Der allumfassende Christus in Seinen vier Stadien gemäß Gottes neutestamentlicher Ökonomie (3)
Wer nur die sichtbare Seite der Weltgeschichte betrachtet, übersieht leicht, dass hinter allem ein unsichtbarer Kampf und eine tiefere Wirklichkeit steht. Die Bibel öffnet uns immer wieder ein Fenster in diese unsichtbare Welt: Hinter politischen Umwälzungen, persönlichem Leid und sogar hinter dem Kreuzestod Jesu steht Gottes souveränes Handeln gegen Satan und alle Mächte der Finsternis. Gerade in der Himmelfahrt Christi wird sichtbar, dass Jesus nicht nur gelitten hat, sondern als siegreicher Herr erhöht wurde, um in den Himmeln weiter zu wirken – für Gott, für die Gemeinde und für jeden einzelnen Glaubenden.
Der Sieg Christi und die Beute Seiner Himmelfahrt
Als Jesus von Menschen verurteilt und ans Kreuz geschlagen wurde, blieb den Augen der Welt verborgen, was in der unsichtbaren Welt geschah. Unter der Oberfläche menschlicher Grausamkeit und religiöser Verblendung vollzog sich ein Heilskampf zwischen Gott und Satan. Kolosser 2:15 fasst dieses verborgene Geschehen so: „Indem Er die Fürsten und die Gewalten abstreifte, stellte Er sie öffentlich zur Schau und triumphierte in ihm über sie.“ Während die Mächtigen der Erde meinten, einen Störenfried zum Schweigen zu bringen, entwaffnete Gott in Christus die unsichtbaren Gewalten, die seit dem Sündenfall über die Menschheit herrschten. Das Kreuz war der Ort der äußersten Schwachheit und zugleich der Ort des göttlichen Triumphes. Dort, wo alles wie eine Niederlage aussah, verbarg sich der Sieg des Lammes, das freiwillig die Last der Sünde und die Macht des Todes auf sich nahm.
Nach Epheser 4:8 „ist er in die Höhe hinaufgestiegen und hat die Gefangenschaft gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben“. Dieser Vers ist ein Zitat aus Psalm 68:18. Mit den Gefangenen sind diejenigen gemeint, die von Satan gefangen genommen worden waren. Der Vers macht deutlich, dass Christus, als er in die Himmel hinaufstieg, einen Zug, eine Prozession von Gefangenen anführte. Zu diesen Gefangenen gehörten alle erretteten Sünder. Vor dieser Zeit waren wir Gefangene in der Hand Satans. Satan hatte uns gefangen genommen und wegen der Sünde und des Todes zu seinen Gefangenen gemacht. Wir standen in der Sklaverei Satans unter Sünde und Tod. Dann besiegte Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung Satan, nahm alle Gefangenen aus der Hand Satans gefangen und machte sie zu seinen Gefangenen. (Witness Lee, Life-Study of Isaiah, Botschaft zweiundfünfzig, S. 420)
Jesaja 53 schaut diesen Sieg voraus, wenn es in Vers 12 heißt: „Darum werde ich ihm Anteil geben unter den Großen, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen: dafür, daß er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod … Er aber hat die Sünde vieler getragen.“ „Beute“ ist die Sprache des Krieges. Christus geht aus dem Kampf nicht nur als Überlebender hervor, sondern als Sieger, der Beute trägt. Diese Beute sind nicht Gold, Länder oder irdische Vorteile, sondern Menschen, die aus der Knechtschaft Satans herausgerissen werden. Was im Garten Eden begann – dass der Mensch unter die Herrschaft der Schlange geriet – wird am Kreuz umgekehrt: der zweite Adam tritt an die Stelle des ersten und trägt die Sünde vieler, um die Gefesselten loszukaufen. Der Tod Christi ist darum nicht nur Sühne, sondern auch Entmachtung: Die unsichtbaren Herrscher verlieren das Recht an denen, für die der Sohn Sein Leben ausgießt.
Doch der Triumph Christi endet nicht mit dem letzten Atemzug am Kreuz. In Seiner Auferstehung tritt dieselbe Macht hervor, die Ihn aus den Toten hervorgebracht hat und alle Bande des Todes sprengt. Viele waren von Satan gefangen geführt und durch Sünde und Tod gebunden. Mit der Auferstehung beginnt ein Umzug der Gefangenen: Was vorher unter der Gefangenschaft des Feindes stand, wird in das Eigentum Christi überführt. Diese Bewegung gipfelt in der Himmelfahrt. Epheser 4:8 greift Psalm 68 auf und entfaltet diese Szene: „Darum sagt die Schrift: ‚Hinaufgestiegen in die Höhe, hat Er Gefangene gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben.‘“ Der auferstandene Christus steigt nicht einsam in die Höhe, sondern als Anführer eines Triumphzuges; hinter Ihm eine Prozession von Menschen, die einst unter dem Joch der Finsternis standen.
Im unsichtbaren Geschehen der Himmelfahrt bringt der Sohn diese durch Sein Blut erkaufte „Beute“ dem Vater dar. Alles, was der Sohn aus der Hand des Feindes gerettet hat, legt Er dem Vater zu Füßen. In diesem liebenden Austausch zwischen Vater und Sohn liegt ein Geheimnis der Gnade: Der Vater gibt dem Sohn Seine Beute zurück, nun aber als Gabe. Was der Sohn im Gehorsam erkämpft hat, wird Ihm als von Gott gewürdigtes Erbteil überantwortet. Und damit geschieht etwas Erstaunliches: Der Sohn verwendet diese „Gefangenen“ nicht, um sie zu beherrschen, sondern um sie zu verwandeln. In Seinem Auferstehungsleben formt Er aus ehemaligen Sklaven des Feindes freiwillige Diener Gottes. Aus Befreiten werden Gaben, aus Gefangenen werden Glieder Seines Leibes. Die Geschichte unserer Errettung endet daher nicht beim Loskauf; sie führt weiter in eine Berufung hinein, ein lebendiger Teil der Beute Christi zu sein, die Er zur Freude des Vaters und zum Aufbau Seiner Gemeinde einsetzt. Wer sich in diesem Licht sieht, muss nicht mehr an seiner Vergangenheit hängen bleiben, sondern darf sich als teuer gewonnener Anteil am Sieg des Sohnes verstehen – mit einem Platz in Seinem Triumphzug und einer Aufgabe in Seinem Leib.
Indem Er die Fürsten und die Gewalten abstreifte, stellte Er sie öffentlich zur Schau und triumphierte in ihm über sie. (Kol. 2:15)
Darum werde ich ihm Anteil geben unter den Großen, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen: dafür, daß er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und sich zu den Verbrechern zählen ließ. Er aber hat die Sünde vieler getragen und für die Verbrecher Fürbitte getan. (Jes. 53:12)
Die Perspektive der Schrift kehrt unseren Blick auf das Kreuz um. Nicht die Macht der Henker, sondern der Triumph des Sohnes bestimmt die Szene. In der Himmelfahrt führt Christus jene, die einst unter der Herrschaft des Feindes standen, als Beute und zugleich als geliebte Gaben vor den Vater. Diese Sicht kann den eigenen Selbstzweifel und die Kraft der Anklage relativieren: In Gottes Augen ist jede und jeder Erlöste Teil eines Sieges, der größer ist als jede erfahrene Niederlage. Das eigene Leben wird damit zur Spur im Triumphzug Christi – nicht aus eigener Stärke, sondern als Frucht Seiner Hingabe und Seines Gehorsams.
Der erhöhte Christus als Herr, Haupt und Hoherpriester heute
Mit der Himmelfahrt Christi hat Gott die Geschichte nicht einfach abgeschlossen und einen ruhenden Christus in den Himmel gesetzt. Im Gegenteil: Mit der Erhöhung beginnt eine neue, verborgene Phase Seines Handelns. Petrus fasst sie an Pfingsten in konzentrierten Worten: „Das ganze Haus Israel wisse darum mit Gewissheit, dass Gott Ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt“ (Apostelgeschichte 2:36). Der, der verachtet und verworfen war, ist jetzt der Herr der Geschichte und der Gesalbte, durch den Gott Seinen Plan verwirklicht. Offb. 19:16 sagt von Ihm: „Und Er hat auf Seinem Gewand und an Seiner Hüfte einen Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren.“ Damit wird deutlich: Die Himmelfahrt ist kein Rückzug, sondern der Beginn Seiner königlichen Verwaltung. Alles Sichtbare und Unsichtbare steht unter Seiner Herrschaft, auch wenn diese Herrschaft noch nicht überall anerkannt ist.
In Seiner Himmelfahrt wurde Christus sowohl zum Herrn (Herr der Herren) als auch zum Christus eingesetzt (Apg. 2:36; Offb. 17:14a; 19:16b). (Witness Lee, Life-Study of Isaiah, Botschaft zweiundfünfzig, S. 423)
Gott hat den erhöhten Christus aber nicht nur allgemein über alles gesetzt, sondern Ihn in eine bestimmte Beziehung zur Gemeinde gestellt. Epheser 1:22 bezeugt: „und Er hat alles Seinen Füßen unterworfen und hat Ihm gegeben, Haupt über alles zu sein, der Gemeinde.“ Christus ist das Haupt über alles, jedoch besonders „der Gemeinde“, die Sein Leib ist. Zwischen dem himmlischen Haupt und dem irdisch-pilgernden Leib besteht eine lebendige Verbindung. Was das Haupt im Himmel entscheidet, wirkt sich im Leib auf der Erde aus. Darum bezeichnet Apostelgeschichte 5:31 Ihn als „Führer und Retter“, den Gott zu Seiner Rechten erhöht hat. Als Führer lenkt Er die Wege der Seinen mitten in einer unruhigen Welt; als Retter sorgt Er dafür, dass keiner der Seinen dem Griff der Sünde und des Todes ausgeliefert bleibt. Seine Herrschaft ist nicht nur weltpolitisch, sondern zutiefst persönlich: Er regiert die Geschichte der Völker und zugleich die inneren Wege eines einzelnen Herzens.
Damit diese himmlische Regierung nicht abstrakt bleibt, ist Christus als großer Hoherpriester in die himmlische Wirklichkeit eingetreten. Hebräer 4:14 sagt: „Darum, weil wir einen großen Hohen Priester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns an dem Bekenntnis festhalten.“ Der Durchschritt durch die Himmel ist mehr als eine Ortsveränderung; er bedeutet den Eintritt in den eigentlichen Dienstraum. Als Hoherpriester steht Christus in der Gegenwart Gottes und vertritt diejenigen, die zu Gott gehören. Hebräer 7:25 beschreibt die Tragweite dieses Dienstes: „Darum vermag Er auch diejenigen bis zum Äußersten zu erretten, die durch Ihn zu Gott hinzutreten, da Er allezeit lebt, um fürbittend für sie einzutreten.“ Seine Erhöhung macht Ihn nicht unnahbar, sondern dauerhaft verfügbar. Der, der einst auf Erden „in jeder Hinsicht genauso versucht worden ist wie wir, doch ohne Sünde“ (Hebräer 4:15), bleibt als Mitfühlender im Himmel tätig.
Die Schrift fasst diesen himmlischen Dienst in ein Bild: „Wir haben einen solchen Hohen Priester, der Sich zur Rechten des Thrones der Majestät in den Himmeln niedergesetzt hat, einen Diener der heiligen Stätten, sogar der wahren Stiftshütte, die der Herr errichtet hat und nicht ein Mensch“ (Hebräer 8:1–2). Christus sitzt und dient zugleich: Sein Sitzen spricht von vollbrachtem Werk und königlicher Ruhe, Sein Dienen von gegenwärtiger Versorgung und barmherziger Fürbitte. In der Offenbarung erscheint Er mitten unter den Leuchtern, „bekleidet mit einem Gewand, das bis zu den Füßen reichte, und an der Brust mit einem goldenen Gürtel umgürtet“ (Offenbarung 1:13), und als der, „der in der Mitte der sieben goldenen Leuchter wandelt“ (Offenbarung 2:1). Das heißt: Der Hohepriester ist zugleich der Herr der Gemeinden. Er geht in ihrer Mitte umher, prüft, reinigt, stärkt, ermutigt. Seine himmlische Dienerschaft sorgt dafür, dass die Gemeinde nicht nur objektiv erlöst, sondern auch innerlich geformt und ausgerichtet wird. In diesem Licht wird deutlich, wie kostbar der „Thron der Gnade“ ist: „Darum lasst uns mit Freimut hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden für rechtzeitige Hilfe“ (Hebräer 4:16). Wer weiß, dass im Zentrum des Universums ein solcher Thron steht und darauf ein solcher Hoherpriester sitzt, darf die eigene Gegenwart nicht als sich selbst überlassen deuten, sondern als begleitet, vertreten und getragen von einem mächtigen und zugleich tief mitfühlenden Herrn.
Das ganze Haus Israel wisse darum mit Gewissheit, dass Gott Ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt. (Apg. 2:36)
und Er hat alles Seinen Füßen unterworfen und hat Ihm gegeben, Haupt über alles zu sein, der Gemeinde, (Eph. 1:22)
Die Erhöhung Christi löst den Glaubenden aus der Enge eines rein irdischen Blicks. Der, der gekreuzigt wurde, ist jetzt Herr, Haupt und Hoherpriester – nicht theoretisch, sondern wirksam. Sein Thron ist ein Thron der Gnade, an den man sich innerlich immer wieder wenden darf. Seine Fürbitte nimmt dem Weg nicht alle Schwere, aber sie verleiht ihm einen tragenden Hintergrund: Nichts, was einem begegnet, liegt außerhalb Seiner Kenntnis, Seiner Autorität und Seiner priesterlichen Sorge. Wer sich dieser himmlischen Dienerschaft anvertraut, findet mitten in einer brüchigen Welt einen beständigen Ort der Ausrichtung und eine leise, doch reale Zuversicht.
Gaben, Leib Christi und Vollendung der neuen Schöpfung
Der erhöhte Christus behält die Beute Seines Sieges nicht für sich, als wäre sie nur ein Zeichen Seiner Macht. Er teilt sie aus und formt aus ihr das Werkzeug für Sein weiteres Handeln. Epheser 4:8 greift dies auf: „Hinaufgestiegen in die Höhe, hat Er Gefangene gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben.“ Die, die Er aus der Hand Satans befreit hat, sind nicht nur Gerettete, sondern werden in Seinem Auferstehungsleben zu Gaben geformt. Epheser 4:11 nennt einige dieser Gaben: „Und Er hat einige als Apostel gegeben und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer.“ Der erhöhte Christus gibt also Menschen, die Er selbst verwandelt hat, der Gemeinde, damit durch sie Sein Leben und Seine Wahrheit weitergegeben werden. Hinter jeder echten geistlichen Gabe steht daher eine Geschichte der Erlösung und der inneren Umgestaltung. Niemand wird als neutestamentliche Gabe geboren; jede Gabe ist Frucht eines Weges mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn.
Nachdem der Sohn alle Gefangenen als Gabe vom Vater empfangen hatte, verwandelte Er sie in Seinem Auferstehungsleben und machte jeden einzelnen von ihnen zu einer Gabe (Eph. 4:8b). Paulus wurde zu einer solchen Gabe, und auch wir sind zu solchen Gaben geworden. Dann gab Christus diese Gaben der Gemeinde. Daher heißt es in Epheser 4:11: „Und Er hat einige als Apostel gegeben und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer“. Wir alle sind Gaben, die Christus der Gemeinde gegeben hat. (Witness Lee, Life-Study of Isaiah, Botschaft zweiundfünfzig, S. 421)
Diese Gaben haben ein klar umrissenes Ziel. Epheser 4:12 beschreibt es so: „für die Zurüstung der Heiligen zum Werk des Dienstes, zum Aufbau des Leibes Christi.“ Der Leib Christi wird nicht durch Organisation oder äußere Struktur aufgebaut, sondern durch das Leben Christi, das durch viele Glieder hindurchfließt. Die Gaben dienen nicht dazu, eine geistliche Elite zu bilden, sondern die Heiligen zuzurüsten, damit der ganze Leib dient. Indem Christus durch diese Gaben Sein Leben austeilt, wächst inmitten der alten Schöpfung etwas Neues heran: die neue Schöpfung. Hier wirkt nicht mehr das alte Gesetz der Sünde und des Todes, sondern das Gesetz des Geistes des Lebens. Dieses neue göttliche Prinzip führt zu „Wachstum im Leben bis zur Reife“ – zu einem inneren Reifen, das nicht mit Aktivismus verwechselt werden darf. Für die ersten Christen war klar: Hinter allen Diensten steht „die Ökonomie Gottes, die im Glauben ist“ (1. Timotheus 1:4) – Gottes wohlgeordnete, liebevolle Verwaltung, durch die Er Seinen Plan in der Geschichte verwirklicht.
Gottes Plan zielt darauf, die alte Schöpfung nicht einfach zu verwerfen, sondern in Christus zur neuen Schöpfung zu verwandeln. Dieses Werk zieht sich durch die großen Abschnitte der Heilsgeschichte. Vor dem Gesetz, unter dem Gesetz, in der Zeit der Gnade und in der kommenden Zeit des Reiches führt Gott einen Prozess, in dem aus dem Alten das Neue hervorgeht. Der Apostel Paulus beschreibt, dass in Christus „eine neue Schöpfung“ geworden ist, in der das Alte vergangen ist und Neues geworden ist (vgl. 2. Korinther 5:17). Diese neue Schöpfung ist anfangs unscheinbar, wie ein Keim im Boden oder wie ein Küken im Ei, und doch trägt sie die Gestalt der kommenden Vollendung in sich. In Christus entsteht so der „eine neue Mensch“, eine durch Christus versöhnte und geeinte Menschheit, die nicht mehr nach Herkunft, Leistung oder Kultur bewertet wird, sondern nach der Teilhabe an Seinem Leben.
Der Blick der Schrift geht weiter bis zum Ende: Am Abschluss der Bibel steht keine Rückkehr in einen Garten, sondern das Bild einer Stadt – des Neuen Jerusalem. In ihm ist die neue Schöpfung vollendet: Gott wohnt bei den Menschen, die durch die Geschichte hindurch von Christus erlöst, verwandelt und in Seinem Auferstehungsleben geformt worden sind. Die Stadt ist Ausdruck des verarbeiteten Dreieinen Gottes, der sich mit Seinen Heiligen unauflöslich verbunden hat. Was in 1. Mose als Schöpfung aus dem Nichts begann, endet in Offenbarung als verwandelte Gemeinschaft, in der Gott alles in allen ist. Alles, was Christus in Seinen vier Stadien – Menschwerdung, Kreuz, Auferstehung und Himmelfahrt – erfahren und vollbracht hat, dient diesem Ziel. Seine himmlische Dienerschaft, die Austeilung der Gaben und der Aufbau des Leibes sind Etappen auf dem Weg zu dieser ewigen Stadt. Zu wissen, dass die eigene Geschichte hineingewoben ist in eine so große Ökonomie Gottes, verleiht dem Glaubensweg Tiefe und Würde: Persönliche Reifung, verborgener Dienst und treues Ausharren erhalten einen Horizont, der weit über das Sichtbare hinausreicht – hin zu jener Wirklichkeit, in der der allumfassende Christus alles durchdringt und Gott in der neuen Schöpfung endgültig und sichtbar alles in allem ist.
Darum sagt die Schrift: „Hinaufgestiegen in die Höhe, hat Er Gefangene gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben.“ (Eph. 4:8)
Und Er hat einige als Apostel gegeben und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer (Eph. 4:11)
Die Tatsache, dass Christus aus Befreiten Gaben macht und durch sie den Leib aufbaut, lässt den eigenen Weg in einem neuen Licht erscheinen. Auch unscheinbare Schritte, innere Kämpfe und leise Veränderungen können Teil dieses verborgenen Formens sein, durch das Christus Sein Leben in der Gemeinde vermehrt. Die neue Schöpfung wächst nicht spektakulär, sondern oft still und unsichtbar – und doch zielt sie auf eine Herrlichkeit, die im Bild des Neuen Jerusalem angedeutet ist. Wer sich als Glied eines solchen Leibes und als Baustein dieser Stadt versteht, darf seine Gegenwart – mit ihren Begrenzungen und Möglichkeiten – als Teil einer großen göttlichen Ökonomie sehen, in der Christus selbst der Baumeister, die Versorgung und das Ziel ist.
Herr Jesus Christus, erhöhter Herr und großer Hoherpriester, danke, dass Du am Kreuz den unsichtbaren Kampf geführt, die Mächte der Finsternis entwaffnet und mich aus der Gefangenschaft der Sünde befreit hast. Danke, dass Du mich als Beute Deines Sieges zum Vater gebracht hast und mich in Deinem Auferstehungsleben in ein Geschenk für Deinen Leib verwandelst. Stärke meinen Glauben, damit ich im Alltag weniger auf das Sichtbare schaue und mehr auf Dich, den unsichtbaren, aber handelnden Herrn, vertraue. Lass mich in Deiner himmlischen Dienerschaft geborgen sein, Deine Fürbitte über meinem Leben wissen und aus der Fülle Deiner Gnade leben. Richte meinen Blick auf das Ziel, das Du verfolgst – den Aufbau Deines Leibes und die Vollendung der neuen Schöpfung – und erfülle mein Herz mit der Hoffnung auf das Neue Jerusalem, wo Gott für immer alles in allem sein wird. In Deinem Namen, Herr Jesus, vertraue ich mich Dir neu an. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Isaiah, Chapter 52