Das Fließen des Wassers des Lebens
Bibel und Gemeindeleben zeichnen immer wieder dasselbe Bild: Wasser, das belebt und Leben, das herausfließt. Viele Christen haben das lebendige Wasser getrunken, doch weite Teile der Gemeinde bleiben trocken, weil das Wasser nicht aus ihnen herausströmt. Die Spannung liegt darin, dass Trinken allein nicht ausreicht – wie bleibt der innere Strom in Bewegung und wie bewirken wir, dass Gottes Leben nicht nur in uns bleibt, sondern durch uns fließt?
Trinken und Strömen gehören zusammen
Die Schrift legt uns ein Bild vor, das in seiner Einfachheit tiefgründig ist: Empfangen und Überlaufen gehören zusammen. In Johannes 4:14 heißt es: “wer auch immer aber von dem Wasser trinkt, das Ich ihm geben werde, der wird auf keinen Fall Durst haben in Ewigkeit; sondern das Wasser, das Ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das in das ewige Leben sprudelt.” Beobachtung und Sprache der Bibel verbinden hier das Trinken mit dem Quellwerden – nicht zwei getrennte Ereignisse, sondern zwei Aspekte einer lebendigen Wirklichkeit.
Die Bibel macht deutlich, dass das Trinken des Wassers des Lebens und sein Fließen untrennbar zusammengehören. Das Trinken ist mit dem Fließen verbunden, und das Fließen ist eins mit dem Trinken. In Joh. 4:14 sagt der Herr Jesus: „wer auch immer aber von dem Wasser trinkt, das Ich ihm geben werde, der wird auf keinen Fall Durst haben in Ewigkeit; sondern das Wasser, das Ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das in das ewige Leben sprudelt.“ (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft fünfundvierzig, S. 519)
Wenn das Empfangen ohne Ausfluss bleibt, wird das Aufnehmen selbst gefährdet: Ein stehendes Becken wird trüb und fließt nicht mehr frisch. Deutungsgemäß bewahrt das Strömen den Durst; nur in der Bewegung bleibt das Leben lebendig. Johannes 7:38 bestätigt dies, wenn dort heißt: “Wer in Mich hineinglaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Innerstem werden Ströme lebendigen Wassers fließen.” Die Konsequenz ist nicht nur persönlicher Gnadenerhalt, sondern eine erneuerte Gemeinschaft, denn das überfließende Leben sucht immer nach Ausdrucksformen, die andere erfrischen.
Zum Schluss möchte ich die Gedanken zusammenziehen: Empfang muss sich in Gabe verwandeln, damit das Leben nicht stockt. Das Bild ermutigt, die innere Quelle nicht für sich zu behalten, sondern sie in Bewegung zu lassen, damit Durst bleibt und Gemeinschaft wächst.
wer auch immer aber von dem Wasser trinkt, das Ich ihm geben werde, der wird auf keinen Fall Durst haben in Ewigkeit; sondern das Wasser, das Ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das in das ewige Leben sprudelt. (Johannes 4:14)
Wer in Mich hineinglaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Innerstem werden Ströme lebendigen Wassers fließen. (Johannes 7:38)
Möge die Erkenntnis, dass Trinken und Strömen zusammengehören, zu einer stillen Bereitschaft führen, inneres Leben nicht zu hortnen, sondern ihm Raum zu geben, damit Gottes Quelle in uns und durch uns lebendig bleibt.
Sprechen, Beten und Loben als praktische Weise des Strömens
Das konkrete Strömen zeigt sich häufig in Worten: Rufen, Danken, Liedern und Zeugnis sind die sichtbaren Bahnen, durch die das innere Wasser herausfließt. In Johannes 7:38 heißt es: “Wer in Mich hineinglaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Innerstem werden Ströme lebendigen Wassers fließen.” Beobachtet man Versammlungen und Gespräche, wird deutlich, dass Sprache nicht nur Information übermittelt, sondern Leben freisetzt oder hemmt.
Es ist besonders hilfreich, das innere Fließen zu fördern, indem wir zum Herrn, durch den Herrn, für den Herrn, im Herrn und mit dem Herrn sprechen. Je mehr wir so sprechen, desto mehr werden wir fließen. Wenn niemand da ist, mit dem wir sprechen können, sollten wir zu den Gegenständen in unserem Zimmer sprechen: zum Schreibtisch, zur Tür, zu den Wänden. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft fünfundvierzig, S. 522)
Die Deutung dieses Befundes führt zu einer einfachen, aber tiefreichenden Einsicht: Sprechen ist oft das Mittel, durch das das Innere Gestalt annimmt und weitergegeben wird. Wenn Worte aus der Frische des Herzens kommen, entstehen Überströmungen, die Trockenheit vertreiben und Gemeinschaft beleben. Stille kann kostbar sein, doch dauerhaftes Verstummen lässt Zuflüsse versiegen und verarmt die Gemeinde innerlich.
So bleibt als Konsequenz eine Einladung zur Wachheit des Herzens: Reden, das aus dem Ursprung des Lebens kommt, wird zur Quelle, durch die andere erfrischt werden. Möge dies die Ermutigung sein, den inneren Quell nicht verschlossen zu halten, sondern in Wort und Lob seine Wege finden zu lassen.
Wer in Mich hineinglaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Innerstem werden Ströme lebendigen Wassers fließen. (Johannes 7:38)
Es sei ein sanftes Wecken des Bewusstseins: Worte, die aus dem Inneren hervorgehen, tragen Leben. In der Gemeinschaft können sie zum Kanal werden, durch den das lebendige Wasser andere erreicht und erneuert.
Identifikation mit dem geschlagenen Christus als Quelle reinen Fließens
Das Bild vom geschlagenen Fels und vom smitten Christus macht eine harte, aber befreiende Wahrheit sichtbar: Leben fließt durch das Geschehen des Leidens, nicht durch die Selbsterhaltung des Natürlichen. In 2. Mose 17:6 heißt es: “Siehe, ich will dort vor dich auf den Felsen am Horeb treten. Dann sollst du auf den Felsen schlagen, und es wird Wasser aus ihm hervorströmen, so daß das Volk (zu) trinken (hat).” Die historische Szene verweist prophetisch auf die Quelle, die durch das Einschlagen geöffnet wird.
Das heißt: Unser menschliches Leben, unser natürliches Leben, muss geschlagen werden, damit das lebendige Wasser fließen kann. Wir müssen jedoch nicht versuchen, uns selbst zu schlagen. Wenn wir einfach mit dem geschlagenen Christus eins und mit Ihm identifiziert sind, werden wir die Kreuzigung unseres natürlichen Lebens erfahren. Wie Christi göttliches Leben als lebendiges Wasser durch das Geschlagenwerden seines menschlichen Lebens ausströmte, so werden auch wir den Fluss des lebendigen Wassers durch das Geschlagenwerden unseres natürlichen Lebens erfahren. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft fünfundvierzig, S. 526)
Auslegungsgemäß ist die Identifikation mit dem geschlagenen Christus nicht eine Aufforderung zur Selbstversenkung, sondern zum Einverstandensein mit dem Weg, auf dem Gottes Leben durch gebrochenes Menschsein fließt. Wenn unser natürliches Leben in Einheit mit dem geschlagenen Leib Christi steht, wird das göttliche Leben rein und unvermengt hindurchfließen; andernfalls mischen sich Eigenes und verunreinigen den Strom. Johannes 7:38 verbindet das: der Glaube in Christus setzt die Ströme in Bewegung.
Die Konsequenz ist mild und doch entschieden: Nicht das Ringen um Selbstbewahrung bewirkt Erfrischung, sondern das ruhige Bleiben in der Identität mit dem durchbohrten Quell. So eröffnet sich die Möglichkeit, dass das Leben, das aus dem Herzen Gottes kommt, klar und heilsam in die Gemeinde und in die Welt strömt.
Siehe, ich will dort vor dich auf den Felsen am Horeb treten. Dann sollst du auf den Felsen schlagen, und es wird Wasser aus ihm hervorströmen, so daß das Volk (zu) trinken (hat). Und Mose machte es so vor den Augen der Ältesten Israels. (2. Mose 17:6)
Wer in Mich hineinglaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Innerstem werden Ströme lebendigen Wassers fließen. (Johannes 7:38)
Möge die Betrachtung des geschlagenen Felsens und des gekreuzigten Christus zu einem stillen Vertrauen führen: Dass Gottes Leben gerade durch Schwachheit und Durchbohrung frei wird, und dass unsere Teilnahme daran nicht Selbstüberwindung, sondern die Annahme seiner Art zu leben ist.
Herr Jesus, schenke uns das stille Empfangen und das mutige Ausgießen Deines lebendigen Wassers; erfülle uns mit Deinem Geist, damit Dein Leben rein und reich durch uns fließt und Gemeinde und Welt erquickt. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 45