Der Engel Jehovas für Sein Volk zur Besitznahme des verheißenen Landes (2)
Die Verheißung, ins gute Land einzuziehen, erscheint zunächst als äußere Landnahme, doch die biblische Typologie deutet tiefer: Es geht um die Erfahrung des allumfassenden Christus in unserem Inneren. Die Frage ist nicht allein, wer der Engel Jehovas ist, sondern wie wir konkret Besitz von dem nehmen, was er bringt — denn die Bibel gibt eine genaue ‚Landkarte‘ dafür (2. Mose 23:20–33). Aus der Verbindung von göttlichem Wirken und menschlichem Wachsen lässt sich eine praktische Route entdecken, die gleichzeitig geistliche Wahrheit und Alltagserfahrung verbindet.
Gehorsam gegenüber dem gesandten Wort
Der in uns wohnende Christus tritt nicht als abstrakte Lehre, sondern als gesandte Person auf; seine Stimme ist die konkrete Mitteilung Gottes an unser inneres Leben. In 2. Mose 23:21 heißt es: “Hüte dich vor ihm, höre auf seine Stimme und widersetze dich ihm nicht! Denn er wird euer Vergehen nicht vergeben, denn mein Name ist in ihm.” Diese Aufforderung zeigt, wie unmittelbar die Gegenwart des Gesandten wirkt: Hören und Gehorchen sind keine rein äußerlichen Praktiken, sondern die lebendige Antwort des Herzens auf das Wort, das in uns wohnt. Wenn das Wort, das in uns lebt, gehorcht wird, öffnet sich Schritt für Schritt das Land, das Gott zum Wohnen und Genießen gegeben hat.
Das bedeutet, dass wir kein Lehrsystem, sondern den lebendigen Christus selbst haben. Er ist nun in uns (Kol. 1:27). (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft vierundsiebzig, S. 876)
Die Empfindlichkeit dieser Gegenwart ist bemerkenswert; Ungehorsam hat nicht nur dogmatische Folgen, sondern verändert die innere Beziehung zur Person Christi und damit die Erfahrung seiner Vergebung und Freude. Kolosser 1:27 heißt es: “denen Gott bekannt machen wollte, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, welches ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit,” — das erinnert daran, dass die Realität von Christus in uns eine lebendige Quelle ist, die gepflegt werden will. Hören heißt hier nicht bloß Hören im Sinn von Information, sondern ein fortwährendes Lauschen und Folgen, durch das das göttliche Leben im Inneren Raum gewinnt und allmählich das fremde, natürliche Tun in uns zurückgedrängt wird.
Hüte dich vor ihm, höre auf seine Stimme und widersetze dich ihm nicht! Denn er wird euer Vergehen nicht vergeben, denn mein Name ist in ihm. (2. Mose 23:21)
denen Gott bekannt machen wollte, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, welches ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit, (Kolosser 1:27)
Aus dieser Sicht ist geistliches Leben weniger ein Auswendiglernen als eine Beziehung: die Bereitschaft, die Stimme des Lebens nicht zu übergehen, schenkt dem Inneren Raum, in dem Christus wachsen kann. Möge das Bewusstsein von Christus in uns die Art verändern, wie Worte und Situationen uns erreichen — nicht mehr als bloße Daten, sondern als Einladung zur Gemeinschaft mit dem lebendigen Herrn.
Gottes Entrümpelung nach dem Maß unseres Wachstums
Das Bild der schrittweisen Vertreibung der fremden Völker deutet auf ein inneres Geschehen: Gottes Ausräumen des Fremden vollzieht sich nach dem Maß, in dem das göttliche Leben in uns zunimmt. In 2. Mose 23:30 heißt es denn auch: “Nach und nach werde ich sie vor dir vertreiben, bis du so fruchtbar geworden bist, daß du das Land in Besitz nehmen kannst.” Dieses ‘nach und nach’ ist keine lästige Verzögerung, sondern die dialektische Weise, in der Gott Wachstum und Umformung zugleich schenkt. Während Christus in unseren Tiefen wächst, verliert das natürliche Leben sein Terrain; das eine ersetzt das andere nicht durch Zwang, sondern durch die zunehmende Realität eines neuen Lebens.
„Stück für Stück will ich sie vor dir vertreiben, bis du zunimmst und das Land in Besitz nimmst“ (Vv. 29–30). (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft vierundsiebzig, S. 880)
Dieses Zusammenspiel von göttlichem Wirken und menschlicher Reife macht deutlich, dass Befreiung und Besitznahme Zeit und innere Reife brauchen. Philipper 3:8 bringt die Perspektive des Zieles auf den Punkt: “Doch noch mehr, ich sehe auch alle Dinge als Verlust an wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn; um Seinetwillen habe ich den Verlust aller Dinge erlitten und sehe sie als Abfall an, damit ich Christus gewinne.” Der Weg, auf dem die fremden Herrschaften geschwächt werden, ist damit kein Selbstverkampf, sondern die fortwährende Entdeckung der Überlegenheit Christi, durch die das Alte natürlicherweise an Gewicht verliert und das Leben Gottes an Wirklichkeit gewinnt.
Nach und nach werde ich sie vor dir vertreiben, bis du so fruchtbar geworden bist, daß du das Land in Besitz nehmen kannst. (2. Mose 23:30)
Doch noch mehr, ich sehe auch alle Dinge als Verlust an wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn; um Seinetwillen habe ich den Verlust aller Dinge erlitten und sehe sie als Abfall an, damit ich Christus gewinne (Philipper 3:8)
Wer das langsame, aber treue Zurücktreten des Fremden erlebt, erkennt Gottes Geduld und die Notwendigkeit innerer Tiefe: Befreiung ist Frucht von fortschreitendem Wachstum im Leben Christi. Diese Gewissheit lädt zu einem geduldigen Vertrauen ein, das die Zeit als Raum Gottes annimmt, in dem er in uns nach und nach alles neu macht.
Das gute Land als Bild des allumfassenden Christus
Das ‘gute Land’ stellt bildlich den allumfassenden Christus dar, die tägliche Versorgung und der Ort unserer Freude. Kolosser 1:27 heißt es: “denen Gott bekannt machen wollte, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, welches ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit,” — hierin liegt die tiefe Verankerung: Besitznahme bedeutet, dass Christus nicht nur unser Schutz oder Helfer ist, sondern die Fülle, in der unser Dasein wurzelt. Die alltägliche Versorgung des Gläubigen ist damit weniger ein äußerer Vorrat als das stetige Vorhandensein eines inneren Lebensstroms, durch den alle Bedürfnisse erfüllt und in Freude verwandelt werden.
Heute gilt es, den allumfassenden Christus zu erfahren, den das gute Land darstellt. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft vierundsiebzig, S. 874)
Geistliche Reife zeigt sich besonders in der verborgenen Zunahme dieses Lebens; offenkundige Taten ohne inneres Wachstum bleiben flach. Die Salbung des Dreieinen Gottes bringt das Sein Gottes in die Erfahrung der Priester und der Gemeinde; so wird deutlich, dass Gottigtum und menschliche Erfahrung zu einer verschmolzenen Wirklichkeit werden. Wenn Christus in uns zunimmt, wird das gute Land zur täglichen Quelle von Leben und Genuss — nicht als Besitzstand, sondern als Gegenwart, die uns formt und erfüllt.
denen Gott bekannt machen wollte, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, welches ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit, (Kolosser 1:27)
Doch noch mehr, ich sehe auch alle Dinge als Verlust an wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn; um Seinetwillen habe ich den Verlust aller Dinge erlitten und sehe sie als Abfall an, damit ich Christus gewinne (Philipper 3:8)
Die täglichen Wege gewinnen an Tiefe, wenn das Erkennen von Christus zur Nahrungsquelle wird: das gute Land ist kein ferner Ort, sondern die lebendige Gegenwart, die unser Sein durchdringt. In diesem Licht wird jeder kleine Fortschritt ein Zeichen dafür, dass das Leben Gottes in uns wächst und uns zur wahren Freude führt.
Herr Jesus, hilf uns, Deine Stimme in der Tiefe unseres Herzens zu hören und in der Geduld des Wachsens Dein Leben in uns zunehmen zu lassen; schenke uns die Freude, in Deinem Sein zu wohnen und die Gewissheit Deiner gnädigen Gegenwart. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 74