Mk. 10:46)

Und als er hörte, daß es Jesus, der Nazarener, sei, fing er an zu schreien und zu sagen: Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner! (Mk. 10:47)

Die Begegnung Jesu mit Bartimäus verwandelt das Bild vom geistlich „Draußen-Sein“. Randständige Erfahrungen, das Gefühl, nur Zuschauer zu sein oder im Dunkeln zu tappen, müssen nicht die letzte Wahrheit über ein Leben mit Christus bleiben. Wo seine Stimme gehört und sein Ruf ernst genommen wird, entsteht der Mut, alte Gewänder – vertraute Identitäten, Sicherheiten, Bilder von sich selbst – loszulassen und sich ihm zuzuwenden. In dieser Bewegung beginnt ein sehendes Leben: nicht perfekt, aber ausgerichtet auf den, der vorangeht. Wer so hinter Jesus hergeht, entdeckt unterwegs, dass gerade aus der eigenen Blindheit eine tiefe Vertrautheit mit seinem Erbarmen erwächst und dass aus einem Leben am Rand ein Weg mitten in seiner Spur wird.


Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Mark, Chapter 33