Das Wort des Lebens
lebensstudium

Das Entzünden der Lampen und die Gewänder für das Priestertum (2)

6 Min. Lesezeit

Seit der Reformation wird immer wieder diskutiert, wie Christen sich versammeln sollen. Die alttestamentliche Typologie vom Entzünden der Lampen im Heiligtum bietet hier eine auffällige Perspektive: Versammlung ist mehr als Zusammenkommen—sie soll das Licht Christi sichtbar machen. Die Szene im Heiligen zeigt, dass das Gemeindetreffen eine heilige Handlung ist, die äußerliche Ordnung, innere Erfahrung und die ehrwürdige Aufgabe der Priesterschaft verbindet.

Versammeln als Entzünden der Lampen

Das Bild vom Anzünden der Lampen rückt das Gemeindetreffen weg vom bloß Organisatorischen und hin zu einer geistlichen Tat, die sichtbar macht, wer Christus ist. Wenn Versammlung als Beleuchtung gedacht wird, dann geht es nicht primär um Programme, sondern um das Hervorbringen von Licht, das die Dunkelheit vertreibt und den Weg ins Innere des Heiligtums weist. So heißt es in 2. Mose 27:21: „Im Zelt der Begegnung, außerhalb des Vorhangs, der vor dem Zeugnis ist, sollen Aaron und seine Söhne sie herrichten, (damit sie) vom Abend bis zum Morgen vor dem HERRN (brennt). (Das ist) bei den Söhnen Israel eine ewige Ordnung für (all) ihre Generationen.“ Dieses Wort zeigt, dass das brennende Licht eine geordnete, fortdauernde Wirklichkeit sein soll – nicht ein einmaliges Gefühl, sondern eine beständige Leuchte im Heiligen.

Wenn man uns fragt, auf welche Weise wir uns im Gemeindeleben treffen, sollten wir antworten: indem wir die Lampen anzünden. Als Christen richtig zusammenzukommen heißt, die Lampen anzuzünden. Wann immer wir uns zu den Gemeindeversammlungen zusammenfinden, müssen wir die Lampen anzünden. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertfünfzehn, S. 1317)

Aus dieser Beobachtung folgt eine praktische Deutung für die Versammlung: Lob, Zeugnis und Gebet sind Werkzeuge, mit denen das Licht emporsteigt. Wenn Menschen zusammenkommen, sollen ihre Stimmen und Herzen der Lampe Nahrung geben, sodass Christus in seinen verschiedenen Facetten offenbar wird und die Brüder und Schwestern auf den Weg zum Allerheiligsten geführt werden. Das eigentliche Versammlungsheiligtum ist demnach nicht ein Gebäude, sondern die geordnete Beleuchtung durch geistliche Praxis; der Ort mag wechseln, die Bestimmung bleibt die gleiche.

Im Zelt der Begegnung, außerhalb des Vorhangs, der vor dem Zeugnis ist, sollen Aaron und seine Söhne sie herrichten, (damit sie) vom Abend bis zum Morgen vor dem HERRN (brennt). (Das ist) bei den Söhnen Israel eine ewige Ordnung für (all) ihre Generationen. (2. Mose 27:21)

Möge die Erkenntnis, dass Versammlung Licht entzünden soll, unseren Blick verändern: Weniger Programmdenken, mehr das gemeinsame Hervorbringen von Christi Licht. So wird jeder Zusammenkunft die Kraft zuteil, den Weg ins Innigste aufzuschließen und die Gemeinde als ein Ort beständiger Helligkeit erfahrbar zu machen. Sei ermutigt, das Treffen als Chance zu sehen, dass Licht aufsteigt und Gemeinschaft tiefer wird.

Das reine Olivenöl: Erfahrung Christi statt natürlicher Elemente

Das ‚reine Olivenöl‘ beschreibt nicht einfach eine geistliche Atmosphäre, sondern die konkrete Erfahrung Christi in seiner Menschwerdung, im Kreuz und in der Auferstehung, durch die der Heilige Geist wirkt. Solche innere Verarbeitung unterscheidet echtes Licht von bloßer Aktivität: Die Kirche braucht nicht nur Lebhaftigkeit, sondern das Öl, das aus dem durchkreuzten und auferstandenen Leben Christi fließt. So heißt es in 1. Korinther 12:3: „Darum sage ich euch: Niemand kann Jesus ›Herr‹ nennen, außer durch den Heiligen Geist.“ Ähnlich heißt es in Römer 14:17: „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.“ Diese Worte betonen, dass der wahre Ausdruck in der Versammlung eine Frucht des Geistes und nicht des natürlichen Eifers ist.

Reines Olivenöl ist Öl, das die Menschwerdung und die Kreuzigung durchlebt hat und in die Auferstehung eingegangen ist. In diesem Öl gibt es weder eine Vermengung noch ein natürliches Element. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertfünfzehn, S. 1319)

Aus dieser Deutung folgt die Konsequenz für das, was wir ‚geistlich‘ nennen: Wenn Lobpreis, Zeugnis oder Lehre aus unbehandeltem Leben oder bloßer Geselligkeit kommen, bleibt das Resultat naturhaft und vermischt; echtes Öl aber reinigt, durchkreuzt und erhebt Christus als Lichtquelle. Die geistlichen Gaben finden ihre Hauptfunktion darin, Jesus als Herrn zu bezeichnen und so den Strom des Geistes freizusetzen, damit die Lampen in rechter Weise brennen und die Gemeinde Anteil an der lebendigen Quelle gewinnt.

Darum sage ich euch: Niemand kann Jesus ‚Herr‘ nennen, außer durch den Heiligen Geist. (1. Korinther 12:3)

Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. (Römer 14:17)

Die Einladung liegt darin, die Tiefe zu suchen, aus der das Öl kommt—kein Anspruch auf Perfektion, sondern ein Zurückkehren zu dem durchkreuzten Leben und der österlichen Kraft Christi, die unsere Gaben lebendig machen. Möge die Versammlung durch solche Erfahrung aufgehellt werden, damit die Gemeinschaft jene Freude und Gerechtigkeit im Geist immer mehr erfährt.

Priestergewänder: Ausdruck und Qualifikation zum Dienst

Die priesterlichen Gewänder zeigen, wie innere Realität in äußeren Formen ausgedrückt wird; sie sind kein Schmuck, sondern die sichtbare Eignung für den Dienst im Heiligtum. Die Materialien und Farben stehen für Aspekte des Christusausdrucks, die in der Versammlung wirksam werden müssen. So heißt es in 2. Mose 28:5: „Und (dazu) sollen sie das Gold, den violetten und roten Purpur, den Karmesinstoff und den Byssus nehmen.“ Die genannten Stoffe sind keine willkürliche Ausstattung, sondern bildhafte Vermittler dafür, dass der Priester in der äußeren Erscheinung das Innerliche widerspiegelt.

Dazu gehört außerdem das Tragen der priesterlichen Gewänder, also unser Ausdruck Christi. Wie wir bereits festgestellt haben, müssen wir alle Bestandteile der priesterlichen Gewänder besitzen, wenn wir befähigt sein sollen, die Lampen des Heiliges anzuzünden. Haben wir zwar die Priesterrobe, aber nicht den Ephod oder den Brustschild, sind wir nicht befähigt, denn uns fehlt der Ausdruck Christi. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertfünfzehn, S. 1318)

Wenn die Lampen brennen sollen, bedarf es deshalb nicht nur des Öls, sondern auch eines angemessenen Ausdrucks: Robe, Ephod, Brustschild und weitere Kleidungsstücke symbolisieren unterschiedliche Aspekte des leibhaftigen Christus, die unser Dienst aufnimmt und darstellt. Fehlt ein Teil dieses Ausdrucks, so fehlt auch eine Dimension des Lichtbringens; dann kann Dienst zwar wohlmeinend sein, jedoch an Wirksamkeit verlieren oder die Versammlung nicht in die Tiefe führen, die das Heiligtum verlangt.

Und (dazu) sollen sie das Gold, den violetten und roten Purpur, den Karmesinstoff und den Byssus nehmen. (2. Mose 28:5)

Die Herausforderung besteht darin, dass der äußere Ausdruck wahrhaft aus dem inneren Leben hervorgeht. Nicht Form um der Form willen, sondern jene Gestalt, in der Christus sichtbar wird. Das ermutigt: Wenn das Herz dem Herrn gehört und das Leben mit dem Kreuz und der Auferstehung verbunden ist, wird der angemessene Ausdruck gefunden, und so können Lampen leuchten, die andere hineinführen in das Heiligtum Gottes.


Herr Jesus, lehre uns, in unserer Versammlung Dein Licht hervorzubringen; erfülle uns mit dem Öl Deines Lebens, ziehe uns an mit Deinem Ausdruck, und lasse durch unser gemeinsames Leuchten Dein Heiligtum aufscheinen. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 115