Das Wort des Lebens
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Christus als der Knecht Jehovas (10) der Dienst des Gesalbten Jehovas, Christi als des Knechtes Jehovas, was in der Wiederherstellung Israels resultiert

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Wenn wir auf die Geschichte Israels schauen, sehen wir ein spannungsvolles Nebeneinander von großer Herrlichkeit und tiefer Tragik: Erwählung und Tempelbau – aber auch Zerstörung, Exil und bis heute eine unvollendete Freiheit. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Gottes unveränderliche Treue und die sichtbare Zerbrochenheit seines Volkes zusammenpassen. Die Propheten, besonders Jesaja, zeichnen ein Bild von einem Gesalbten, einem Knecht Jehovas, dessen Dienst nicht im Dunkel der Geschichte stecken bleibt, sondern in einer tatsächlichen Wiederherstellung mündet. In Christus bekommen diese Verheißungen Konturen: sein erstes Kommen bringt Gnade und inneres Heilen, sein zweites Kommen wird öffentlich richten, retten und das zerstreute Volk wiederherstellen. Diese Hoffnung berührt nicht nur Israel, sondern weist uns allen einen Weg, Gottes Herz und seinen Plan mit der Geschichte neu zu sehen.

Der Gesalbte Knecht Jehovas: ein Dienst der Salbung und Gnade

Wenn Jesaja den Knecht Jehovas reden lässt: „Der Geist des Herrn, HERRN, ist auf mir; denn der HERR hat mich gesalbt“ (Jesaja 61:1), öffnet sich ein Blick in das innerste Geheimnis des Dienstes Christi. Dieser Dienst beginnt nicht bei äußeren Werken, sondern bei der unsichtbaren Salbung. Jesus wird im Heiligen Geist empfangen, wächst in der Verborgenheit Nazareths heran, und doch ruht von Anfang an der Geist auf ihm. Bei seiner Taufe am Jordan wird sichtbar, was in Gottes Ratschluss schon feststeht: „der Heilige Geist in leiblicher Gestalt, wie eine Taube, auf ihn herabstieg“ (Lukas 3:22). Der Knecht Jehovas tritt nicht als religiöser Reformator auf, sondern als der Mensch, der ganz vom Geist Gottes durchdrungen ist. In ihm beginnt eine neue Geschichte der Menschheit, weil hier erstmals ein Mensch den Willen Gottes vollkommen in der Kraft des Geistes lebt.

Als der Knecht Jehovas ist Christus der Gesalbte Jehovas. Christus entspricht dem hebräischen Wort „Messias“, das „der Gesalbte“ bedeutet. Unser Christus heute ist sowohl der Gesalbte als auch der Salbende, der uns mit Sich Selbst als Salböl salbt. Zuerst wurde Er von Gott und mit Gott gesalbt, und dann wurde Er durch Seinen Tod und Seine Auferstehung zum Salböl für die Salbung anderer. Sein Dienst an uns ist daher ein Dienst der Salbung. (Witness Lee, Life-Study of Isaiah, Botschaft einunddreißig, S. 211)

Darum ist seine Salbung nicht nur ein Titel, sondern eine Bewegung des Lebens. Wenn Jesus in Nazareth das Buch Jesajas öffnet und liest: „Er hat mich gesandt, den Elenden frohe Botschaft zu bringen, zu verbinden, die gebrochenen Herzens sind“ (Lukas 4:18), sehen wir, wie der Gesalbte seinen Dienst versteht. Er beginnt bei den inneren Wunden, bei dem, was niemand sieht: gebrochene Herzen, zerstörtes Vertrauen, gefangene Seelen. Die Salbung treibt ihn gerade zu denen, deren Leben zersplittert ist. Und wenn er hinzufügt: „Heute ist diese Schrift in eurem Hören erfüllt worden“ (Lukas 4:21), macht er deutlich, dass die Zeit der Gnade angebrochen ist, nicht der Rache. Jetzt ist das „annehmbare Jahr des Herrn“ (Lukas 4:19), ein geistliches Jubeljahr, in dem Gott Schulden erlässt, Gebundene freigibt und Menschen in die Nähe seines Herzens zurückführt.

Der Gesalbte bleibt nicht bei sich selbst. Was auf ihm ruht, will ausgeteilt werden. Wenn Jesus sagt: „Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben“ (Johannes 6:63), zeigt er, wie sein Dienst der Salbung konkret wird: durch das Wort, das er spricht, und den Geist, den er gibt. Er ist der Gesalbte, der selbst salbt, indem er uns Anteil gibt an dem Leben, in dem er als Mensch vor dem Vater gelebt hat. So wird sein Dienst zu einer stillen, aber tiefgreifenden Revolution: nicht zuerst Systeme stürzen, sondern Herzen erneuern; nicht Strukturen sprengen, sondern innerlich frei machen. Viele sehnen sich nach der Veränderung der äußeren Verhältnisse; der Knecht Jehovas beginnt tiefer und näher – in der unsichtbaren Mitte des Menschen.

Darin liegt eine kostbare Ermutigung. Wer den eigenen Zustand nüchtern anschaut, entdeckt oft eher Asche als Schönheit: Versagen, Schuld, verpasste Chancen, zerbrochene Beziehungen. Gerade dort setzt der Dienst des Gesalbten an. Er übergeht die Asche nicht, aber er lässt sie nicht das letzte Wort haben. Sein Geist dringt bis in die Risse unseres Inneren, verbindet, was gebrochen ist, und schenkt eine Freiheit, die nicht von äußeren Umständen abhängt. Wer sich von diesem Dienst finden lässt, entdeckt, dass Gottes Gnade nicht nur eine juridische Vergebung ist, sondern eine sanfte, zugleich kräftige Salbung, die das Leben neu ordnet. Aus einem müden, verbrauchten Herz kann so eine Wohnung des Geistes werden, aus innerer Trostlosigkeit ein leiser, dann kräftiger werdender Lobpreis.

DER Geist des Herrn, HERRN, ist auf mir; denn der HERR hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Elenden frohe Botschaft zu bringen, zu verbinden, die gebrochenen Herzens sind, Freilassung auszurufen den Gefangenen und Öffnung des Kerkers den Gebundenen, (Jes. 61:1)

und der Heilige Geist in leiblicher Gestalt, wie eine Taube, auf ihn herabstieg und eine Stimme aus dem Himmel kam: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden. (Lk. 3:22)

Der Blick auf den gesalbten Knecht führt weg von der ungeduldigen Erwartung sofortiger äußerer Lösungen hin zu der Einsicht, dass Gott zuerst das Herz sucht. Sein Dienst an uns ist ein Dienst der Salbung: das Wort Christi durchdringt unser Inneres, der Heilige Geist macht es lebendig, und langsam, manchmal unbemerkt, verwandelt sich der innere Raum – Bitterkeit weicht, Bindungen verlieren ihre Macht, alte Verletzungen verlieren ihren Stachel. Daraus erwächst Hoffnung auch für das Sichtbare: Wer erfährt, dass Christus als Knecht Jehovas die tiefsten Wunden kennt und trägt, darf erwarten, dass kein Bereich des Lebens zu verwüstet ist, um nicht von seiner Gnade berührt zu werden. In der heutigen „angenehmen Zeit“ nimmt so jede Begegnung mit ihm den Charakter einer neuen Salbung an, die uns still, aber wirklich in die Freiheit der Kinder Gottes hineinführt.

Die zwei Aspekte des Kommens Christi und die Wiederherstellung Israels

Wenn Jesaja sagt, der Knecht solle „auszurufen das Gnadenjahr des HERRN und den Tag der Rache für unsern Gott“ (Jesaja 61:2), liegt zwischen diesen beiden Ausrufen ein Abstand, den man mit bloßem Auge nicht erkennt, der aber die ganze Zwischenzeit zwischen erstem und zweitem Kommen Christi umfasst. Für den Propheten liegen Gnade und Gericht wie zwei Gipfel derselben Gebirgskette. Im ersten Kommen erfüllt Christus den Anfang des Verses: Er verkündigt das Gnadenjahr, sammelt Jünger, legt das Fundament der Gemeinde und teilt in seinem Tod und in seiner Auferstehung das Leben des Dreieinen Gottes aus. In dieser verborgenen, geistlichen Arbeit, die sich oft unscheinbar vollzieht, gründet sich alles Weitere, auch das, was in Macht und Herrlichkeit noch kommen wird. Ohne Golgatha kein Zion in Herrlichkeit; ohne die Gemeinde kein erneuertes Israel.

Das Kommen Christi hat zwei Aspekte und geschieht zu zwei unterschiedlichen Zeiten. Bei Seinem ersten Kommen kam Christus, um zu dienen, indem Er Sich Selbst in Seine Nachfolger hineingab und in sie hineinteilte. So übte Er den neutestamentlichen Dienst aus, um den Dreieinen Gott in die Jünger unter Seinem Dienst auszuteilen, von denen die meisten Juden waren. Dieser Dienst bei Christi erstem Kommen legte eine feste Grundlage für Sein zweites Kommen. Wenn Er zum zweiten Mal kommt, wird Er vor allem in einer äußeren Weise kommen, um Israel aus seinen Umständen zu retten und seine Wiederherstellung herbeizuführen. (Witness Lee, Life-Study of Isaiah, Botschaft einunddreißig, S. 212)

Das zweite Kommen wird denselben Gesalbten in einer anderen Gestalt zeigen. Dann beginnt der „Tag der Rache“, nicht als unkontrollierter Ausbruch göttlichen Zorns, sondern als gerechtes Gericht, das alles ans Licht bringt, was dem Willen Gottes widerstanden hat. Jesaja sieht den, der „von Edom kommt, in roten Kleidern von Bozra“ (Jesaja 63:1), und die Offenbarung beschreibt: „Und ich sah den Himmel geöffnet, und siehe, ein weißes Pferd, und der, der darauf sitzt, heißt Treu und Wahrhaftig, und Er richtet und führt Krieg in Gerechtigkeit“ (Offenbarung 19:11). Der Knecht, der einst den Elenden diente, erscheint nun als König und Richter, um Israel aus seiner äußersten Bedrängnis zu retten und die Feinde Gottes zu überwinden. Sein Gericht ist der Weg zur Wiederherstellung, nicht deren Gegenteil.

Diese Wiederherstellung Israels ist konkret und sichtbar. Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Ihr … werdet in der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen wird, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten“ (Matthäus 19:28). Lukas bezeugt, dass Gott ihm „den Thron Davids, Seines Vaters, geben“ wird (Lukas 1:32). Und Paulus greift Jesaja auf: „Es wird sein die Wurzel Jesses, und der da aufsteht, über die Nationen zu herrschen“ (Römer 15:12). Die Geschichte Israels läuft nicht ins Leere, sondern auf einen Punkt zu, an dem der Sohn Davids öffentlich als König anerkannt wird. Das Tausendjährige Königreich ist nicht ein bloßes Bild, sondern die sichtbare Phase des Reiches, in der Israel gesammelt, gereinigt und in seine Berufung hineingestellt wird, Kopf und nicht Schwanz zu sein.

Im Licht dieser zwei Kommen wird der Weg Gottes mit seinem Volk durchsichtig. Die lange Geschichte von Abfall, Gericht, Zerstreuung und einem kleinen Überrest – „Hätte der HERR der Heerscharen uns nicht einen ganz kleinen Überrest gelassen, wie Sodom wären wir“ (Jesaja 1:9) – ist nicht das Zeichen eines gescheiterten Plans, sondern die dunkle Folie, auf der die Treue Gottes umso heller aufleuchtet. Der Knecht Jehovas trägt zunächst verborgen die Schuld seines Volkes und gießt den Geist aus; später kommt er sichtbar, um das zu vollenden, was er in Gnade begonnen hat. Diese Perspektive bewahrt davor, Gegenwartsgeschichte absolut zu setzen: weder die Not Israels noch die Schwachheit der Gemeinde haben das letzte Wort. Das letzte Wort gehört dem wiederkommenden Christus.

auszurufen das Gnadenjahr des HERRN und den Tag der Rache für unsern Gott, zu trösten alle Trauernden, (Jes. 61:2)

Wer ist der, der von Edom kommt, in roten Kleidern von Bozra her? Dieser Schöne in seinem Gewand, der groß ist in der Fülle seiner Kraft? Ich bin es, der in Gerechtigkeit redet, der mächtig ist zu retten. (Jes. 63:1)

Die Verbindung von erstem und zweitem Kommen Christi führt in eine Haltung, die zugleich dankbar und erwartungsvoll ist. Dankbar für die unsichtbare, aber reale Salbung des Geistes, durch die Christus jetzt schon in seinem Volk gegenwärtig ist; erwartungsvoll im Blick auf den Tag, an dem er in Herrlichkeit erscheinen und sichtbar ordnen wird, was er innerlich vorbereitet hat. Wer auf diese Weise denkt, gerät nicht in Resignation angesichts der Brüche der Geschichte, sondern lernt, Gottes Langmut als Raum der Gnade zu verstehen. Der angekündigte „Tag der Rache“ verliert seinen Schrecken, wenn man ihn in der Hand dessen sieht, der sein Leben für die Feinde gegeben hat. So wird die Hoffnung auf Israels Wiederherstellung zu einem Gleichnis für jede noch offene Verheißung: Was Gott begonnen hat, wird er in seinem Knecht und König auch vollenden.

Herrliche Folgen der Wiederherstellung: Gerechtigkeit, Priesterschaft und Lob

Die Prophetie über die Wiederherstellung Israels entfaltet ein überraschend zartes Bild. Jesaja spricht von den „Trauernden Zions“, denen Gott „Kopfschmuck statt Asche“ und „Freudenöl statt Trauer“ schenkt, „ein Ruhmesgewand statt eines verzagten Geistes, damit sie Terebinthen der Gerechtigkeit genannt werden, eine Pflanzung des HERRN, daß er sich (durch sie) verherrlicht“ (Jesaja 61:3). Aus der Sprache der Scham („Asche“) wird die Sprache der Würde („Kopfschmuck“), aus dem dumpfen Gewicht eines verzagten Geistes wird das leichte, weite Gewand des Lobes. Gottes Ziel mit seinem Volk ist nicht, es gerade so über die Linie zu retten, sondern es so zu erneuern, dass es zu einem lebendigen Zeichen seiner Gerechtigkeit wird – tief verwurzelt wie Terebinthen, deren Stamm trägt und deren Krone Schatten und Schutz spendet. Gerechtigkeit ist hier kein abstrakter Rechtsbegriff, sondern eine gelebte, gestalthafte Wirklichkeit.

Vers 3 fährt fort: „Um den Trauernden Zions zu verleihen, / ihnen Kopfschmuck statt Asche zu geben, / Freudenöl statt Trauer, / ein Lobgewand statt eines verzagten Geistes; / damit sie Terebinthen der Gerechtigkeit genannt werden, / eine Pflanzung Jehovas, dass Er verherrlicht werde.“ Hier steht Asche für Schande, und Kopfschmuck steht für Herrlichkeit. Nach Hebräer 1:9 ist das Freudenöl der Geist. Anstelle der Trauer wird das wiederhergestellte Israel den Geist als Freudenöl haben. Außerdem wird es statt eines verzagten Geistes ein Lobgewand geben. Infolgedessen wird Israel Terebinthen der Gerechtigkeit, die Pflanzung Jehovas, genannt werden, damit Er verherrlicht wird. (Witness Lee, Life-Study of Isaiah, Botschaft einunddreißig, S. 213)

Diese innere Erneuerung bleibt nicht privat. Unmittelbar heißt es weiter: „Sie werden die uralten Trümmerstätten aufbauen, das früher Verödete wieder aufrichten. Und sie werden die verwüsteten Städte erneuern, was verödet lag von Generation zu Generation“ (Jesaja 61:4). Die geheilte Gemeinschaft wird zum Werkzeug äußerer Wiederherstellung. Was lange zerstört war, bekommt Geschichte und Zukunft zurück. Fremde werden in den Dienst eintreten (Jesaja 61:5), aber Israels Berufung bleibt besonders: „Ihr aber, ihr werdet Priester des HERRN genannt werden; Diener unseres Gottes wird man zu euch sagen“ (Jesaja 61:6). Das wiederhergestellte Israel wird nicht nur politisch rehabilitiert, sondern geistlich in eine universale Priesterschaft hineingestellt – Mittler der Erkenntnis Gottes, Träger eines Lobpreises, der weit über eigene Grenzen hinausreicht.

Die Grundlage dieser Würde ist Gottes unwandelbare Gerechtigkeit. „Denn ich, der HERR, liebe das Recht … und einen ewigen Bund mit ihnen schließen“ (Jesaja 61:8). Er selbst sorgt dafür, dass die Schande einer „doppelten“ Beschämung in eine „doppelte“ Erbteilsherrlichkeit verwandelt wird (Jesaja 61:7). Jesaja beschreibt die Folge mit einer fast feierlichen Freude: „Ich freue mich sehr in dem HERRN, meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mich bekleidet mit Kleidern des Heils, den Mantel der Gerechtigkeit mir umgetan wie einem Bräutigam“ (Jesaja 61:10). Hier kommt die Priesterschaft und die königliche Würde zusammen: das Volk wird angekleidet mit dem, was Gott selbst wirkt, nicht mit einem von Menschen hergestellten Schmuck. Die Gerechtigkeit, die zuvor Gericht brachte, wird nun zur schützenden, schmückenden Hülle.

Kapitel 62 vertieft dieses Bild. Gott selbst bekennt: „Um Zions willen will ich nicht schweigen, und um Jerusalems willen will ich nicht ruhen, bis seine Gerechtigkeit hervorbricht wie Lichtglanz und sein Heil wie eine Fackel brennt“ (Jesaja 62:1). Aus der beschämten Stadt wird eine Krone in seiner Hand: „Und du wirst eine prachtvolle Krone sein in der Hand des HERRN und ein königliches Diadem in der Hand deines Gottes“ (Jesaja 62:3). Die alten Namen, die Niederlage und Verlassenheit markieren, werden getilgt: „Nicht länger wird man ‘Entlassene’ zu dir sagen, und zu deinem Land wird man nicht mehr ‘Öde’ sagen. Sondern man wird dich nennen ‘mein Gefallen an ihr’ und dein Land ‘Verheiratete’“ (Jesaja 62:4). Die Wiederherstellung gipfelt in einem Bild tiefster Verbundenheit: Wie ein Bräutigam sich an seiner Braut freut, so freut sich Gott an seinem Volk (Jesaja 62:5). Wiederherstellung bedeutet hier: Gottes Freude ruht wieder sichtbar auf denen, die er erwählt hat.

den Trauernden Zions (Frieden), ihnen Kopfschmuck statt Asche zu geben, Freudenöl statt Trauer, ein Ruhmesgewand statt eines verzagten Geistes, damit sie Terebinthen der Gerechtigkeit genannt werden, eine Pflanzung des HERRN, daß er sich (durch sie) verherrlicht. (Jes. 61:3)

Sie werden die uralten Trümmerstätten aufbauen, das früher Verödete wieder aufrichten. Und sie werden die verwüsteten Städte erneuern, was verödet lag von Generation zu Generation. (Jes. 61:4)

Die herrlichen Folgen der Wiederherstellung – Gerechtigkeit, Priesterschaft, Lob – machen deutlich, wie weit Gottes Gedanken über unsere bescheidenen Erwartungen hinausreichen. Er begnügt sich nicht damit, Brüche zu kitten, sondern schafft aus Beschämten Zeugen seiner Gerechtigkeit, aus Trauernden Träger eines Lobes, das nicht mehr verstummt. Wer sich von diesen Bildern prägen lässt, lernt, das eigene Leben nicht nur von seinen Defiziten her zu denken, sondern von Gottes Zusage, aus Trümmern eine Pflanzung des HERRN zu machen. So wird das, was er mit Israel plant, zur Verheißung für alle, die Christus als den Knecht Jehovas erkennen: Seine Salbung zielt auf ein Leben, das – trotz aller Schwachheit – in der Tiefe priesterlich ist, von der Gerechtigkeit Gottes umhüllt und von einem Lob erfüllt, das leise beginnt und mit der kommenden Herrlichkeit zunehmen wird.


Herr Jesus Christus, Gesalbter und Knecht Jehovas, danke, dass dein Dienst der Gnade und der Salbung nicht ins Leere läuft, sondern in einer wirklichen Wiederherstellung endet. Du lässt dein Volk Israel nicht fallen, und du lässt auch die nicht los, die in dir hoffen, selbst wenn vieles zerbrochen aussieht. Stärke den Glauben an deine Treue, wo wir nur Asche wahrnehmen, und lass das leise Zeugnis deiner Gerechtigkeit und deines Heils in uns aufsprießen, wie du es für Zion verheißen hast. Richte unseren Blick auf deine kommende Herrlichkeit, damit wir unsere Zeit als Teil deines großen Weges mit Israel und den Nationen sehen. Lass uns im Licht deiner Wiederkunft leben, getragen von der Gewissheit, dass du vollendest, was du begonnen hast, und dass dein Name in Israel und in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Isaiah, Chapter 31