Das Wort des Lebens
lebensstudium

Der Sündopfer-Christus für die Sünde des Volkes Gottes (1)

8 Min. Lesezeit

Wenn wir Gemeinschaft mit dem Gott, der Licht ist, genießen, offenbart das Licht zugleich ein Problem: unsere Sünde. Aus der alttestamentlichen Opferordnung ergibt sich eine praktische Abfolge – vom Opfer des HERRN her zur Gemeinschaft und dann zur Erkenntnis unseres inneren Befundes –, und in neutestamentlicher Perspektive zeigt sich, wie Christus als Sündopfer und als Kreuzeswirkung dieses Problem grundlegend angeht. Die Spannung liegt darin, wie echte Gemeinschaft mit Gott und zugleich die Realität der indwellenden Sünde miteinander verknüpft sind und welche praktische Folgerung das für unser persönliches und gemeinschaftliches Leben hat.

Vom Opfer zur Gemeinschaft: Die Opferfolge als Weg ins Licht

Die Reihenfolge der Opfer in 3. Mose führt den Gläubigen nicht bloß durch rituelle Handlungen, sondern in eine unmittelbare Gegenwart Gottes, in die Gemeinschaft mit dem Dreieiner Gott. Brandopfer, Speisopfer und Friedensopfer eröffnen einen Raum, in dem Gott als heilig und zugleich als Naherfahrener begegnet wird; in diesem Raum werden unsere Worte, Haltungen und Beziehungen aufgedeckt. So heißt es: “Wenn wir aber im Licht wandeln, wie Er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu, Seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde.” Dieses Licht ist kein kaltes Verurteilen, sondern ein klärendes Gegenüber, das den Weg zur Reinigung zeigt.

Das Brandopfer, das Speisopfer und das Friedensopfer führen uns in Gemeinschaft mit Gott. Wenn wir Christus vor Gott als unser Brandopfer annehmen und Ihn als unsere tägliche Lebensversorgung aufnehmen, gelangen wir in den göttlichen Frieden; in diesem Frieden genießen wir Gemeinschaft mit dem Dreieinen Gott. Daher ist die Folge unserer Erfahrung mit den ersten drei Opfern die Gemeinschaft mit Gott, der Licht ist. Im Licht erkennen wir unser Versagen, unsere Fehler und unsere falsche Haltung gegenüber anderen. (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft achtzehn, S. 162)

Aus der Erkenntnis des Versagens erwächst die Bewegung zur Reinigung. Die alttestamentliche Opferfolge zeigt, dass die Begegnung mit Gott im Licht sowohl die Offenbarung des Fehlens als auch die Möglichkeit der Versöhnung bereithält; der Priester handelt in namenvertretender Funktion, um Sühnung zu bewirken. In 3. Mose heißt es deutlich: “Und so erwirke der Priester Sühnung für sie, und es wird ihnen vergeben werden.” Das bedeutet: Gemeinschaft mit Gott bleibt nicht ein ideales Konzept, sondern wird im Prozess des Erkennens, Bekennens und Gereinigtwerdens praktisch erfahrbar.

Im Nachklang dieses Weges bleibt eine ermutigende Gewissheit: Die Erfahrung der Opferfolge führt nicht ins Entmutigen, sondern ins Licht einer Gemeinschaft, die reinigt. Wer im Licht steht, erlebt zugleich die zärtliche Korrektur und die befreiende Vergebung, die aus dem Blut Jesu fließt; so wird die Gemeinde ein Ort, an dem Offenheit über Fehler und die Gnade zur Wiederherstellung zusammenfinden.

Wenn wir aber im Licht wandeln, wie Er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu, Seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde. (1. Johannes 1:7)

Und so erwirke der Priester Sühnung für sie, und es wird ihnen vergeben werden. (3. Mose 4:20)

Die Abfolge von Begegnung, Offenbarung und Sühnung lädt dazu ein, Gemeinschaft nicht als unantastbaren Zustand, sondern als dynamischen Ort göttlicher Läuterung zu verstehen. Im Licht Gottes wird alles sichtbar, doch gerade diese Sichtbarkeit macht Versöhnung möglich; sie weist uns auf das befreiende Wirken des Sündopfers hin, das Gemeinschaft wiederherstellt.

Sünde und Sünden: Zwei Wirklichkeiten, ein Erlöser

Das Neue Testament unterscheidet behutsam zwischen der allgemeinen Wirklichkeit der Sünde und den einzelnen sündigen Taten. Unter ‘Sünde’ im Singular versteht es jene innewohnende Gesetzlosigkeit, die dem Menschen von Adam vererbt wurde; sie ist die eigentliche Verfassung, aus der die vielfältigen ‘Sünden’ entspringen. Dazu heißt es in Römer: “DARUM, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod…” Die biblische Diagnose macht klar: Das Problem reicht tiefer als einzelne Fehltritte; es betrifft eine innere Neigung, die Erlösung und Heilung braucht.

Sünde und Sünden Das Neue Testament behandelt das Problem der Sünde, indem es sowohl den Begriff „Sünde“ im Singular als auch das Wort „Sünden“ im Plural verwendet. „Sünde“ bezeichnet hier die innewohnende Sünde, die durch Adam von Satan in das Menschengeschlecht gelangt ist (Röm. 5:12). (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft achtzehn, S. 162)

Gottes Antwort erreichte uns in dem gekreuzigten Christus, der als unser Sündopfer die Macht der innewohnenden Sünde in Frage stellt und zugleich die Stellvertretung für die begangenen Übertretungen anbietet. Das Evangelium fordert darum zwei wechselseitige Erfahrungen: das Genießen Christi als tägliche Lebensversorgung, die das innere Leben erneuert, und das demütige Erkennen und Bekenntnis konkreter Verfehlungen, damit Gemeinschaft nicht unterbrochen bleibt. Es heißt: “Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist Er treu und gerecht, dass Er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.”

Die tröstliche Folge dieses Unterschieds ist nicht eine zweifache Rechtfertigung, sondern eine ganzheitliche Erneuerung: Christus begegnet unserer inneren Verderbnis mit seiner lebensspendenden Gegenwart und unseren sichtbaren Fehltritten mit vergebender Reinheit. Daraus erwächst Hoffnung für das Leben der Gemeinde und für den persönlichen Weg, weil Heilung sowohl die Tiefe als auch die Oberfläche des Herzens umfasst.

Darum, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod und so der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben (Römer 5:12)

Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist Er treu und gerecht, dass Er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. (1. Johannes 1:9)

Die Unterscheidung zwischen Sünde als innerer Macht und den Sünden als Handlungen führt zu einem christlichen Leben, das sowohl auf fortwährende Lebensversorgung in Christus angewiesen ist als auch die Praxis des Eingeständnisses pflegt. So wird die Gemeinschaft nicht durch Beschönigung bewahrt, sondern durch ehrliche Reinigung und durch das lebendige Zutagebringen der Gnade Gottes.

Das gekreuzigte Fleisch: Kreuz, Salz und die Befreiung der Gemeinde

Die Kreuzestat Christi hat eine entschiedene Wirkung auf das Fleischliche und auf die Herrschaft des Bösen: Gott hat die Sünde im Fleisch verurteilt. Die Schrift spricht davon, dass das, was dem Gesetz unmöglich war, Gott durch den Sohn vollbracht hat; so heißt es in Römer: “Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch schwach war, das tat Gott: Er verdammte die Sünde im Fleisch…” Das Kreuz richtet damit eine Grenze gegen die Macht Satans, gegen die triebhaften Regungen des alten Menschen und gegen die Bindungen der Welt.

Der einzige Weg, mit dem Fleisch fertigzuwerden, ist das Kreuz als Salz. Im täglichen Leben, im Familienleben und im Gemeindeleben brauchen wir viel Salz. Nur wenn Salz vorhanden ist, werden die „Keime“ wirkungslos. Das Gemeindeleben heute braucht eine „Seuchenbekämpfung“: das Abtöten der Keime durch die Erfahrung des Kreuzes. Dieses Abtöten ist die Barmherzigkeit des Herrn; es ist Seine barmherzige Errettung für uns. (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft achtzehn, S. 165)

Das Bild vom Kreuz verbunden mit dem Bild des Salzes veranschaulicht, wie diese gerichtete Gnade im Gemeindeleben wirkt. Salz hemmt Zersetzung, macht haltbar und setzt dem Keimlichen Schranken; so wirkt das Kreuz, wenn es in der Gemeinschaft praktiziert wird, gegen Eifersucht, Parteilichkeit und Streit. Zugleich bleibt die Gnade persönlich: weil der alte Mensch mit Christus mitgekreuzigt ist, darf die Gemeinde ein erneuertes Leben erwarten. Die Schrift bestätigt die Kraft dieser Wahrheit: “da wir dies wissen, dass unser alter Mensch mit Ihm zusammen gekreuzigt worden ist…” und “Da … Er durch den Tod den vernichte, der die Macht des Todes hat, das heißt den Teufel.”

Die ermutigende Perspektive dieses Abschnitts ist schlicht und tief: Das Kreuz hat gewirkt und wirkt fort — nicht als abstrakte Lehre, sondern als lebendige Macht, die das Gemeindeleben reinigt und bewahrt. Die Vorstellung von Kreuz und Salz ist die Einladung, in dieser Gnade zu verbleiben und so das Leben untereinander frisch, ehrlich und von der Herrschaft des Bösen befreit zu erleben.

Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch schwach war, das tat Gott: Er verdammte die Sünde im Fleisch, indem Er Seinen eigenen Sohn in der Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und der Sünde wegen sandte, (Römer 8:3)

da wir dies wissen, dass unser alter Mensch mit Ihm zusammen gekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde außer Kraft gesetzt werde, damit wir nicht mehr der Sünde als Sklaven dienen; (Römer 6:6)

Die Wahrheit vom gekreuzigten Fleisch verbindet Gericht und Barmherzigkeit: Gericht über die Herrschaft der Sünde, Barmherzigkeit in der Wiederherstellung des Lebens. In der Praxis des Gemeindelebens bedeutet dies, dass das Kreuz und das Salz nicht nur theologische Begriffe sind, sondern konkrete Gnadengaben, die Keime töten und zugleich Heilung möglich machen.


Herr Jesus, danke, dass Du als unser Sündopfer in Fleischlichkeit die Macht der Sünde, des alten Menschen, Satans und der Welt gebrochen hast. Schenke uns die Gnade, in Deiner Gegenwart im Licht zu bleiben, ehrliche Erkenntnis unserer Lage zu empfangen und durch Dein vergossenes Blut gereinigt zu werden; lass Dein Kreuz und Dein Salz unsere Herzen und unser Miteinander heilen, damit Deine Gemeinde in Wahrheit und Liebe leuchtet. In Deiner Treue ruhe Frieden und Wiederherstellung über uns, und möge Deine Herrlichkeit in unseren schwachen Tagen offenbar werden. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Leviticus, Chapter 18