Das Wort des Lebens
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Der Brandopfer-Christus zur Zufriedenheit Gottes (8) — Das Erleben des Christus in Seinen Erfahrungen und das Darbringen des von uns erlebten Christus und IHN Gott als unser Brandopfer gemäß unserer Erfahrungen mit Ihm darbringen (4)

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Viele Christen kennen die Empfehlung, Christus nachzueifern: Vorbilder, Regeln und moralische Hinweise prägen dann das Christsein. Doch die Schrift zeichnet ein anderes, tieferes Bild: nicht primär ein äußerliches Imitieren, sondern das Geheimnis, dass Christus in unserem Inneren wohnt und uns als Person ersetzt. Diese Einsicht erklärt, warum das kirchliche Nachahmen oft an seine Grenzen stößt und wie das Leben Christi in uns eine ganz andere Grundlage für Heiligung, Dienst und Opfer bildet.

Nachahmung versus Leben Christi

Der erste Blick fällt auf das weite Feld äußerlicher Nachfolge: viele Worte über Nachahmung, zahlreiche Beispiele und ein stetes Bemühen, Jesu Verhalten zu kopieren. Doch Paulus lenkt die Aufmerksamkeit von diesem Tun hin zu einer inneren Wirklichkeit. Es heißt: „Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir…“ (Galater 2:20). Diese Aussage verändert das Verhältnis von Tun und Sein; sie verlagert das Zentrum von äußerlicher Anstrengung zu einer existentielle Identität, in der das eigene Ich von der Person Christi durchdrungen ist.

Paulus sagt nicht: „Ich nehme Christus als mein Vorbild und folge Ihm“; er sagt: „Ich bin mit Christus gekreuzigt worden“ und „Christus lebt in mir.“ In Philipper 1:21 fährt Paulus fort: „Für mich ist das Leben Christus.“ Paulus nahm Christus nicht bloß als Vorbild, das er nur äußerlich nachahmte; er lebte Christus. (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft zehn, S. 92)

Wenn Christus in mir lebt, wird Nachahmung nicht aufgehoben, aber sie findet ihren rechten Ort: nicht als Ersatz für inneres Sein, sondern als fruchtbare Folge davon. „Denn zu leben ist für mich Christus und zu sterben ist Gewinn,“ heißt es weiter in den Schriften der Kirche (Philipper 1:21). Das deutet an, dass christliches Verhalten aus einer anderen Quelle gespeist werden muss – nicht aus dem fortwährenden Streben des Selbst, sondern aus dem Leben, das in uns wohnt und das unser Äußeres formt, ohne dass wir es mechanisch erzwingen.

Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; und das Leben, das ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben, in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt und Sich Selbst für mich hingegeben hat. (Gal. 2:20)

Denn zu leben ist für mich Christus und zu sterben ist Gewinn. (Phil. 1:21)

Im Licht dieser Unterscheidung entsteht eine leise Einladung, die eigene Praxis zu betrachten: nicht um neue Techniken anzuleiten, sondern um die Bereitschaft zu pflegen, der inwendigen Person Christi Raum zu geben, damit das gelebte Christentum aus Sein statt aus bloßem Tun hervorgeht. Es bleibt tröstlich und ermutigend zu sehen, dass die Veränderung nicht auf einer zusätzlichen Leistung des Ichs beruht, sondern auf der Realität eines eingehegten Lebens, das in uns arbeitet.

Der eingewohnte Christus als unsere innere Wirklichkeit

Genauer betrachtet heißt ‚Christus in uns‘, dass in unserem innersten Ort eine Person wohnt, die sowohl Quelle als auch Wirkung unseres geistlichen Lebens ist. Es ist nicht bloß eine moralische Kraft oder ein vorbildliches Ideal; die Schrift spricht davon, dass in uns eine lebendige Gegenwart ist, die alle Dimensionen unseres Denkens und Handelns durchdringen kann. So wird das geistliche Leben mehr und mehr zu einer Praxis der Gemeinschaft und des Genusses mit diesem Einer, der in uns ist.

Wir sollten das Nachahmen Christi hinter uns lassen und erkennen, dass in uns Einer ist, der unser Leben ist. Dieser Eine ist unser Retter, der Dreieiner Gott selbst, der in uns wohnt. Er ist nicht nur unser Leben — Er ist sogar die Person in uns. (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft zehn, S. 94)

Diese innere Wirklichkeit befreit von dem permanenten Zwang, Verhalten aus eigener Willenskraft herzustellen; stattdessen wächst eine Praxis, die aus Empfang und Durchströmung besteht. Es heißt: „und in Ihm angetroffen werde, wobei ich nicht meine eigene Gerechtigkeit habe…“ (Philipper 3:9). Das betont: wahre christliche Existenz gründet nicht in eigener Vollendung, sondern in dem, der in uns wohnt und als unsere Gerechtigkeit wirkt.

und in Ihm angetroffen werde, wobei ich nicht meine eigene Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die, die durch den Glauben an Christus ist, die Gerechtigkeit, die aus Gott und aufgrund des Glaubens ist, (Phil. 3:9)

Eine solche Betrachtung lädt dazu ein, das geistliche Leben als eine tägliche Erfahrung der Gemeinschaft mit dem lebendigen Christus zu sehen — eine Erfahrung, die nicht Leistungsdruck erzeugt, sondern stille Zuverlässigkeit und tiefes Vertrauen fördert. Daraus entsteht eine ruhige Zuversicht, dass das, was innerlich geschenkt wird, nach außen hin fruchtbar werden darf.

Das Erlebte Christus als Brandopfer darbringen

Das Bild des Brandopfers trägt die Sprache der totalen Hingabe: ein Opfer, das ganz verzehrt wird und nichts zurückbehält. Wenn der Christus, den wir erleben, nun in uns wohnt, fordert dieses Erleben eine entsprechende Darbringung vor Gott — nicht als äußerliche Leistung, sondern als fortwährende innere Hingabe. Die priesterliche Sprache des Alten Testaments wird so zur Metapher für das Leben des Dienenden, dessen Sein zum Brandopfer wird, weil er das Erlebte dem Einen, dem Dreieinen Gott, überantwortet.

Schließlich lernte ich einige Lehren des inneren Lebens und wurde erleuchtet, als mir bewusst wurde, dass ich mit Christus gekreuzigt und begraben bin. Ich erkannte: Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Statt Christus nur nachzuahmen, sollten wir Ihn leben. (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft zehn, S. 95)

Die Schrift ruft uns zurück zu der schlichten Tatsache: Es ist nicht länger das Ich, das lebt, sondern Christus in mir (Galater 2:20). In dieser Perspektive erscheint der fortwährende Brandopferdienst als eine tägliche Praxis des Hinlegens und Darbringens des inwendigen Lebens vor Gott — eine andauernde Bereitschaft, dass das, was in uns ist, vor Seinem Angesicht verzehrt und damit geheiligt werde. Diese Vorstellung verändert Dienst und Priesterschaft; sie macht sie zu einem Fluss, der von innen her gespeist wird.

Zum Abschluss klingt darin eine ermutigende Gewissheit mit: Die Darbringung des erlebten Christus ist kein kraftstrotzendes Programm, sondern ein fortdauernder, innerer Vorgang. Indem das Leben, das in uns wohnt, Gott dargebracht wird, wächst die Zuverlässigkeit unseres Dienstes und die Stille, die aus einem Herzen kommt, das seinem Herrn überantwortet ist.

Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; und das Leben, das ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben, in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt und Sich Selbst für mich hingegeben hat. (Gal. 2:20)

So verstanden, wird die Gabe, die wir vor Gott bringen, zur Quelle beständigen Trostes: nicht weil unsere Anstrengung groß wäre, sondern weil das, was dargebracht wird, Christus selbst ist. Das schenkt Mut und ein friedliches Vertrauen, dass Gottes Maß an Zufriedenheit nicht von unserer Leistung, sondern von der Aufrichtigkeit und Tiefe der inneren Hingabe abhängt.


Herr Jesus, lehre uns das Geheimnis, dass Du nicht nur ein Vorbild bist, sondern die lebendige Person in unserem Geist; Möge das Erlebte von Dir zu einem wahren Brandopfer werden, das unseren Dienst vor Gott reinigt und gestaltet, und schenke uns die Freude, in Deiner Gegenwart zu bleiben. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Leviticus, Chapter 10