Das Wort des Lebens
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Der Brandopferaltar (6)

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Vor dem Hintergrund der kultischen Möbel des Tempels fällt eine überraschend präzise Bildlichkeit ins Auge: das Rost des Altars sitzt genau auf halber Höhe, auf gleicher Ebene wie die Gnadenlade mit dem Sühnedeckel. Warum stellt gerade diese räumliche Übereinstimmung einen Schlüssel zur Bedeutung des Kreuzes dar? Wer das Bild des Altars ernst nimmt, entdeckt nicht nur theologische Schlüsse über die Gültigkeit von Christi Erlösung, sondern auch die notwendige Verbindung von Kreuz und Geist für das Leben und Zeugnis der Gemeinde.

Die halbe Höhe des Rosts — Gottes Maßstab erfüllt

Der Rost, dessen obere Kante bis zur halben Höhe des Altars reichte, steht nicht bloß als architektonisches Detail da, sondern als theologische Aussage: Er hält dieselbe Ebene wie die Lade mit dem Sühnedeckel. Aus dieser Beobachtung folgt die Deutung, dass das Werk des Kreuzes nach dem Maßstab Gottes vollbracht ist — nicht nach menschlicher Messlatte, sondern nach der Heiligkeit, Gerechtigkeit und Herrlichkeit des Herrn. So heißt es in Römer 3:24: „und werden umsonst gerechtfertigt durch Seine Gnade mittels der Erlösung, die in Christus Jesus ist,“; diese Schriftworte führen uns zur Gewissheit, dass Gottes Rechtfertigung und Erlösung in Christus nicht mangelhaft, sondern in vollem Maße erbracht worden sind.

Die Tatsache, dass unter dem Gitter anderthalb Ellen lagen, symbolisiert den Maßstab, nach dem die Erlösung durch Christus vollbracht wurde. Dieser Maßstab entsprach voll und ganz den Ansprüchen der Gerechtigkeit, der Heiligkeit und der Herrlichkeit Gottes. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertneun, S. 1256)

Wenn der Rost also auf derselben Höhe wie der Sühnedeckel steht, spricht das von einer erfüllten Ordnung: die Forderung Gottes wurde erfüllt und die stellvertretende Zahlung hielt stand vor Seinem Maßstab. Das hat Konsequenzen für unser Verhältnis zu Gott; nicht mehr als Suchende ohne Zusage, sondern als Menschen, deren Beziehung durch das vollbrachte Opfer gesichert ist. So bleibt die Sicherheit vor Gott nicht eine bloße Theorie, sondern eine existenzielle Gewissheit, die unseren Zugang zu Ihm und unsere Ruhe im Angesicht Seiner Heiligkeit bestimmt.

Und er goß vier Ringe (und befestigte sie) an den vier Ecken des bronzenen Gitters als Ösen für die Stangen. (2. Mose 38:5)

und werden umsonst gerechtfertigt durch Seine Gnade mittels der Erlösung, die in Christus Jesus ist, (Römer 3:24)

Möge die Klarheit dieses Bildes dich ruhig machen: Gottes Maß ist nicht übertroffen und nicht unterlaufen worden. Die Gewissheit der Erlösung ruht nicht auf Worten, sondern auf dem Kreuz, das Seinen Anforderungen genügte. Lass diese Gewissheit dein Lob und deine Zuversicht nähren, damit du vor dem Allerhöchsten mit friedlichem Gewissen wandeln kannst.

Asche unten, Wohlgeruch oben — die Wirksamkeit der Erlösung

Das Bild von Asche, die unten zurückbleibt, und dem Wohlgeruch, der emporsteigt, fasst zwei Seiten des Erlösungswerks zusammen: auf der einen Seite die vollendete Entfernung der Schuld, auf der anderen das Wohlgefallen Gottes an jenem Opfer. Die Asche ist das sichtbare Zeichen, dass Schuld erledigt ist und die Anklage nicht länger den Zugang zu Gott blockiert. So heißt es in Hebräer 9:14: „wie viel mehr wird das Blut Christi, der Sich Selbst durch den ewigen Geist als ein makelloses Opfer Gott dargebracht hat, unser Gewissen reinigen von toten Werken, um dem lebendigen Gott zu dienen?“, — hier wird deutlich, dass die Reinigung Wirklichkeit ist und unser Gewissen befreit.

Während die Asche zu Boden sank, stieg zugleich ein wohlriechender Duft empor. Die Asche zeigt, dass wir angenommen und vergeben sind und keine Probleme mehr mit Gott haben. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertneun, S. 1261)

Der aufsteigende Duft zeigt eine zweite Wirklichkeit: Gott findet Gefallen an dem, was Christus vollbracht hat; das Opfer befriedigt Gottes Herz. Jesaja kündigt das dunkel an, wenn er sagt, dass es dem HERRN gefallen hat, ihn zu zerschlagen, und dass durch sein Einsatz als Schuldopfer das Heilswerk gelingen würde. So heißt es in Jesaja 53:10: „Doch dem HERRN gefiel es, ihn zu zerschlagen. Er hat ihn leiden lassen. Wenn er sein Leben als Schuldopfer eingesetzt hat, wird er Nachkommen sehen, er wird (seine) Tage verlängern. Und was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen.“ Das Wohlgefallen Gottes verwandelt die Tat Christi von einer rechtlichen Leistung in die Grundlage einer neuen, friedvollen Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch.

wie viel mehr wird das Blut Christi, der Sich Selbst durch den ewigen Geist als ein makelloses Opfer Gott dargebracht hat, unser Gewissen reinigen von toten Werken, um dem lebendigen Gott zu dienen? (Hebräer 9:14)

Doch dem HERRN gefiel es, ihn zu zerschlagen. Er hat ihn leiden lassen. Wenn er sein Leben als Schuldopfer eingesetzt hat, wird er Nachkommen sehen, er wird (seine) Tage verlängern. Und was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen. (Jesaja 53:10)

Angesichts der Asche und des Duftes kannst du in deinem Herzen Ruhe finden: Vergebung ist nicht nur möglich, sie ist vollbracht; Gottes Blick ruht nicht mehr auf Verurteilung, sondern auf Versöhnung. Möge diese Gewissheit dich stärken und dir zum Grund für beständiges Lob und inneren Frieden werden.

Ringe und Stangen — Christus in der lebendigen Gemeinschaft durch den Geist

Die Ringe an den Ecken des Rosts und die Stangen, die hindurchgeschoben wurden, bilden gemeinsam ein Bild für die Art und Weise, wie das Leben Christi in der Gemeinschaft wirksam wird: nicht als etwas Angefügtes an Christus, sondern als etwas, das aus Ihm hervorgeht. Die materielle Einheit von Rost, Ringen und Stangen deutet an, dass der Geist nicht ein nachträgliches Beiwerk ist, sondern der ausströmende Ausdruck des Erlösers. In Apostelgeschichte 1:8 heißt es: „Doch ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt, und ihr werdet Meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samarien und bis ans äußerste Ende der Erde.“ Dieses Wort macht deutlich, dass Zeugnis und wirksames Leben in der Gemeinde Frucht des ausgegossenen Geistes sind.

Ich glaube, dass die vier Ringe an den vier Ecken mit dem Gitter eine Einheit bildeten und nicht nachträglich angebracht wurden. Das zeigt, dass der allesumfassende, lebensspendende Geist aus dem erlösenden Christus hervorgeht. Der Geist wird Christus also nicht hinzugefügt; vielmehr geht er von Christus aus. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertneun, S. 1260)

Wenn die Gemeinde als Träger der Stangen gedacht wird, zeigt sich darin die korporative Natur des Zeugnisses: Christus ist die Quelle, der Geist ist das ausströhmende Leben, und die Gemeinschaft trägt dieses Leben zusammen hinaus. Petrus’ Wort an die Reuigen schließt hier an: „und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen“ (Apostelgeschichte 2:38) — der Empfang verbindet Einzelne in einem gemeinsamen Wirken. So bleibt die Erlösung nicht eine individualistische Erfahrung, sondern wird durch den Geist in die Leiblichkeit der Gemeinde hineingetragen, damit Christus in und durch die Gemeinschaft lebendig ausgesprochen wird.

Damit hängt unser Verständnis von Dienst eng mit der Einheit des Leibes zusammen: ohne den ausströmenden Geist bleibt Predigt oft Theorie, und ohne die gemeinschaftliche Trägerschaft bleibt Leben isoliert. Epheser 1:13–14 erinnert uns daran, dass wir mit dem Heiligen Geist versiegelt sind, „der das Unterpfand unseres Erbteils ist zur Erlösung des erworbenen Besitzes, zum Lobpreis Seiner Herrlichkeit.“ So führt der Geist das Vollbrachte in die konkrete, gemeinschaftliche Erfahrung und in die ausstrahlende Zeugenschaft.

Doch ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt, und ihr werdet Meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samarien und bis ans äußerste Ende der Erde. (Apostelgeschichte 1:8)

Und Petrus sagte zu ihnen: Tut Buße und ein jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. (Apostelgeschichte 2:38)

Vor diesem Hintergrund wächst eine stille Zuversicht: Der Geist, der aus Christus hervorgeht, macht uns zu einem Leib, der das Erreichte weiterträgt. Möge diese Einsicht ermutigen, die Gemeinschaft nicht als Zweck, sondern als Mittel zu sehen, durch das das Leben Christi fließt und die Welt Gottes Herrlichkeit aufscheinen lässt.


Herr Jesus, wir danken Dir, dass Dein stellvertretender Tod Gottes Anforderungen erfüllt und uns Frieden schenkt; möge Dein Geist aus Dir hervorgehen und uns als Gemeinde befähigen, diese Erlösung lebendig weiterzugeben. Segne uns mit der Gewissheit Deiner Wirksamkeit und mit einer Gemeinschaft, die Christus in Leben und Zeugnis trägt.

Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 109