Die Bewegung des Evangeliumsdienstes des Sklaven‑Erlösers (2)
Manchmal scheint es, als ob das Evangelium keine Wirkung hätte: Botschaft wird abgelehnt, Boten werden kritisiert, und Leid trifft diejenigen, die Christus vorangehen. Genau so ein Abschnitt begegnet uns im Bericht von Markus, wo Ablehnung, Hass und sogar Märtyrertum neben der wunderbaren Speisung von Fünftausend stehen. Hinter diesen scheinbar losen Geschichten liegt eine durchgehende Linie: Der Sklaven‑Erlöser bleibt in der Bewegung des Evangeliums unbeirrbar und bringt mitten im Widerstand das Reich Gottes, die Wahrheit und die Nahrung des göttlichen Lebens zu den Menschen.
Abgelehnt und doch nicht aufgehalten
Markus erzählt schlicht: „Und er ging von dort weg und kam in seine Vaterstadt, und seine Jünger folgten ihm nach“ (Markus 6:1). Der Sklaven‑Erlöser kehrt an den Ort seiner Herkunft zurück, dorthin, wo man ihn zu kennen meint. Was zunächst wie eine vertraute Heimkehr wirkt, entlarvt rasch die tiefste Spannung zwischen Gottes Offenbarung und menschlicher Wahrnehmung. In der Synagoge staunen die Zuhörer über seine Weisheit und die Werke, doch dieses Staunen kippt in Anstoß: „Ist dieser nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria…? Und sie ärgerten sich über ihn“ (Markus 6:3). Man sieht die Hände, die Holz bearbeitet hatten, aber nicht die Hände, durch die der Vater die Welt geschaffen hat. Man hört Worte, die aus seinem Mund kommen, aber nicht die Stimme des Hirten, durch die der Dreieine Gott sein Herz enthüllt.
Hier sehen wir, dass die Nazarener den Sklaven-Heiland nach dem Fleisch kannten und nicht nach dem Geist (2.Kor. 5:16). Ihr natürliches Wissen machte sie blind. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft achtzehn, S. 164)
In Nazareth wird der Sohn Gottes auf das Allernächste reduziert: Herkunft, Beruf, Familie. Man kennt ihn „nach dem Fleisch“ und verkennt ihn gerade dadurch. Paulus schreibt: „Wenn wir Christus nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir ihn jetzt doch nicht mehr so“ (2. Korinther 5:16). Die Nazarener bleiben in dieser alten, fleischlichen Erkenntnis stecken. Ihr natürliches Wissen macht sie blind: Sie wissen viel über Jesus, aber sie erkennen ihn nicht. Darin spiegelt sich die prophetische Linie des leidenden Knechtes. Jesaja beschreibt den kommenden Messias als „eine Wurzel aus dürrem Erdreich“, ohne Gestalt, „verachtet und von den Menschen verlassen“ (vgl. Jesaja 53:2–3). Der Spross aus dem Stumpf Isais (Jesaja 11:1) wächst nicht in einem Gewächshaus religiöser Bewunderung, sondern in der trockenen Luft menschlicher Verachtung.
Markus fügt eine ernste Bemerkung hinzu: „Und er konnte dort kein Wunderwerk tun, außer daß er wenigen Schwachen die Hände auflegte und sie heilte. Und er wunderte sich über ihren Unglauben“ (Markus 6:5–6). Die Ablehnung in Nazareth begrenzt nicht die göttliche Macht an sich, wohl aber deren wirksames Erscheinen an diesem Ort. Unglaube schließt nicht Gott ein, aber er verschließt das Gefäß des Menschen. Wo man den Sklaven‑Erlöser auf das Profane reduziert, verlieren selbst die größten Reichtümer Gottes ihren Zugang. So wird Nazareth zu einem Spiegel: Es zeigt, wie nahe der Himmel sein kann – im eigenen Dorf, im gewohnten Wort der Heiligen Schrift –, und wie wenig davon aufgenommen wird, wenn man an den äußeren Kategorien festhält.
Doch der Bericht endet nicht in Resignation. Direkt nach der Notiz über ihren Unglauben heißt es: „Und er zog durch die Dörfer ringsum und lehrte“ (Markus 6:6). Der Sklaven‑Erlöser ist verwundert, aber nicht gelähmt. Die Verachtung begrenzt seinen Dienst an diesem Ort, aber sie beendet ihn nicht. Was sich in Nazareth verschließt, öffnet sich in den umliegenden Dörfern. So entlarvt die Ablehnung einerseits das Herz der Welt, das die Herrlichkeit in Niedrigkeit nicht erkennt, und bezeugt andererseits die Beständigkeit des göttlichen Ratschlusses. Der Christus, „hervorgegangen aus dem Samen Davids nach dem Fleisch“ und „erwiesen als Sohn Gottes in Kraft … durch Totenauferstehung“ (Römer 1:3–4), lässt sich durch menschliches Urteil weder definieren noch stoppen.
Und er ging von dort weg und kam in seine Vaterstadt, und seine Jünger folgten ihm nach. (Mk. 6:1)
Ist dieser nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und ein Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Und sind nicht seine Schwestern hier bei uns? Und sie ärgerten sich über ihn. (Mk. 6:3)
Wer sich missverstanden, unterschätzt oder sogar verachtet weiß, steht damit nicht außerhalb, sondern mitten in der Spur des Sklaven‑Erlösers. Es ist tröstlich zu sehen, dass er selbst an dem Ort, an dem man ihn „zu gut“ zu kennen meinte, zurückgewiesen wurde. Seine Antwort ist nicht Bitterkeit, sondern eine stille, entschlossene Weiterbewegung: Er zieht weiter und bleibt dem Auftrag des Vaters treu. Daraus wächst Gelassenheit: Anerkennung ist kein Maßstab für die Wirklichkeit des Wirkens Gottes. Wenn Christus in dir lebt, ist seine Gegenwart nicht weniger real, nur weil sie nicht gesehen wird. Seine Geschichte in Nazareth lädt ein, die Verborgenheit nicht zu fürchten, Ablehnung nicht absolut zu setzen und gerade dort innerlich bei ihm zu bleiben, wo die Umgebung sein Werk in dir nicht versteht. In dieser Verborgenheit reift etwas Kostbares: die Freiheit, an seiner Seite weiterzugehen, auch wenn andere stehen bleiben.
Gesandt, um zu predigen, zu befreien und zu heilen
Unmittelbar nach der Ablehnung in Nazareth wendet sich der Blick des Evangelisten von der Verschlossenheit einer Stadt zur Bewegung des Dienstes. „Und er ruft die Zwölf herzu; und er fing an, sie zu zwei und zwei auszusenden, und gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister“ (Markus 6:7). Ablehnung führt beim Sklaven‑Erlöser nicht in Rückzug, sondern in Multiplikation. Was eben noch an einem Ort begrenzt war, wird jetzt auf viele Orte verteilt. Der, dessen eigene Mitbürger ihn nicht ehren, vertraut diesen einfachen Menschen seine Autorität an und macht sie zu Trägern seines Evangeliumsdienstes. Schon diese Szene lässt etwas von seinem Herzen erkennen: Er hält seine Vollmacht nicht zurück, bis ideale Bedingungen entstehen, sondern teilt sie inmitten von Widerstand und Unverständnis.
In 6:7–13 wird die Aussendung der Zwölf zum Predigen berichtet. Nach Vers 7 rief der Herr die Zwölf zu Sich und sandte sie zwei und zwei aus. In den Versen 12 und 13 heißt es: „Und sie gingen aus und predigten, dass die Menschen Buße tun sollten; und sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.“ Hier sehen wir, dass die Zwölf ausgesandt wurden, um drei Dinge zu tun: zu predigen, Dämonen auszutreiben und die Kranken zu salben und zu heilen. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft achtzehn, S. 167)
Der Auftrag der Zwölf ist dreifach gefüllt. Markus fasst zusammen: „Und sie zogen aus und predigten, daß sie Buße tun sollten; und sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Schwache mit Öl und heilten sie“ (Markus 6:12–13). Zuerst steht das Wort: Buße als Ruf zur Umkehr, zur neuen Ausrichtung unter die Herrschaft Gottes. Schon zu Beginn seines Wirkens hatte der Herr gesagt: „Die Zeit ist erfüllt, und das Königreich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und glaubt an die frohe Botschaft!“ (Markus 1:15). Die Zwölf setzen diese Linie fort. Wo die Botschaft vom Königreich Gottes klar ausgesprochen wird, wird der Mensch aus dem Zustand des bloß gefallenen Menschen in die Wirklichkeit des Königreichs hineingerufen. Buße ist dabei nicht moralistische Selbstoptimierung, sondern ein Hineindrehen in die Gegenwart des Königs.
Auf das Predigen folgt das Austreiben von Dämonen. Die Vollmacht, die der Sklaven‑Erlöser ihnen gibt, richtet sich gegen „unreine Geister“, gegen Bindungen, die die Person versklaven und das Bild Gottes verschatten. In der Bewegung des Evangeliums bricht das Licht ein und entlarvt, was bisher verborgen die Gedanken und Gewohnheiten beherrschte. Wo die Wahrheit über Christus, über Errettung, Wachstum im Leben bis zur Reife und Umwandlung verkündigt wird, verliert die Finsternis ihre selbstverständliche Macht. Paulus beschreibt diesen Prozess so: „Wir alle aber, indem wir mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen wie in einem Spiegel, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit …“ (2. Korinther 3:18). Verkündigte Wahrheit ist nicht bloße Information, sondern Licht, das den Raum für Befreiung schafft.
Schließlich salben und heilen die Jünger viele Schwache mit Öl. Dieses schlichte Bild ist reich an Bedeutung. Das Öl erinnert an den Heiligen Geist, in dem der Dreieine Gott sich selbst als Leben teilt. Heilung im Dienst des Sklaven‑Erlösers ist nicht nur die Beseitigung von Symptomen, sondern Berührung mit göttlicher Lebenskraft. Jakobus greift diese Linie später auf: „Ist jemand schwach unter euch? Er rufe die Ältesten der Gemeinde zu sich, und sie sollen über ihm beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn; und das Gebet des Glaubens wird den Schwachen retten, und der Herr wird ihn aufrichten“ (Jakobus 5:14–15). Predigen, Befreien, Heilen – diese drei gehören zusammen wie Wort, Licht und Leben. Durch seine Jünger setzt der Sklaven‑Erlöser fort, was in ihm selbst konzentriert ist: Er ruft, er löst, er richtet auf.
Und er ruft die Zwölf herzu; und er fing an, sie zu zwei und zwei auszusenden, und gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister. (Mk. 6:7)
Und sie zogen aus und predigten, daß sie Buße tun sollten; und sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Schwache mit Öl und heilten sie. (Mk. 6:12-13)
In der Aussendung der Zwölf erscheint ein schlichtes Muster, das bis in unseren Alltag hineinreicht: Christus wartet nicht, bis alle Widerstände verschwunden sind, bevor er seinen Dienst ausweitet. Er beginnt mitten im Widerspruch, und er beginnt mit Menschen, die weder vollkommen vorbereitet noch besonders prominent sind. Das nimmt Druck: Die Wirksamkeit des Evangeliums hängt nicht von unserer Stärke ab, sondern von der Vollmacht, die er teilt. Wo sein Wort Raum gewinnt, beginnen alte Bindungen zu bröckeln, und seine Gegenwart wird zu einer stillen, heilenden Kraft. So wird jeder Ort, an den er uns stellt, zu einem möglichen Ausgangspunkt seines Dienstes – unscheinbar nach außen, aber getragen von dem König, der auch heute noch ruft, befreit und wiederherstellt.
Märtyrertum und Versorgung: Gottes Reich siegt durch Leben
Mitten im Bericht über die Bewegung des Evangeliumsdienstes öffnet Markus einen schweren, scheinbar fremden Seitenweg: die Geschichte vom Tod Johannes des Täufers (Markus 6:14–29). Während sich der Ruf zur Buße ausbreitet und Menschen befreit und geheilt werden, wird der Vorläufer dieser Botschaft in einem dunklen Gefängnis festgehalten. Schließlich fällt auf das bloße Wort einer Laune hin das Todesurteil, und sein Haupt wird auf einer Schüssel gebracht. Menschlich gesehen ist das ein Tiefpunkt: Der, der den Weg für den Herrn bereitet hatte, verliert sein Leben durch die Intrigen eines schwankenden Herrschers und den Hass einer verbitterten Frau. In diesem Geschehen zeigt sich, wie radikal die Welt dem Zeugnis für Gottes Königreich entgegensteht. Wahrheit, die Sünde beim Namen nennt – „Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zu haben“ (Markus 6:18) –, stößt auf Macht, die sich selbst schützen will und daher das Licht ausschaltet.
In 6:14–29 wird das Martyrium des Vorläufers des Evangeliums, Johannes des Täufers, berichtet. Aus menschlicher Sicht muss das sehr enttäuschend gewesen sein. Tatsächlich war der Herr Jesus selbst durch das Martyrium Johannes des Täufers nicht enttäuscht. Auf das Martyrium des Johannes folgt der Bericht, wie der Herr die Fünftausend speist und sättigt. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft achtzehn, S. 163)
Doch auch hier bleibt Markus nicht bei der Tragik stehen. Auf das Martyrium folgt ohne große Überleitung die Szene, in der die Apostel von ihrem Dienst zurückkehren, und der Herr sie zu Ruhe und Rückzug einlädt: „Kommt, ihr selbst allein, an einen öden Ort und ruht ein wenig aus!“ (Markus 6:31). Die Müdigkeit der Jünger, der Verlust Johannes des Täufers, die beständige Nachfrage der Volksmenge – all das bildet den Hintergrund, vor dem die Speisung der Fünftausend geschieht. Als Jesus aus dem Boot tritt und die vielen Menschen sieht, „wurde er innerlich bewegt über sie; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er fing an, sie vieles zu lehren“ (Markus 6:34). Dort, wo ein Hirte des Volkes in einem Kerker zum Schweigen gebracht wurde, offenbart sich der wahre Hirte als der, der lehrt, trägt und nicht müde wird, sich bewegen zu lassen.
Die Speisung selbst ist einfach und zugleich tief. Auf den Hinweis der Jünger, man solle die Leute entlassen, antwortet der Herr: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ (Markus 6:37). Sie sehen nur den Mangel: fünf Brote, zwei Fische, eine übergroße Menge. Er sieht die Möglichkeit, das göttliche Leben zu teilen. Er lässt die Menschen sich setzen, nimmt das wenige, „blickte zum Himmel, segnete und brach die Brote“ (vgl. Markus 6:41), und am Ende sind alle satt, und es bleiben noch Körbe voller Brotstücke übrig. Diese Szene ist mehr als eine spektakuläre Versorgung. Sie ist ein Zeichen dafür, dass Christus selbst das Brot ist, das den Hunger des Menschen stillt. Später sagt er: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten“ (Johannes 6:35). In einer Welt, die Zeugen zum Schweigen bringt, antwortet Gott nicht zuerst mit sichtbarer Vergeltung, sondern mit der großzügigen Gabe seines Lebens.
So stehen Martyrium und Versorgung nicht zufällig nebeneinander. Der Tod Johannes des Täufers zeigt die Kosten des Zeugnisses; die Speisung zeigt die ungebrochene Fülle, mit der der Sklaven‑Erlöser dem Hunger der Menschen begegnet. Es ist, als ob Gott sagen würde: Das Blut meiner Zeugen ist nicht das Ende, sondern der dunkle Hintergrund, vor dem meine Überfülle umso heller aufleuchtet. Wo Hass und Tod ihre Schatten werfen, lässt er seine Gnade in einer Weise sichtbar werden, die jede Rechnung sprengt. Das Evangelium ist nicht fragil. Es trägt nicht nur die Freude der Bekehrung, sondern auch die Schwere von Verfolgung und Verlust. Johannes stirbt, aber der Dienst, zu dem er den Weg bereitet hat, nährt nun Tausende.
Relevante Schriftstellen: Markus 6:14-29, Markus 6:30-44, Joh. 6:35, 2.Tim. 3:16.
Diese Wahrheit ermutigt dazu, vor dem Herrn still zu werden und neu zu sehen, wie Sein Leben Denken, Fühlen und Handeln von innen her prägt.
Herr Jesus Christus, danke, dass du als der verworfene Sklaven‑Erlöser deinen Dienst nicht aufgegeben hast, sondern gerade durch Ablehnung hindurch dein Reich, deine Wahrheit und dein Leben weiterbringst. Du siehst jeden Schmerz, jede Missachtung und jedes Unverständnis, das deinem Namen und deinem Wort heute begegnet, und doch bleibst du der, der sendet, befreit, heilt und nährt. Stärke den inneren Menschen durch deinen Geist, damit dein Wort in den Herzen tief Wurzel fassen kann und die Lügen der Finsternis ihre Macht verlieren. Lass die Fülle deines Lebens dort aufleuchten, wo äußerlich Verlust, Schwäche und Trockenheit erlebt werden, und zeige dich als das Brot, das wirklich sättigt. Richte den Blick weg von menschlicher Anerkennung hin auf deine Gegenwart und deine Treue, und erfülle dein Volk mit stiller Zuversicht, dass dein Evangelium auch heute seine Bahn findet. So bewahre und trage alle, die in deinem Namen dienen, in deiner Liebe und in der Kraft deines Reiches. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Mark, Chapter 18