Das Wort des Lebens
lebensstudium

Der allumfassende Christus in Seinen vier Stadien gemäß Gottes neutestamentlicher Ökonomie (2)

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Beim Lesen von Jesaja 53 fällt auf, dass das Kapitel nicht mit dem Leiden des Gottesknechtes endet, sondern mit seiner Zufriedenheit: Er sieht eine Saat, die Frucht der Mühsal seiner Seele. Hinter diesen wenigen Zeilen steckt die gewaltige neutestamentliche Offenbarung, dass Christus durch Seine Auferstehung etwas völlig Neues in die Existenz gebracht hat – eine neue Schöpfung, eine neue Menschheit, ein neues Leben, das Er mit uns teilt.

Der auferstandene Christus als lebensspendender Geist

Wenn Paulus schreibt: „Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele; der letzte Adam wurde zu einem Leben gebenden Geist“ (1.Kor 15:45), öffnet sich ein Blick in das Herz der Auferstehung. Der ewige Sohn, der „im Anfang … das Wort“ war und „bei Gott“ war und „Gott war“ (Johannes 1:1), ist nicht nur durch die Geschichte gegangen, sondern hat Sich in dieser Geschichte innerlich „verarbeiten“ lassen: Inkarnation, ein wirklicher menschlicher Weg, Kreuz, Tod und schließlich Auferstehung. In dieser Auferstehung tritt derselbe Christus in einer neuen Daseinsweise hervor: nicht mehr nur außerhalb der Menschen, sondern als Geist, der in sie hinein kann. Darum heißt es: „Der Herr ist der Geist; und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2.Kor 3:17). Der lebensspendende Geist ist nicht ein anderer neben Christus, sondern Christus Selbst in der Auswirkung Seines vollendeten Weges – der „pneumatische“ Christus, der innerlich gegenwärtig, wirksam, teilbar ist.

In Seiner Auferstehung wurde Christus als der verarbeitete Christus, der letzte Adam, zu einem Leben gebenden Geist (1.Kor. 15:45b; 2.Kor. 3:17). Mit der Auferstehung Christi fand Sein Verarbeitetsein seinen Abschluss. Ursprünglich war Christus der eigentliche Gott in der vergangenen Ewigkeit (Joh. 1:1; Phil. 2:6). Er war nur Gott; bei Ihm gab es nur die Göttlichkeit und alle Eigenschaften dieser Göttlichkeit. (Witness Lee, Life-Study of Isaiah, Botschaft einundfünfzig, S. 405)

Damit verschiebt sich der Schwerpunkt der Auferstehung vom bloßen Ereignis zur fortlaufenden Gegenwart. In den Evangelien steht Christus leibhaftig vor den Jüngern; in der Auferstehung kommt Er als unsichtbarer, aber realer Geist zurück. Er kündigt an, dass der „Geist der Wirklichkeit … bei euch bleibt und in euch sein wird“ (Johannes 14:17), und unmittelbar danach sagt Er: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen; Ich komme zu euch“ (Johannes 14:18). Wo der Geist kommt, kommt Christus. Wo der Geist innerlich Wohnung nimmt, beginnt die Austeilung des Auferstehungslebens. Das bedeutet: Die Wirklichkeit des Kreuzes – das Abnehmen des alten Menschen, das Verurteiltsein des Fleisches – und die Kraft der Auferstehung – die neue Energie des göttlichen Lebens – werden von innen her in uns hineingetragen. Der auferstandene Christus als lebensspendender Geist ist der, der uns leise, aber beharrlich Seinem Bild angleicht, unsere Gedanken ausrichtet, unsere Zuneigungen läutert, unseren Willen beugt. Sein Ziel ist nicht nur, uns zu trösten, sondern uns zu verwandeln. Daraus erwächst eine stille, aber tiefgehende Ermutigung: Unser innerer Wandel hängt nicht an der Stärke unseres Vorsatzes, sondern an der Treue dieses Geistes in uns. Wo wir schwach sind, bleibt Er lebendig; wo wir an Grenzen stoßen, hört Er nicht auf, Leben zu geben. Inmitten sich wandelnder Umstände trägt uns die Gewissheit: Der Auferstandene hat einen Weg gefunden, immer bei uns zu sein – in uns, als unerschöpfliche Quelle eines Lebens, das stärker ist als Tod, Sünde und Hoffnungslosigkeit.

So steht auch geschrieben: „Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele“; der letzte Adam wurde zu einem Leben gebenden Geist. (1.Kor 15:45)

Und der Herr ist der Geist; und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. (2.Kor 3:17)

Die Erkenntnis, dass der auferstandene Christus der lebensspendende Geist in uns ist, entlastet und zugleich vertieft unser Christsein. Entlastend, weil die Mitte unseres Lebens nicht mehr unsere eigene Fähigkeit ist, geistlich zu sein, sondern die stille, aber kräftige Gegenwart des Herrn, der in uns wohnt. Vertiefend, weil dieses Leben uns nicht in bequemer Selbstzufriedenheit belässt, sondern uns in eine reale Teilhabe an Seinem Kreuz und Seiner Auferstehung hineinzieht. Wer so lernt, seinen Alltag zu verstehen – als Raum, in dem der Geist Christi innerlich formt, überführt, tröstet und erneuert – erlebt, dass auch unscheinbare Tage von Auferstehungswirklichkeit durchzogen sind. Je mehr Christus als Geist an Raum gewinnt, desto freier werden wir von inneren Zwängen, desto klarer wird unser Blick, desto einfacher wird unser Vertrauen. Daraus kann eine stille Freude wachsen: Wir sind nicht Waisen, nicht auf uns selbst zurückgeworfen, sondern bewohnt von dem, der sagte: „Weil Ich lebe, sollt auch ihr leben“ (Johannes 14:19).

Der Erstgeborene aus den Toten und die neue Schöpfung

Die Auferstehung Jesu ist nicht nur eine Rückkehr ins Leben, sondern der Anbruch einer neuen Wirklichkeit. Menschen wurden auch vor Ihm aus dem Tod zurückgeholt, doch sie kehrten in dieselbe Sterblichkeit zurück. Von Christus gilt: „Ich bin lebendig in Ewigkeit; und Ich habe die Schlüssel des Todes und des Hades“ (Offenbarung 1:18). Darum nennt Ihn die Schrift den „Erstgeborenen der Toten“ (Offb. 1:5) und sagt von Ihm: „Er ist der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, damit Er Selbst in allen Dingen den ersten Platz einnehme“ (Kolosser 1:18). In Ihm ist die Auferstehung erstmals in ihrer ganzen Fülle erschienen: Sein physischer Leib wurde umgestaltet zu einem geistlichen physischen Leib; Sein Leben ist nicht mehr der Vergänglichkeit unterworfen. In dieser Auferstehung beginnt eine neue Ordnung der Schöpfung, eine Wirklichkeit jenseits des Adam-Ganzen. Deshalb heißt es: „Denn weder Beschneidung noch Unbeschnittenheit ist etwas, sondern was zählt, ist eine neue Schöpfung“ (Galater 6:15).

In Seiner Auferstehung wurde Christus als der Vorranghabende, derjenige, der in allen Dingen den ersten Platz hat, der Erstgeborene von den Toten (Kol. 1:18; Offb. 1:5a). … Der Herr Jesus wurde jedoch auferweckt, um in Ewigkeit zu leben (Offb. 1:18). Und nicht nur das: In der Auferstehung ist der Herr heute in Herrlichkeit. … Er wurde nicht nur auferweckt, sondern Sein physischer Leib wurde umgestaltet und wurde zu einem geistlichen physischen Leib. Das ist eine Auferstehung, die dem vollen Maßstab entspricht. Vor Jesus hatte niemand eine solche Auferstehung erfahren. Daher ist Er der Erstgeborene von den Toten. (Witness Lee, Life-Study of Isaiah, Botschaft einundfünfzig, S. 409)

In dieser Auferstehung geschieht jedoch noch mehr: Der einziggeborene Sohn wird zum Erstgeborenen unter vielen Brüdern. Die Apostelpredigt legt Psalm 2 auf die Auferstehung Christi aus: „Du bist Mein Sohn; heute habe Ich Dich gezeugt“ (Apostelgeschichte 13:33). Und Paulus erklärt: Gott hat uns vorherbestimmt, „dem Bild Seines Sohnes gleichgestaltet zu sein, damit Er der Erstgeborene unter vielen Brüdern sei“ (Römer 8:29). Durch die Auferstehung Christi werden Menschen in einen neuen Ursprung hineingestellt: Sie sind nicht mehr nur Adams Kinder, sondern aus Gott wiedergeboren, Söhne in dem Sohn. Petrus preist den Gott und Vater „… der uns … wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“ (1.Petrus 1:3). Jesaja sieht prophetisch diesen Ertrag der Leiden: „Wenn er sein Leben als Schuldopfer eingesetzt hat, wird er Nachkommen sehen, er wird (seine) Tage verlängern. Und was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen“ (Jesaja 53:10). Die „Nachkommen“ des leidenden Knechtes sind die vielen Söhne, die Brüder des Erstgeborenen. So wie das Weizenkorn, das „nicht in die Erde fällt und stirbt“, allein bliebe, „wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht“ (Johannes 12:24), so hat Christus im Sterben und Auferstehen Sein Leben nicht verloren, sondern vermehrt. Aus Seinem Weg ist eine neue Familie hervorgegangen: „Mitbürger der Heiligen und Glieder des Haushaltes Gottes“ (Epheser 2:19), hineingenommen in das Erbteil, das Gott „nach dem Vorsatz dessen, der alles nach dem Ratschluss Seines Willens wirkt“ (Epheser 1:11), bestimmt hat. In dieser Sicht wird die Auferstehung zu einem großen Familienereignis Gottes: Der Erstgeborene steht im Zentrum, aber um Ihn herum wächst eine Schar von Söhnen, die Seinen Weg widerspiegeln. Wer zu dieser Schar gehört, trägt eine tiefe Würde und eine ebenso tiefe Berufung – als lebendiger Teil der neuen Schöpfung in Christus.

So gewinnt die Auferstehung Christi einen zutiefst persönlichen, zugleich aber überpersönlichen Klang. Sie bedeutet nicht nur, dass der Tod Jesu unsere Schuld trägt, sondern dass in Seiner Auferstehung ein neues Leben geboren wurde, in das wir hineingezogen werden. Der Erstgeborene ruft viele Brüder an Seine Seite; der leidende Knecht sieht eine Saat und ist zufrieden; der Weizen bringt Frucht in Fülle. Inmitten eines oft zersplitterten Alltags bewahrt dieser Blick: Mein Leben ist nicht mehr an die engen Linien meiner Herkunft, meiner Prägungen, meiner Möglichkeiten gebunden. Ich stehe in Christus unter einem neuen Anfang, unter der Überschrift „neue Schöpfung“. Das kann Mut machen, in alten Situationen neu zu hoffen, in erlernten Mustern Neuansätze zu erwarten und in scheinbar festgefahrenen Geschichten doch eine göttliche Zukunft zu sehen. Der Erstgeborene hat den Weg geöffnet; Er geht voran, und im Licht Seiner Auferstehung bekommt auch unser Weg, mit allen Brüchen und Narben, einen neuen Horizont.

und der Lebendige; und Ich wurde tot, und siehe, Ich bin lebendig in Ewigkeit; und Ich habe die Schlüssel des Todes und des Hades. (Offb. 1:18)

und von Jesus Christus, dem treuen Zeugen, dem Erstgeborenen der Toten und dem Fürsten über die Könige der Erde. Ihm, der uns liebt und uns durch Sein Blut von unseren Sünden befreit hat (Offb. 1:5)

Wenn Christus der Erstgeborene aus den Toten und der Erstgeborene unter vielen Brüdern ist, dann ist unser Christsein untrennbar mit dieser neuen Schöpfung verbunden. Identität wird hier nicht zuerst aus Leistung, Zugehörigkeit oder Scheitern abgeleitet, sondern aus der Tatsache, dass Gott in der Auferstehung Jesu eine neue Familie gegründet hat und uns darin einen Platz gegeben hat. Das entzieht Selbstüberhöhung wie Selbstverachtung den Boden: Niemand steht über den anderen, niemand ist zu gering, um Sohnschaft zu tragen. Zugleich öffnet es einen weiten Raum für Hoffnung: Gottes Geschichte mit uns ist nicht durch unsere Vergangenheit begrenzt, sondern durch die Auferstehung des Erstgeborenen bestimmt. Wo wir uns in diese Perspektive hineinfinden, wächst eine stille Zuversicht, dass Gottes „Wohlgefallen“ – so unscheinbar es sich zeigen mag – auch durch unser Leben hindurch „gelingen“ wird (Jesaja 53:10).

Der Leib Christi und der neue Mensch als Ausdruck des allumfassenden Christus

Die Auferstehung Christi entfaltet sich nicht nur im Inneren des einzelnen Gläubigen, sondern nimmt eine gemeinschaftliche Gestalt an. Das Bild des Weizenkorns weist über den Einzelnen hinaus: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht“ (Johannes 12:24). Die „viel Frucht“ sind die vielen Körner – doch die Schrift bleibt hier nicht stehen. Diese vielen Körner werden zu einem Brot geformt: „Da es ein Brot ist, sind wir, die Vielen, ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot“ (1.Korinther 10:17). Hier berührt sich das Geheimnis des Lebens mit dem Geheimnis der Gemeinde: Die Vermehrung Christi in vielen Söhnen bleibt nicht lose nebeneinander stehen, sondern wird zu einem Leib zusammengefügt. Dieser Leib ist mehr als eine geistliche Organisation oder eine fromme Gemeinschaft; er ist, wie Paulus sagt, „die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“ (Epheser 1:23). In der Gemeinde setzt der auferstandene Christus Seine Gegenwart fort, vergrößert und vervielfältigt, aber doch einer.

Außerdem sind die vielen Körner als die Vermehrung Christi die Bestandteile Seines Leibes, das heißt des einen Brotes, der Gemeinde (Eph. 1:22–23; 1.Kor. 10:17). An jedem Tag des Herrn nehmen wir am Tisch des Herrn teil, um an dem Brot teilzuhaben. Dieses Brot bezeichnet erstens den physischen Leib Christi, den Er für uns am Kreuz dahingegeben hat, und zweitens den mystischen Leib Christi, der das eine Brot ist, die Gemeinde. (Witness Lee, Life-Study of Isaiah, Botschaft einundfünfzig, S. 412)

Auch Jesaja deutet in diese Richtung, wenn er vom leidenden Knecht sagt: „… wird er Nachkommen sehen, er wird (seine) Tage verlängern. Und was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen“ (Jesaja 53:10). Die „verlängerten Tage“ des Knechtes sind seine fortgesetzten Tage in einem anderen: Christus lebt weiter in den Seinen. Das Wohlgefallen Gottes nimmt Handgestalt an, wo der auferstandene Christus sich im Leib ausdrückt. Paulus beschreibt dies mit dem Bild des neuen Menschen: Wir haben den „neuen Menschen angezogen, der zur völligen Erkenntnis nach dem Bild dessen erneuert wird, der ihn geschaffen hat, wo es nicht geben kann Grieche und Jude, Beschneidung und Unbeschnittenheit, Barbar, Skythe, Sklave, Freier, sondern Christus ist alles und in allen“ (Kolosser 3:10–11). Der eine neue Mensch ist die Menschheit unter Christus als Haupt, Christus, der alles in allem ist und alle natürlichen Trennlinien relativiert. Der Leib Christi, der eine neue Mensch, ist der Ort, an dem die Auferstehungswirklichkeit konkret sichtbar wird: in gelebter Versöhnung, in gemeinsamer Anbetung, in gegenseitiger Versorgung, in einer Lebensführung, die sich nicht mehr an den Mustern der „alten Schöpfung“ orientiert.

Daraus ergibt sich eine stille, aber weitreichende Konsequenz für den Alltag. Gemeinschaft unter Gläubigen ist dann nicht mehr Beiwerk, sondern der Raum, in dem sich das Auferstehungsleben entfaltet. Wo das eine Brot geteilt wird, wird allen vor Augen geführt, dass wir ein Leib sind; wo Christinnen und Christen im Alltag einander tragen, ermahnen, trösten, weiterhelfen, wird der neue Mensch konkret. In Mitmenschlichkeit, die aus Christus lebt, und in einer Lebensweise, die nicht mehr durch die Maßstäbe der Umgebung, sondern durch die Wirklichkeit des auferstandenen Herrn geprägt ist, tritt etwas sichtbar hervor, das aus einer anderen Welt stammt – und doch mitten in dieser Welt steht. Das kann uns ermutigen, auch unscheinbare Akte der Liebe, kleine Schritte der Versöhnung und stille Treue im Verborgenen als Teil dieses großen Ausdrucks des auferstandenen Christus zu sehen. Der Leib Christi ist kein idealer Gedanke, sondern ein lebendiger Organismus; und jeder, der zu Ihm gehört, ist eingeladen, in seiner eigenen, begrenzten Weise mitzutragen, dass der eine neue Mensch in dieser Welt erkennbar wird.

In dieser Sicht wird der Alltag entdramatisiert und zugleich geadelt. Entdramatisiert, weil nicht alles an einem einzigen großen Erlebnis hängt, sondern weil der auferstandene Christus Tag für Tag Seine Gemeinde durchdringt und baut. Geadelt, weil jede Begegnung, jedes Wort, jede Haltung Teil des großen Werkes wird, durch das Gott „viele Söhne in die Herrlichkeit führt“ (Hebräer 2:10) und sich ein Volk formt, das Sein Wesen widerspiegelt. Wo dieser Blick unser Herz prägt, wächst eine leise Freude an der Gemeinde trotz aller Unvollkommenheit und ein neues Staunen darüber, dass der allumfassende Christus Sich gerade dieses Weges bedient, um heute sichtbar zu werden: als Haupt über alles, der doch durch die Glieder Seines Leibes handelt, als der neue Mensch, in dem Er alles und in allen ist.

Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. (Joh. 12:24)

Da es ein Brot ist, sind wir, die Vielen, ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot. (1.Kor 10:17)

Zu wissen, dass der Leib Christi und der eine neue Mensch die gegenwärtige Ausdrucksform des auferstandenen Christus sind, führt weg von einem privatisierten Glauben hin zu einem gemeinsamen Leben. Die Gemeinde ist dann nicht in erster Linie Erfüllungsgehilfe unserer spirituellen Bedürfnisse, sondern der Raum, in dem Christus sich ausbreitet und sichtbar wird. Das bewahrt vor Enttäuschung und Zynismus, weil der Maßstab nicht unsere Idealvorstellungen sind, sondern die leise, aber beharrliche Arbeit des Herrn, der „alles in allem erfüllt“ (Epheser 1:23). Es motiviert zugleich, Beziehungen ernst zu nehmen, Versöhnung zu suchen, Geduld nicht für nebensächlich zu halten, weil in alldem der neue Mensch Gestalt gewinnt. So kann das Bewusstsein wachsen: Mitten in unserem oft unscheinbaren Miteinander schreibt der auferstandene Christus an der Geschichte Seines Leibes – und jeder noch so kleine Beitrag, der aus Ihm und auf Ihn hin geschieht, ist Teil dieses bleibenden Werkes.


Herr Jesus Christus, allumfassender und auferstandener Herr, danke, dass Du durch Deine Mühsal und Dein Kreuz nicht nur unsere Schuld getragen, sondern in der Auferstehung ein neues Leben, eine neue Schöpfung und viele Söhne für Gott hervorgebracht hast. Danke, dass Du als lebensspendender Geist in uns wohnst, um Dein eigenes Leben in uns zu leben und uns zu einem Teil des Leibes, des neuen Menschen, zu machen. Stärke den Glauben an Deine gegenwärtige Gegenwart in uns, wo wir uns schwach, leer oder schuldig fühlen, und erfülle uns neu mit der Hoffnung, dass Deine Auferstehung stärker ist als jede Niederlage. Lass das Wohlgefallen des Vaters in Deinem Leib aufblühen, indem Du Dich mehr und mehr durch Dein Volk ausdrückst, und schenke, dass wir als Teil des „Samens“ Deine Zufriedenheit und Freude widerspiegeln. Halte uns geborgen in Dir, bis Deine neue Schöpfung in Herrlichkeit sichtbar wird und Du vollkommen verherrlicht bist. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Isaiah, Chapter 51