Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Erfahrung der sieben Lampen, der sieben Augen und der sieben Geister

13 Min. Lesezeit

Beim Lesen der ganzen Bibel fällt auf, dass Gott sich schrittweise offenbart: vom Schöpfer in 1. Mose, der den Menschen nach seinem Bild macht, bis zum Zentrum der heiligen Stadt am Ende der Offenbarung. Dazwischen steht unser wechselhaftes Christenleben, in dem wir Phasen von Freude, Niederlage, Klarheit und Verwirrung erleben. Die Bilder von den sieben Lampen, den sieben Augen und den sieben Geistern in der Bibel helfen zu verstehen, wie der Dreieine Gott selbst unsere Unbeständigkeit in etwas Dauerhaftes verwandeln will: in sein gemeinsames Haus mit uns, das in der Offenbarung als das Neue Jerusalem sichtbar wird.

Gottes unveränderliches Ziel: Von 1. Mose zum Neuen Jerusalem

Am Anfang der Schrift steht ein scheinbar schlichtes Wort, das doch wie ein Grundton unter der ganzen Geschichte Gottes mit dem Menschen liegt: „Und Gott sprach: Lasst Uns den Menschen machen in Unserem Bild, gemäß Unserer Gleichgestalt“ (1. Mose 1:26). Gott schafft den Menschen nicht nur als Funktionsträger, sondern als Spiegel seines eigenen Wesens. Bild und Gleichgestalt sind wie ein leeres Gefäß, das auf Füllung wartet. Äußerlich entspricht der Mensch dem Gedanken Gottes, innerlich fehlt ihm jedoch das göttliche Leben. Zwischen dem, was der Mensch sein könnte, und dem, was er tatsächlich ist, spannt sich ein großer, heilsgeschichtlicher Bogen auf.

Wenn wir die ganze Bibel von 1. Mose 1 bis Offenbarung 22 lesen, sehen wir: Nachdem viele Heilszeiten, Generationen und Jahrhunderte vergangen sind, wird Gott in der zukünftigen Ewigkeit immer noch da sein. Dann wird Er jedoch nicht mehr allein sein. Obwohl Er weiterhin der Dreieine Gott sein wird, dargestellt in 22:1 als Gott, das Lamm und der fließende Strom (das Symbol des Geistes), wird Er zu jener Zeit das Zentrum des Neuen Jerusalem sein. In der vergangenen Ewigkeit war Gott für Sich Selbst; in der zukünftigen Ewigkeit aber wird der Dreieine Gott das Zentrum des Neuen Jerusalem sein und die ganze Stadt durchdringen. Das Bild des Neuen Jerusalem in den Kapiteln 21 und 22 ist ein Zeichen dafür, dass Gott mit Seinem erlösten Volk als Seiner Vergrößerung vermengt sein wird. Schließlich wird dieses Volk ein Bauwerk sein. Dieses Bauwerk, zusammengesetzt aus Göttlichkeit und Menschlichkeit, wird eine gegenseitige Wohnstätte für Gott und den Menschen sein. (Witness Lee, Life-Study of Revelation, Botschaft achtundsechzig, S. 778)

Am Ende der Offenbarung sehen wir denselben Gott, aber nicht mehr allein. In Offenbarung 3:12 heißt es: „Den, der überwindet, werde Ich zu einer Säule im Tempel Meines Gottes machen … und Ich werde auf ihn den Namen Meines Gottes schreiben und den Namen der Stadt Meines Gottes, des Neuen Jerusalem.“ Gott bleibt der Dreieine, doch er steht nun inmitten eines Baus, der aus Menschen besteht, die seinen Namen tragen und seine Stadt darstellen. Aus dem geschaffenen Bild wird eine durchdrungene Wirklichkeit: Menschen, die nicht nur nach Gott gestaltet sind, sondern von Gott erfüllt und mit Ihm vermengt sind.

Zwischen dem ersten Schöpfungswort und der Heiligen Stadt liegt eine lange Geschichte von Bundesschlüssen, Gerichten, Rettungen und Neuanfängen. Doch Gottes inneres Ziel verändert sich nicht. Schon im Alten Bund zeigt Er es im Bild der Stiftshütte und des Tempels: Gott sucht keinen fernen Thron, sondern eine Wohnung inmitten seines Volkes. Wenn im Neuen Bund über Jesus gesagt wird: „Und das Wort wurde Fleisch und stiftshüttete unter uns“ (Joh. 1:14), ist das keine poetische Formulierung, sondern die Zuspitzung dieses Ziels. Der Sohn wird zur wahren Stiftshütte; in Ihm berühren sich Gott und Mensch auf engstem Raum.

Von Christus her weitet sich dieser Wohnort: „Wisst ihr nicht, dass ihr der Tempel Gottes seid und dass der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1. Kor. 3:16). Die Gemeinde ist nicht lediglich eine Versammlung von Glaubenden, sondern das beginnende Haus Gottes auf Erden. Gott baut, indem Er Menschen gewinnt, sie wiedergebiert, erneuert und umwandelt. Aus isolierten Einzelnen werden lebendige Steine, die zu einem Bau „Gottes Ackerfeld, Gottes Bau“ (1. Kor. 3:9) zusammengefügt werden. Das Werk des Geistes an uns – oft unscheinbar, manchmal schmerzlich – steht unter diesem einen großen Vorzeichen: Gott formt aus unserem wechselhaften Leben etwas Unverrückbares für seine Ewigkeit.

Und Gott sprach: Lasst Uns den Menschen machen in Unserem Bild, gemäß Unserer Gleichgestalt, und sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über jedes Kriechtier, das auf der Erde umherkriecht! (1. Mose 1:26)

Den, der überwindet, werde Ich zu einer Säule im Tempel Meines Gottes machen, und er wird auf keinen Fall mehr hinausgehen, und Ich werde auf ihn den Namen Meines Gottes schreiben und den Namen der Stadt Meines Gottes, des Neuen Jerusalem, das aus dem Himmel von Meinem Gott herabkommt, und Meinen neuen Namen. (Offb. 3:12)

Wer den Faden von 1. Mose bis zur Offenbarung verfolgt, beginnt das eigene Leben weniger punktuell und mehr im Licht von Gottes Bauziel zu sehen. Rückschläge und Reifezeiten verlieren etwas von ihrer Schwere, weil sie nicht das Ende der Geschichte markieren, sondern Material und Standort auf einer größeren Baustelle bestimmen. Inmitten von Wandel und Unsicherheit bleibt die Gewissheit: Gott bleibt derselbe Baumeister, und Er verfolgt beharrlich sein Ziel, uns in seinen dauerhaften Bau einzufügen – als Menschen, die von Ihm bewohnt, von Ihm getragen und in Ihm dauerhaft verankert sind.

Die sieben Lampen und sieben Augen: Reinigen, richten und verwandeln

Im Bild der Stiftshütte fällt der goldene Leuchter ins Auge: Er stand im Heiligen, nicht im Vorhof und nicht im Allerheiligsten. Sein Licht fiel auf den Weg zur innersten Gegenwart Gottes. So wird der Leuchter zu einem feinen Bild für Gottes Umgang mit uns. Er stellt uns nicht gleich ins Allerheiligste, sondern führt uns durch sein Licht dorthin, wo Er selbst wohnt. Dieses Licht ist kein kaltes Ausleuchten, sondern ein lebendiges, brennendes Licht; es trägt Wärme und Feuer in sich. „Denn der HERR, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer“ (5. Mose 4:24) – dieses Feuer verbindet sich mit dem Leuchten, wenn die Schrift von den sieben Lampen vor dem Thron spricht.

Der Leuchter war ein äußerst wichtiger Gegenstand in der Stiftshütte, weil er die Menschen zur Lade im Allerheiligsten hinführte. … Der Leuchter führte die Menschen in das Allerheiligste hinein; er zeigte den Weg zum Gesetz des Lebens in der Lade des Zeugnisses. (Witness Lee, Life-Study of Revelation, Botschaft achtundsechzig, S. 780)

Sacharja sieht einen Leuchter mit sieben Lampen und hört, dass die Augen des Herrn „über die ganze Erde hin und her gehen“ (vgl. Sach. 4:2.10). In Offenbarung 5 wird dieses Bild noch dichter: „Es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, die über die ganze Erde hin ausgesandt sind“ (Offb. 5:6). Die sieben Lampen stehen nicht für ein neutrales Licht, sondern für die suchenden, prüfenden Augen des Lammes. Wo dieses Licht uns trifft, werden verborgene Motive sichtbar, lieb gewordene Kompromisse aufgedeckt, stille Götzen beim Namen genannt. Gottes Blick geht nicht an der Oberfläche unserer Frömmigkeit stehen, sondern dringt zum Kern. Sein Licht richtet, aber es richtet in der Hand dessen, der als Lamm geschlachtet wurde.

Darum ist dieses Richten nie losgelöst von Gnade. Wenn Paulus schreibt: „Wenn aber jemand auf das Fundament Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh aufbaut, wird das Werk eines jeden offenbar werden; denn der Tag wird es offenkundig machen, weil es durch Feuer offenbart wird“ (1.Kor 3:12–13), beschreibt er die Konsequenz der sieben Lampen in unserem Leben. Das Feuer Gottes vernichtet nicht alles unterschiedslos, sondern unterscheidet. Es lässt bestehen, was aus Gott gewirkt ist und verbrennt, was aus uns selbst stammt – auch wenn es äußerlich fromm aussieht. Holz, Heu und Stroh sind nicht in erster Linie grobe Sünden, sondern manches religiöse Tun, das nicht aus der inneren Wirklichkeit Christi kommt.

Die sieben Augen des Lammes sind unter dieser Perspektive nicht nur prüfend, sondern zugleich verwandelnd. Wenn der Herr uns anschaut, bleibt Er nicht Zuschauer. Sein Blick ist übertragend. In seiner Gegenwart merkt der Mensch nicht nur, wie er wirklich ist, sondern empfängt zugleich, was Christus ist. Die Augen des Lammes schreiben gleichsam seine Züge in unsere Herzen ein. So erklärt sich, dass aus der Begegnung mit dem Licht kein verurteiltes, sondern ein erneuertes Herz hervorgeht. Gott führt durch das Licht nicht aus seiner Nähe heraus, sondern tiefer hinein.

Denn der HERR, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer, ein eifersüchtiger Gott! (5.Mose 4:24)

Und ich sah in der Mitte des Thrones und der vier lebendigen Wesen und in der Mitte der Ältesten ein Lamm stehen, als wäre Es gerade geschlachtet worden; Es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, die über die ganze Erde hin ausgesandt sind. (Offb. 5:6)

Die Erfahrung der sieben Lampen und Augen löst die Angst vor Gottes Licht. Stattdessen reift ein inneres Einverständnis mit seinem prüfenden Blick. Das Erschrecken über aufgedeckte Motive muss dann nicht in Selbstanklage enden, sondern in Dankbarkeit darüber, dass Gott unsere Baustellen ernst nimmt und nicht sich selbst überlässt. So wird das Licht, das zuerst bedrohend wirkt, zu einem kostbaren Begleiter auf dem Weg in eine tiefere Gemeinschaft mit Ihm und in eine beständigere Einfügung in seinen Bau.

Die sieben Geister und der Strom des Lebens: Leben, Wachstum und Bau

In der Offenbarung erscheinen die sieben Geister Gottes im Zusammenhang mit dem Lamm und seinen sieben Augen. Sieben Geister bedeutet nicht sieben verschiedene heilige Geister, sondern beschreibt die intensive, vervielfältigte Wirksamkeit des einen Geistes Gottes. Der Geist, der im ganzen Zeugnis der Schrift als der eine Heilige Geist erscheint, wird hier in seiner Ausbreitung und Verstärkung gezeigt. Derselbe, der uns durch die sieben Lampen erleuchtet und durch die sieben Augen anschaut, wird in unserer Erfahrung zu einer Quelle von Leben und Bewegung. „Und ich sah … ein Lamm …; Es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, die über die ganze Erde hin ausgesandt sind“ (Offb. 5:6). Aus dem Blick des Lammes wird der Geist, der ausgesandt ist, um das Gesehene in uns zu verwirklichen.

Die sieben Lampen sind zugleich die sieben Augen des Lammes und des Steins. Die Lampen sind zum Erleuchten und Brennen; die Augen sind sowohl zum Wachen und Beobachten als auch zum Einflößen und Übermitteln. Die sieben Augen übertragen alles, was das Lamm-der-Stein ist, in unser Sein hinein, damit wir genauso werden wie Er. (Witness Lee, Life-Study of Revelation, Botschaft achtundsechzig, S. 783)

In Offenbarung 4 stehen die sieben brennenden Feuerfackeln vor dem Thron; in Offenbarung 22 entfaltet sich aus demselben Thron ein ganz anderes Bild: „Und er zeigte mir einen Strom von Wasser des Lebens, glänzend wie Kristall, der hervorging aus dem Thron Gottes und des Lammes“ (Offb. 22:1). Das Feuerlicht vor dem Thron und der Lebensstrom aus dem Thron gehören zusammen. Was das Licht aufdeckt und das Feuer reinigt, lässt der Geist nicht leer zurück, sondern erfüllt es mit göttlichem Leben. Aus dem richtenden, brennenden Wirken wird ein tröstendes, tragendes Fließen. So wird erfahrbar, wovon Jesus in Johannes 7 spricht: dass aus dem Inneren dessen, der an Ihn glaubt, Ströme lebendigen Wassers fließen – und der Evangelist fügt hinzu, dass Er dies „vom Geist“ sagte (Joh. 7:37–39).

Dieses Fließen bringt Wachstum im Leben bis zur Reife hervor. Wachstum geschieht nicht durch äußeren Druck, sondern durch inneren Zufluss. Der Geist ist nicht nur ein gelegentlicher Besucher, sondern eine lebensspendende Gegenwart, die in uns wohnt, uns nährt, korrigiert und leitet. Wo wir den Fluss nicht ständig abbremsen, wird unser Charakter allmählich von innen her geprägt. Harte Kanten werden nicht einfach abgeschliffen, weil wir uns zusammenreißen, sondern weil das Leben Christi Raum gewinnt. So entstehen „Gold, Silber, Edelsteine“, die dem Feuer standhalten und für den Bau Gottes tauglich sind. Das, was der Geist in uns hervorbringt, trägt denselben Charakter wie die Stadt, die am Ende der Bibel leuchtet: klar, durchscheinend, von Gottes Herrlichkeit erfüllt.

Der Strom des Lebens verbindet uns jedoch nicht nur persönlich mit Gott, sondern fügt uns auch miteinander zusammen. Der Fluss in Offenbarung 22 fließt mitten durch die Stadt; an beiden Ufern steht der Baum des Lebens, dessen Blätter zur Heilung der Nationen sind. Wo derselbe Geist in vielen Herzen fließt, wächst eine geistliche Einheit, die nicht aus Übereinkünften, sondern aus gemeinsamem Leben besteht. Die sieben Geister Gottes, ausgesandt über die ganze Erde, führen Menschen aus verschiedensten Hintergründen in ein und dieselbe Lebenswirklichkeit hinein. So entsteht der Bau Gottes: nicht als abstraktes Projekt, sondern als konkrete Gemeinschaft von Menschen, die vom selben Geist geprägt und vom selben Strom genährt werden.

Und ich sah in der Mitte des Thrones und der vier lebendigen Wesen und in der Mitte der Ältesten ein Lamm stehen, als wäre Es gerade geschlachtet worden; Es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, die über die ganze Erde hin ausgesandt sind. (Offb. 5:6)

Und er zeigte mir einen Strom von Wasser des Lebens, glänzend wie Kristall, der hervorging aus dem Thron Gottes und des Lammes. (Offb. 22:1)

Die sieben Geister Gottes als verstärkte Wirksamkeit des einen Geistes zu sehen, hilft, das eigene Leben nicht nur unter dem Aspekt von Licht und Korrektur, sondern ebenso unter dem von Leben und Zufluss zu verstehen. Die Phasen, in denen Gottes Licht alles durchleuchtet, stehen nicht im Gegensatz zu Zeiten stiller Erfrischung, sondern gehören zu einem einzigen Wirken desselben Geistes. Wer lernt, sich diesem Wirken nicht nur in der Freude, sondern auch in der Reinigung zu öffnen, entdeckt Schritt für Schritt einen inneren Fluss, der trägt, wo eigene Kraft endet, und der uns unscheinbar, aber beständig in den Bau Gottes hineinwachsen lässt.


Herr Jesus Christus, danke, dass du als das Lamm mit den sieben Augen und als der Geist mit den sieben Lampen unser Leben durchdringst, auch dort, wo wir uns selbst nicht verstehen. Du siehst alles, was dunkel, gemischt und ungeordnet ist, und du gibst uns nicht auf, sondern reinigst, richtest und verwandelst uns mit deinem heiligen Licht. Lass dein suchendes und liebendes Anschauen unser Inneres nicht verbergen, sondern heilen, sodass alles, was nicht aus dir ist, verbrannt wird und alles, was von dir kommt, gereinigt bestehen bleibt. Fülle uns neu mit deinem Geist, damit das Feuer deiner Heiligkeit in uns zu einem stetigen Strom deines Lebens wird, der uns in dir festigt und mit deinen Kindern verbindet. Forme aus uns ein lebendiges Haus, in dem du schon jetzt Wohnung nimmst und deine Herrlichkeit aufscheinen lässt, bis wir einmal völlig im Licht und im Strom des Neuen Jerusalem stehen. Inmitten aller Veränderungen unseres Lebens bewahre uns in deinem unveränderlichen Ziel und lass uns die Hoffnung deiner Vollendung nie verlieren. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Revelation, Chapter 68

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