Der Brandopfer-Christus zur Zufriedenheit Gottes (5) — Das Erleben des Christus in Seinen Erfahrungen und das Darbringen des von uns erlebten Christus und IHN Gott als unser Brandopfer gemäß unserer Erfahrungen mit Ihm darbringen (1)
Die Bildsprache des Brandopfers in 3. Mose führt uns tief in die Art und Weise, wie Gott Christus annimmt: nicht als bloße Idee, sondern als ein in Erfahrungen bewährtes Opfer. Die Schrift zeichnet Christus nicht nur als leidenden Retter, sondern als den, der in seinen äußerlichen Erniedrigungen und inneren Erfahrungen ganz zur Zufriedenheit des Vaters wurde. Vor dieser Spannung steht die Gemeinde: Kann ich den Christus, den ich erlebt habe, wirklich so darbringen, dass er Gott gefällt? Die folgenden Punkte entfalten die biblische Linie von den konkreten Leiden bis zur inneren Vollkommenheit Christi und zeigen, was das für unser Leben und unsere Weihe bedeutet.
Christus als gezeichnetes Brandopfer: äußerliche Erniedrigung und Leiden
Die Evangelien führen uns mitten hinein in die Szenerie der öffentlichen Demütigung: Jesus wird geführt, entblößt, verspottet und zur Schlachtbank gebracht. Diese Bilder sind nicht nur historische Kulisse, sondern zeigen, wie der Sohn Gottes die Schande des Menschenlebens annimmt, um vor Gott als Opfer zu stehen. Indem er sich dem menschlichen Gericht und der Menschenhand ausliefert, erfüllt er die Rolle des Brandopfers, das ganz und ohne Anteil für Gott dargebracht wird; sein Weg durch Spott und Kreuz ist die sichtbare Erfüllung dessen, was die Schrift vom geschlachteten Lamm zeichnet.
Jesaja 53:7 sagte voraus, dass Christus zur Schlachtung geführt werden würde: „Er wird wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt.“ Die Erfüllung dieser Prophezeiung zeigt sich in Matthäus 27:31, wo berichtet wird, dass die Soldaten „Ihn wegführten, um Ihn zu kreuzigen.“ (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft sieben, S. 62)
Es heißt: „diesen Mann, der durch den festgesetzten Ratschluss und die Vorkenntnis Gottes ausgeliefert wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und getötet;“ Apostelgeschichte 2:23. Diese Worte legen frei, dass die äußere Erniedrigung Christi nicht bloß ein Menschenwerk, sondern zugleich Teil des göttlichen Heilsrats ist. In der äußeren Schwachheit — im Weggeführtwerden wie ein Opfer — offenbart sich Gottes Annahme: Das Brandopfer ist äußerlich vollständig entäußert, damit Gott in und durch diese Hingabe den Zweck der Rettung vollenden kann.
diesen Mann, der durch den festgesetzten Ratschluss und die Vorkenntnis Gottes ausgeliefert wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und getötet; (Apostelgeschichte 2:23)
Wenn wir das öffentliche Leiden Christi betrachten, stehen wir vor der Größe seines Einsatzes: Er wurde nicht nur stellvertretend verletzt, sondern nahm bewusst die Schande und die Vollstreckung unserer Schuld auf sich, damit vor Gott das Opfer vollkommen dargebracht sei. Diese Betrachtung ruft zu stiller Dankbarkeit und zu einem inneren Staunen über die Tiefe seiner Hingabe. Möge das Bild des gekreuzigten, demütigen Christus das Herz erweichen und uns neu vor Augen stellen, wie teuer die Annahme des Brandopfers durch Gott ist.
Die innere Vollkommenheit Christi: Weisheit, Freude des Vaters und innere Treue
Neben der sichtbaren Erniedrigung offenbart die Schrift einen inneren Christus, dessen Leben in Weisheit, Gehorsam und ganzer Hingabe wurzelt. Sein inneres Sein trägt die Qualitäten, die ein Brandopfer vor Gott auszeichnen: vollkommene Treue des Willens, die Freude des Vaters über Sein Tun und ein Leben, das in Geist und Gefühl mit dem Vater übereinstimmt. So wird deutlich, dass das Opfer nicht nur äußerlich dargebracht, sondern von einem Menschen getragen wurde, dessen Inneres ganz auf Gott ausgerichtet war.
Jesus antwortete: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Verstand lieben. Dies ist das größte und erste Gebot. Und das zweite ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ (Vv. 37–40) (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft sieben, S. 66)
Es heißt: „Und siehe, eine Stimme aus den Himmeln sagte: Dieser ist Mein Sohn, der Geliebte, an dem Ich Wohlgefallen gefunden habe.“ Matthäus 3:17. In dieser Bestätigung liegt die Gewissheit, dass Christi innere Vollkommenheit nicht bloß moralisches Verhalten, sondern lebendige Übereinstimmung mit dem Willen des Vaters ist. Seine Weisheit und seine innere Reinheit machen das Brandopfer ganz; so dient sein inneres Erleben als die qualitätgebende Substanz dessen, was äußerlich dargebracht wurde.
Und siehe, eine Stimme aus den Himmeln sagte: Dieser ist Mein Sohn, der Geliebte, an dem Ich Wohlgefallen gefunden habe. (Matthäus 3:17)
Die Betrachtung des inneren Christus lädt dazu ein, die Tiefe seiner Person nicht an bloßen Taten zu messen, sondern an der Übereinstimmung seines Herzens mit dem Vater. Dass Gott an ihm Wohlgefallen fand, zeigt, wie ein Opfer vor Gott nicht nur äußerlich rein, sondern innerlich geglättet und erfüllt sein muss. Diese Erkenntnis weckt Vertrauen: Christus ist das vollkommene Brandopfer nicht nur in seiner Passion, sondern in seinem ganzen inneren Sein — ein Trost und Ziel, dem die eigene Nachfolge still entgegenstrebt.
Christus entsprechend unserer Erfahrung darbringen: Weihe und priesterliches Darbringen
Die Schrift fordert, dass wir Christus vor Gott darbringen — aber sie weist zugleich darauf hin, dass dieses Darbringen nach dem Maß unserer Erfahrung mit Ihm geschehen muss. Es geht nicht darum, Christus zu reduzieren, sondern darum, Ihn in der konkreten Weise vor Gott zu setzen, in der er uns geworden ist: als genossener, erfüllter Christus, der unsere Hände füllt. Die Bildsprache der Weihung — die Hände füllen — erinnert daran, dass priesterliches Darbringen Verwurzelung im Erlebten voraussetzt; nur so ist unsere Weihe echt und nicht bloß symbolisch.
Wenn wir den Christus nur als zwei Tauben erfahren haben, können wir ihn nicht als Stier darbringen, weil wir ihn nicht als Stier erfahren haben. Wir können Gott keinen Christus als Brandopfer darbringen, der größer wäre als der Christus, den wir erfahren haben. Wir müssen Gott den Christus darbringen, aber wir müssen ihn gemäß unserer Erfahrung mit ihm darbringen. (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft sieben, S. 62)
Es heißt: „Denn Ich bin nicht vom Himmel herabgekommen, um Meinen eigenen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der Mich gesandt hat.“ Johannes 6:38. Darin liegt ein innerer Maßstab: wie Christus in treuem Gehorchen dem Vater dargebracht wurde, so bringen auch wir Ihn in der Weise, wie wir Ihn kennen — nicht größer, nicht kleiner, sondern wahrhaftig entsprechend unserer Erfahrung. Dieses priesterliche Darbringen verwandelt persönliche Begegnung mit Christus in eine Gabe vor dem Thron und verbindet individuelles Erleben mit dem universalen Opfer, das Gott gefällt.
Die Weihe zur Priesterschaft ruft uns daher nicht zu technischer Vollkommenheit, sondern zu einer treuen, erlebten Weihe, in der unser tägliches Leben Christus als Brandopfer aufnimmt. So wird persönliche Erfahrung nicht privat gehalten, sondern als priesterliches Darbringen vor Gottes Angesicht verwandelt und in die größere Bewegung des Heils eingespannt.
Denn Ich bin nicht vom Himmel herabgekommen, um Meinen eigenen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der Mich gesandt hat. (Johannes 6:38)
Die Einsicht, Christus gemäß unserer Erfahrung darzubringen, ermutigt dazu, das echte Erleben mit ihm nicht kleinzureden, sondern es vor Gott als Opfer anzubieten. Wo unsere Hände gefüllt sind, wird unsere Weihe lebendig und wahrhaft priesterlich. Diese Perspektive befreit von falscher Scham und lädt zu einer demütigen, aber freudigen Hingabe ein: unser Erleben des Christus möge vor Gott getragen werden, bis der Morgen kommt und alle Dinge erfüllt sind.
Herr Jesus, danke dass Du in allen äußeren Erniedrigungen und inneren Erfahrungen das vollkommene Brandopfer geworden bist, das den Vater erfreut. Lass uns in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes den Christus erkennen, den wir erlebt haben, und gib uns Gnade, diesen lebendigen Christus in wahrer Weihe vor dem Vater darzubringen, damit Dein Opfer sich in unserer Hingabe und unserem priesterlichen Leben verwirklicht; möge diese Erfahrung uns Hoffnung und neue Kraft schenken bis zu Deinem Kommen. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Leviticus, Chapter 7