Die gemischten Ausdrücke des Empfindens des Psalmisten in seinem Genuss Gottes in Gottes Haus (2)
Wer die Psalmen liest, spürt sofort, wie ehrlich und ungeschminkt David vor Gott redet: Klage und Vertrauen, Bitte um Gericht und Lobpreis wechseln sich ab. Gerade in den Psalmen 28 bis 30 prallen menschliche Gefühle und göttliche Wirklichkeit sichtbar aufeinander. Im Licht des Neuen Testaments stellt sich die Frage, wie wir diese Worte einordnen und was wir daraus für unser eigenes Leben mit Gott in seiner Gemeinde lernen können – dort, wo Christus selbst das Zentrum ist.
Menschliche Gefühle im Haus Gottes – ehrlich, aber begrenzt
Wenn David in Psalm 28 zu Gott schreit und fürchtet, mit den Gottlosen weggerafft zu werden, stehen wir mitten in einem Raum roher, ungefilterter Empfindungen. „Der HERR ist meine Stärke und mein Schild; auf ihn hat mein Herz vertraut, und mir ist geholfen worden; daher frohlockt mein Herz, und ich will ihn preisen mit meinem Lied“ – so heißt es in Psalm 28:7. Aus derselben Seele, die so vertraut und frohlockt, steigen aber auch harte Bitten um Vergeltung auf, Worte, die sehr stark vom Empfinden von Lohn und Strafe geprägt sind. In diesen Spannungen begegnen wir einem glaubenden Menschen, der Gott kennt, aber Gott doch überwiegend durch das Gitter seiner wechselnden Gefühle und seiner alttestamentlichen Gerechtigkeitsvorstellungen wahrnimmt. Der Psalm lässt uns hören, wie Glauben und Angst, Lob und Vergeltungswünsche in einem Herzen miteinander ringen, das sich danach sehnt, im Haus Gottes geborgen zu sein und doch unter den Eindrücken der Feinde steht.
Wir haben gesehen, dass viele Abschnitte der Psalmen Davids eigene Worte nach seinem menschlichen Verständnis wiedergeben und nicht Gottes Worte nach dem göttlichen Verständnis. Wir glauben, dass die ganze Schrift von Gott eingehaucht ist und jedes Buch der Bibel Gottes Offenbarung darstellt, wobei jede Zeile und jedes Wort aus der Inspiration des Heiligen Geistes stammt (2.Tim. 3:16; 2.Petr. 1:21). Jede Zeile und jedes Wort der Schrift ist von Gott inspiriert, doch gibt es viele Worte in der Bibel, die nicht Gottes eigene Worte sind. Die Bibel enthält sogar die Worte Satans. (Witness Lee, Life-Study of Psalms, Botschaft vierzehn, S. 181)
Damit öffnet der Geist Gottes uns einen Spiegel. Die Schrift verschweigt die inneren Bewegungen des Menschen nicht, sondern nimmt sie auf – nicht als letzte Norm, sondern als Lernfeld. „Alle Schrift ist gottgehaucht und nützlich zum Lehren, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit“ (2.Tim. 3:16). Dass jede Zeile inspiriert ist, bedeutet nicht, dass jede Äußerung den göttlichen Maßstab ausdrückt. In 1. Mose 3 hören wir die Worte der Schlange; in den Psalmen hören wir oft die ungebrochene Stimme des Beters. Der Heilige Geist hat auch solche Stimmen in die Bibel eingeschrieben, damit wir den Kontrast zur Offenbarung Gottes erkennen. Im Licht des Neuen Testaments wird sichtbar: Gefühle dürfen vor Gott ausgesprochen werden, sie sind ihm nicht peinlich und nicht verborgen, aber sie tragen nicht das letzte Wort. Das letzte Wort trägt der, der am Anfang der Bergpredigt unter dem offenen Himmel steht und sagt: „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“ (Mt. 5:44). Zwischen Davids Ruf nach Vergeltung und Jesu Ruf zur Feindesliebe spannt sich der Weg vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse hin zum Baum des Lebens. Wer das versteht, muss die eigenen Gefühle nicht mehr verdrängen und sie zugleich nicht mehr zum Maßstab der Wahrheit machen. In Gottes Haus lernen wir, mit unserem inneren Aufruhr zu Gott zu kommen und ihn im Licht Christi deuten zu lassen – und genau darin liegt Trost: Unsere Empfindungen sind ernst genommen, aber sie sind nicht die Grenze dessen, was Gott mit uns vorhat.
Der HERR ist meine Stärke und mein Schild; / auf ihn hat mein Herz vertraut, und mir ist geholfen worden; / daher frohlockt mein Herz, / und ich will ihn preisen mit meinem Lied. / (Ps. 28:7)
Alle Schrift ist gottgehaucht und nützlich zum Lehren, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, (2.Tim. 3:16)
Es ist entlastend zu sehen, dass David mit seinen ungeschönten Empfindungen nicht aus der Bibel herausgehalten wurde. Wir müssen unser Herz nicht religiös glätten, bevor wir vor Gott treten; Klage, Angst und sogar widersprüchliche Wünsche dürfen ausgesprochen werden. Zugleich führt uns die Schrift sanft über diese Ebene hinaus: Nicht der spontane Impuls, sondern die Offenbarung in Christus ist der Maßstab. Wenn im Haus Gottes unsere Sprache noch voll von „Vergilt ihnen“ ist, ruft uns der Herr in eine andere Wirklichkeit, in der Feindesliebe, Barmherzigkeit und ein nur auf Gott gerichtetes Vertrauen wachsen. Wer das erkennt, kann die eigenen Gefühle ehrlich vor Gott bringen und ihnen doch nicht die Herrschaft überlassen. So werden unsere gemischten Empfindungen zur Gelegenheit, Christus tiefer zu erkennen – und gerade in der Spannung zwischen dem, was wir spontan empfinden, und dem, was er spricht, wächst Vertrauen. Dort beginnt ein reifer Genuss des Hauses Gottes: nicht weil wir immer „richtig“ fühlen, sondern weil Gottes Offenbarung in Christus unser inneres Maß neu ordnet.
Vom äußeren Gott zum Einssein mit Christus
Wenn David Gott seine Stärke und seinen Schild nennt, drückt er eine tiefe, aber vorwiegend äußere Erfahrung aus. Gott rettet, schützt, hilft – und zwar in erster Linie als Gegenüber, als der hohe, mächtige Gott, der von oben eingreift. Dieses Bild ist wahr, aber nicht vollständig. Im Neuen Testament öffnet sich ein anderer Horizont. Dort staunt Paulus über das „Geheimnis der göttlichen Lebensweise“: „Er, der offenbar gemacht wurde im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, gesehen von den Engeln, gepredigt unter den Nationen, geglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit“ (1.Tim. 3:16). Gott bleibt nicht nur der Helfer außerhalb von uns, er kommt selbst in unsere menschliche Wirklichkeit hinein, wird Mensch, durchschreitet Tod und Auferstehung, um sich uns nicht nur von außen zuzuwenden, sondern sich uns mitzuteilen. So tritt an die Stelle des Bildes vom fernen Schutzschild die Wirklichkeit eines Christus, der unsere Mitte wird.
Das Neue Testament gebraucht häufig den Ausdruck in Christus oder im Herrn. Als einige Missionare die Bibel ins Chinesische übersetzten, meinten sie, die Chinesen würden den Gebrauch der Präposition in nicht verstehen. Deshalb gaben sie „im Herrn“ mit „vertrauen auf den Herrn“ oder „sich auf den Herrn verlassen“ wieder. Diese Übersetzung führt jedoch zu einem falschen Verständnis. Noah und seine Familie mussten in die Arche hineingehen, um durch die Arche vor Gottes Gericht gerettet zu werden. Um gerettet zu werden, konnten sie sich nicht einfach nur auf die Arche verlassen; sie mussten in der Arche sein. (Witness Lee, Life-Study of Psalms, Botschaft vierzehn, S. 179)
Dieses Hineinkommen Gottes in den Menschen beschreibt das Neue Testament mit einer Sprache, die über Davids Formulierungen hinausgeht. Johannes 3:16 wird häufig so gehört, als ginge es nur darum, an Christus zu glauben wie an einen Retter außerhalb von uns. Doch der Text spricht davon, in ihn hineinzuglauben, in ihn hineinversetzt zu werden. Paulus fasst diese Wirklichkeit in einem Satz zusammen, der das alte Bild vom Gott gegenüber sprengt: „Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; und das Leben, das ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben, in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt und Sich Selbst für mich hingegeben hat“ (Gal. 2:20). Für ihn ist Gott nicht mehr nur Stärke und Schild, sondern Leben im Innersten. Er sagt nicht nur: Gott hilft mir, sondern: zu leben ist für mich Christus (Phil. 1:21). Der Glaubende und Christus stehen sich nicht mehr nur gegenüber, sie werden in der Tiefe des Seins miteinander verbunden. Das verändert auch unsere Sprache über Gott: Glauben heißt nicht mehr lediglich, sich auf eine äußere Hilfe zu verlassen, sondern an der Person Christi teilhaben, in seiner Geschichte, seinem Tod, seiner Auferstehung mitenthalten zu sein.
Wer diesen Wechsel vom äußeren Gott zum inneren Einssein mit Christus erfasst, findet einen neuen Zugang zum Haus Gottes. Unter dem alten Blickwinkel ist das Haus ein heiliger Ort, an dem der Mensch zum großen Gott kommt, um Schutz und Hilfe zu erbitten. Unter der neutestamentlichen Offenbarung wird klar: Das wahre Haus Gottes entsteht dort, wo Christus als der innewohnende Herr sein Leben in uns auslebt. Damit wird Gottes Nähe nicht ungreifbarer, sondern erstaunlich konkret. Die gemischten Empfindungen, mit denen wir wie David in das Haus Gottes kommen, treffen nun auf einen Gott, der nicht nur hört, sondern in uns mitfühlt, in uns glaubt, in uns liebt. So wächst eine stille Gewissheit: Wir stehen nicht allein vor Gott, wir stehen mit Christus in Gott, und Gott selbst ist durch Christus in uns. In diesem Einssein verlieren wir nichts von unserer Menschlichkeit; im Gegenteil, sie wird erst zur vollen Bestimmung geführt. Und Schritt für Schritt wird die Sprache unseres Herzens einfacher und tiefer: weniger von „Gott dort draußen“, mehr von „Christus in mir“.
Und anerkanntermaßen groß ist das Geheimnis der göttlichen Lebensweise: Er, der offenbar gemacht wurde im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, gesehen von den Engeln, gepredigt unter den Nationen, geglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit. (1.Tim. 3:16)
Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen einziggeborenen Sohn hingab, damit jeder, der in Ihn hineinglaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. (Joh. 3:16)
Die Verschiebung von einem äußerlich gedachten Gott hin zu einem Einssein mit Christus ist keine theoretische Verfeinerung, sondern ein grundlegender Trost für das tägliche Leben. Wer Gott vor allem als Schutz außerhalb von sich denkt, bleibt leicht in einem Muster beständiger Distanz: hier der Bedürftige, dort der Helfer. Wer hingegen erkennt, dass Christus sein Leben geworden ist, darf inmitten wechselnder Gefühle und Umstände von innen her gestützt sein. Dann bedeutet „glauben“ nicht, in sich selbst eine größere Anstrengung aufzubringen, sondern sich der Tatsache zu öffnen, dass Christus in uns glaubt, liebt, hofft und durchträgt. So wird auch unser Genuss des Hauses Gottes neu: Die Gemeinde ist nicht mehr nur der Ort, an dem wir gemeinsam einen entfernten Gott anrufen, sondern der Raum, in dem die in uns wohnende Gegenwart Christi sich gemeinsam ausdrückt. In dieser Sicht erhält auch die Zerbrechlichkeit unserer Gefühle einen neuen Rahmen. Sie werden nicht verdrängt, aber sie werden von einem tieferen, inneren Leben getragen – und darin liegt eine stille, aber beständige Freude.
Gottes Haus heute: die Gemeinde als Ausdruck Christi
In den Psalmen 29 und 30 steht die gewaltige äußere Erscheinung Gottes im Vordergrund. Seine Stimme donnert über den Wassern, zerschmettert Zedern, erschüttert die Wüste; sein Handeln wird in Bildern von Fluten, Naturgewalten und sichtbarer Rettung beschrieben. Gott thront über den Wassern der Weltgeschichte, und der Beter findet in dieser herrlichen Überlegenheit Gottes Trost. Doch auch hier bleibt das Erleben stark an das Äußere gebunden: an Wetter, Krieg, Krankheit, Bewahrung. Der Gott des Hauses ist der Gott, der von oben herab hilft und seine Herrlichkeit vor allem in mächtigen Eingriffen zeigt. Das ist eine Seite der Wahrheit, aber nicht das letzte Bild von Gottes Haus.
In Jeremia 31 offenbarte Gott Seinen Auserwählten, dass Er einen neuen Bund schließen würde, der nicht auf dem Gesetz der Buchstaben beruhte, sondern auf einem lebendigen Gesetz, das Gott in ihr Sein hineinschreiben würde (V. 31–34). Diesen neuen Bund genießen wir heute. Das lebendige Gesetz, das Gesetz des Lebens, das in die neutestamentlichen Gläubigen hineingeschrieben wird, besteht darin, dass Gott in sie hineingeteilt wird. So ist Gott in ihnen das Gesetz des Lebens. (Witness Lee, Life-Study of Psalms, Botschaft vierzehn, S. 183)
Im Neuen Testament öffnet Gott einen anderen Raum. Er baut sich ein Haus, indem er nicht nur über seinem Volk thront, sondern in ihm wohnt. Paulus kann sagen: Gott hat Christus „gegeben, Haupt über alles zu sein, der Gemeinde, die Sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“ (Eph. 1:22–23). Gottes Haus ist nun der Leib Christi, eine lebendige Gemeinschaft, in der Christus als der zusammengesetzte, Leben gebende Geist in den Gliedern wohnt, sie verbindet und durch sie sichtbar wird. Schon Jeremia hat einen neuen Bund angekündigt, in dem Gott sein Gesetz nicht mehr auf steinerne Tafeln, sondern in das Herz des Menschen schreibt. Das Neue Testament macht deutlich, was das bedeutet: „Das lebendige Gesetz, das Gesetz des Lebens, das in die neutestamentlichen Gläubigen hineingeschrieben wird, besteht darin, dass Gott in sie hineingeteilt wird. So ist Gott in ihnen das Gesetz des Lebens.“ Gottes Herrlichkeit zeigt sich nun nicht zuerst in äußeren Donnerschlägen, sondern in einem inneren Leben, das uns still lenkt, korrigiert und trägt.
Gottes Haus im Licht dieser Ökonomie zu genießen bedeutet daher, die Gemeinde nicht primär als Versammlungsort oder religiöse Institution zu sehen, sondern als den Raum, in dem dieses Gesetz des Lebens wirksam ist. Wo Gläubige gemeinsam unter der Herrschaft des innewohnenden Christus stehen, wird seine Geschichte zu ihrer Geschichte: Sein Werden Fleisch, sein Kreuz, seine Auferstehung und seine Erhöhung wirken sich als Erneuerung, Heiligung, Verwandlung und schließlich Verherrlichung aus. Wenn wir das Haus Gottes so verstehen, bekommen auch unsere gemischten Empfindungen einen neuen Hintergrund. Statt nur auf äußere Zeichen zu warten – sichtbare Bewahrung, spektakuläre Eingriffe – lernen wir, die leise, aber beharrliche Wirksamkeit des Geistes in uns und unter uns wahrzunehmen. Dann wird deutlich: Auch in unscheinbaren Zusammenkünften, im geduldigen Miteinander, im gegenseitigen Darreichen von Leben ist der Donner Gottes zu hören, wenn auch in einer anderen Tonlage.
So wird der Genuss des Hauses Gottes zu etwas sehr Alltäglichem und zugleich sehr Heiligem. Es geht nicht mehr nur um Augenblicke, in denen Gottes Macht unsere Umstände sichtbar verändert, sondern um ein fortwährendes Einssein mit Christus im Leib. In diesem Licht können wir unsere Sehnsucht nach Schutz, nach sichtbaren Zeichen und nach außergewöhnlichen Erfahrungen ehrlich benennen – und doch lernen, die tiefere Herrlichkeit zu schätzen, dass Christus selbst unser Leben, unsere Gerechtigkeit und unsere Kraft geworden ist. Wer so auf Gottes Haus schaut, verliert nicht die Hoffnung auf Gottes Eingreifen nach außen, aber er ist nicht mehr darauf beschränkt. Er entdeckt eine Freude, die auch in unspektakulären Tagen trägt: die Freude, dass der dreieine Gott in Christus durch den Geist mitten unter uns Wohnung genommen hat und uns nach und nach zu einem Ausdruck seiner selbst macht. In dieser Perspektive wird das Haus Gottes zu einem Ort stiller Zuversicht: nicht weil alles immer sichtbar großartig wäre, sondern weil Christus selbst als die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt, unser inneres Maß geworden ist.
und Er hat alles Seinen Füßen unterworfen und hat Ihm gegeben, Haupt über alles zu sein, der Gemeinde, (Eph. 1:22)
die Sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt. (Eph. 1:23)
Wenn Gottes Haus als Leib Christi gesehen wird, verschiebt sich unser Verständnis von geistlichem Genuss. Nicht die besonderen Ereignisse, die starken Gefühle oder die beeindruckenden äußeren Veränderungen stehen im Zentrum, sondern das anhaltende Wirken des Gesetzes des Lebens in uns und unter uns. Das kann uns nüchtern machen, wo wir uns nach ständigem „Donner“ sehnen, und zugleich trösten: Gott ist nicht weniger gegenwärtig, wenn er uns innerlich erneuert, als wenn er äußerlich eingreift. Die Gemeinde als sein Haus zu schätzen, heißt dann, den Wert der unscheinbaren, aber treuen Wirkungen Christi im Alltag zu erkennen – in einem versöhnten Gespräch, in einem getragenen Leid, in einer kleinen, aber echten Veränderung des Herzens. Gerade dort, in der Mischung unserer Empfindungen und der scheinbaren Gewöhnlichkeit des Gemeindelebens, wächst ein tieferer Genuss: die Gewissheit, dass Christus sein Haus baut, indem er sich selbst als Leben in uns teilt, bis er wirklich alles in allem geworden ist.
Herr Jesus Christus, danke, dass du dich nicht fern und äußeren Vorstellungen überlassen hast, sondern in unser Fleisch gekommen bist, um in uns zu wohnen und uns mit dir eins zu machen. Wo unsere Gefühle widersprüchlich sind wie die Empfindungen Davids, bist du treu und bleibst unser Leben, unsere Stärke und unser Friede. Lass dein Wort tiefer in uns aufgehen, damit wir nicht bei unserem menschlichen Blick auf Gerechtigkeit stehenbleiben, sondern dich als den gekreuzigten und auferstandenen Christus erkennen, der alles in allem ist. Stärke in uns das Bewusstsein, dass wir in dir sind und du in uns, und erfülle dein Haus, deine Gemeinde, mit deiner Gegenwart und deiner überreichen Versorgung des Geistes. So werde du in unserem Alltag sichtbar und verherrlicht, bis wir dich von Angesicht zu Angesicht sehen. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Psalms, Chapter 14