Gottes Wiederherstellung und weitere Schöpfung (6) die letztendliche Vollendung
Die ersten Kapitel der Bibel zeichnen kein bloßes Schöpfungsbild, sondern zeigen Gottes Ziel: einen Menschen, der sein Ebenbild trägt und seine Autorität ausübt. Diese Kombination von Bild und Herrschaft macht erst möglich, dass Gottes Segen voll wirksam wird, Menschen gesättigt werden und echte Ruhe einkehrt – eine Linie, die sich von 1. Mose bis zur endgültigen Vollendung durchzieht.
Segen folgt dem Bild und der Herrschaft
Das biblische Urbild legt eine einfache, aber tiefgreifende Verbindung frei: Segen steht nicht für sich, sondern knüpft an die Offenbarung Gottes im Menschen an. So heißt es in 1. Mose 1:28: ‘Und Gott segnete sie; und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über jedes Lebewesen, das sich auf der Erde bewegt!’ Diese Verheißung setzt voraus, dass der Mensch Gottes Ebenbild trägt und die ihm verliehene Herrschaft ausübt; Segen ist hier die Folge des Sichtbarwerdens göttlicher Person und Autorität in der Schöpfung.
Geht es um Menschen mit Skorpionsgesichtern oder um Menschen mit schönen Gesichtern, die Gott selbst zum Ausdruck bringen? Die Frucht, die du hervorbringst, drückt aus, was du bist. (Witness Lee, Life-Study of Genesis, Botschaft neun, S. 108)
Wenn Frucht als Ausdruck dessen verstanden wird, was jemand ist, dann spricht die Schrift von einer Frucht, die ausbildet, wer wir innerlich sind. 1. Mose 1:22 belegt, dass Gottes Segnung auf Lebewesen sich in Vermehrung und Fülle zeigt: ‘Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Wasser in den Meeren, und die Vögel sollen sich auf der Erde mehren!’ Die Geschichte der Patriarchen und die Zwischenspiele von Glauben und Schwäche (z. B. Abraham und Hagar, Lots Töchter) erinnern daran, dass äußliche Aktivität ohne die Formung des Ebenbilds leicht in verzerrte Nachfolge ausarten kann. Für die Gemeinde bedeutet das: Vermehrung, die bleibt, ist nicht primär Methode, sondern Menschensorge, die das Bild Gottes in Menschen heranbildet und ihnen Raum zur Ausübung göttlicher Verantwortung gibt.
Und Gott segnete sie; und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über jedes Lebewesen, das sich auf der Erde bewegt! (1. Mose 1:28)
Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Wasser in den Meeren, und die Vögel sollen sich auf der Erde mehren! (1. Mose 1:22)
Gottes Segen lädt nicht zu bloßer Betriebsamkeit, sondern zu einer inneren Gestaltänderung ein: dort, wo Gottes Antlitz im Menschen sichtbar wird und seine Autorität in Dienst und Leben Gestalt annimmt, findet Fruchtbarkeit ihren natürlichen Boden. Diese Perspektive tröstet und ermutigt — sie weist darauf hin, dass nachhaltiges Wachstum aus dem Werden von Bildträgern hervorgeht und nicht aus schnellen Effekten. Möge die Gemeinde als Ort wachsen, an dem Gottes Bild geformt wird, so dass der geschenkte Segen in beständiger Ruhe und echter Mehrung sichtbar bleibt.
Zufriedenheit als Grundlage der Ruhe
Die Schöpfungsordnung zeigt eine Versorgung, die über das Materielle hinausweist: Nahrung, Fülle und die Bestätigung des Werkes Gottes bilden den Rahmen für geistliche Ruhe. Es heißt in 1. Mose 1:29: ‘Und Gott sprach: Siehe, Ich habe euch jedes samenbildende Kraut gegeben, das auf der ganzen Erdoberfläche ist, dazu jeden Baum, an dem samenbildende Frucht ist; sie sollen euch als Speise dienen.’ Diese Verfügung macht deutlich, dass die Welt als wohlausgerüstetes Umfeld gedacht ist, in dem die Bedürfnisse gedeckt und damit Raum für Ruhe geschaffen sind.
Gott sagte nicht „sehr gut“, er sagte „gut“. Warum aber sagte Gott am sechsten Tag „sehr gut“? Weil Adam im Bilde Gottes war und ihm die Herrschaft Gottes gegeben worden war. Niemand murrte, niemand war hungrig. (Witness Lee, Life-Study of Genesis, Botschaft neun, S. 110)
Das Wort ‘sehr gut’ am Ende der Schöpfungsgeschichte fasst mehr als Ästhetik; es verweist auf eine Ordnung, in der Bildträger und Schöpfung in Harmonie stehen. So heißt es in 1. Mose 1:31: ‘Und Gott sah alles an, was Er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.’ In diesem Licht wird die Sabbatruhe zur folgerichtigen Reaktion: wenn Gottes Ziel verwirklicht ist, ordnet sich das Geschaffene zur Ruhe. Hebräer erinnert daran, dass dem Volk Gottes eine Sabbatruhe bleibt (Hebr. 4:9), weil die Erfüllung der göttlichen Absicht der Ort ist, an dem echte Erholung und geistliche Festigkeit entstehen.
Aus dieser Verbindung von Versorgung und Ruhe folgt praktische Seelsorge, die weniger mit Aktivismus als mit Gewährleistung echter Fülle zu tun hat. Wenn die Gemeinde Lebensraum schafft, in dem Menschen gesättigt werden—geistlich wie praktisch—entsteht Stabilität, die nicht von Programmen, sondern von verwirklichter Gottesordnung herrührt. So wird Ruhe nicht zum Rückzug, sondern zur Kraftquelle für fortgesetztes Leben und Zeugnis.
Und Gott sprach: Siehe, Ich habe euch jedes samenbildende Kraut gegeben, das auf der ganzen Erdoberfläche ist, dazu jeden Baum, an dem samenbildende Frucht ist; sie sollen euch als Speise dienen. (1. Mose 1:29)
Und Gott sah alles an, was Er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Und es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag. (1. Mose 1:31)
Die Gewissheit, dass Gottes Schöpfung versorgt und von ihm als ‘sehr gut’ befunden wurde, kann eine leise Zuversicht in uns wecken: Die Ruhe, die Gott schenkt, ist kein kosmetischer Zustand, sondern die Folge erfüllter Bestimmung. Dies ermutigt, die Gemeinde and Orte zu verwandeln, an denen echte Versorgung und geistliche Sättigung möglich werden, damit aus Ruhe erneute Lebenskraft fließt.
Gemeinde als Vorahnung und Weg zur Vollendung
Die Gemeinde erscheint im Neuen Testament als sichtbare Vorahnung jener Vollendung, in der Gott alles in allem erfüllen wird. Epheser beschreibt die Gemeinde als Leib, indem es heißt: ‘die Sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.’ (Epheser 1:23). Dieses Bild macht deutlich: Gemeinde ist nicht nur Gemeinschaft von Gläubigen, sondern eine konkrete Manifestation des bevorstehenden Endziels, in dem Gottes Person voll zur Geltung kommt.
Sprich nicht über den Zustand der Gemeinde. Geh einfach zur Gemeinderversammlung und preise den Herrn. Die Gemeinde ist nun einmal die Gemeinde. (Witness Lee, Life-Study of Genesis, Botschaft neun, S. 113)
Gleichzeitig ruft die Schrift zur Reife und zum Widerstand gegen geistliche Mächte auf, weil die Gemeinde Aufgabe und Gestalt zugleich hat. Epheser 3:19 spricht von der Liebe Christi, durch die zur ganzen Fülle Gottes erfüllt wird, und Epheser 6:11–13 mahnt, die ganze Waffenrüstung Gottes anzuziehen, um in der Auseinandersetzung zu bestehen. Die Spannung von Vorahnung und Kampf zeigt: Gemeinde formt Menschen, die den Charakter der Vollendung vorwegnehmen und dadurch Beitrag zur endgültigen Herstellung leisten. Zugleich bleibt die Verheißung der Offenbarung: ‘Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar gemacht worden, was wir sein werden. Wir wissen, dass, wenn Er offenbar gemacht wird, wir Ihm gleich sein werden.’ (1. Johannes 3:2)
So gesehen ist Gemeinde kein Selbstzweck, sondern das Mittel, durch das Gottes Bild in der Welt vervollkommnet wird. Ihr Leben, ihre Praxis und ihre Widerstandskraft gehören zusammen als Weg zur Vollendung; die Hoffnung auf Offenbarung und die Gegenwart des Lebens in Christus verbinden gegenwärtige Arbeit mit zukünftiger Vollendung.
die Sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt. (Epheser 1:23)
und die alle Erkenntnis übersteigende Liebe Christi zu erkennen, damit ihr zur ganzen Fülle Gottes erfüllt werdet. (Epheser 3:19)
Die Vorstellung, dass die Gemeinde ein Vorgeschmack der Vollendung ist, schenkt Mut: Sie macht deutlich, dass das gegenwärtige Ringen und die tägliche Treue Bedeutung haben. Die Gemeinde ist ein Raum, in dem Gottes Fülle sichtbar wird und durch den die Welt Stück für Stück umgestaltet wird. Möge diese Hoffnung stärken und ermutigen, damit Gemeinde nicht nur Programm, sondern lebendiger Ausdruck der kommenden Wirklichkeit bleibt.
Herr, danke für das Ebenbild und die Herrschaft, die Du dem Menschen gegeben hast; fülle uns mit deinem Leben, damit dein Segen sich ausbreitet, unsere Herzen satt werden und deine ruhige Gegenwart unser Ziel und unsere Freude ist. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Genesis, Chapter 9