Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Heiligung Aarons und Seiner Söhne zum Priestertum (8)

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Die Anweisungen zur Einsetzung der priesterlichen Kleider in 2. Mose zeichnen ein klares theologisches Bild: Gottes Wirken setzt eine angemessene Offenbarung und Bekleidung mit Christus voraus. Die Spannung liegt darin, dass Dienst und Salbung auf der einen Seite als Geschenk Gottes erscheinen, auf der anderen Seite aber an eine konkrete Bedingung gebunden sind – das Bekleidetsein mit dem Herrn. Diese Gedanken führen uns von den historischen Riten zu praktischen Fragen des Gemeindelebens heute: Wie wird die priesterliche Salbung erfahrbar, und wo ist der angemessene Ort des Genusses Christi?

Bekleidetsein mit Christus als Vorbedingung der Salbung

Die Heiligung Aarons beginnt an einem sichtbaren Punkt: die Bekleidung vor der Salbung. Im Bericht heißt es ausdrücklich: „Die heiligen Kleider Aarons sollen nach ihm seinen Söhnen zuteil werden, damit man sie darin salbe und darin weihe.“ (2. Mose 29:29). Diese Reihenfolge ist nicht bloß rituelle Genauigkeit; sie spricht von einer inneren Ordnung: Ein Geistlicher kann vor Gott nicht in Scham stehen und zugleich die Fülle seiner sakralen Sendung empfangen. Nacktheit ist hier das Bild für Unbedecktheit gegenüber Gott, für das Nicht-Umhülltsein durch Christus, und so bleibt die wirkliche Salbung aus.

Gott kann niemanden salben, der nackt ist; einem solchen kann er auch nicht die Hände füllen. An dieser Stelle sollten wir uns vergegenwärtigen, dass diese Gewänder jeweils verschiedene Aspekte Christi darstellen. Mit den priesterlichen Gewändern bekleidet zu sein heißt demnach, vollständig von Christus bedeckt und mit Christus umhüllt zu sein. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertvierzig, S. 1530)

Wenn die Gewänder nun Aspekte Christi darstellen, wie es die Überlieferung nahelegt, dann ist das Anziehen mehr als äußere Form — es bedeutet, in Christus hineingehüllt und von ihm zugedeckt zu werden. Erst das von Christus zugedeckte Leben macht die Hände empfangsfähig; nur wer unter dem Mantel Christi steht, kann die Gaben und das Amt Gottes in dauerhafter Weise tragen. Dieser Zusammenhang macht deutlich, dass Salbung nicht isoliert als einmaliges Erlebnis zu denken ist, sondern das Ergebnis eines bereits gelebten, mit Christus bedeckten Zustandes ist.

In der Stille dieses Gedankens klingt zugleich Trost mit: Die Bekleidung ist nicht eine Leistung des Menschen, sondern das Geschenk des Herrn, der sein Leben darreicht, damit wir nicht entblößt dienen. So wird die Perspektive aufeinander bezogen — Bedeckung als Vorbedingung, Salbung als Folge — und lädt dazu ein, Gottes Zuwendung als das Grundlegende zu sehen, aus dem wirklicher Dienst hervorgeht.

Die heiligen Kleider Aarons sollen nach ihm seinen Söhnen zuteil werden, damit man sie darin salbe und darin weihe. (2. Mose 29:29)

Die Szene macht deutlich: Gottes Wirken setzt voraus, dass Christus uns vor Gott bedeckt. Es bleibt eine Ermutigung, das eigene Leben nicht als Ausgangspunkt, sondern als empfange Gabe zu betrachten, durch die Dienst und Salbung im Inneren gewirkt werden.

Das Tragen Christi als lebenslanger Vollzug (die sieben Tage)

Das Gebot, die priesterlichen Kleider sieben Tage zu tragen, verweist auf mehr als eine bloße Zeitvorgabe: „Sieben Tage soll sie anziehen, wer von seinen Söhnen an seiner Statt Priester wird, wer in das Zelt der Begegnung hineingeht, um im Heiligtum zu dienen.“ (2. Mose 29:30). Die Zahl sieben trägt im biblischen Denken die Bedeutung eines vollen Laufes; sie beschreibt einen Zustand, der nicht flüchtig, sondern umfassend ist. Wer den Dienst berührt, betritt damit eine Vollzeitwirklichkeit, bei der das priesterliche Bewusstsein über den Augenblick hinaus gilt.

Vers 30 besagt, dass der Hoherpriester, der an Aarons Statt dient, sieben Tage lang die heiligen Gewänder tragen muss, wenn er in das Zelt der Zusammenkunft kommt, um im Heiligen zu dienen. Sieben Tage stehen für einen vollständigen Zeitraum. Deshalb gilt: Wenn wir auch nur einen Tag am Dienst Gottes teilnehmen, müssen wir sieben Tage lang die priesterlichen Gewänder tragen. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertvierzig, S. 1531)

Diese Anordnung verwandelt das Verständnis von Dienst: Priesterschaft ist keine kurzfristige Rolle für bestimmte Stunden, sondern eine Form des Daseins, die das alltägliche Leben durchdringt. In diesem Sinne spricht man vom Wachstum im Leben bis zur Reife—ein fortdauernder Prozess, in dem das Tragen Christi zur Gewohnheit und nicht zur Ausnahme wird. Solche Beständigkeit bringt Tiefe und Gewicht in das Zeugnis; sie formt eine Lebensart, die nicht nur äußerlich tätig, sondern innerlich verwurzelt ist.

Die Nachwirkung dieses Denkens berührt die Hoffnung: Das Priestertum, verstanden als fortwährendes Bekleidetsein mit Christus, eröffnet einen Weg zur Reife, in dem das Leben nicht mehr von Episoden, sondern von beharrlicher Gemeinschaft mit dem Herrn geprägt ist.

Sieben Tage soll sie anziehen, wer von seinen Söhnen an seiner Statt Priester wird, wer in das Zelt der Begegnung hineingeht, um im Heiligtum zu dienen. (2. Mose 29:30)

Die gebotene Dauer erinnert daran, dass geistliche Größe selten ein Moment ist; vielmehr wächst sie in einem fortwährenden Umgang mit Christus. Dies öffnet Perspektiven für ein Leben, in dem Dienst aus bleibender Verbundenheit erwächst.

Das höchste Genießen Christi im heiligen Raum und die Dringlichkeit des Erlebens

Die Art und Weise, wie die priesterlichen Speisen zubereitet und verzehrt werden, macht einen qualitativen Unterschied im Genuss Christi sichtbar: „Dann sollen Aaron und seine Söhne das Fleisch des Widders und das Brot, das im Korb ist, am Eingang des Zeltes der Begegnung essen.“ (2. Mose 29:32). Dass dieses Mahl im heiligen Raum und in Gemeinschaft eingenommen werden muss, weist auf eine Dimension des Genusses hin, die sich nicht privat vollzieht. Die heilige Qualität des Raumes formt das Erleben des Christusanteils; das Gemeindeleben als Ort bringt eine Tiefe hervor, die Einzelereignisse kaum erreichen.

Dieser zweite Widder wurde ausschließlich in Zion verzehrt; er musste im heiligen Vorhof gegessen werden. Das zeigt, dass dieser Anteil des Christus im Gemeindeleben zu genießen ist. Ja, den Christus kann man an jedem Ort genießen. Doch der Christus, den man außerhalb einer Gemeindeversammlung genießt, ist bei weitem nicht so reich wie der, den man in einer Versammlung erlebt. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertvierzig, S. 1534)

Gleichzeitig mahnt die Vorschrift gegen das Aufheben des Heiligen bis zum Morgen: Übriggebliebene, heilige Teile sind zu verbrennen und dürfen nicht länger aufgehoben werden (vgl. 2. Mose 29:34). Diese Dringlichkeit unterstreicht, dass der Genuss des Herrn gegenwärtig und gegenwartsbezogen ist; die Gemeinschaft darf nicht ständig auf spätere Zeiten verschoben werden. In Verbindung hiermit steht das Zeugnis des Neuen Testaments, das die Gegenwart Christi in der versammelten Gemeinde bezeugt: „Denn wo zwei oder drei in Meinen Namen hineinversammelt sind, dort bin Ich in ihrer Mitte.“ (Matthäus 18:20). So wird deutlich, dass das höchste Genießen Christi seine gebührende Vollendung in der organischen Gemeinschaft findet.

Diese Einsicht trägt Ermunterung: Wer die Gemeinde nicht als Pflicht, sondern als heiligen Raum des gemeinsamen Genusses begreift, entdeckt in der Gegenwart des Herrn eine unmittelbare Fülle. Die Dringlichkeit des Erlebens wird so zur Einladung, den gegenwärtigen Reichtum Christi in der Versammlung ernst zu nehmen und ihn nicht auf morgen zu verschieben.

Dann sollen Aaron und seine Söhne das Fleisch des Widders und das Brot, das im Korb ist, am Eingang des Zeltes der Begegnung essen. (2. Mose 29:32)

Wenn aber von dem Fleisch des Einsetzungsopfers und von dem Brot etwas bis zum (nächsten) Morgen übrigbleibt, dann sollst du das Übriggebliebene mit Feuer verbrennen; es darf nicht gegessen werden, denn es ist heilig. (2. Mose 29:34)

Die Heiligkeit des Ortes und die Gegenwartsforderung der Schrift eröffnen eine ermutigende Perspektive: Gemeinde ist nicht nur Rahmen für Aktivität, sondern der Raum, in dem das höchste Genießen Christi seinen charakteristischen Klang entfaltet; diese Gegenwart lädt ein, das Heilige jetzt zu erleben.


Herr, kleide uns mit Deiner Gegenwart und Deinem Leben; Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 140