Das Wort des Lebens
lebensstudium

Zum Heer geformt werden (14)

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Bevor ein Heer in den Kampf zieht, braucht es Versorgung, Ausrichtung und innere Klarheit, wofür es überhaupt kämpft. Ähnlich lässt Gott Sein Volk nicht einfach losmarschieren, sondern führt es immer wieder an einen Tisch: das Passah im Alten Bund und das Mahl des Herrn im Neuen. Dort erinnert Er uns an den Preis, den Christus bezahlt hat, an die Tiefe unserer Rettung und an die neue Lebensweise, zu der wir berufen sind. Wer versteht, was an diesem Tisch geschieht, sieht, dass Gott hier nicht nur Einzelne stärkt, sondern ein geistliches Heer formt, das mit Ihm vorangeht.

Passah und Mahl des Herrn: Gottes bleibende Erinnerung für Sein Volk

Wenn 4. Mose 9 erneut vom Passah spricht, ist Israel nicht mehr am Anfang seiner Geschichte. Das Volk steht schon geordnet um das Zelt der Begegnung, die Zählung zum Heer ist vollzogen, die Wege Gottes mit ihnen in der Wüste haben begonnen. Und doch lenkt Gott mitten in dieser Vorbereitung noch einmal ausdrücklich den Blick zurück auf das Passah: „Die Söhne Israel sollen das Passah feiern zu seiner festgesetzten Zeit … nach allen seinen Ordnungen und nach allen seinen Vorschriften sollt ihr es feiern“ (4.Mose 9:2–3). Diese Rückblende in einen früheren Monat ist mehr als eine historische Notiz. Sie macht sichtbar, dass Gott das Gedächtnis an die Erlösung nicht an den Rand des Weges stellt, sondern in die Mitte Seiner Führung. Ehe das Volk weiterzieht, ruft Er es an den Tisch des Passahs zurück, damit die Erlösung, die sie aus Ägypten herausgeführt hat, als lebendige Gegenwart in ihre Herzen geschrieben wird.

Das macht deutlich, wie wichtig es ist, das Passah im Zusammenhang mit dem Mitgehen der Erlösten mit Gott in Seiner Tätigkeit zu bewahren. Wir dürfen nicht glauben, die Teilnahme am Tisch des Herrn habe nichts mit Gottes Bewegung oder mit unserem Mitgehen mit Gott in Seiner Tätigkeit zu tun. Der Tisch des Herrn steht in engem Zusammenhang mit Gottes Bewegung auf Erden. Deshalb müssen wir den Tisch des Herrn weiterhin feiern. (Witness Lee, Life-Study of Numbers, Botschaft fünfzehn, S. 112)

Im Neuen Bund nimmt das Mahl des Herrn diesen Platz ein. Christus stiftet es nicht als bloßes Symbol, sondern als bleibende, wiederkehrende Erinnerung an sich selbst: „Dies ist Mein Leib, der für euch hingegeben wird; tut dies zur Erinnerung an Mich“ (Lk. 22:19). Am Tisch des Herrn bringt Gott Seinem Volk immer neu vor Augen, wer Christus als unser Passahlamm ist, was Er vollbracht hat und wem wir jetzt gehören. Darum ist dieses Mahl untrennbar mit Gottes Bewegung verbunden. Wie Israel nach dem Passah nicht in eine fromme Innerlichkeit, sondern als Heer in den Aufbruch geführt wurde, so ist auch unsere wöchentliche Erinnerung am Tisch des Herrn keine Unterbrechung, sondern eine Vertiefung unseres Mitgehens mit Gott. Dort sortieren sich unsere Gedanken, dort wird fremder Geschmack an der Erlösung korrigiert, dort begegnen wir dem Herrn, der uns erlöst hat, um uns in Seinen Plan hineinzunehmen. Wer so kommt, erlebt das Mahl nicht als Pflicht, sondern als leisen, aber starken Ruf Gottes, aus der erfahrenen Erlösung heraus in Seiner aktuellen Bewegung auf der Erde weiterzugehen. In dieser Erinnerung wächst eine stille Entschlossenheit: Wir gehören nicht mehr uns selbst, sondern Ihm, der uns erkauft hat, und wir wollen in Seinem Zug nicht zurückbleiben.

am vierzehnten Tag in diesem Monat, zwischen den zwei Abenden, sollt ihr es feiern zu seiner festgesetzten Zeit; nach allen seinen Ordnungen und nach allen seinen Vorschriften sollt ihr es feiern. (4.Mose 9:3)

Und Er nahm ein Brot und sagte Dank, und Er brach es und gab es ihnen und sagte: Dies ist Mein Leib, der für euch hingegeben wird; tut dies zur Erinnerung an Mich. (Lk. 22:19)

Die Verbindung von Passah und Zug des Volkes Gottes lädt ein, das Mahl des Herrn als Herzschlag des eigenen Glaubenslebens zu sehen: als Ort, an dem die Gewissheit der Erlösung, die Zugehörigkeit zu Christus und das Mitgehen in Seinem Willen sich immer neu verdichten. Wer den Tisch des Herrn so versteht, wird darin nicht zuerst eine christliche Gewohnheit erkennen, sondern Gottes liebevolle, ernste Erinnerung, in der Er Sein Volk um sich sammelt, um es als Sein Heer weiterzuführen.

Das Passahlamm genießen: Sündenloses Leben, tiefe Buße und frische Gemeinschaft

Die Einzelheiten des Passahmahls in 4. Mose 9 sind keine zufälligen Rituale. Wenn es heißt: „Im zweiten Monat, am vierzehnten Tag, zwischen den zwei Abenden, sollen sie es feiern; mit ungesäuertem Brot und bitteren Kräutern sollen sie es essen; sie sollen nichts davon übriglassen bis zum Morgen und sollen kein Bein an ihm zerbrechen“ (4.Mose 9:11–12), öffnet sich vor uns ein geistliches Bild. Das ungesäuerte Brot weist auf den Christus hin, der ohne Sünde ist. Wo wir Ihn als unsere Lebensversorgung aufnehmen, tritt tatsächlich ein anderes Leben in unser Inneres, ein Leben, in dem keine Spur von Sünde ist. Darum kann das Passah nicht in Gemeinschaft mit bewusst festgehaltener Sünde gefeiert werden. Das Bild des fehlenden Sauerteigs legt nahe: Was uns bekannt ist, was ans Licht gekommen ist, lässt Gottes Geist nicht unberührt bestehen. Denn der, den wir genießen, bringt Sein eigenes Maßstab-Licht mit sich.

Das ungesäuerte Brot steht für den Christus, der ohne Sünde ist. Wenn wir den Christus als unsere Lebensversorgung annehmen, empfangen wir ein Leben ohne Sünde. Daher bedeutet das Feiern des Passahs mit ungesäuertem Brot, alle sündhaften Dinge zu beseitigen. Wenn wir den Christus als unser Passah genießen, müssen wir alles Sündhafte aussondern. (Witness Lee, Life-Study of Numbers, Botschaft fünfzehn, S. 110)

Die bitteren Kräuter stehen in spannungsreicher Nähe zu diesem Genuss. Sie sprechen von der inneren Betrübnis über Sünde, von einer Buße, die mehr ist als Bedauern. Wo Christus und Sünde scheinbar friedlich nebeneinander wohnen, fehlt diese bittere Empfindung; wo aber der Geist Gottes unser Herz erreicht, wird der Genuss Christi begleitet von einem neuen, oft schmerzlichen, aber heilsamen Blick auf das, was Ihm widerspricht. Diese Bitterkeit ist kein Gegenpol zur Freude, sondern ihr Wegbereiter. Aus ihr wächst eine tiefere Dankbarkeit: dass das Lamm Gottes unsere Schuld getragen hat und wir nicht unter dem Gericht bleiben müssen. Darum kann der Apostel schreiben: „Denn auch unser Passahlamm, Christus, ist geschlachtet. Darum lasst uns Festfeier halten … mit Ungesäuertem der Lauterkeit und Wahrheit“ (vgl. 1.Kor 5:7–8).

Auch die Anweisung, nichts bis zum Morgen übrigzulassen, trägt ein zartes geistliches Gewicht. Christus soll nicht als etwas Aufbewahrtes, Abgestandenes in unseren Händen liegen. Sein Mahl ist Einladung zur frischen Gemeinschaft, heute, jetzt. Das, was Er uns schenkt, will im Augenblick des Gebens empfangen werden; nicht aufgespart für einen späteren, vermeintlich passenderen Zeitpunkt. Und dass „kein Bein an ihm zerbrochen“ werden sollte, findet seine Erfüllung am Kreuz: „Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht … Denn dies geschah, damit die Schrift erfüllt würde: ‚Kein Bein von ihm wird zerbrochen werden‘“ (Johannes 19:33.36). In diesem ungebrochenen Knochenbau leuchtet die unzerstörbare Kraft des göttlichen Lebens auf, das durch Tod und Gericht hindurchgeht, ohne gebrochen zu werden.

Wer Christus als Passahlamm so genießt, erfährt eine stille, aber wirksame Umgestaltung. Das sündenlose Leben, das er aufnimmt, beginnt, den inneren Sauerteig aufzubrechen; die bittere Empfindung über Sünde vertieft die Freude an der Vergebung; die frische Gemeinschaft bewahrt vor geistlicher Erstarrung; und die Kraft des ungebrochenen Lebens stärkt mitten in Schwachheit, Druck und Kampf. So wird das Passah kein einmaliges Ereignis der Vergangenheit, sondern eine immer wieder neu aufbrechende Quelle: Christus selbst, genossen in einem Herzen, das sich von Ihm reinigen, trösten und stärken lässt.

im zweiten Monat, am vierzehnten Tag, zwischen den zwei Abenden, sollen sie es feiern; mit ungesäuertem Brot und bitteren Kräutern sollen sie es essen; sie sollen nichts davon übriglassen bis zum Morgen und sollen kein Bein an ihm zerbrechen; nach allen Ordnungen des Passah sollen sie es feiern. (4.Mose 9:11-12)

Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht, (Joh. 19:33)

Die Bilder des Passahmahls laden dazu ein, den eigenen Umgang mit Christus und mit der Sünde neu zu bedenken: Ihn nicht nur als Retter von einst zu sehen, sondern als gegenwärtige Lebensversorgung; die Betrübnis über Sünde nicht zu fürchten, weil sie zur tieferen Freude führt; und sich von der Kraft seines ungebrochenen Lebens tragen zu lassen. Aus diesem stillen, konkreten Genuss entsteht ein Glaube, der nicht aus sich selbst lebt, sondern aus dem Lamm, das geschlachtet ist und doch unzerstörbar lebt.

Ein Heer aus Erlösten: Mit Christus am Tisch für Gottes Bewegung auf der Erde geformt

Als 4. Mose 9 die Anordnung zum Passah gibt, ist aus dem befreiten Sklavenvolk bereits ein Heer geworden. Die Ordnung des Lagers ist festgelegt, die Zählung durchgeführt, Unreinheiten sind behandelt, die Naziräer sind dem Herrn bis zum Äußersten geweiht, und das Volk hat an den göttlichen Vorsorgen teilgehabt. In dieser Situation steht ein gemeinsamer Tisch im Zentrum: „Und sie feierten das Passah … nach allem, was der HERR dem Mose befohlen hatte, so machten es die Söhne Israel“ (4.Mose 9:5). Gott zeichnet damit ein geistliches Muster: Sein Heer entsteht nicht primär aus Tüchtigkeit, Organisation oder natürlicher Stärke, sondern aus einem Volk der Erlösten, das gereinigt, genährt und an Seinen Tisch gerufen ist, ehe es aufbricht. Die Mahlgemeinschaft mit Gott steht nicht neben dem Aufbruch als etwas Zusätzliches, sie ist seine Quelle.

In 9:1–14 waren die Kinder Israels bereits zu einem Heer geworden: alle Unreinheiten waren beseitigt, alle Prüfungen abgeschlossen, die Naziräer dem Herrn bis zum Äußersten geweiht, und Gottes Volk hatte an den göttlichen Vorsehungen teilgenommen. Sogar einen gemeinsamen Tisch zum Festmahl vor Gott und mit Gott hatten sie, an dem Christus ihr gemeinsamer Genuss war. Nun waren sie bereit, weiterzuziehen und für Gott zu kämpfen, damit Er auf der Erde Fuß fassen und Sein Königreich mit Seinem Haus aufbauen konnte. (Witness Lee, Life-Study of Numbers, Botschaft fünfzehn, S. 113)

Im Licht des Neuen Testaments erkennen wir, dass das Mahl des Herrn diese formende Kraft für das geistliche Heer Gottes übernimmt. Am Tisch des Herrn werden wir daran erinnert, dass wir unter Gottes gerechtes Gericht gehörten, Christus uns aber durch seinen stellvertretenden Tod ersetzt hat: „Einer ist für alle gestorben, also sind sie alle gestorben … damit die, welche leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist“ (2.Kor 5:14–15). Hier wird deutlich: Wer wirklich vom Passahlamm lebt, kann nicht bei einem in sich selbst kreisenden Christsein bleiben. Die Erinnerung an das Blut und den Leib Christi schreibt die Zugehörigkeit neu ein – wir gehören Ihm, und unser Leben steht im Kontext Seiner Wege auf der Erde.

Aus vielen Einzelnen, die so regelmäßig um den Herrn versammelt werden, wächst ein Leib, der die Züge eines Heeres trägt. Es ist kein Heer nach der Art dieser Welt; seine Waffen sind nicht aus Fleisch und Blut. Aber es ist ein Volk, das in der inneren Entschiedenheit, in der gemeinsamen Ausrichtung auf Christus und in der Bereitschaft, für Gottes Interesse einzustehen, eine geistliche Kampfkraft empfängt. In einer Gemeinde, in der der Tisch des Herrn nur lockere Tradition ist, bleibt oft auch der geistliche Zusammenhalt schwach. Wo jedoch das Mahl als Begegnung mit dem lebendigen Herrn verstanden wird, als Ort, an dem Er Sein Erlösungswerk und Seine Herrschaft neu vor Augen stellt, wächst eine stille, widerstandsfähige Einheit. Daraus formt Gott ein Heer, durch das Er „auf der Erde Fuß fassen“ und „Sein Königreich mit Seiner Wohnung aufbauen“ kann.

So verbindet sich das persönliche Ergriffensein von Christus mit einer gemeinsamen Berufung. Die Erinnerung an das Lamm, das für uns geschlachtet wurde, führt nicht in Rückzug, sondern in den Weg mit Gott hinein. In dieser Spannung lebt die Gemeinde: vom Mahl, das uns an unsere Erlösung erinnert, und vom Aufbruch, zu dem derselbe Herr uns ruft. Wer das im Herzen bewegt, beginnt zu ahnen, dass jede unscheinbare Feier des Mahls des Herrn Teil eines großen Wirkens Gottes ist – Er sammelt, reinigt, stärkt und fügt zusammen, bis aus Erlösten ein Heer geworden ist, das mit Ihm vorangeht.

Und sie feierten das Passah im ersten (Monat) am vierzehnten Tag des Monats, zwischen den zwei Abenden, in der Wüste Sinai; nach allem, was der HERR dem Mose befohlen hatte, so machten es die Söhne Israel. (4.Mose 9:5)

Und der HERR redete zu Mose in der Wüste Sinai im Zelt der Begegnung am ersten (Tag) des zweiten Monats, im zweiten Jahr nach ihrem Auszug aus dem Land Ägypten, und sprach: (4.Mose 1:1)

Das Bild Israels als Heer hinter dem Passah und das Bild der Gemeinde am Tisch des Herrn wollen die Perspektive weiten: Christsein erschöpft sich nicht in individueller Rettungsgewissheit. Aus der wiederkehrenden Erinnerung an das Lamm, aus Reinigung und genährt Sein wächst eine Bereitschaft, in Gottes Bewegung mitzustehen. Es ist ein stilles, oft verborgenes Formen, in dem der Herr Seine Erlösten zu Menschen macht, durch die Er Raum gewinnt, Sein Reich und Sein Haus sichtbar zu machen.


Herr Jesus Christus, danke, dass Du als unser Passahlamm für uns unter das gerechte Gericht Gottes gegangen bist und uns mit Deinem unzerstörbaren Leben erfüllst. Erneuere durch Dein Mahl immer wieder unser Bewusstsein, dass wir nicht mehr uns selbst gehören, sondern Dir, und dass wir aus Deiner sündenlosen Lebensversorgung leben dürfen. Stärke uns als Dein Volk in der Einheit am Tisch des Herrn, damit wir als ein von Dir geformtes Heer mit Dir in Deiner Bewegung auf der Erde vorangehen. Wo unser Herz lau, müde oder gleichgültig geworden ist, berühre uns neu mit dem Geschmack Deiner Gnade und der Bitterkeit über die Sünde, damit wir Dir in Frische und Einfachheit nachfolgen. Lass aus unserer Gemeinschaft mit Dir Freude, Trost und fester Mut hervorgehen, auch in schweren Zeiten an Deiner Seite zu stehen und Dich zu bezeugen. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Numbers, Chapter 15