Prophetie über das Königreich (2)
Wenn wir die Nachrichten verfolgen, scheinen Konflikte, Unsicherheit und religiöse Spannungen immer weiter zuzunehmen. Viele Christen fragen sich, wie sich all dies zu den biblischen Prophetien verhält und wie nah wir der Vollendung dieses Zeitalters gekommen sind. Jesus selbst hat in Matthäus 24 einen weiten Überblick über die Geschichte Israels gegeben – von seiner Himmelfahrt bis zu seiner sichtbaren Wiederkunft. Wer diesen Überblick im Zusammenhang liest, erkennt: Gott hat einen klaren Plan mit seinem auserwählten Volk, der mitten durch die dunkelste Zeit der großen Trübsal hindurch zur Aufrichtung des messianischen Königreichs führt. Gerade diese Perspektive gibt neutestamentlichen Gläubigen festen Trost, geistliche Nüchternheit und eine lebendige Hoffnung.
Die Vollendung des Zeitalters und der Plan Gottes mit Israel
Wenn die Jünger Jesus fragen: „Was wird das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters sein?“ (Matthäus 24:3), öffnen sie unbewusst ein weites Panorama von Gottes Geschichte mit dieser Welt und mit Israel. Jesus antwortet nicht mit einem Kalender, sondern mit einer Linienführung: Er beschreibt eine lange Spanne vom Weggang des Herrn bis zu einer letzten, dicht gefügten Periode, die er „das Ende“ nennt. Kriege, Erdbeben, Hungersnöte, Verführungen – all das sind „Anfänge der Wehen“ (Matthäus 24:8), aber ausdrücklich „noch nicht das Ende“ (Matthäus 24:6). Das „Ende des Zeitalters“ ist nicht ein allmähliches Verpuffen der Geschichte, sondern eine klar begrenzte Zeit von dreieinhalb Jahren, in der Gott seine letzten, konzentrierten Schritte mit Israel und den Nationen vollzieht und die dieses Zeitalter zur Vollendung bringt.
Viele christliche Lehrer verstehen die Bedeutung des Ausdrucks „das Ende des Zeitalters“ nicht. Die griechische Wendung an dieser Stelle kann auch mit „die Vollendung des Zeitalters“ oder „die Vollendung des Zeitalters“ wiedergegeben werden. Das Ende des Zeitalters bezeichnet die dreieinhalb Jahre der großen Trübsal, die dieses Zeitalter zum Abschluss bringen werden. Das Ende des Zeitalters ist daher nicht der Abschluss des Zeitalters insgesamt, sondern die allerletzte Phase dieses Zeitalters. Um die Prophezeiungen im Alten und im Neuen Testament zu verstehen, müssen wir in dieser Frage ein klares Verständnis haben. (Witness Lee, Life-Study of Matthew, Botschaft zweiundsechzig, S. 721)
Damit wird deutlich: Die Geschichte treibt nicht blind auf eine unklare Zukunft zu. Sie wird von Gott getragen, der einen festgesetzten Punkt hat, an dem er das gegenwärtige Zeitalter abschließt. Jesus verbindet dieses Ende mit einem weltweiten Zeugnis: „Und dieses Evangelium des Königreichs wird auf dem ganzen Erdkreis gepredigt werden, allen Nationen zum Zeugnis, und dann wird das Ende kommen“ (Matthäus 24:14). Nicht Chaos, sondern das erfüllte Zeugnis des Königreichs öffnet die Tür zur Vollendung. Gleichzeitig bleibt Israel in Gottes Blick. Daniel sieht einen Bund, der für eine „Woche“ – sieben Jahre – stark gemacht wird, und in dessen Mitte Schlachtopfer und Speisopfer aufhören: „Und stark machen wird er einen Bund für die Vielen, eine Woche lang; und zur Hälfte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen“ (Dan. 9:27). Hier verschränken sich Israels Geschichte, der Tempelgottesdienst und die letzten Ereignisse dieses Zeitalters. Das auserwählte Volk ist nicht Randfigur, sondern Schauplatz, an dem Gott seine Treue sichtbar macht.
Wer so auf die Vollendung des Zeitalters schaut, erkennt in Israels Weg einen Spiegel für Gottes Treue. In Daniel 9 bekennt das Volk seine Schuld: „Wir haben gesündigt, wir haben gottlos gehandelt“ (Dan. 9:15), und doch ruft es den Gott an, der mit starker Hand aus Ägypten herausgeführt und sich einen Namen gemacht hat. Dass derselbe Gott am Ende erneut aufsteht, um die Zerstreuten zu sammeln, zeigt: Sein Bund ist nicht zerbrochen, seine Zusagen sind nicht erloschen. Die Zerstreuung Israels, die Spannungen um Jerusalem, die Rückkehr vieler Juden ins Land – all das sind Vorhänge, hinter denen sich der unveränderte Gott verbirgt, der seine Geschichte zu Ende schreibt.
Darin liegt eine stille, aber kräftige Ermutigung. Wenn Gott über Jahrtausende hinweg seinem Volk treu bleibt, durch Untreue, Gericht, Exil und Verstockung hindurch, wenn er seine Verheißungen nicht fallen lässt, obwohl Menschen sie immer wieder verspielen – wie viel mehr steht dann sein Wort denen, die in Christus sind. Seine Treue zu Israel ist ein lebendiger Kommentar zu seinem Wesen: Er bereut seine Berufung nicht, er nimmt seine Zusagen nicht zurück. Im Licht der Vollendung des Zeitalters wird die Gegenwart dadurch nicht kleiner, sondern tragfähiger. Das Leben im Heute geschieht auf einem Boden, den Gott selbst bereitet hat und den er zu seinem Ziel führen wird. Wer so schaut, muss nicht an den Rändern der Weltlage verzweifeln, sondern kann nüchtern und hoffnungsvoll durch eine unruhige Zeit gehen, getragen von der Gewissheit: Derselbe Herr, der die Vollendung des Zeitalters festgesetzt hat, hält auch meine Tage in der Hand.
Als er aber auf dem Ölberg saß, traten die Jünger für sich allein zu ihm und sprachen: Sage uns, wann wird dies sein, und was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters? (Matthäus 24:3)
Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören; seht zu, erschreckt nicht! Denn das muß geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. (Matthäus 24:6)
Die Vollendung des Zeitalters nimmt dem heutigen Glaubensleben nicht die Bedeutung, sondern verankert es tiefer: Die eigene Geschichte ist eingebettet in Gottes große Geschichte mit Israel und den Nationen. Das bewahrt vor Panik angesichts von Krisen, aber auch vor Gleichgültigkeit. In der Treue Gottes zu seinem auserwählten Volk spiegelt sich seine Treue zu allen, die zu Christus gehören. Wer diese Linie erkennt, lernt, in einer unruhigen Welt mit einem ruhigen Herzen zu leben – nicht, weil alles überschaubar wäre, sondern weil der, der das Ende gesetzt hat, auch in der Mitte der Zeit verlässlich bleibt.
Antichrist, große Trübsal und der Gegensatz zu Christus
Jesu Worte über die große Trübsal führen in eine beispiellose Zeit hinein: „Denn dann wird große Trübsal sein, wie von Anfang der Welt bis jetzt keine gewesen ist und auch keine mehr sein wird“ (Matthäus 24:21). Den Einschnitt markiert ein erschreckendes Zeichen im Zentrum der jüdischen Anbetung: „den Gräuel der Verwüstung an heiliger Stätte“ (Matthäus 24:15). Was abstrakt klingt, erhält durch die Schrift Konturen. „Greuel“ ist ein Wort für Götzenbild – „Daß es ja nicht eine Wurzel unter euch gibt, die Gift und Wermut als Frucht bringt“ heißt es warnend im Blick auf Götzendienst (5. Mose 29:17). Jesus greift diese Linie auf und verbindet sie mit der Prophetie Daniels und der Offenbarung: Im Tempel wird ein Bild des Antichrist aufgerichtet, ein Götze im Herzen der Gottesverehrung.
„Greuel“ bedeutet ein Götzenbild (5. Mose 29:17). Hier bezieht sich der Ausdruck auf das Bild des Antichrist, das im Tempel Gottes als Götzenbild aufgestellt wird (Offb. 13:14–15; 2.Thess. 2:4), und zwar zu Beginn der großen Trübsal (V. 21). Der Antichrist wird zusammen mit seinem falschen Propheten die Menschen zwingen, dieses Götzenbild anzubeten. Das Aufstellen dieses Götzenbildes wird den Beginn der großen Trübsal, das Ende des Zeitalters, markieren. (Witness Lee, Life-Study of Matthew, Botschaft zweiundsechzig, S. 723)
Die Offenbarung entfaltet, wie dieses Bild dient, um die Menschheit zu verführen und zu knechten: „Und es verführt die, welche auf der Erde wohnen, wegen der Zeichen, die vor dem Tier zu tun ihm gegeben wurde … ein Bild zu machen“ (Offb. 13:14), und weiter: „Und es wurde ihm gegeben, dem Bild des Tieres Odem zu geben, so daß das Bild des Tieres sogar redete und bewirkte, daß alle getötet wurden, die das Bild des Tieres nicht anbeteten“ (Offb. 13:15). Der Antichrist tritt nicht als plumpe Karikatur auf, sondern als charismatische, machtvolle Gestalt, „mit hartem Gesicht und erfahren in Ränken“ (Dan. 8:23), deren Macht „stark sein wird, jedoch nicht durch seine eigene Macht“ (Dan. 8:24). Paulus beschreibt ihn als den, „der sich widersetzt und sich überhebt über alles, was Gott heißt oder ein Gegenstand der Verehrung ist, so daß er sich in den Tempel Gottes setzt und sich ausweist, daß er Gott sei“ (2.Thess. 2:4). In ihm bündelt sich das, was sich durch die Geschichte zieht: der menschliche Anspruch, ohne Gott zu sein wie Gott.
Im scharfen Licht dieses Bildes tritt Christus umso klarer hervor. Antichrist arbeitet mit Scheinwundern und Zwang, Christus mit Wahrheit und Gnade. Antichrist erhebt sich über alles, was Gott heißt, Christus entäußert sich und wird gehorsam bis zum Tod. Antichrist stellt sich in den Tempel und fordert Anbetung, Christus ist selbst der wahre Tempel, in dem Gott unter Menschen wohnt. Wo der Antichrist Verwüstung hinterlässt – „er wird entsetzliches Verderben anrichten und wird erfolgreich sein und handeln. Und er wird die Starken und das Volk der Heiligen vernichten“ (Dan. 8:24) –, dort ist Christus der, der aufbaut, heiligt und sammelt. Am Ende steht nicht ein Gleichstand zweier Mächte, sondern die souveräne Grenze Gottes: „Gegen den Fürsten der Fürsten wird er sich auflehnen, aber ohne eine (Menschen)hand wird er zerbrochen werden“ (Dan. 8:25). Die zerstörerische Macht des Antichrist ist real, aber sie bleibt geliehen und zeitlich begrenzt.
Dieser große Gegensatz ist kein fernes Lehrstück, sondern ein Schlüssel zum Verstehen unserer Zeit. Schon jetzt wirken Kräfte, die Christus relativieren, das Wort Gottes weichzeichnen, religiöse Spektakel über schlichte Treue stellen. Die Schrift spricht von „Geistern des Betrugs“, die den Weg bereiten, lange bevor der Antichrist als Person auftritt. Wo Erfolg, Macht, religiöse Wirkung und spektakuläre Zeichen wichtiger werden als die Person des gekreuzigten und auferstandenen Herrn, zeichnet sich dieselbe Linie ab, die in der großen Trübsal ihr Extrem erreicht. Im Licht der Prophetie wird die Unterscheidung geschärft: Christus führt in die Wahrheit, auch wenn sie uns etwas kostet; der Antichrist verführt mit dem, was leicht und glänzend wirkt. Gerade die Ankündigung der großen Trübsal ist daher nicht dazu gegeben, um ängstlich in die Zukunft zu starren, sondern um heute innerlich wach zu bleiben.
Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung, von dem durch den Propheten Daniel geredet ist, an heiliger Stätte stehen seht – wer es liest, der merke auf – (Matthäus 24:15)
Denn dann wird große Trübsal sein, wie von Anfang der Welt bis jetzt keine gewesen ist und auch keine mehr sein wird. (Matthäus 24:21)
Die Prophetie über den Antichrist lehrt, nicht jedem religiösen Glanz zu trauen und die Person Christi höher zu achten als spektakuläre Zeichen, starke Führerfiguren oder scheinbar grenzenlosen Erfolg. Wer im Wort verwurzelt ist und den sanften, aber beharrlichen Charakter des wahren Christus kennt, bleibt in einer Zeit der Verwirrung prüfend und gleichzeitig hoffnungsvoll. Gerade weil Gott die Zeit des Antichrist begrenzt und sein Ende festgesetzt hat, kann der Glaube nüchtern und zugleich mutig leben: nicht in panischer Endzeitstimmung, sondern in wachsender Treue zu dem, der als der Fürst der Fürsten am Ende alles ans Licht bringen wird.
Die sichtbare Wiederkunft Christi und die Hoffnung seines Königreichs
Nachdem Jesus die Schwere der großen Trübsal beschrieben hat, richtet er den Blick seiner Jünger auf den Wendepunkt: „Sogleich aber nach der Trübsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen“ (Matthäus 24:29–30a). Die kosmische Erschütterung ist mehr als ein dramatisches Bild; sie markiert das Ende aller selbstverständlichen Sicherheiten. Lichtquellen, an die sich Menschen gewöhnt haben, verlöschen, Mächte, die unerschütterlich schienen, werden ins Wanken gebracht. In diese Dunkelheit hinein erscheint der Sohn des Menschen, nicht verborgen, sondern „mit Kraft und großer Herrlichkeit“ (Matthäus 24:30b). Sein Kommen ist keine esoterische Erfahrung und kein innerer Bewusstseinszustand, sondern ein öffentliches, universales Ereignis.
Das Kommen (gr. parousia) Christi hat zwei Aspekte: einen verborgenen gegenüber seinen wachsamen Gläubigen und einen offenen gegenüber den ungläubigen Juden und Heiden. Der Blitz hier steht für den offenen Aspekt nach der großen Trübsal (V. 29), während das Kommen des Diebes in Vers 43 den verborgenen Aspekt vor der großen Trübsal bezeichnet. (Witness Lee, Life-Study of Matthew, Botschaft zweiundsechzig, S. 728)
Die Schrift betont diese Sichtbarkeit: „Siehe, Er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird Ihn sehen, auch die, die Ihn durchbohrt haben; und alle Stämme des Landes werden über Ihn trauern, Ja, Amen“ (Offb. 1:7). Was in der ersten Ankunft verborgen und gering war – ein Kind in der Krippe, ein Mann aus Nazareth, ein Gekreuzigter – erscheint nun in königlicher Offenbarung. Besonders Israel rückt in den Blick. Der Prophet Sacharja hört die Verheißung: „Aber über das Haus David und über die Bewohnerschaft von Jerusalem gieße ich den Geist der Gnade und des Flehens aus, und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen“ (Sacharja 12:10). Die sichtbare Wiederkunft Christi wird für das jüdische Volk zu einer tiefen Stunde der Umkehr und des Erkennens des Messias. Tränen und Trauer sind in dieser Perspektive nicht nur Ausdruck von Schmerz, sondern der Beginn einer geheilten Beziehung.
Jesu Bildwort vom Blitz unterstreicht diese Öffentlichkeit: „Denn wie der Blitz vom Osten herkommt und bis zum Westen leuchtet, so wird die Ankunft des Sohnes des Menschen sein“ (Matthäus 24:27). Nichts Heimliches, keine elitäre Offenbarung, die ein paar Eingeweihten vorbehalten wäre. Wo der Antichrist mit Inszenierungen, Bildern und kontrollierten Informationen arbeitet, kommt Christus in einer Weise, die sich nicht filtern lässt. Wenn Jesus dann sagt: „Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier“ (Matthäus 24:28), greift er ein hartes, aber sprechendes Bild auf: Dort, wo die gottfeindlichen Kräfte verfallen und reif zum Gericht sind, dort erscheint auch das Gericht Gottes. Die Wiederkunft Christi ist daher nicht nur Befreiung, sondern auch die Stunde, in der das Böse geerntet wird, das gereift ist.
Mit seinem Kommen setzt Christus das sichtbare Königreich Gottes durch. Matthäus beschreibt, wie der Sohn des Menschen „seine Engel aussenden wird mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende“ (Matthäus 24:31). Sammlung ist ein Schlüsselwort des Königreichs: Was zerstreut war, wird zusammengeführt; was getrennt war, findet seinen Ort. Für Israel bedeutet das die Heimkehr in die Gemeinschaft mit dem Messias und den Eingang in das messianische Friedensreich. Für die aus den Nationen Berufenen bedeutet es, sichtbar Anteil zu erhalten an einem Reich, dessen König sie schon geglaubt haben, als er noch verborgen war. Das, was bisher im Glauben festgehalten wurde, tritt in die Schau.
Sogleich aber nach der Trübsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden alle Stämme des Landes wehklagen, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit Kraft und großer Herrlichkeit. Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende. (Matthäus 24:29-31)
Denn wie der Blitz vom Osten herkommt und bis zum Westen leuchtet, so wird die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier. (Matthäus 24:27-28)
Die Aussicht auf die sichtbare Wiederkunft Christi weitet den Horizont des Glaubens und verankert ihn zugleich im Alltag. Wer sein Leben im Licht des kommenden Königs versteht, lässt sich nicht von der Dunkelheit der Zeit bestimmen, sondern vom Glanz einer Hoffnung, die gewiss ist, auch wenn sie noch nicht gesehen wird. Die Zusage, dass Christus wiederkommen und sein Königreich aufrichten wird, macht wach, aber nicht nervös; sie macht ernsthaft, aber nicht schwer. Sie schenkt einen langen Atem, um in kleinen, unscheinbaren Schritten treu zu bleiben, im Vertrauen darauf, dass der Herr, der am Ende in Herrlichkeit erscheint, heute schon verborgen gegenwärtig ist.
Herr Jesus Christus, danke, dass du nicht im Dunkeln lässt, wohin sich diese Welt bewegt, sondern dass deine Worte uns durch alle Verwirrung hindurch Orientierung geben. Du siehst Israel, du siehst die Nationen und du siehst jedes einzelne Herz, das nach Wahrheit und Rettung verlangt. Stärke den Glauben, wo Angst und Unsicherheit über die Zukunft drücken, und richte den Blick neu auf deine treue Zusage, bei den Deinen zu sein bis zur Vollendung des Zeitalters. Lass dein Licht inmitten von Lüge und Verführung klar leuchten und bewahre dein Volk – Israel und die neutestamentlichen Gläubigen – in der Treue zu deinem Namen. Erfülle die Verheißungen deines Königreichs und bereite unsere Herzen darauf vor, dich als König in Herrlichkeit zu sehen. In deiner Gnade bewahre uns in der Hoffnung, dass kein Werk der Finsternis das letzte Wort hat, sondern dein Kommen, deine Gerechtigkeit und dein Frieden. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Matthew, Chapter 62