Das Wort des Lebens
lebensstudium

Drei besondere Punkte zur Zuteilung des Landes

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Die Erzählung von der Verteilung des Landes an die Kinder Israel wirkt auf den ersten Blick weit entfernt von unserem Alltag. Doch hinter Namen, Grenzen und besonderen Fällen verbirgt sich ein geistliches Bild davon, wie Gott uns Christus als unser Erbteil schenken und bewahren möchte. An drei Begebenheiten – den Töchtern Zelophehads, den Zufluchtsstädten und der Rückkehr der Stämme östlich des Jordan – lässt sich wie unter einem Brennglas erkennen, welche Bedingungen und Gefahren mit dem Genuss dieses göttlichen Erbteils verbunden sind und welche Gnade Gott dafür bereithält.

Das Erbteil braucht die richtige Lebensherkunft und das Haus Gottes

In der unscheinbaren Geschichte der Töchter Zelofhads öffnet sich eine leise, aber entscheidende Perspektive auf unser geistliches Erbe. Da ist eine Familie in Israel, in der es keinen Sohn gibt, nur fünf Töchter – Machla, Noa, Hogla, Milka und Tirza. Die Schrift berichtet: „Und Zelofhad, der Sohn Hefers, des Sohnes Gileads, des Sohnes Machirs, des Sohnes Manasses, hatte keine Söhne, sondern nur Töchter. Und dies sind die Namen seiner Töchter: Machla, Noa, Hogla, Milka und Tirza. Und sie traten hinzu vor den Priester Eleasar und vor Josua, den Sohn des Nun, und vor die Fürsten und sagten: Der HERR hat Mose geboten, uns ein Erbteil unter unseren Brüdern zu geben“ (Josua 17:3–4). Sie haben nichts Besonderes vorzuweisen – keine militärische Stärke, keinen besonderen Rang –, aber sie haben das Leben ihres Vaters. In der Logik Gottes ist genau das entscheidend: Erbe ist nicht zuerst eine Frage von Leistung, sondern von Lebensherkunft. Wer das Leben des Vaters trägt, hat einen Anspruch auf das Land.

Die fünf Töchter Zelophchads trugen das Leben ihres Vaters in sich. Das macht deutlich, dass wir, um Christus als unser gutes Land zu erben, die richtige Abstammung brauchen, das heißt den richtigen Ursprung des Lebens. In der Bibel wird das Erbe durch die Abstammung bestimmt. Eine Abstammung ist eine Frage des Lebens, und dieses Leben steht in Verbindung mit Stämmen, Häusern und Familien. Dass die Töchter Zelophchads zu einer der Familien Manasses, des Sohnes Josephs, gehörten, zeigt, dass sie den richtigen Ursprung des Lebens hatten. Unser Genuss Christi als unseres Erbes hängt in hohem Maß von dem Leben ab, das wir in Ihm empfangen haben. (Witness Lee, Life-Study of Joshua, Botschaft vierzehn, S. 91)

So führt diese Begebenheit mitten hinein in das Geheimnis unseres Anteils an Christus. Durch die neue Geburt sind wir „von Gott geboren“ und tragen sein Leben in uns; darum gehören wir zu seiner „Art“, zu seinem Geschlecht (vgl. Johannes 1:12–13). In der Bibel wird das Erbe zugeordnet nach Abstammung, und Abstammung ist eine Frage des Lebens, nicht der Tauglichkeit. Darum konnte Gott schon zu Abram sagen: „Deinem Samen will ich dieses Land geben“ (1. Mose 12:7): nicht irgendeinem Menschen, sondern dem, der in dieser Linie des Glaubens steht. Geistlich betrachtet sind die Töchter Zelofhads ein Bild von allen, die äußerlich schwach, unauffällig, vielleicht gesellschaftlich oder religiös „klein“ sind – aber sie tragen das richtige Leben und stehen im richtigen Volk. Wer in Christus ist, hat einen unantastbaren Rechtsanspruch auf ihn als das gute Land, unabhängig von natürlicher Begabung oder religiöser Erfolgsbilanz.

Auffällig ist auch, dass diese Töchter nicht isoliert vor Gott stehen, sondern als Teil einer Familie, eines Hauses, eines Stammes. Die ganze Szene spielt sich vor den Augen der Priester, der Fürsten und der Gemeinde ab. Ihr Erbe ist eingebettet in die Ordnung des Volkes Gottes. So wird angedeutet, dass unsere Stellung, Christus zu genießen, untrennbar mit seiner Gemeinde verbunden ist. In der Sprache des Neuen Bundes heißt das: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und in den Gebeten“ (Apostelgeschichte 2:42). Dort, wo das Haus Gottes praktisch Gestalt gewinnt – in konkreten Beziehungen, in gemeinsamem Hören, Beten, Brechen des Brotes –, wird der Boden bereitet, auf dem unser Erbteil nicht nur zugesprochen, sondern wirklich ergriffen wird.

Gleichzeitig tragen die Töchter Zelofhads das leise Zeugnis der Schwachen. Sie sind nicht die typischen Erben im damaligen Denken, und dennoch erhalten sie einen Platz mitten unter den Brüdern ihres Vaters. Das erinnert daran, dass in den Augen Gottes alle Glieder, gemessen an Christus, schwach sind und gerade darum miteinander verbunden sind. In Freiheit und Wahrheit füreinander da zu sein, ist kein Zusatz zum Evangelium, sondern Teil des Weges, auf dem der Herr unser Erbe unter uns bewahrt. Die Ermutigung, die aus dieser Geschichte spricht, ist schlicht und tief: Wer in Christus geboren ist und sich an das Haus Gottes bindet, braucht nicht an seinem Anteil zu zweifeln. Christus selbst steht für den Erhalt des „Namens“ ein – für das Zeugnis, dass Gott mitten unter seinem Volk wohnt. Auch wenn das eigene Empfinden schwankt, bleibt sein Zuspruch: Du gehörst in meine Familie, und in meiner Familie ist dein Platz im guten Land sicher.

Und Zelofhad, der Sohn Hefers, des Sohnes Gileads, des Sohnes Machirs, des Sohnes Manasses, hatte keine Söhne, sondern nur Töchter. Und dies sind die Namen seiner Töchter: Machla, Noa, Hogla, Milka und Tirza. Und sie traten hinzu vor den Priester Eleasar und vor Josua, den Sohn des Nun, und vor die Fürsten und sagten: Der HERR hat Mose geboten, uns ein Erbteil unter unseren Brüdern zu geben. Da gab er ihnen nach dem Befehl des HERRN ein Erbteil unter den Brüdern ihres Vaters. (Jos. 17:3-4)

Warum soll der Name unseres Vaters abgeschnitten werden aus der Mitte seiner Sippe, weil er keinen Sohn hat? Gib uns einen Grundbesitz inmitten der Brüder unseres Vaters! (4.Mose 27:4)

Wer sein geistliches Erbe oft eher theoretisch als konkret erlebt, darf in der Geschichte der Töchter Zelofhads einen stillen Zuspruch hören: Entscheidend ist nicht, wie stark oder geeignet man sich fühlt, sondern ob man das Leben des Vaters trägt und im Haus Gottes verortet ist. Dort, wo diese beiden Linien zusammenkommen – von Gott geboren und praktisch mit seinem Volk verbunden –, wird Christus als das gute Land Schritt für Schritt erfahrbar: im Hören auf sein Wort, im gemeinsamen Ringen im Gebet, im getragenen Glaubensleben. Aus dieser Gewissheit wächst eine innere Ruhe: Mein Anteil an Christus hängt nicht an meiner Leistung, sondern an seiner Treue zu seinem Haus.

Christus als Zufluchtsstadt für Schuldige

Mitten in der Schilderung der Landzuteilung tritt ein überraschendes Thema auf: Zufluchtsstädte. Es heißt: „Rede zu den Söhnen Israel: Bestimmt für euch die Zufluchtsstädte, von denen ich durch Mose zu euch geredet habe, damit dorthin ein Totschläger fliehen kann, der jemanden aus Versehen, unabsichtlich, erschlagen hat! Sie sollen euch als Zuflucht vor dem Bluträcher dienen“ (Josua 20:2–3). Hier begegnet uns ein Täter, der schuldig ist und doch anders behandelt wird als ein Mörder aus Vorsatz. Er hat das Leben eines anderen zerstört, vielleicht durch Unachtsamkeit, vielleicht im Affekt – die Folgen sind real, das Blut ist vergossen, der Bluträcher ist unterwegs. In diese Spannung hinein setzt Gott einen Ort, an den dieser Mann fliehen darf. Die Zufluchtsstadt ist kein Freibrief, aber sie ist Schutzraum: Der Totschläger soll „am Eingang des Stadttores stehen und vor den Ohren der Ältesten jener Stadt seine Sache vorbringen. Und sie sollen ihn zu sich in die Stadt aufnehmen und ihm einen Ort geben, damit er bei ihnen wohnt“ (Josua 20:4). Schuld, Schutz, Anhörung und Bleiben – alles verschränkt sich in diesem Bild.

Die Zufluchtsstädte stehen für den allumfassenden Christus als den Ort, zu dem wir fliehen können, wenn wir erkennen, dass wir Sünder sind. Der allumfassende Christus als die Verkörperung des erlösenden Gottes ist die Zufluchtsstadt, in der wir behütet, zugedeckt und verborgen sind. Christus ist nicht nur unser Erretter, sondern auch unsere Zuflucht. Immer wenn der „Sturm“ unserer Sünde aufkommt, können wir in Christus, unsere Zuflucht, hineinfliehen und bei Ihm bleiben. Dann werden wir durch den Tod Christi, der durch den Tod des Hohenpriesters bezeichnet wird, freigesetzt. (Witness Lee, Life-Study of Joshua, Botschaft vierzehn, S. 93)

In diesen Städten spiegelt sich ein Gesicht Christi, das im Alltag des Glaubens oft zu kurz kommt. Wir kennen ihn als den, der vergibt, aber hier sehen wir ihn als Ort, in den man hineinflieht und in dem man bleibt, während die eigene Geschichte noch nicht „aufgeräumt“ ist. Der Hebräerbrief spricht von Menschen, „die Zuflucht genommen haben, um die angebotene Hoffnung zu ergreifen“ (Hebr. 6:18). Wer Christus als Zufluchtsstadt erfährt, stellt sich nicht neben seine Schuld, sondern bringt sie in seine Gegenwart. Dort wird er nicht ausgeliefert, sondern bewahrt, zugedeckt, verborgen – nicht, weil die Tat plötzlich harmlos wäre, sondern weil der Tod des Hohenpriesters, von dem Josua 20:6 spricht, prophetisch auf den Tod Christi weist: „Und er soll in jener Stadt wohnen, bis … zum Tod des Hohenpriesters, der in jenen Tagen sein wird. Dann mag der Totschläger zurückkehren.“ Wenn der Hohepriester stirbt, endet die Bindung an die Vergangenheit; wenn Christus stirbt, wird nicht nur Schuld vergeben, sondern die alte Rechnung endgültig abgeschlossen.

So leuchtet in den Zufluchtsstädten der allumfassende Christus auf, in dem Gott dem Sünder einen realen Ort anbietet. Er ist wie eine Stadt im Sturm: „Gott ist uns Zuflucht und Stärke, als Beistand in Nöten reichlich gefunden“ (Psalm 46:2). Gerade dann, wenn die inneren Anklagen laut werden und alte Verfehlungen sich mit neuer Scham mischen, eröffnet der Vater keinen abstrakten Ausweg, sondern weist auf seinen Sohn als konkreten Raum der Geborgenheit. Wer dorthin flieht, nimmt seine Verantwortung nicht auf die leichte Schulter, aber er trägt sie nicht mehr allein. In seinem Licht wird Schuld beim Namen genannt, doch sie verliert ihr Recht, unser weiteres Leben zu bestimmen. Die Macht des Bluträchers – das Recht der Anklage – endet an den Mauern dieser Stadt.

Wer so auf Christus blickt, findet eine neue Freiheit, mit seinem Versagen ehrlich zu werden. Die Geschichte der Zufluchtsstädte sagt leise, aber deutlich: Es ist nicht zu spät, einzutreten. Der Weg ist offen, die Tore sind nicht verriegelt. In dieser Zuflucht beginnt ein anderes Leben – nicht mehr getrieben vom Schatten des Gestern, sondern getragen von der Realität, dass jemand gestorben ist, damit wir leben können. Dort wächst der Mut, Verantwortung zu übernehmen, Schritte der Versöhnung zu suchen, ohne von Schuld erdrückt zu werden. In Christus als Zuflucht lernen wir, dass unsere Geschichte nicht an unserer schwersten Tat endet, sondern an seinem vollbrachten Werk. So wird die Angst leiser und die Hoffnung fester, und das gute Land, das uns verheißen ist, wird für Menschen mit brüchiger Biografie wieder betretbar.

Rede zu den Söhnen Israel: Bestimmt für euch die Zufluchtsstädte, von denen ich durch Mose zu euch geredet habe, damit dorthin ein Totschläger fliehen (kann), der jemanden aus Versehen, unabsichtlich, erschlagen hat! Sie sollen euch als Zuflucht vor dem Bluträcher dienen. Und er soll in eine von diesen Städten fliehen und am Eingang des Stadttores stehen und vor den Ohren der Ältesten jener Stadt seine Sache vorbringen. Und sie sollen ihn zu sich in die Stadt aufnehmen und ihm einen Ort geben, damit er bei ihnen wohnt. (Jos. 20:2-4)

Und er soll in jener Stadt wohnen, bis er vor der Gemeinde vor Gericht gestanden hat, bis zum Tod des Hohenpriesters, der in jenen Tagen sein wird. Dann mag der Totschläger zurückkehren und in seine Stadt und in sein Haus gehen, in die Stadt, aus der er geflohen ist. (Jos. 20:6)

Die Bilder der Zufluchtsstädte laden zu einer Haltung ein, in der Schuld weder verdrängt noch zur endgültigen Überschrift des Lebens gemacht wird. Wo das Gewissen an frühere Worte, Entscheidungen oder Brüche erinnert, darf die innere Bewegung nicht im Kreis der Selbstanklage stehenbleiben, sondern auf Christus als Zuflucht zulaufen. Dort entsteht Raum, die eigene Verantwortung nüchtern zu sehen und zugleich unter dem Schutz seines Todes zu stehen. Wer sich so an Christus bindet, erlebt, dass Vergebung mehr ist als ein juristischer Akt: Sie wird zu einem Ort, an dem man wohnen, atmen und neu anfangen kann – mitten im guten Land, das Gott schenkt.

Das Erbteil Christi ist nur im ungeteilten Leib voll zu genießen

Am Ende des Buches Josua rückt eine Szene in den Mittelpunkt, die auf den ersten Blick wie eine politische Krise aussieht, bei näherem Hinsehen aber tief in das Geheimnis des gemeinsamen Erbes hineinführt. Die Stämme Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse hatten ihr Land östlich des Jordan erhalten, doch bevor sie zurückkehren durften, mussten sie ihren Brüdern westlich des Jordan helfen, das Land einzunehmen (vgl. 4. Mose 32:20–22; Josua 22:9). Erst nachdem sie zusammen gekämpft hatten, kehrten sie heim. Damit zeichnet Gott ein klares Muster: Niemand kann seinen Anteil am Land völlig losgelöst von den übrigen Stämmen genießen. Im Neuen Bund wird das noch deutlicher: „Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich viele, ein Leib sind, so auch der Christus“ (1. Korinther 12:12). Unser Erbteil ist Christus selbst; ihn gibt es nur als den Christus des einen Leibes.

Nachdem diese Stämme zusammen mit ihren Brüdern gekämpft hatten, konnten sie in ihr Land zurückkehren und ihr Erbteil genießen. Das macht deutlich, dass wir Christus nicht ohne den Leib genießen können. Um an dem Erbteil Christi teilzuhaben, müssen wir eins mit dem Leib sein. (Witness Lee, Life-Study of Joshua, Botschaft vierzehn, S. 93)

Gerade dieser Zusammenhang erklärt die Erschütterung, als die östlichen Stämme bei ihrer Rückkehr einen „Altar, groß von Aussehen“ am Jordan errichten. „Und als sie in die Bezirke des Jordan kamen, die noch im Land Kanaan liegen, da bauten die Söhne Ruben und die Söhne Gad und der halbe Stamm Manasse dort einen Altar am Jordan, einen Altar, groß von Aussehen“ (Josua 22:10). Die übrigen Israeliten hören davon und deuten das Bauwerk als Abkehr vom einen Altar des HERRN, als Beginn eines zweiten Zentrums der Anbetung: „Was ist das für eine Untreue, die ihr gegen den Gott Israels geübt habt, dass ihr euch heute abwendet von dem HERRN, indem ihr euch heute einen Altar baut…?“ (Josua 22:16). Hinter ihrer Sorge steht ein geistliches Gespür: Wo mehrere Altäre entstehen, entsteht Spaltung; wo Spaltung ist, wird das Erbe bedroht.

Doch die Antwort der östlichen Stämme bringt eine überraschende Wendung. Sie beteuern, dass sie keinen neuen Gottesdienst etablieren, sondern ein sichtbares Zeugnis errichten wollten: „Vielmehr taten wir dies aus Besorgnis, … künftighin werden eure Söhne zu unseren Söhnen sagen: Was habt ihr mit dem HERRN, dem Gott Israels, zu tun? … Darum sagten wir: Wir wollen uns daran machen, den Altar zu bauen, nicht für Brandopfer und nicht für Schlachtopfer, sondern ein Zeuge soll er sein zwischen uns und euch“ (Josua 22:24, 26–27). Der Altar ist als Brücke gedacht, nicht als Konkurrenz. Als Pinhas und die Fürsten das hören, heißt es schlicht: „Und die Sache war gut in den Augen der Söhne Israel. Und die Söhne Israel dankten Gott und sprachen nicht mehr davon, gegen sie hinaufzuziehen zum Krieg“ (Josua 22:33). Die Einheit bleibt gewahrt, und das Erbteil aller bleibt sicher.

In dieser Auseinandersetzung verdichtet sich eine tiefe Einsicht: Das volle Genießen Christi ist unauflöslich mit der Einmütigkeit seines Leibes verbunden. Im Alten Bund gab es nur einen Altar, nur einen legitimen Ort für Brandopfer, Speisopfer, Friedensopfer – jedes „neben dem Altar des HERRN“ (Josua 22:29) errichtete Zentrum wäre eine praktische Verleugnung der Einheit gewesen. Im Neuen Bund ist Christus selbst der eine Altar und das eine Zentrum der Anbetung (vgl. Hebräer 13:10). Wo andere Zentren entstehen – besondere Zugehörigkeiten, die höher gewichtet werden als die Zugehörigkeit zu Christus und seinem einen Leib –, verliert das Volk Gottes erfahrungsgemäß viel vom Reichtum des guten Landes. Die vielen Stämme, Sprachen, Prägungen sind keine Bedrohung, solange der eine Altar, der eine Christus, die Mitte bleibt.

Und als sie in die Bezirke des Jordan kamen, die (noch) im Land Kanaan (liegen), da bauten die Söhne Ruben und die Söhne Gad und der halbe Stamm Manasse dort einen Altar am Jordan, einen Altar, groß von Aussehen. (Jos. 22:10)

So spricht die ganze Gemeinde des HERRN: Was ist das für eine Untreue, die ihr gegen den Gott Israels geübt habt, daß ihr euch heute abwendet von dem HERRN, indem ihr euch einen Altar baut, um euch heute gegen den HERRN aufzulehnen? (Jos. 22:16)

Die Geschichte der östlichen Stämme stellt die Frage, aus welchem Zentrum heraus das eigene Glaubensleben geprägt wird. Wo Christus selbst der gemeinsame Altar ist und die Zugehörigkeit zu seinem einen Leib die tiefste Identität bildet, verlieren Nebenaltäre an Anziehungskraft. In einem solchen Klima wird Verschiedenheit nicht geleugnet, aber sie dient dem Ganzen, statt es zu zerspalten. So entsteht ein Raum, in dem Christus breiter und vielfältiger erfahrbar wird – nicht als Privatbesitz, sondern als reiches Erbteil, das der Dreieine Gott seinem ganzen Volk schenkt.


Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Joshua, Chapter 14