Das Wort des Lebens
lebensstudium

Der goldene Räucheraltar (2)

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Schon die Beschreibung der Stiftshütte legt nahe, dass es einen Mittelpunkt der göttlichen Wirksamkeit gibt. Unter den Möbeln im Zelt nimmt das Räucheraltarbild eine Schlüsselrolle ein: nicht als bloßer Punkt auf dem Weg, sondern als der Ort, von dem die Bewegung zu allem anderem ausgeht. Die Spannung liegt darin, dass wir zwar Wissen über Altar, Tisch und Lade haben können, ohne jedoch ihre Wirksamkeit im Alltag zu erleben – was fehlt, wenn das Leben stillsteht?

Christus als unser beständiger Fürsprecher

Das Bild des Räucheraltars führt uns unmittelbar in die Wirklichkeit dessen, was nach Kreuz und Auferstehung weiterhin für die Gemeinde gilt: Es gibt einen, der beständig vor dem Vater eintritt. Wie es in Römer 8:34 heißt: „Wer ist er, der verdammt? Christus Jesus ist es, der gestorben und vielmehr der auferweckt worden ist, der auch zur Rechten Gottes ist, der auch fürbittend für uns eintritt.“ Diese knappe Feststellung verbindet Tod, Auferstehung, Himmelfahrt und gegenwärtige Fürbitte zu einer einzigen kontinuierlichen Bewegung Gottes zugunsten Seines Volkes.

Vers 34 lautet: „Wer will verdammen? Christus Jesus ist es, der gestorben ist, ja vielmehr, der auferweckt ist, der auch zur Rechten Gottes ist und der für uns eintritt.“ Nach diesem Vers ist derselbe, der für unsere Sünden gestorben ist, zugleich von den Toten auferweckt und in den Himmeln zur Rechten Gottes aufgefahren; er ist es, der für uns eintritt. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertachtundvierzig, S. 1601)

Aus der Erkenntnis seiner fortwährenden Fürsprache erwächst eine schlichte, tiefgreifende Konsequenz: Die Gemeinschaft mit Gott ruht nicht allein auf einem einmaligen historischen Akt, sondern auf dem lebendigen Dienst dessen, der jetzt vor dem Vater steht. Wie es in Hebräer 7:25 heißt: „Darum vermag Er auch diejenigen bis zum Äußersten zu erretten, die durch Ihn zu Gott hinzutreten, da Er allezeit lebt, um fürbittend für sie einzutreten.“ Das Gebet Christi ist kein theoretisches Fürwahrhalten, sondern die Kraft, die die empfangende Beziehung mit dem Heiligen wachhält. Angesichts dieser Wahrheit darf das Herz in stiller Gewissheit ruhen und zugleich neu ermutigt werden, in der Gemeinschaft mit dem Fürsprecher Bestand zu haben.

Wer ist er, der verdammt? Christus Jesus ist es, der gestorben und vielmehr der auferweckt worden ist, der auch zur Rechten Gottes ist, der auch fürbittend für uns eintritt. (Römer 8:34)

Darum vermag Er auch diejenigen bis zum Äußersten zu erretten, die durch Ihn zu Gott hinzutreten, da Er allezeit lebt, um fürbittend für sie einzutreten. (Hebräer 7:25)

Die Erkenntnis von Christi beständiger Fürbitte wirkt tröstlich und befähigend: Sie nimmt die Schwere des Alleingelassenwerdens und legt die Verantwortung für unser Vorankommen nicht zuletzt auf unsere eigenen Schultern. Zugleich öffnet sie den Blick für das stille, fortdauernde Wirken Christi in uns und für uns; in diesem Bewusstsein können Zweifel gemildert und Vertrauen gepflegt werden, so dass das geistliche Leben mehr und mehr in eine ruhige Gewissheit hineinwächst.

Das Räucheraltarbild als motorische Mitte des geistlichen Lebens

Die praktische Bildhaftigkeit des Räucheraltars lässt sich nicht rein symbolisch abtun: Als Mittelpunkt im Heiligen fungiert er wie ein Motor, der die anderen Geräte des Heiligtums in Bewegung setzt. In der Einfachheit seiner Maße heißt es in 2. Mose 30:2: „eine Elle seine Länge und eine Elle seine Breite.“ Diese sachliche Angabe wirkt unscheinbar, doch gerade die Proportion und die Platzierung sprechen von einer Stabilität und Ausrichtung, die das Innere des Gottesdienstes formt und durchdringt.

Weißt du, was der „Motor“ in unserem Sein ist — der Motor in Leib, Seele und Geist? Das Gebetsleben ist dieser Motor. Christus ist nicht nur das Brot, das Licht und die Bundeslade; Er ist auch der Räucheraltar. Das heißt, Er ist derjenige, der antreibt, ja sogar der Motor selbst. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertachtundvierzig, S. 1603)

Wenn das Gebets- und Fürbittleben als Motor verstanden wird, dann bedeutet das, dass Erkenntnis, Anbetung und Dienst ohne jene treibende Wärme leicht zur Form ohne Kraft verfallen. Dort, wo Fürbitte lebt, werden Tisch, Leuchter und Lade nicht nur gesehen, sondern erfahrbar; die ganze Heiligtsordnung setzt sich in eine lebendige Bewegung und führt zur inneren Reife. Diese Vorstellung lädt dazu ein, die Gebetswirklichkeit nicht als isolierten Akt, sondern als zentrales, belebendes Prinzip des geistlichen Lebens zu betrachten und in dieser Sehweise Trost und Ansporn zu finden.

eine Elle seine Länge und eine Elle seine Breite (2. Mose 30:2)

Das Bild von Altar und Motor öffnet den Blick dafür, wie innere Bewegungen zu äußerer Wirkung führen: authentisches Fürbittentum verwandelt Formen in Erfahrungen und Gewohnheiten in lebendige Gemeinschaft. In dieser Einsicht liegt Ermutigung—nicht als Programm, sondern als Einladung, die Qualität des inneren Lebens wertzuschätzen und sich daran zu freuen, wie Gottes Wirken von innen her nach außen hin Frucht bringt.

Menschliche und göttliche Seiten der Fürbitte

Die Materialien des Räucheraltars sind kein schmückendes Beiwerk, sondern sprechen theologische Sprache: „FERNER sollst du einen Altar anfertigen zum Räuchern des Räucherwerks, aus Akazienholz sollst du ihn machen“, heißt es in 2. Mose 30:1. Akazienholz und die Überziehung mit Gold verbinden Menschlichkeit und Herrlichkeit, Bodenständigkeit und himmlische Kostbarkeit. So weist das Kultbild auf den Einen hin, der zugleich wahrer Mensch und wahrer Gott ist, und dessen Fürbitte beide Seiten in sich vereinigt.

Nach 2. Mose 30:1 und 3 wurde der Räucheraltar aus Akazienholz gefertigt und mit Gold überzogen. Das Akazienholz steht für die Menschheit Christi, das Gold für seine Gottheit. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertachtundvierzig, S. 1604)

Die symbolischen Details erweitern das Verständnis: Hörner, Ringe und Stangen deuten auf Reichweite, Kraft und Bewegung hin — nicht als mechanische Eigenschaften, sondern als Ausdruck dafür, dass Fürbitte sowohl in der menschlichen Natur Christi verwurzelt ist als auch durch göttliche Macht bewegt wird. In Johannes 7:39 heißt es über das Kommen des Geistes: „Dies aber sagte Er über den Geist, den jene empfangen sollten, die in Ihn hineinglauben; denn der Geist war noch nicht, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war.“ Die Verherrlichung Christi öffnet die Tür zur Gabe des Geistes; in dieser Verbindung von Menschheit, Gottheit und Geistverständnis erkennen wir die Reichweite und die Wirksamkeit seiner Fürsprache bis an die Enden der Gemeinschaft und darüber hinaus.

Die Betrachtung dieser Einheit von Menschlichem und Göttlichem in Christi Fürbitte erfüllt nicht mit Stolz, sondern mit Staunen und Demut: Staunen über die Tiefe des göttlichen Mitgefühls, Demut angesichts der Heiligkeit Gottes, die dennoch durch das Menschsein Jesu zugänglich wird. Dieses Staunen kann tröstlich wirken und gleichzeitig anspornen, das Geheimnis der Gemeinschaft mit Christus in seinem ganzen Umfang zu schätzen.

FERNER sollst du einen Altar anfertigen zum Räuchern des Räucherwerks, aus Akazienholz sollst du ihn machen: (2. Mose 30:1)

Dies aber sagte Er über den Geist, den jene empfangen sollten, die in Ihn hineinglauben; denn der Geist war noch nicht, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war. (Johannes 7:39)

Die Verbindung von Holz und Gold macht bewusst, dass Fürbitte nicht bloß eine menschliche Regung ist, sondern im Zusammenspiel von göttlicher Macht und menschlicher Hingabe wirksam wird. Das gibt Halt: Gottes Reichweite greift bis in das Menschliche hinein, und darum kann unser Vertrauen in die Wirksamkeit der Fürsprache Christi wachsen. Diese Einsicht weckt Dankbarkeit und eine ruhige Zuversicht, die das Herz festigt und die Gemeinschaft aufrichtet.


Herr Jesus, Du, der als Hoherpriester in die himmlischen Heiligtümer eingegangen bist, mögest Deine beständige Fürbitte als lebendige Kraft über Deine Gemeinde ausgießen. Lass Dein Gebet in uns gegenwärtig werden, damit die Liebe, die Treue und die göttliche Wirksamkeit, die Du birgst, unseren Weg erleuchten und tragen. Möge der Geist Deine Fürsprache überallhin tragen und in uns eine tiefere Gemeinschaft mit Dir hervorrufen. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 148