Das Wort des Lebens
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Gottes Wiederherstellung und weitere Schöpfung (3) Zweck

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Am Anfang der biblischen Erzählung steht nicht nur ein Schöpfer, sondern ein Handelnder, der in Gemeinschaft entscheidet. Die Wendung »Lasst uns Menschen machen« in 1. Mose weckt die Frage, warum gerade ein solches gemeinsames Ratschlagen notwendig war und was es über die Stellung des Menschen in Gottes Plan offenbart. Wenn wir die Reihenfolge der Schöpfung und die Betonung von »Bild« und »Ebenbild« betrachten, wird deutlich: Gott bereitet eine Bühne vor, damit ein gereiftes, bewusste Leben Ihn ausdrücken und vertreten kann.

Die Konferenz des Dreieinen Gottes

Das einfache, fast beiläufige »Lasst Uns den Menschen machen« trägt eine theologische Schwere, die weit über einen bloßen grammatischen Plural hinausreicht. In 1. Mose 1:26 heißt es: „Und Gott sprach: Lasst Uns den Menschen machen in Unserem Bild, gemäß Unserer Gleichgestalt…“ Dieses »Uns« offenbart, dass die Schöpfung des Menschen kein einsames Handeln Gottes war, sondern ein gemeinsames Werk der göttlichen Personen. Die Beratung innerhalb der Gottheit zeigt, dass das Menschsein von Anfang an in das Beziehungsgeflecht des Dreieinen Gottes eingebettet ist – der Mensch ist als Gemeinschaftswesen angelegt, nicht als isoliertes Einzelwesen.

  1. Mose 1:26 offenbart, dass innerhalb der Gottheit eine Beratung stattfand. Wir sagen „miteinander“, weil Gott dreieinig ist. Mit menschlichen Worten ausgedrückt: Die Gottheit besteht aus drei Personen – ein Gott in drei Personen. (Witness Lee, Life-Study of Genesis, Botschaft sechs, S. 61)

Wenn die Einleitung der Menschenschöpfung die innere Gemeinschaft Gottes widerspiegelt, dann ist damit zugleich eine Absicht verbunden: der Mensch soll das Leben und die Herrschaft Gottes sichtbar machen. Johannes 1:18 erinnert daran, dass der Sohn den Vater kundgetan hat: „Niemand hat Gott je gesehen; der einziggeborene Sohn, der in der Brust des Vaters ist, Er hat Ihn kundgetan.“ Die Schöpfung in Gemeinschaft verweist also auf eine historische Offenbarung, in der das Offenbarwerden Gottes durch Sein eigenes Wesen in der Gemeinschaft der Personen geschieht. Daraus folgt, dass die menschliche Identität im Kern eine Repräsentation und ein Ausdruck dieser göttlichen Gemeinschaft ist.

Und Gott sprach: Lasst Uns den Menschen machen in Unserem Bild, gemäß Unserer Gleichgestalt, und sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über jedes Kriechtier, das auf der Erde umherkriecht! (1. Mose 1:26)

Niemand hat Gott je gesehen; der einziggeborene Sohn, der in der Brust des Vaters ist, Er hat Ihn kundgetan. (Johannes 1:18)

Diese Einsicht enthebt den Menschen nicht von Schwäche und Endlichkeit, gibt ihm aber einen unerschütterlichen Grund: Er ist berufen, Gemeinschaft zu sein und Gemeinschaft zu spiegeln. In dieser Berufung liegt Würde und Auftrag zugleich — die Gewissheit, dass unser Dasein in das Leben des Dreieinen Gottes eingebettet ist und dass unser Streben nach Beziehung und Treue Teil eines größeren, gemeinschaftlichen Plans Gottes ist.

Der Mensch als Abbild – Innerlich Bild, äußerlich Ebenbild

Die Doppelung von »Bild« und »Ebenbild« in der Schöpfungsbeschreibung legt eine Zweiteilung unseres Seins offen: etwas Inneres und etwas Sichtbares gehören zusammen. In 1. Mose 1:27 heißt es: „Und Gott schuf den Menschen in Seinem Bild; im Bild Gottes schuf Er ihn; als Mann und Frau schuf Er sie.“ Das innere Bild – Verstand, Wille und Gefühl – ist die unsichtbare Wurzel; das äußere Ebenbild ist die Gestalt, in der dieses Innere in der Welt aufscheint. Beobachtet man die Schrift aufmerksam, wird deutlich, dass das innere Abbild seinen Ursprung und sein Vorbild in Christus hat, dem wahren Offenbarungsbild Gottes.

Alle, die die Bibel gründlich studieren, sind sich einig, dass das „Bild“ etwas Innerliches bezeichnet, während das „Ebenbild“ etwas Äußerliches meint. In uns gibt es etwas Innerliches: Verstand, Wille und Gefühl. Äußerlich entspricht dem das Ebenbild — unsere körperliche Gestalt. (Witness Lee, Life-Study of Genesis, Botschaft sechs, S. 66)

Die praktische Konsequenz dieser Unterscheidung ist doppelt: Zuerst bedarf es einer inneren Umwandlung, damit das äußere Leben Christus widerspiegeln kann; zweitens bleibt die sichtbare Gestalt des Menschen nicht ohne Zukunft, denn die Schrift spricht von einer fortschreitenden Angleichung an das Bild des Sohnes (Römer 8:29, 2. Korinther 3:18). 2. Korinther 3:18 bringt dies in Worte: „Wir alle aber, die wir wie ein Spiegel mit unverschleiertem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen und widerspiegeln, werden in dasselbe Bild umgewandelt von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, so wie von dem Herrn Geist.“ Inneres Erneuertwerden ist also die Quelle sichtbarer Reife.

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Relevante Schriftstellen: 1.Mose 1:26-27, Röm. 9:21-23, 2.Kor 3:18, Röm. 8:29, Phil. 2:6-8.

Diese Wahrheit ermutigt dazu, vor dem Herrn still zu werden und neu zu sehen, wie Sein Leben Denken, Fühlen und Handeln von innen her prägt.

Ziel der Wiederherstellung: Erde, Leben, Herrschaft

Die Reihenfolge der Schöpfung ist keine bloße Abfolge von Ereignissen, sondern eine theologische Darstellung des Wirkungsplans Gottes: Erst wird Raum geschaffen, dann Leben bereitet, schließlich wird dem Menschen die Aufgabe gegeben, diesen Raum zu bevölkern und zu hüten. In 1. Mose 1:28 heißt es: „Und Gott segnete sie; und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels…“ Der Mensch tritt damit in eine stellvertretende Rolle, als Mittler, durch den Gottes Herrschaft auf der Erde sichtbar werden soll.

Kommen wir nun zu den zentralen Punkten von Gottes Wiederherstellung und der weiteren Schöpfung. 1) Um die Erde zurückzugewinnen, musste Gott sie wiederherstellen, damit sie Leben hervorbringen und Herrschaft ermöglichen konnte (1.Mose 1:9, 26, 28). Solange die Erde unter den Wassern des Todes lag, war es unmöglich, Leben hervorzubringen oder über die Erde zu herrschen. Damit beides möglich wurde, musste die Erde zurückgewonnen werden. (Witness Lee, Life-Study of Genesis, Botschaft sechs, S. 64)

Diese Zielsetzung enthält drei untrennbare Dimensionen: Wiederherstellung der Erde als befähigter Lebensraum, das Hervorbringen und Nähren von Leben in seiner Fülle, und die verantwortliche Herrschaft als Ausdruck göttlicher Souveränität. Wenn die Erde zunächst »unter den Wassern des Todes« lag, dann offenbart die Heraushebung des Trockenen ein Rettungswirken Gottes, das Leben möglich macht und Verantwortlichkeit einfordert. Aus dieser Perspektive wird deutlich, dass die Gemeinde nicht nur innerlich reifen soll, sondern in ihrer Existenz ein Zeugnis ist für die Wiederherstellung von Leben und Ordnung unter Gottes Herrschaft.

Und Gott segnete sie; und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über jedes Lebewesen, das sich auf der Erde bewegt! (1. Mose 1:28)

Und Gott sprach: Die Wasser von unterhalb der Himmel sollen sich sammeln an einer Stelle, und das trockene Land soll sichtbar werden! Und es geschah so. (1. Mose 1:9)

Vor diesem Hintergrund erscheint unsere Hoffnung nicht als privates Ziel, sondern als Teil eines größeren Aufbruchs zur Erneuerung der Schöpfung. Die Zusage Gottes, Räume zu bereiten und Leben hervorzubringen, lädt zur stillen Zuversicht: Sein Werk zur Wiederherstellung ist bereits in Bewegung, und wir werden in ihm Anteil haben, indem wir sein Ziel widerspiegeln – die Erde als Bühne seines Lebens und seiner Herrschaft.


Herr Jesus, danke, dass Du uns als Dein Bild geschaffen und Dich selbst zur Fülle in uns hingegeben hast; möge Dein Geist uns innerlich erneuern, uns zu lebendigen Gefäßen formen und uns befähigen, Dich treu zu verkörpern und Deine Herrlichkeit sichtbar zu machen. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Genesis, Chapter 6