Das Wort des Lebens
lebensstudium

Berufen, in der Himmelfahrt als die neue Schöpfung in der Auferstehung zu leben

15 Min. Lesezeit

Viele Christinnen und Christen wissen, dass sie in Christus eine neue Schöpfung sind, erleben ihren Alltag aber oft noch wie in einer geistlichen Wüste. Zwischen der biblischen Zusage, mit Christus in den Himmeln versetzt zu sein, und den konkreten Herausforderungen des täglichen Lebens klafft scheinbar eine Lücke. Das Hohelied zeichnet den Weg einer Liebenden, die aus der Wüste herausgerufen wird, in tiefe Einheit mit Christus hineinwächst und lernt, im Auferstehungsleben über den Umständen zu leben – als neue Schöpfung, die Christus Freude macht und anderen geistliches Leben weitergibt.

Die neue Schöpfung: Aus der Wüste in die Einheit mit Christus

Die Liebende im Hohelied, die „aus der Wüste heraufkommt wie Rauchsäulen“ (Hohelied 3:6), steht vor uns als Bild eines Menschen, den Gott aus der alten Schöpfung herausruft. Die Wüste ist nicht nur eine Landschaft, sondern eine geistliche Atmosphäre: Trockenheit, Orientierungslosigkeit, das Gefühl, dem Tod näher zu sein als dem Leben. In Adam gehören wir alle zu dieser alten Schöpfung – zu einer Ordnung, in der Sünde, Vergänglichkeit und Selbstbezogenheit das Klima bestimmen. Dass die Liebende aus der Wüste heraufkommt, zeigt: Gott belässt den Menschen nicht in dieser alten Ordnung. Er ruft heraus, er führt heraus, er hebt heraus. So wie der HERR zu Mose sagte: „Und Ich bin herabgestiegen, um sie aus der Hand der Ägypter zu befreien und sie aus jenem Land hinaufzuführen in ein gutes und weites Land“ (2. Mose 3:8), so steigt Gott in Christus in unsere Welt hinab, um uns aus der alten Schöpfung in die Sphäre der neuen Schöpfung hinaufzuführen. Der Aufstieg aus der Wüste ist daher nicht moralische Selbstverbesserung, sondern Antwort auf einen göttlichen Ruf.

Die Himmelfahrt ist in den Himmeln. Obwohl wir auf der Erde sind, ist unser wiedergeborener Geist als Glaubende an Christus mit Gott, dem Geist, in den Himmeln verbunden. Diese beiden Geister sind eins. Das ist wie Elektrizität: Sie ist im Kraftwerk und auch in unserem Zimmer, und doch gibt es nur einen Strom. Wenn wir in unserem Geist sind, sind wir mit dem aufgefahrenen Christus in den Himmeln verbunden. (Witness Lee, Life-Study of Song of Songs, Botschaft vier, S. 27)

Die Rauchsäulen, durchdrungen vom Duft von Myrrhe und Weihrauch, zeigen, wie Gott diesen Weg gestaltet. Myrrhe erinnert an den Tod Christi, Weihrauch an seine Auferstehung und seine fürbittende Gegenwart vor Gott. Die Liebende trägt diesen Duft: Sie ist nicht mehr nur ein Mensch, der versucht, besser zu werden, sondern jemand, der innerlich von der Wirksamkeit von Christi Tod und Auferstehung durchdrungen ist. In der alten Schöpfung dominieren Abwehr, Kontrolle, Angst; in der neuen Schöpfung beginnt der Mensch, den Duft eines anderen Lebens auszustrahlen – eines Lebens, das durch Sterben und Auferstehen hindurchgegangen ist. So wird „in Christus“ sein mehr als eine theologische Formel. Es bedeutet, dass der auferstandene Christus selbst unser inneres Klima wird. Paulus fasst dies mit den nüchternen Worten: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“ (2. Korinther 5:17). Wo dieser Wandel geschieht, wird das, was uns einst gebunden hat, zwar noch spürbar, aber es bestimmt uns nicht mehr von innen her.

Das Hohelied verbindet diese neue Schöpfung mit Bildern von Ruhe und Tragen. Der König, der inmitten bewaffneter Helden auf seinem Bett ruht (Hohelied 3:7–8), offenbart Christus als den, der unter seinen Überwindern Ruhe findet. Ihre Gegenwart ist umkämpft – daher die Schwerter an der Hüfte und die Angst vor der Nacht – aber gerade dort, wo sie ihn im Glauben umgeben, findet er eine Ruhestätte auf der Erde. Kurz darauf erscheint der Tragstuhl aus dem Holz des Libanon, innen ausgelegt mit Liebe (Hohelied 3:9–10). Christus lässt sich tragen, und er tut es nicht auf einem anonymen Gefährt, sondern auf dem inneren Leben seiner Heiligen. Ihre Erfahrung von Gottes Natur (Gold), von der Erlösung Christi (Silber) und von seiner königlichen Würde (Purpur) wird zur tragenden Struktur, durch die Christus in dieser Welt vorankommt. Die neue Schöpfung ist daher nicht ein privates Trostprojekt, sondern ein geheimnisvoller Weg, auf dem Christus durch unsere Leben sichtbar „transportiert“ wird.

Im Ruf an die „Töchter Zions“, auf den König „mit der Krone“ zu schauen (Hohelied 3:11), berührt Gott einen weiteren Aspekt der neuen Schöpfung: die verwandelte Menschheit Christi. Der, der sich in 1. Mose durch Verheißung ankündigt und in den Evangelien in Niedrigkeit erscheint, trägt nun die Krone seiner vollendeten Menschwerdung. Seine angenommene und verherrlichte Menschheit ist nicht nur seine Ehre, sondern auch unsere Hoffnung. In ihr ist Raum, dass wir mit ihm verlobt und vereinigt werden. Er bleibt wahrer Gott, aber als Mensch ist er uns unendlich nah. Wer auf ihn so schaut, lernt, sich nicht mehr vor allem im Spiegel seiner eigenen Schwächen zu betrachten, sondern in der Gemeinschaft mit einem Menschen, der durch Tod und Himmelfahrt zur Quelle eines neuen Menschseins geworden ist. Die neue Schöpfung beginnt dort, wo unser Blick von unserer „Wüste“ gelöst und auf den gekrönten Christus gelenkt wird.

Daher, wenn jemand in Christus ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2.Kor 5:17)

Und Ich bin herabgestiegen, um sie aus der Hand der Ägypter zu befreien und sie aus jenem Land hinaufzuführen in ein gutes und weites Land, in ein Land, das von Milch und Honig überfließt, an den Ort der Kanaaniter und der Hethiter und der Amoriter und der Perisiter und der Hiwiter und der Jebusiter. (2. Mose 3:8)

Die Berufung aus der alten in die neue Schöpfung ist kein einmaliger Sprung, sondern ein beständiger Weg, auf dem Gott uns lehrt, aus dem Duft des Kreuzes heraus zu leben und den Blick auf den gekrönten Christus zu richten. Wo seine Ruhe wichtiger wird als unser Recht, wo sein Vorankommen kostbarer wird als unsere Absicherung, beginnt unsere Biografie, die Form eines Tragstuhls aus dem Holz des Libanon anzunehmen – innen ausgelegt mit Liebe. Gerade in der Erfahrung von Wüste und Enge kann so ein stilles Staunen wachsen: Der, der uns herausruft, trägt uns zugleich hinein in sein eigenes Leben und macht uns zu einer lebendigen Ausdrucksform seiner neuen Schöpfung.

Die Schönheit der neuen Schöpfung: Ein enclosed garden für Christus

Wenn das Hohelied die Liebende mit zarten Bildern beschreibt – mit Taubenaugen hinter dem Schleier, mit Haar wie einer Herde von Ziegen und Zähnen wie gewaschene, fruchtbare Schafe –, öffnet sich ein Blick in die innere Schönheit der neuen Schöpfung. Gott beginnt nicht damit, ihr Handeln aufzuzählen, sondern die Gestalt ihres inneren Menschen zu zeichnen. Die Taubenaugen hinter dem Schleier deuten auf einen klaren, einheitlichen Blick des Glaubens, der von außen nicht leicht zu durchschauen ist. Der Schleier schützt und verbirgt; er verhindert, dass der Blick des Glaubens zum Schauobjekt für die Öffentlichkeit wird. So entsteht eine stille Schönheit: ein Auge, das vom Geist geführt wird, das nicht von jedem Eindruck gefangen genommen wird, sondern auf Gott ausgerichtet bleibt. „Denn wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen“ (2. Korinther 5:7) beschreibt genau diese Haltung. In einer Welt, die ständig nach Sichtbarkeit verlangt, ist ein verborgenes Glaubensauge etwas Kostbares vor Gott.

In diesem Vers sehen wir die Schönheit ihrer Ehelosigkeit und ihrer vom Geist geschenkten Einsicht, die für Außenstehende unsichtbar bleibt, sowie ihre Unterordnung und ihren Gehorsam, die durch Gottes Speisung gewirkt werden und ihren Ungehorsam mitten unter den Ungehorsamen bezwingen. (Witness Lee, Life-Study of Song of Songs, Botschaft vier, S. 30)

Das Haar der Liebenden wird mit einer Herde von Ziegen verglichen, die vom Gebirge herabsteigen. Haar ist in der Schrift oft ein Bild für Unterordnung, für das, was sich über das Haupt legt. Dass das Haar geordnet ist wie eine ziehende Herde, zeigt eine Unterordnung, die nicht passiv oder gebrochen, sondern innerlich geordnet ist. Sie ist nicht mehr von ungezähmtem Eigenwillen bestimmt, sondern von einer Speisung Gottes, die die inneren Kräfte sammelt und lenkt. Die Zähne wiederum, die wie gewaschene Schafe sind, die Zwillinge gebären, weisen auf die Fähigkeit hin, das Wort Gottes aufzunehmen und zu „zerkleinern“. Gereinigte Zähne bedeuten, dass das Aufnehmen des Wortes nicht von bitteren Rückständen, von Zynismus oder Verdrossenheit verunreinigt ist. Und dass diese Schafe Zwillinge gebären, zeigt die Fruchtbarkeit: Was innerlich empfangen wird, bringt Leben hervor. Die neue Schöpfung ist daher kein ästhetisches Ideal, sondern ein Leben, das aus dem aufgenommenen und verarbeiteten Wort Gottes in anderen Leben weckt.

Besonders eindringlich sind die Bilder von Lippen, Mund und Hals. Die Lippen werden mit einem scharlachroten Faden verglichen, der an Rahabs scharlachrote Schnur erinnert (Josua 2:18) und damit an die Erlösung. Hier zeigt sich ein Reden, das vom Blut Christi gezeichnet ist. Es ist nicht makellos, aber es steht unter der Kraft der Vergebung. Aus solchen Lippen kommt kein perfekter, aber ein versöhnter Klang. Der Mund wird „lieblich“ genannt: Er ist getragen von einer inneren Milde, die aus Gottes Gnade gelernt hat. Der Hals schließlich erscheint wie der Turm Davids, an dem tausend Schilde hängen (Hohelied 4:4). Der Wille eines Menschen ist hier nicht stur, sondern gestärkt und geordnet. Ein solcher Wille wird zur Verteidigung für viele – an ihm hängen „Schilde“, Erfahrungen der Bewahrung, die anderen Schutz gewähren. Hier spiegelt sich ein reiferer Zustand der neuen Schöpfung: Das Ich ist nicht ausgelöscht, aber es steht in fester, gehorsamer Ausrichtung auf Christus.

Wenn Christus seine Liebende einen „eingeschlossenen Garten, eine verschlossene Quelle, einen versiegelten Brunnen“ nennt (Hohelied 4:12), fasst er diese Einzelzüge zu einem Gesamtbild zusammen. Ein eingeschlossener Garten ist kein leerer Raum, sondern ein Schutzraum. Er ist nicht beliebig zugänglich, weil er einem gehört. Die neue Schöpfung im Menschen ist ein solcher Raum für Christus. Sie ist nicht dazu da, von jedem Einfluss betreten zu werden, sondern sie ist bewahrt, damit Christus dort ungestört Gemeinschaft haben kann. Die verschlossene Quelle und der versiegelte Brunnen sprechen von einem inneren Reservoir, das verborgen, aber reich ist. Was aus diesem Brunnen fließt, ist nicht das Ergebnis permanenter Selbstoptimierung, sondern die stille Wirkung des lebengebenden Geistes, der in uns wohnt. „Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt“ (Johannes 4:14). Die innere Schönheit der neuen Schöpfung wird so zu einem Ausdruck dieser unsichtbaren Quelle.

Denn wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen. (2.Kor 5:7)

Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt. (Joh. 4:14)

Die Beschreibung der Liebenden als eingeschlossenen Garten öffnet eine gnädige Perspektive auf das eigene Innenleben: Nicht die makellose Außenwirkung, sondern die verborgene Gemeinschaft mit Christus ist das Zentrum der neuen Schöpfung. Wer sich von dieser Sicht prägen lässt, lernt, sein Herz vor mancher fremden Saat zu bewahren und zugleich geduldig mit den langsamen Wachstumsprozessen Gottes zu sein. So wird das eigene Leben Schritt für Schritt zu einem geschützten Raum, in dem Christus die Vielfalt seiner Gnade entfalten und der Duft seines Auferstehungslebens still nach außen wirksam werden kann.

Berufen, in der Himmelfahrt im Auferstehungsleben zu leben

Von der Himmelfahrt Christi zu sprechen, bedeutet mehr, als ein Ereignis der Heilsgeschichte zu erinnern. Die Schrift verbindet die Erhöhung Christi mit einer neuen Lebenssphäre für alle, die mit ihm vereint sind. Paulus schreibt, Gott habe uns „zusammen mit Ihm auferweckt und uns zusammen mit Ihm niedergesetzt im Himmlischen in Christus Jesus“ (Epheser 2:6). Äußerlich bewegen wir uns in Zeit, Raum und den Begrenzungen dieser Welt; innerlich sind wir an Christus gebunden, der in der Himmelswelt zur Rechten Gottes ist. Diese doppelte Zugehörigkeit prägt das Leben der neuen Schöpfung. Es ist kein Versuch, dem Alltag zu entfliehen, sondern die Entdeckung, dass mitten im Alltag ein anderer Horizont mitläuft: der Horizont der bereits vollendeten Siege Christi.

In der Himmelfahrt zu leben bedeutet, beständig ein christliches Leben in unserem Geist zu führen. Dazu müssen wir unseren Geist von unserer Seele unterscheiden. Wenn wir andere mit unserer Seele lieben, sind wir auf der Erde, nicht in der Himmelfahrt. Lieben wir jedoch mit unserem Geist, dann sind wir in der Himmelfahrt. (Witness Lee, Life-Study of Song of Songs, Botschaft vier, S. 28)

Das Hohelied greift diese Perspektive auf, wenn der Geliebte seine Braut ruft, mit ihm von den Höhen Amana, Senir und Hermon aus zu schauen (Hohelied 4:8). Diese Berge stehen für einen Standpunkt über den Tälern der unmittelbaren Eindrücke. Von dort aus sind selbst „Löwenhöhlen“ und „Leopardenberge“ nicht verschwunden, aber sie werden in einem anderen Licht gesehen. So lässt sich der Unterschied zwischen Seele und Geist beschreiben: In der Seele reagieren wir aus spontanen Gefühlen, aus Gedankenketten und aus Eigenkraft. Im Geist aber befinden wir uns in der Verbindung mit dem auferstandenen und erhöhten Christus. Diese Unterscheidung ist nicht akademisch, sondern äußerst praktisch. Wenn etwa eine schwierige Person uns begegnet, kann die Seele gekränkt, ungeduldig, hart reagieren. Im Geist wird dieselbe Situation zur Gelegenheit, in der Kraft eines anderen Lebens zu handeln. „Ein Christ sollte nicht durch die Kraft seines Willens leben, sondern durch die Kraft des inneren Gesetzes des Geistes des Auferstehungslebens in seinem Geist; dieses Gesetz besitzt die größte Kraft; es überwindet den Tod, übersteigt den Tod und ist nicht gebunden durch den Tod.“ In dieser Realität beginnt das Leben der Himmelfahrt konkret zu werden.

Der Geliebte im Hohelied ist von einem einzigen Blick der Braut überwältigt: „Du hast mir das Herz genommen mit einem einzigen deiner Blicke, mit einer einzigen Kette von deinem Hals“ (Hohelied 4:9). Die Himmelfahrt zeigt sich hier nicht in spektakulären Taten, sondern in einem inneren Einverständnis mit Christus. Ein Blick, der aus der neuen Stellung im Geist kommt, ist mehr wert als viele Worte aus rein seelischer Energie. Der „Hals“ – das Bild für den Willen – ist mit Ketten geschmückt, die nicht fesseln, sondern zieren. Es ist der gehorsame Wille, der zur Schönheit wird. So entsteht ein Lebensstil, in dem nicht das laute Präsentieren geistlicher Leistungen im Vordergrund steht, sondern die stille Übereinstimmung mit Christus in den konkreten Entscheidungen des Tages. Wo ein Mensch in seinem Geist verankert lebt, werden seine Reaktionen zu leisen, aber deutlichen Spuren eines Lebens in der Himmelfahrt.

Am Ende dieses Abschnitts des Hohelieds betet die Braut: „Wache auf, Nordwind, und komm, Südwind! Durchwehe meinen Garten, dass seine Wohlgerüche fließen! Mein Geliebter komme in seinen Garten und esse seine edlen Früchte“ (Hohelied 4:16). Der Nordwind steht für rauere, prüfende Umstände; der Südwind für milde, tröstende Zeiten. Beides wird willkommen geheißen, damit der Duft der Gewürze hervortreten kann. Hier zeigt sich eine Reife, die zur Himmelfahrt gehört: Die äußeren Situationen werden nicht mehr primär nach Bequemlichkeit beurteilt, sondern danach, wie Christus sein Auferstehungsleben darin offenbar machen kann. Christus antwortet, indem er den Garten „sein“ nennt: „Ich komme in meinen Garten, meine Schwester, Braut“ (Hohelied 5:1). Er sammelt Myrrhe und Gewürze, genießt Honig und Milch und lädt die „Freunde“ ein, mitzutrinken. Diese innere Szene enthüllt, was es bedeutet, im Auferstehungsleben in der Himmelfahrt zu leben: Gott selbst genießt, was seine Gnade im Herzen eines Menschen gewirkt hat, und der dreieine Gott freut sich an der Frucht dieser inneren Gemeinschaft.

und hat uns zusammen mit Ihm auferweckt und uns zusammen mit Ihm niedergesetzt im Himmlischen in Christus Jesus, (Eph. 2:6)

Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. (Röm. 8:2)

Im Auferstehungsleben in der Himmelfahrt zu leben, bedeutet, den inneren Standpunkt zu pflegen, den Gott bereits in Christus geschaffen hat: mit ihm auferweckt, mit ihm im Himmlischen. Wo der Unterschied zwischen seelischem Reagieren und geistlichem Leben bewusst wird, öffnet sich ein Raum, in dem Christi erhöhtes Leben unsere alltäglichen Beziehungen, Entscheidungen und Reaktionen durchdringen kann. So wächst eine stille Gewissheit, dass selbst widersprüchliche Winde – harte wie milde – Teil eines Weges sind, auf dem Christus sein Leben in uns entfaltet und Gott selbst Freude an dem hat, was in unserem „Garten“ heranreift.


Herr Jesus Christus, du auferstandener und erhöhter Herr, danke, dass du mich aus der alten Schöpfung herausgerufen und in deine neue Schöpfung hineingestellt hast. Du kennst meine Wüstenwege, meine inneren Kämpfe und meine Begrenzungen, und doch siehst du in mir schon deine Braut, deinen eingeschlossenen Garten und die Wohnung deiner Liebe. Lass mich lernen, nicht aus meiner Seele, sondern aus meinem erneuerten Geist zu leben, damit dein Auferstehungsleben in mir Gestalt gewinnt und dein Duft durch mein Leben wahrnehmbar wird. Ob der Wind rauh oder mild weht, lass alles dazu dienen, dass deine Frucht in mir reift und du in mir echte Ruhe und Freude findest. Verbinde mich tiefer mit dir in deiner Himmelfahrt, damit mein Blick, mein Wille und meine Liebe mehr mit deinem Herzen übereinstimmen. Stärke mich durch deinen lebengebenden Geist, und lass die Ströme deines Lebens aus meinem Inneren zu anderen fließen, zur Ehre des Vaters. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Song of Songs, Chapter 4