Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Bewegung des Evangeliumsdienstes des Sklaven‑Erlösers (7)

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Manche Christen erleben eine allgemeine Hilfe durch den Herrn, merken aber irgendwann: Ihnen fehlen die Worte im Gebet, sie verstehen geistliche Dinge nur verschwommen und können andere kaum erbauen. Die Berichte aus Markus 7 und 8 zeichnen ein eindrückliches Bild davon, wie Jesus Schritt für Schritt tiefer geht: vom äußeren Helfen hin zur inneren Heilung unserer geistlichen Sinnesorgane, damit ein bleibender Dienst für das Evangelium möglich wird.

Geistliche Taubheit und Stummheit – wenn Hören und Reden blockiert sind

Markus zeichnet den tauben und schwer sprechenden Mann nicht als Randnotiz, sondern als Spiegel. Wer nicht hören kann, bleibt innerlich eingeschlossen; wer kaum reden kann, bleibt stumm, selbst wenn viel in ihm vorgeht. So beschreibt Markus 7:32–35 unseren Zustand vor dem Wort Gottes: Die Stimme Gottes dringt nur gedämpft an uns heran, und entsprechend bleibt unser Lob, unser Zeugnis, unser Gebet bruchstückhaft. Es heißt: „Und sie bringen einen Tauben zu ihm, der mit Mühe redete, und bitten ihn, daß er ihm die Hand auflege“ (Mk. 7:32). Die Not dieser Menschen fasst zusammen, was geistliche Taubheit und Stummheit bedeuten: Gottes Reden erreicht das Herz kaum, daher fehlen Freiheit und Fülle im Antworten. Der Zusammenhang zu Jesaja ist auffällig: Dort wird die kommende Heilszeit so beschrieben: „Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und jauchzen wird die Zunge des Stummen. Denn in der Wüste brechen Wasser hervor und Bäche in der Steppe“ (Jes. 35:6). Wenn die Gnade des Messias anbricht, beginnen die Zungen zu jauchzen – aber erst, nachdem Ohren und Herz geöffnet worden sind.

206 DER EVANGELIUMSDIENST (7) Bibelverse: Markus 7:31–8:26 In dieser Botschaft betrachten wir Markus 7:31–8:26. In diesem Abschnitt des Evangeliums nach Markus werden fünf Punkte behandelt: die Heilung eines Tauben, der mit Mühe redete (7:31–37), die Speisung der Viertausend (8:1–9), das Nichtgeben eines Zeichens für die Pharisäer (8:10–13), die Warnung der Jünger vor dem Sauerteig der Pharisäer und des Herodes (8:14–21) und die Heilung eines Blinden in Bethsaida (8:22–26). DIE HEILUNG EINES TAUBEN, DER MIT MÜHE REDETE In Markus 7:31–37 wird die Heilung eines Tauben geschildert, der mit Mühe redete. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft dreiundzwanzig, S. 206)

Der Weg, den der Sklaven‑Erlöser mit diesem Mann geht, ist erstaunlich persönlich. Zuerst nimmt er ihn aus der Menge heraus, weg von dem Lärm der vielen Stimmen, hinein in einen Raum, in dem nur noch Er und der Leidende da sind. Dann legt er seine Finger in die Ohren und berührt mit seinem Speichel die Zunge (Mk. 7:33). Damit macht der Herr sichtbar, was geistlich geschieht: Er legt seine Autorität und sein lebendiges Wort an unser Hörorgan, und er salbt unser Sprechen mit der Essenz seines eigenen Mundes. Sein „Ephata! Das ist: Werde aufgetan!“ (Mk. 7:34) zielt nicht auf ein äußeres Wunder allein; es ist der Ruf in unser inneres Ohr hinein. Wo dieses Wort gehört wird, werden „die Ohren aufgetan“ und „die Fessel der Zunge“ gelöst (Mk. 7:35). Das Hören wird zur Quelle des Redens: Wer Gottes Wort nur flüchtig aufnimmt, entdeckt, dass ihm in den Zusammenkünften die Worte fehlen; wer aber zulässt, dass das Wort Herz und Sinn durchdringt, erhält einen inneren Vorrat, aus dem Lobpreis, Zeugnis und Fürbitte spontan hervorgehen.

Die „Spucke“ des Herrn wirkt auf den ersten Blick befremdlich, ist aber ein tiefes Bild: Was aus seinem Mund hervorgeht, seine lebendige, durch den Geist gesättigte Rede, wird zur feuchten Salbe auf unserer trockenen, blockierten Zunge. Sein Wort ist nicht nur Information, sondern Trägersubstanz seiner Gegenwart. Wenn seine Rede unsere Zunge benetzt, kommt unser Reden unter eine neue Qualität: nicht mehr gehetztes, angestrengtes Produzieren von frommen Formulierungen, sondern ein Sprechen, das von der Frische seines Mundes lebt. So wird Schritt für Schritt das erfüllt, was am Ende der Szene die Umstehenden bekennen: „Er hat alles wohlgemacht; er macht sowohl die Tauben hören als auch die Stummen reden“ (Mk. 7:37). In dieser Wohltat liegt auch unsere Berufung: Menschen zu werden, deren Ohren vom Lärm der Welt gelöst sind und in denen die Stimme des Herrn nachklingt – Menschen, deren Zunge von seinem Wort berührt ist und deshalb tröstet, ermahnt, lobt und bekennt.

Wer sich in dieser Begebenheit wiedererkennt, muss sich nicht entmutigen. Geistliche Taubheit und Stummheit sind für den Sklaven‑Erlöser kein Hindernis, sondern sein Arbeitsfeld. Er scheut sich nicht, ganz nahe zu kommen, das „Ohr“ unseres Inneren anzurühren, unsere Zunge zu beschämen und zu befreien. Je mehr sein Wort in uns Raum gewinnt, desto weniger dominieren uns die inneren Blockaden. So wird aus dem Mühsamen nach und nach ein freies Reden, aus dem spärlichen Hören ein waches, empfängliches Herz. Und auf diesem Weg wird das eigene Leben zum stillen Zeugnis dafür, dass der Herr Jesus noch heute die Tauben hören und die Stummen reden macht.

Und sie bringen einen Tauben zu ihm, der mit Mühe redete, und bitten ihn, daß er ihm die Hand auflege. (Mk. 7:32)

und er blickte zum Himmel, seufzte und spricht zu ihm: Ephata! Das ist: Werde aufgetan! (Mk. 7:34)

Geistliche Heilung beginnt unscheinbar damit, dass der Herr uns beiseite nimmt, unsere inneren Ohren seinem Wort aussetzt und unsere Zunge mit der Frische seiner Rede berührt. Wo wir ihm darin Raum lassen, wächst in uns eine neue Freiheit, Gottes Stimme zu vernehmen und mit einem gelösten, gesalbten Mund auf sie zu antworten.

Vom Genährt‑Werden zum Mit‑Versorgen – der Weg in einen dienenden Lebensstil

Nach der Heilung des Hörens und Redens folgt in Markus kein zufälliges Wunder, sondern die Speisung der viertausend (Mk. 8:1–9). Der Evangelist zeigt damit eine innere Ordnung: Zuerst öffnet der Herr das Herz, dann sättigt er es, und erst danach gebraucht er die, die gesättigt sind, als Mitwirkende in seiner Versorgung. In der Szene am See heißt es: „Ich bin innerlich bewegt über die Volksmenge, denn schon drei Tage harren sie bei mir aus und haben nichts zu essen“ (Mk. 8:2). Sein Mitgefühl richtet sich auf Menschen, die ausgeharrt haben, bis ihre eigenen Reserven erschöpft sind. Gerade an diesem Punkt – am Ende der Selbstversorgung – beginnt die eigentliche Speisung mit Christus als dem Brot des Lebens. Er dankt, bricht die Brote und gibt sie den Jüngern, „damit sie vorlegten; und sie legten der Volksmenge vor“ (Mk. 8:6). Zwischen seiner Hand und der Menge stehen die Jünger; was aus seiner Hand kommt, geht durch ihre Hände weiter.

212 Der Gedanke an Brot: „Und sie überlegten miteinander und sagten: Weil wir kein Brot haben“ (V. 16). Als sie das Wort „Sauerteig“ hörten, dachten sie sofort an Brot, weil ihnen bewusst war, dass sie im Boot nicht genügend Vorrat mitgenommen hatten. Wir sind heute oft wie die Jünger: Wir hören vielleicht eine Botschaft, aber wir deuten sie nicht richtig. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft dreiundzwanzig, S. 212)

Die Jünger sind zunächst von ihrer eigenen Knappheit bestimmt. Ihre Frage „Woher wird jemand diese hier in der Einöde mit Brot sättigen können?“ (Mk. 8:4) zeigt, wie sehr sie noch in menschlichen Berechnungen gefangen sind. Erst als der Herr ihre wenigen Brote in Besitz nimmt, dankt und bricht, verwandelt sich ihr Mangel in Überfluss. Hier deutet sich an, wie aus Hörern und Empfängern Mitversorger werden: Was wir aus der Hand des Herrn empfangen, behält seine Herkunft; wir werden nicht zu neuen Quellen, sondern zu Kanälen. Der Kontrast zu den Pharisäern schärft dieses Bild: Während diese „ein Zeichen vom Himmel“ begehren (Mk. 8:11) und am Spektakulären interessiert sind, vertraut die namenlose Volksmenge schlicht darauf, dass der Herr ihnen in der Einöde Nahrung gibt. Aus dieser einfachen, hörenden Haltung erwächst ein Gemeindeleben, das nicht von religiöser Schau, sondern von gegenseitiger Lebensversorgung geprägt ist.

In der anschließenden Warnung vor dem Sauerteig der Pharisäer und des Herodes (Mk. 8:15–21) kommt ans Licht, wie leicht geistliche Versorgung durch falsche Deutung verflacht. Die Jünger deuten die Worte des Herrn rein äußerlich: „Und sie überlegten miteinander: Weil wir keine Brote haben“ (Mk. 8:16). Sie haben Brot erlebt, aber den geistlichen Sinn noch nicht erfasst. So erinnert der Herr sie an die Brocken, die übrigblieben – zwölf Handkörbe nach der Speisung der fünftausend, sieben Körbe nach der Speisung der viertausend (Mk. 8:19–20). Die Erinnerung an diese Überfülle soll ihr Herz aus der engen Sorge um das Eigene lösen und sie hineinführen in ein Denken, das mit dem Reichtum Christi rechnet. Wer in diesem Sinn lernt, die Worte und Wege des Herrn zu deuten, wird allmählich von einem leidenden Bewusstsein des Mangels zu einer stillen Gewissheit des Überflusses geführt.

Der Übergang vom Genährt‑Werden zum Mit‑Versorgen ist damit kein Sprung in Aktivismus, sondern die Frucht einer inneren Verwandlung. Der Herr Jesus schenkt sich selbst als Brot, bis in uns ein Gespür für seinen Reichtum entsteht. Er weitet unsere engen Fragen, erinnert uns an seine früheren Taten und befreit uns aus der Fixierung auf das, was uns fehlt. So werden Hände frei, die nicht mehr krampfhaft festhalten, sondern austeilen; so entstehen Beziehungen in der Gemeinde, in denen Christus als Lebensversorgung zirkuliert. Wer sich als Empfänger erlebt und doch immer wieder staunend entdeckt, dass „sie aßen und wurden gesättigt“ (Mk. 8:8), findet darin leise den Anstoß, andere am gleichen Brot teilhaben zu lassen – nicht als Pflicht, sondern als natürliche Bewegung eines Herzens, das von der Güte des Herrn ergriffen ist.

Ich bin innerlich bewegt über die Volksmenge, denn schon drei Tage harren sie bei mir aus und haben nichts zu essen; (Mk. 8:2)

Und seine Jünger antworteten ihm: Woher wird jemand diese hier in der Einöde mit Brot sättigen können? (Mk. 8:4)

Wer Christus als sein Brot erlebt, wird allmählich aus der Enge des Mangelsdenken gelöst und in die Weite eines dienenden Lebensstils geführt, in dem der empfangene Überfluss nicht gehortet, sondern in stiller Selbstverständlichkeit mit anderen geteilt wird.

Geklärte Sicht statt geistlicher Unschärfe

Die Heilung des Blinden in Bethsaida ist das letzte der fünf Ereignisse in Markus 7:31–8:26 und bringt eine andere Dimension des Evangeliumsdienstes des Sklaven‑Erlösers ans Licht: die Wiederherstellung des geistlichen Sehens. Zunächst wird der Blinde zu Jesus gebracht, doch dann fasst der Herr ihn bei der Hand und führt ihn aus dem Dorf hinaus (Mk. 8:22–23). Dieses Hinausführen ist mehr als Ortswechsel; es markiert eine Ablösung von den Sichtweisen und Gewohnheiten, die seine Blindheit umgeben. Abseits der gewohnten Umgebung beginnt der Heilungsprozess. Nachdem der Herr in seine Augen gespien und ihm die Hände aufgelegt hat, fragt er ihn: „Siehst du etwas?“ (Mk. 8:23). Die Antwort enthüllt den Zwischenzustand: „Ich sehe die Menschen, denn ich sehe sie wie Bäume umhergehen“ (Mk. 8:24). Menschen sind erkennbar, aber übergroß und unklar – ein Bild für geistliche Unschärfe, in der die Dinge Gottes zwar erahnt, aber nicht richtig unterschieden und gewichtet werden.

207 Erfahrung. Als wir gerettet wurden, erfuhren wir zunächst eine allgemeine Heilung. Später wurde dann der Zustand unseres Herzens offenbar. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft dreiundzwanzig, S. 207)

Der Herr gibt sich mit diesem halben Sehen nicht zufrieden. „Dann legte er wieder die Hände auf seine Augen, und er sah deutlich, und er war wiederhergestellt und sah alles klar“ (Mk. 8:25). Die zweistufige Heilung spiegelt eine häufige Erfahrung wider: Am Anfang unseres Glaubens öffnet Gott uns die Augen in allgemeiner Weise. Wir sehen das Licht des Evangeliums, erkennen, dass wir Sünder sind und Christus der Retter ist. In den Worten, die der auferstandene Herr an Paulus richtet, heißt es über den Sinn seines Dienstes: „um ihnen die Augen zu öffnen, um sie zu wenden von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt Satans zu Gott“ (Apg. 26:18). Doch dieses erste Sehen bleibt oft grob gezeichnet; Menschen, Situationen und geistliche Zusammenhänge verschwimmen zu schemenhaften Konturen. Es braucht weitere Berührungen durch den Herrn, damit wir nicht nur grundsätzlich sehen, sondern „alles klar“ sehen.

Markus ordnet diese Heilung nicht zufällig direkt nach der Szene, in der die Jünger trotz zweier Brotwunder nicht verstehen, was der Herr meint, wenn er vor dem Sauerteig der Pharisäer und des Herodes warnt (Mk. 8:15–21). Seine Fragen „Augen habt ihr und seht nicht? Und Ohren habt ihr und hört nicht?“ (Mk. 8:18) machen deutlich, dass geistliche Wahrnehmung mehr ist als das Vorhandensein der Organe; sie ist eine Frage des inneren Zustands. Petrus beschreibt Gläubige, die die grundlegenden Tugenden des neuen Lebens nicht entfalten, mit harten Worten: „Denn bei wem diese Dinge nicht vorhanden sind, der ist blind, kurzsichtig und hat die Reinigung von seinen früheren Sünden vergessen“ (2.Pet. 1:9). Kurzsichtigkeit im geistlichen Sinn heißt: Man sieht das Naheliegende, aber nicht den weiteren Horizont von Gottes Handeln; man sieht das eigene Ergehen, aber nicht die Linie, in der Gott sein Volk führt.

Die zweistufige Heilung des Blinden lehrt, dass der Herr selbst diese Unschärfe ernst nimmt und uns nicht in einem vagen, widersprüchlichen Sehen zurücklässt. Er ist bereit, immer wieder seine Hände auf unsere Augen zu legen – durch sein Wort, das verborgene Motive ans Licht bringt, durch Umstände, die unsere Perspektiven erschüttern, durch Brüder und Schwestern, die uns liebevoll widersprechen. So wird aus dem ersten, noch gemischten Blick auf die Dinge Gottes nach und nach ein klareres Sehen: Wir erkennen deutlicher, wer Christus ist, was das Kreuz konkret für unser eigenes Ich bedeutet, wie der „Sauerteig“ von Heuchelei, Machtdenken oder Menschenfurcht das Leben der Gemeinde bedroht, und welche Schönheit in dem unscheinbaren, alltäglichen Dienst der Heiligen liegt.

Und sie kommen nach Bethsaida; und sie bringen ihm einen Blinden und bitten ihn, daß er ihn anrühre. (Mk. 8:22)

And er faßte den Blinden bei der Hand und führte ihn aus dem Dorf hinaus; und als er in seine Augen gespien (und) ihm die Hände aufgelegt hatte, fragte er ihn, ob er etwas sehe. (Mk. 8:23)

Geistliches Sehen entsteht nicht auf einen Schlag in vollkommener Klarheit, sondern wächst unter den wiederholten Berührungen des Herrn, der uns aus vertrauten Mustern herausführt, unsere Unschärfe aufdeckt und unseren Blick Schritt für Schritt auf sein Licht ausrichtet, bis wir Menschen und Wege immer mehr aus seiner Perspektive wahrnehmen.


Herr Jesus Christus, danke, dass Du als Sklaven‑Erlöser nicht nur unsere äußeren Nöte siehst, sondern unsere Ohren, Zungen und Augen innerlich heilst. Öffne das Herz, damit Dein Wort tief hineindringen kann, und berühre das Reden mit der frischen Essenz Deiner Stimme, sodass aus Schwachheit Lobpreis und klares Zeugnis erwachsen. Wo die Sicht getrübt ist und Menschen und Umstände wie Schatten erscheinen, lass Dein Licht neu aufleuchten und schenke einen klaren Blick für das, was Du tust und wer Du bist. Stärke das Vertrauen, dass Dein Mitgefühl genügt, Deine Versorgung ausreicht und Deine Hand sicher führt, auch wenn vieles noch im Werden ist. So erfülle das Leben immer mehr mit Dir selbst, damit in einer dunklen Welt Deine Gnade durch Deine Gemeinde sichtbar wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Mark, Chapter 23