Das Wort des Lebens
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Christus als der Knecht Jehovas (11) das zweite Kommen Christi als des Knechtes Jehovas, das die Wiederherstellung Israels und aller Dinge bringt, die in den neuen Himmel und die neue Erde mündet

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Viele Christen denken beim Wiederkommen Jesu zuerst an Gericht und Bedrohung, doch Jesaja zeichnet ein überraschend tröstliches Bild: Der kommende Knecht Jehovas bringt nicht nur Gerechtigkeit, sondern eine umfassende Erneuerung für Israel und die ganze Schöpfung. Schmerz, Ausbeutung und Feindschaft haben nicht das letzte Wort, sondern weichen einer Wirklichkeit, in der Gott mitten unter seinem Volk wohnt und seine Freude mit ihnen teilt. Dieses prophetische Bild öffnet einen weiten Horizont für unseren Glauben und unsere Hoffnung im Alltag.

Der Knecht Jehovas kehrt wieder, um die Erde zu erneuern

Jesaja lässt uns in das Herz eines Volkes hören, das seine eigene Schuld und Zerbrochenheit nicht mehr übergehen kann. Mitten in diesem Bewusstsein erhebt sich der Ruf: „Ach, dass du die Himmel zerrissest, dass du herniederführest“ (Jes. 64:1). Es ist kein nüchterner, distanzierter Wunsch nach etwas mehr religiöser Hilfe, sondern das Schreien einer Erde, die spürt, wie fern ihr der heilige Gott geworden ist, und die doch weiß: Nur wenn Er selbst die Grenze durchbricht, kann sich wirklich etwas ändern. In diesem Ruf klingt schon das Geheimnis des Knechtes Jehovas an: Gott wird nicht aus der Ferne reparieren, sondern selbst herabsteigen, sich hineinbegeben in die Geschichte, in den Staub, in die Wunden der Menschheit.

Jesaja 64:1 sagt: „Ach, dass Du die Himmel zerrissest, dass Du herniederführest.“ Dies bezieht sich auf die Vollendung des Kommens Christi vom Himmel zur Erde, von Gott zum Menschen. Die Bibel zeigt uns, dass Christus nicht vorhat, für immer in den Himmeln zu bleiben. Vielmehr ist es seine Absicht, auf die Erde herabzukommen und in Ewigkeit auf der Erde zu bleiben. Bevor Er dies tun kann, muss Er jedoch sein Werk der Erneuerung der Erde vollbringen. Er will nicht auf der alten Erde bleiben, sondern auf der neuen Erde. (Witness Lee, Life-Study of Isaiah, Botschaft zweiunddreißig, S. 219)

Mit dem ersten Kommen Christi hat dieses Herabkommen begonnen, verborgen in der Gestalt eines Knechtes, in der Niedrigkeit eines menschlichen Lebens. Doch Jesaja deutet auf mehr hin als auf Bethlehem und Golgatha. Der Knecht Jehovas kommt wieder, um zu vollenden, was Er begonnen hat: Er lässt die alte, gefallene Ordnung hinter sich und bringt eine neue Erde hervor, die nicht nur verbessert, sondern verwandelt ist. Gottes Ziel mit der Erde ist nicht ihr Untergang, sondern ihre Erneuerung – ein Ort, an dem der, der diente, als König bleibt. Darum heißt es über die Vollendung: „Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Thron sagen: Siehe, die Stiftshütte Gottes ist bei den Menschen, und Er wird bei ihnen stiftshütten, und sie werden Seine Völker sein und Gott Selbst wird bei ihnen sein und ihr Gott sein“ (Offb. 21:3). Die Geschichte läuft nicht auf leeres Dunkel zu, sondern auf die bleibende Gegenwart des Königs, der sich nicht zu schade war, Knecht zu sein. Wer heute den Schmerz einer erschütterten Welt empfindet, darf im Licht dieses Kommens lernen, die Gegenwart nicht als Endpunkt zu deuten, sondern als Zwischenzeit, in der der Herr bereits an der Erneuerung arbeitet, die Er bei seiner Wiederkunft sichtbar machen wird.

Ach, dass du die Himmel zerrissest, dass du herniederführest, dass vor deinem Angesicht die Berge erbeben! (Jes. 64:1)

Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Thron sagen: Siehe, die Stiftshütte Gottes ist bei den Menschen, und Er wird bei ihnen stiftshütten, und sie werden Seine Völker sein und Gott Selbst wird bei ihnen sein und ihr Gott sein. (Offb. 21:3)

Dass Christus als Knecht Jehovas wiederkehrt, um die Erde zu erneuern, stellt auch unsere Sicht auf das eigene Leben in ein anderes Licht. Zerbruch, Schuld und Unordnung sind real, aber sie haben nicht das letzte Wort. Wie Jesaja mit seinem Ruf lernt, seine Ohnmacht nicht zu kaschieren, sondern vor Gott hin auszubreiten, so darf auch unser inneres Verlangen nach „zerrissenen Himmeln“ Raum gewinnen: nicht als Flucht aus der Welt, sondern als sehnsüchtige Erwartung des Herrn, der kommt, um zu bleiben. Wer sich so an Ihm orientiert, wird nüchtern in der Gegenwart, aber nicht zynisch, wachsam, aber nicht verzweifelt. Gerade weil der König wiederkommen und auf einer erneuerten Erde wohnen will, dürfen wir unser Dasein als Teil einer Geschichte verstehen, die auf seine bleibende Nähe zuläuft – und das schenkt eine Hoffnung, die tiefer reicht als alle sichtbaren Erschütterungen.

Wiederherstellung Israels und der Schöpfung – ein Reich der Freude

Wenn Jesaja von der Wiederherstellung Israels spricht, zeichnet er kein abstraktes religiöses Ideal, sondern ein zutiefst konkretes Bild von Leben, das wieder atmen kann. Über Jerusalem heißt es: „Freut euch und frohlockt ewiglich über das, was ich schaffe; denn siehe, ich schaffe Jerusalem zur Wonne und sein Volk zur Freude“ (Jes. 65:18). Die Stadt, die zuvor Schauplatz von Gericht, Tränen und Verwüstung war, wird zum Raum der Freude – nicht nur für die Menschen, sondern auch für Gott selbst. Er erklärt: „Ich werde über Jerusalem frohlocken und mich freuen über mein Volk, und es soll in ihr nicht mehr gehört werden die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens“ (Jes. 65:19). Die Wiederherstellung meint hier nicht bloß äußere Ruhe, sondern einen Zustand, in dem das Verhältnis zwischen Gott und seinem Volk so heil geworden ist, dass Freude zur gemeinsamen Sprache wird.

Jesaja 65:18–25 zeigt, dass eine Wiederherstellung sowohl für Israel als auch für alle Dinge kommen wird. Vers 18 sagt: „Freut euch und frohlockt ewiglich / über das, was ich schaffe; / denn siehe, ich schaffe Jerusalem zur Wonne / und sein Volk zur Freude.“ Jerusalem wird eine Freude und eine Wonne sein, und sein Volk wird sich freuen. Selbst Gott wird in Jerusalem frohlocken und Sich über sein Volk freuen, und in ihr wird die Stimme des Weinens und des Klagens nicht mehr zu hören sein (V. 19). (Witness Lee, Life-Study of Isaiah, Botschaft zweiunddreißig, S. 220)

Zu dieser Freude gehört eine neu geordnete, gesicherte Alltagswirklichkeit. Jesaja zeichnet Menschen, die Häuser bauen und selbst darin wohnen, die Weinberge pflanzen und deren Frucht auch genießen, ohne dass andere ihnen das Erarbeitete entreißen. Kinder wachsen nicht mehr unter dem Schatten frühen Todes auf, das Alter verliert seinen bitteren Beigeschmack des Raubs. Über allem steht die Erfahrung, dass Gott seinem Volk so nahe ist, dass er antwortet, noch ehe sie rufen. Die Heilung reicht sogar in die Tierwelt hinein: Wolf und Lamm weiden miteinander, der Löwe frisst Stroh wie das Rind – ein Bild, in dem tiefverwurzelte Feindschaft in Frieden verwandelt ist. In diesem erneuerten Jerusalem öffnet sich zugleich der Horizont zu den Nationen: Gott sammelt aus allen Völkern Menschen, bringt sie nach seiner Stadt und setzt einige von ihnen in einen priesterlichen Dienst. So entsteht ein weltweites Reich der Freude, in dem Israel nicht verdrängt, sondern in seine Berufung hineingestellt wird, und in dessen Mitte der Knecht Jehovas herrscht, dessen Hände einst Wunden trugen.

Die Perspektive dieser Verheißungen berührt die Frage, wie wir jetzt mit der Spannung zwischen Verheißung und Wirklichkeit umgehen. Viele Merkmale, die Jesaja beschreibt, sind in dieser Welt nur bruchstückhaft sichtbar: Gerechtigkeit bleibt verletzlich, Arbeit kann vergeblich scheinen, Beziehungen tragen Spuren von Misstrauen und Schmerz. Gerade deshalb wird die Zusage eines kommenden Reiches der Freude zu einem Gegenbild, das unser Herz aus der Enge des bloß Sichtbaren herausruft. Der Blick auf den Wiederhersteller, der Israel und alle Dinge neu ordnet, bewahrt davor, sich an das Unfertige zu gewöhnen oder die Sehnsucht nach heileren Verhältnissen zu ersticken. Wer diese Zusage im Herzen trägt, lebt wacher für das, was Gott jetzt schon an Versöhnung und Frieden wachsen lässt, und zugleich freier von der Erwartung, dass die gegenwärtige Welt mehr leisten müsste, als sie tragen kann. In der Spannung zwischen Jetzt und Noch-nicht wird die Verheißung des kommenden Reiches zu einer stillen, aber tragfähigen Quelle: Sie nährt den Mut, in einer unvollkommenen Welt Schritte der Versöhnung zu gehen, weil der Tag kommt, an dem der König selbst das Reich der Freude sichtbar aufrichten wird.

Freut euch vielmehr und frohlockt ewiglich über das, was ich schaffe; denn siehe, ich schaffe Jerusalem zur Wonne und sein Volk zur Freude. Und ich werde über Jerusalem frohlocken und mich freuen über mein Volk, und es soll in ihr nicht mehr gehört werden die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. (Jes. 65:18-19)

Wolf und Lamm werden beieinander weiden; und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, und die Schlange wird Staub als Nahrung haben. Man wird nichts Böses tun und nichts verderbt machen auf meinem ganzen heiligen Berg, spricht der HERR. (Jes. 65:25)

Die Bilder von Jerusalem als Wonne und von der versöhnten Schöpfung sind mehr als entfernte Zukunftsmusik; sie geben dem Glauben eine Richtung. Wenn Gott ankündigt, über seinem Volk zu frohlocken, deutet das an, dass sein Herz nicht in erster Linie an unserer Leistung hängt, sondern an der wiederhergestellten Beziehung, die sein Knecht ermöglicht. Diese Sicht kann den Blick auf den Alltag verändern: Arbeit, Beziehungen, auch Mühen erscheinen nicht mehr als isolierte Fragmente, sondern als Teil einer Geschichte, die in einem Reich der Freude mündet. Wer sich von dieser Hoffnung prägen lässt, kann dem Unfrieden der Gegenwart realistischer ins Auge sehen, ohne ihm das letzte Wort zu lassen, und zugleich empfänglicher werden für die leisen Anfänge jener Freude, die einmal alles bestimmen wird.

Die Vollendung im neuen Himmel und der neuen Erde

Die Linien, die Jesaja zieht, enden nicht im tausendjährigen Reich, sondern reichen weiter in eine endgültige, unerschütterliche Wirklichkeit hinein. Gott spricht: „Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, und an das Frühere wird man nicht mehr gedenken, und es wird nicht mehr in den Sinn kommen“ (Jes. 65:17). Später fasst er es so: „Denn wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, vor mir bestehen, spricht der HERR, so soll auch euer Same und euer Name bestehen“ (Jes. 66:22). Hier erscheint die Wiederherstellung nicht mehr nur als Phase der Geschichte, sondern als bleibende Ordnung, in der das Vergängliche, Verletzende, Trennende hinter einer Grenze liegt, über die es nicht zurückkehren kann. Der Knecht Jehovas, der diese Wiederherstellung herbeiführt, führt sie nicht nur an, sondern bringt sie zur Vollendung.

Nach Jesaja 65:17 und 66:22–24 finden die Wiederherstellung Israels und die Wiederherstellung aller Dinge, die durch Christus als den Knecht Jehovahs herbeigebracht werden, ihren Abschluss im neuen Himmel und in der neuen Erde. Das Buch Jesaja behandelt vieles, einschließlich der Züchtigung und des Gerichts Gottes, doch es mündet im neuen Himmel und in der neuen Erde. Nachdem so vieles vergangen sein wird, wird das, was bleibt, der neue Himmel und die neue Erde mit dem Neuen Jerusalem sein. (Witness Lee, Life-Study of Isaiah, Botschaft zweiunddreißig, S. 222)

Die Offenbarung nimmt diesen Faden auf und zeigt, wie nach der letzten Rebellion, nachdem die Völker „herauf auf die Breite der Erde“ ziehen, um die geliebte Stadt zu umzingeln, Feuer „aus dem Himmel hernieder“ kommt und sie verschlingt (Offb. 20:9). Damit ist jede Gegenwehr gegen Gottes Herrschaft ein für alle Mal beendet. Was bleibt, ist der neue Himmel und die neue Erde mit der heiligen Stadt in ihrer Mitte. In dieser endgültigen Szene lebt eine zweifache Wirklichkeit: Die neue Jerusalem als Braut des Lammes, als königliche Priesterschaft, und die Völker, die außerhalb der Stadt in einer erneuerten, aber nicht verherrlichten Menschheit existieren und doch „seine Völker“ genannt werden. Christus, der einst als Knecht kam, steht nun in unangefochtener Herrlichkeit im Mittelpunkt dieser Ordnung, und aus seiner Gegenwart gehen Licht, Leben und Gemeinschaft hervor, ohne Schatten, ohne Ende.

Wenn die Schrift so weit ausholt, geschieht das nicht, um unsere Neugier auf zukünftige Zustände zu befriedigen, sondern um dem Glauben einen Horizont zu schenken, der weiter reicht als unsere Lebensspanne. Dass Gottes Weg mit Israel und mit allen Dingen im neuen Himmel und in der neuen Erde mündet, bedeutet: Keine Geschichte bleibt schließlich offen, kein Leiden, das in seiner Hand lag, verläuft ins Leere. Für den Glaubenden entsteht daraus eine stille Freiheit gegenüber der Gegenwart – nicht im Sinn von Gleichgültigkeit, sondern als Bewusstsein, dass das Entscheidende nicht mehr von den Bruchlinien dieser Welt bestimmt wird. Die Vollendung im neuen Himmel und in der neuen Erde ist damit kein fernes Trostpflaster, sondern eine tragende Gewissheit: Der Knecht Jehovas, der sich erniedrigte, wird als verherrlichter Herr unsagbar treu zu Ende führen, was Er begonnen hat. Wer sich in diese Gewissheit hineinhalten lässt, findet auch mitten in einem noch unvollendeten Leben einen Grundton der Hoffnung, der bleibt, wenn vieles andere wankt.

Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, und an das Frühere wird man nicht mehr gedenken, und es wird nicht mehr in den Sinn kommen. (Jes. 65:17)

Denn wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, vor mir bestehen, spricht der HERR, so soll auch euer Same und euer Name bestehen. (Jes. 66:22)

Die Aussicht auf den neuen Himmel und die neue Erde lädt dazu ein, die eigene Existenz im Licht des kommenden Vollendeten zu sehen. Vieles, was jetzt unaufgelöst bleibt, wird in dieser Perspektive nicht auf magische Weise trivial, aber es verliert den Anspruch, das Ganze zu definieren. Gottes Zusage, dass das, was Er schafft, vor Ihm bestehen wird, verleiht auch einem unscheinbaren, treuen Leben Gewicht. Es darf getragen sein von der Gewissheit, Teil eines Werkes zu sein, das nicht im Ungefähren endet, sondern in einer bleibenden Gemeinschaft mit dem, der als Knecht kam und als König bleibt. So wächst eine Hoffnung, die nicht laut, aber widerstandsfähig ist: Sie rechnet mit der Vollendung, auch wenn die Wege dorthin oft verborgen bleiben.


Herr Jesus Christus, du treuer Knecht Jehovas, danke, dass dein Wiederkommen nicht Untergang, sondern Wiederherstellung, Trost und Freude für dein Volk und deine ganze Schöpfung bringt. Stärke in unseren Herzen die Gewissheit, dass du dein gutes Werk vollendest und eines Tages sichtbar in einem neuen Himmel und auf einer neuen Erde bei uns wohnen wirst. Wo wir heute Vergänglichkeit, Zerbruch und Ungerechtigkeit erleben, richte unseren Blick auf deine kommende Herrlichkeit und lass uns schon jetzt aus der Hoffnung leben, dass Tränen, Tod und Feindschaft ein Ende haben werden. Erfülle uns mit deiner Gegenwart, damit wir inmitten der gegenwärtigen Zeit als Menschen der Anbetung, der Erwartung und des stillen Vertrauens leben. Bewahre uns darin, dass nichts, was wir dir anvertrauen, vergeblich ist, weil du alles neu machst und deine Freude mit uns teilen wirst. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Isaiah, Chapter 32