Christus kommt mit Belohnung und Bestrafung, eine Lampe, die an einem finsteren Ort leuchtet, und Christus, der Seinen Überwindern im Geheimen als der Morgenstern erscheint – Einführung
Am Ende der Bibel hören wir eine eindringliche Stimme: „Siehe, Ich komme schnell, und Mein Lohn ist mit Mir, um einem jeden zu vergelten, wie sein Werk ist“ (Offb. 22:12). Diese Worte stammen nicht von einem strengen Fremden, sondern von unserem Herrn Jesus, der uns liebt und uns doch sehr ernst nimmt. Er wiederholt diese Ankündigung mehrfach: „Ich komme schnell“ (Offb. 3:11; 22:7). Er möchte, dass wir wach werden und bedenken, was Sein Kommen für uns persönlich bedeutet.
Die Bibel macht deutlich: Wenn der Herr wiederkommt und Sein Reich in Besitz nimmt, wird Er alle, die zu Ihm gehören, beurteilen. Nicht, um zu entscheiden, ob wir gerettet sind – unsere ewige Errettung beruht allein auf Seiner Gnade und nicht auf unseren Werken –, sondern um zu entscheiden, ob wir Lohn oder Zurechtweisung empfangen. Das griechische Wort für „Lohn“ in Offenbarung 22:12 bedeutet „Entlohnung“ – es geht um das, was der Herr als Antwort auf unser Leben und unseren Dienst gibt.
Paulus schreibt: „Wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit ein jeder die Dinge empfange, die er durch den Leib getan hat, gemäß dem, was er praktiziert hat, es sei gut oder schlecht“ (2.Kor. 5:10). Jeder Gerettete wird vor Christus stehen und Rechenschaft ablegen über sein Leben, seinen Wandel, sein Verhalten. Das ist so ernst, dass selbst der Apostel Paulus sagt, er wage es nicht, sich selbst zu beurteilen, sondern überlasse das dem Herrn (1.Kor. 4:3–4).
Die Bibel verbindet diesen Richterstuhl Christi immer wieder mit Lohn. In Erste Korinther 3:8 heißt es, dass jeder „gemäß seiner Mühe“ belohnt wird. In Matthäus 16:27 sagt der Herr Jesus, dass Er bei Seiner Wiederkunft „einem jeden vergelten“ wird „nach seinem Tun“. Die Art, wie wir nach unserer Errettung leben, dem Herrn dienen und für Ihn arbeiten, ist also keine Nebensache. Paulus fasst es so zusammen: „Wenn jemandes Werk, das er auf das Fundament aufgebaut hat, bleibt, so wird er Lohn empfangen“ (1.Kor. 3:14).
Das bedeutet: Unsere ewige Errettung ist ein Geschenk – völlig unabhängig von unseren Werken. Aber die Belohnung im kommenden Reich hängt sehr wohl von dem ab, was der Herr durch uns tun konnte, nachdem wir gerettet wurden. Wer Gutes praktiziert, wird Lohn empfangen; wer Böses praktiziert, wird Zurechtweisung erfahren (2.Kor. 5:10). Darum sagt der Herr: „Gesegnet ist, wer die Worte der Weissagung dieser Schriftrolle bewahrt“ (Offb. 22:7). Gesegnet ist, wer Sein Wort ernst nimmt – denn er wird belohnt werden.
2. Eine Lampe in der Nacht – das prophetische Wort als Orientierung
Wir leben in einer Zeit, die die Bibel als „finstere Nacht“ beschreibt. Petrus schreibt: „Uns ist das prophetische Wort noch fester gemacht worden, und ihr tut gut daran, darauf zu achten als auf eine Lampe, die an einem finsteren Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht“ (2.Petr. 1:19). Dieses Bild ist sehr anschaulich: Die Welt ist wie ein dunkler Ort, und das Wort Gottes ist wie eine Lampe, die uns den Weg zeigt.
Das prophetische Wort ist nicht nur Information über zukünftige Ereignisse. Es ist Licht in unserer Finsternis. Es schenkt uns nicht bloß verstandesmäßige Erkenntnis, sondern geistliches Licht, das unsere inneren Augen öffnet, unsere Schritte lenkt und uns hilft, durch diese Nacht hindurchzugehen. Es führt uns hin zu einem kommenden „Tag“, einer Zeit voller Licht, wenn der Herr sichtbar erscheinen wird.
Gerade in einer Zeit des Abfalls, in der viele vom Glauben abweichen oder das Wort Gottes relativieren, ist es entscheidend, auf dieses prophetische Wort zu achten. Es bewahrt uns davor, in der Dunkelheit dieser Zeit unterzugehen. Es ermutigt uns, die Gegenwart des Herrn ernstlich zu suchen und wachsam zu bleiben, damit wir Ihn nicht verpassen, wenn Er in einem verborgenen Aspekt Seines Kommens „wie ein Dieb“ kommt.
Petrus spricht davon, dass wir auf dieses Wort achten sollen, „bis der Tag anbricht“. Dieser „Tag“ weist auf das kommende Zeitalter hin, das Zeitalter des Königreichs, das beim Erscheinen des Herrn anbrechen wird. Dann wird Christus als „Sonne der Gerechtigkeit“ (Mal. 3:20) aufgehen und das Dunkel dieser Nacht durchbrechen. Doch bevor die Sonne aufgeht, geschieht etwas sehr Kostbares: der Morgenstern erscheint.
3. Der Morgenstern in unseren Herzen – Christus für die Wachsamen
Petrus sagt, dass der Morgenstern „in euren Herzen aufgeht“ (2.Petr. 1:19). In Offenbarung 22:16 stellt sich der Herr selbst vor: „Ich bin die Wurzel und der Nachkomme Davids, der hell leuchtende Morgenstern.“ Christus ist also nicht nur die Sonne, die einmal öffentlich für alle scheinen wird, sondern auch der Morgenstern, der in der tiefsten Nacht, kurz vor Tagesanbruch, erscheint.
Der Morgenstern ist ein Bild für den verborgenen, frühen Aspekt des Kommens des Herrn. Bevor Er für alle sichtbar als Sonne erscheint, wird Er denen als Morgenstern erscheinen, die wachsam sind und Sein Kommen lieben (2.Tim. 4:8). In Offenbarung 2:28 verspricht Er den Überwindern: „Ich werde ihm den Morgenstern geben.“ Das ist eine besondere Belohnung: eine innige, frühe, verborgene Erfahrung Seiner Gegenwart, bevor die große Trübsal und bevor das Reich öffentlich anbricht.
Die große Trübsal wird die finsterste Zeit dieser Weltgeschichte sein. Kurz davor, in der dunkelsten Stunde, wird Christus als hell leuchtender Morgenstern erscheinen. Im Reich wird Er Seinem Volk öffentlich als Sonne erscheinen, aber vor der Trübsal wird Er Seinen Überwindern im Geheimen als Morgenstern erscheinen. Der Morgenstern ist nicht für alle sichtbar – nur die Wachsamen sehen ihn. Die schläfrigen Gläubigen werden Christus später als Sonne sehen, aber sie verpassen die Frische Seiner frühen, verborgenen Erscheinung.
Wie wird der Morgenstern in unseren Herzen aufgehen? Petrus verbindet es direkt mit dem prophetischen Wort: Wenn wir auf das Wort achten, das wie eine Lampe in der Finsternis leuchtet, beginnt Christus als Morgenstern in unserem Inneren zu leuchten. Noch bevor Er tatsächlich als Morgenstern erscheint, können wir heute schon innerlich etwas von diesem Licht erfahren. Inmitten der Finsternis des Abfalls, inmitten der Verwirrung unserer Zeit, kann Er unser Herz erhellen, unsere Liebe zu Ihm vertiefen und unsere Erwartung Seines Kommens lebendig machen.
4. Ein Gebet am Ende der Bibel – unsere Antwort heute
Die ganze Bibel endet mit einem Ruf, der zugleich Sehnsucht und Gebet ist. Der Herr sagt: „Ja, Ich komme schnell“, und Johannes antwortet: „Amen. Komm, Herr Jesus!“ (Offb. 22:20). Das ist das letzte Gebet der Schrift. Es ist die passende Antwort auf alles, was Gott offenbart hat: auf den kommenden Richterstuhl, auf den Lohn und die Zurechtweisung, auf das Licht des prophetischen Wortes und auf die Verheißung des Morgensterns.
Dieses Gebet ist nicht nur für Johannes gedacht, sondern für uns alle. Es lädt uns ein, unser Leben im Licht der Wiederkunft Christi zu sehen. Es stellt uns Fragen: Lebe ich so, dass ich dem Herrn mit Freude begegnen kann? Achte ich auf Sein Wort wie auf eine Lampe in der Nacht? Bin ich wachsam, oder bin ich geistlich eingeschlafen? Liebe ich Sein Erscheinen, oder fürchte ich mich davor?
Der Herr kommt mit Lohn. Er kommt als Licht in der Finsternis. Er kommt als Sonne für alle und als Morgenstern für die, die Ihn wachsam erwarten. Wer Sein Wort bewahrt, wer Ihn liebt und Ihm dient, wird nicht beschämt werden, sondern Lohn empfangen und die Frische Seiner Gegenwart in besonderer Weise genießen.
So darf auch unser Herz mit der letzten Bitte der Bibel einstimmen: „Amen. Komm, Herr Jesus!“