Die priesterlichen Gewänder (3)
Als das Volk Israel auf den Dienst vor Gott vorbereitet wurde, gab Gott den Priestern ein besonderes Kleid – kein beliebiges Gewand, sondern eine Ausdrucksform, die deutlich machte, wer sie waren und wie sie dienen sollten. So wie eine Uniform Identität und Autorität ausstrahlt, zeigen die priesterlichen Gewänder, was in einem Leben sichtbar sein muss, damit es als Dienst vor Gott gilt. Die Frage, die sich daraus heute stellt, lautet: Trägt unser Alltag die Ausdrucksmerkmale Christi, die uns befähigen und heiligen, in der Gemeinde zu dienen?
Die Gewänder als Ausdruck Christi
Die priesterlichen Kleider sind in ihrer ersten Erscheinung nicht bloßer Schmuck, sondern Kennzeichen eines geordneten Verhältnisses zu Gott. Als Mose den Auftrag erhielt, sollte er „heilige Kleider für deinen Bruder Aaron anfertigen, (ihm) zur Ehre und zum Schmuck“; heißt es: “Und fertige heilige Kleider für deinen Bruder Aaron an, (ihm) zur Ehre und zum Schmuck!” (2. Mose 28:2). Diese Feststellung lenkt den Blick weg von äußerlicher Leistung hin zu einer innerlich gegebenen Qualifikation: das Kleid zeichnet aus, wem der Träger angehört und wozu er befähigt ist.
Nach dem Neuen Testament symbolisieren die priesterlichen Gewänder Christus. Jeder Aspekt dieser Gewänder verweist auf eine Eigenschaft oder Tugend Christi. Deshalb sind sie der Ausdruck Christi bei den Dienenden. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertachtzehn, S. 1342)
Aus dieser Beobachtung folgt die Deutung, dass wahre Eignung für den priesterlichen Dienst aus der sichtbaren Gegenwart Christi in einer Person hervorgeht. Wenn Christus in seinem Wesen und Leben durch einen Dienenden hindurchscheint, wird dessen Dienst heilig und wirksam. So heißt es über die Gemeinde als Ganzes: “werdet auch ihr als lebendige Steine als ein geistliches Haus zu einer heiligen Priesterschaft aufgebaut, um geistliche Opfer darzubringen, Gott wohlannehmbar durch Jesus Christus.” (1. Petrus 2:5). Daraus erwächst die Konsequenz: nicht Tätigkeit oder Rang machen zum Priester, sondern die Tatsache, dass Christus in uns ausgedrückt wird.
Und fertige heilige Kleider für deinen Bruder Aaron an, (ihm) zur Ehre und zum Schmuck! (2.Mose 28:2)
werdet auch ihr als lebendige Steine als ein geistliches Haus zu einer heiligen Priesterschaft aufgebaut, um geistliche Opfer darzubringen, Gott wohlannehmbar durch Jesus Christus. (1.Petr. 2:5)
Es tröstet und stärkt zu wissen, dass die Qualifikation nicht etwas ist, das wir aus uns selbst hervorbringen müssen, sondern etwas, das uns geschenkt und in uns offenbar werden darf. Wenn das Leben Christi sichtbar wird, nimmt Gott den Dienst an und die Gemeinschaft erkennt den Priester. Möge diese Perspektive Hoffnung schaffen: weniger Last auf dem eigenen Können, mehr Vertrauen auf den Ausdruck Christi, der uns zurechtmacht.
Glorie und Schönheit – Gottheit und Menschheit vereint
Die Schrift benennt für jene Kleider ausdrücklich zwei Dimensionen: Herrlichkeit und Schönheit. Diese gegenscheinenden Worte führen mitten in das Geheimnis Christi, der zugleich Gott und Mensch ist. Über den eingeborenen Sohn heißt es: “Und das Wort wurde Fleisch und stiftshüttete unter uns (und wir haben Seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als des Einziggeborenen vom Vater), voller Gnade und Wirklichkeit.” (Johannes 1:14). Die Herrlichkeit weist auf Seine göttliche Natur, die Schönheit auf die zarte, ansprechbare Menschlichkeit – beides soll im Priesterkleid sichtbar werden.
Der Ausdruck „for glory“ bedeutet, die Göttlichkeit Christi zum Ausdruck zu bringen (Joh. 1:14; Hebr. 1:3; Joh. 17:22), während „for beauty“ die Menschheit Christi ausdrückt (Lk. 24:19). Dass Gold zu den Bestandteilen der Gewänder gehörte, symbolisiert, dass die Göttlichkeit, die göttliche Natur, zum Ausdruck Christi gehört. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertachtzehn, S. 1343)
Hebräer zeichnet dieses Doppelte theologisch aus, wenn er von Christus sagt: “Er, der die Ausstrahlung Seiner Herrlichkeit und der exakte Abdruck Seiner Substanz ist” (Hebräer 1:3). Die Anwesenheit des Goldes und die sorgsame Ornamentik der Gewänder lassen die Schlussfolgerung zu: göttliche Autorität und menschliche Lieblichkeit gehören zusammen, damit der Dienst sowohl kraftvoll als auch einladend ist. Fehlt eines von beidem, wird das Zeugnis unausgewogen – entweder autoritär und unzugänglich oder herzlich, aber ohne Tiefe. Die Herausforderung besteht darin, die Einheit von Gottheit und Menschheit Christi in unserem Leben zu bewahren, sodass die Gemeinde davon lebt und die Welt etwas von Gott empfängt.
Und das Wort wurde Fleisch und stiftshüttete unter uns (und wir haben Seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als des Einziggeborenen vom Vater), voller Gnade und Wirklichkeit. (Joh. 1:14)
Er, der die Ausstrahlung Seiner Herrlichkeit und der exakte Abdruck Seiner Substanz ist und alle Dinge durch das Wort Seiner Kraft stützt und trägt, und nachdem Er die Reinigung von den Sünden vollbracht hat, hat Er Sich zur Rechten der Majestät in der Höhe niedergesetzt, (Hebr. 1:3)
Es ist eine tröstliche Wahrheit, dass das Vollkommene bereits in Christus vereinigt ist; unser Ringen besteht darin, diese Einheit zu empfangen und in Einfachheit weiterzugeben. Wo göttliche Autorität mit menschlicher Zärtlichkeit zusammentreffen, entsteht ein Anziehungspunkt für die Seele. Halte an der Sehnsucht fest, dass dein Leben beides immer mehr widerspiegelt: die Herrlichkeit Gottes und die ansprechende Schönheit der Menschheit Christi.
Ausdruck in der Praxis: Gemeinschaft, Heiligung und Schutz gegen Isolierung
Die Gewänder waren zugleich Zeichen einer gemeinschaftlichen Ordnung: sie machten sichtbar, dass die Priester zusammengehörten und von der Welt unterschieden waren. In derselben Weise ruft die sichtbare Gegenwart Christi in der Gemeinde zu einem gemeinsamen Leben. “Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk, das zum Besitz erworben wurde,” heißt es, und damit wird die kollektive Identität betont (1. Petrus 2:9). Wenn Christus in uns wirkt, entsteht ein Raum der gegenseitigen Erbauung, nicht der Isolation.
Wenn du deine Erfahrung betrachtest, wirst du erkennen, dass du, sobald du dich von den anderen Heiligen absonderst und individualistisch wirst, nicht Christus in göttlicher Herrlichkeit und menschlicher Schönheit offenbarst, sondern sofort das gefallene, natürliche Leben zum Ausdruck bringst. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertachtzehn, S. 1346)
Gleichzeitig birgt das Fehlen dieses Ausdrucks eine Gefahr: Absonderung und Individualismus lassen das gefallene Leben sichtbar werden. Die historischen Bilder der Priesterkleider warnen davor, dass äußerliche Absonderung ohne inneren Ausdruck nur Form bleibt. Praktische Folgen zeigen sich in einer Gemeinde, die weniger Heilung und mehr Konkurrenz erlebt, in verhärteten Beziehungen statt in gegenseitiger Heiligung. Die Lebensweise, die Christus ausdrückt, dient somit sowohl der Heiligung des Einzelnen als auch dem Schutz der Gemeinschaft vor der Zersplitterung.
Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk, das zum Besitz erworben wurde, damit ihr die Tugenden dessen hinausverkündet, der euch aus der Finsternis in Sein wunderbares Licht berufen hat; (1.Petr. 2:9)
und uns zu einem Königreich gemacht hat, zu Priestern Seinem Gott und Vater, Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in Ewigkeit. Amen. (Offb. 1:6)
Es ist tröstlich zu erkennen, dass Zugehörigkeit zum Priestertum nicht zuerst ein individuelles Projekt ist, sondern ein eingeübtes Beisammensein, in dem Christus sichtbar wird. Wo gemeinsam gelebte Heiligung und füreinander geöffnete Herzen sind, wird Heilung möglich. Möge die Hoffnung wachsen, dass ein Leben, das Christus ausstrahlt, zugleich Heimat und Heilmittel für andere wird—einladen ohne Druck, heilen ohne Verurteilung.
Herr Jesus, kleide uns mit Deiner Gegenwart; lass in uns Deine göttliche Herrlichkeit und menschliche Schönheit sichtbar werden, heilige unser Leben und vereine uns, damit wir Dir als Priester dienen dürfen. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 118