Das Wort des Lebens
lebensstudium

Das neue Jerusalem (4)

10 Min. Lesezeit

Christen sehnen sich nach einer verbindenden, klaren Sicht von Gemeinde, die nicht in unzählige Meinungen zerfällt. Die Vision des neuen Jerusalem zeichnet ein kraftvolles Bild: ein von Gott gestaltetes Stadtensemble, in dem alle Mauern, Fundamente und Farben auf einen einzigen Ursprung und eine einzige Herrlichkeit hinweisen. Wer sich auf diese biblische Schau einlässt, entdeckt darin eine praktische Antwort auf Spaltungen, Konkurrenzdenken und die vielen Sonderwege der heutigen Christenheit.

Einheitliche Erscheinung: Die Gemeinde trägt Gottes Aussehen

Das Bild der jaspisfarbenen Stadt legt den Blick nicht zuerst auf uns, sondern auf Gott. Jaspis ist in der Offenbarung das Aussehen Gottes; wenn die Mauer des neuen Jerusalem durch und durch aus Jaspis besteht, dann trägt die Stadt auf jeder Seite dieselbe Erscheinung. Man sieht nicht hier Weiß, dort Grau und anderswo Buntes, sondern einen einheitlichen, klaren Glanz. So wird sichtbar, was Gott mit der Gemeinde vorhat: Sie soll nicht das Mosaik menschlicher Eigenarten ausstellen, sondern an jedem Punkt dasselbe Gesicht Gottes widerspiegeln. Paulus beschreibt diesen Gedanken sehr nüchtern, wenn er schreibt, die Gläubigen sollten „alle dasselbe reden“ und „in derselben Gesinnung und in demselben Urteil vollkommen zusammengefügt“ sein (vgl. 1.Kor. 1:10). Es geht nicht um Uniformierung, sondern um einen gemeinsamen Ursprung: alle tragen dieselbe Quelle, dasselbe Leben und damit dieselbe Ausstrahlung.

Wie wir bereits hervorgehoben haben, ist Jaspis das Aussehen Gottes. Dass das Baumaterial der ganzen Mauer Jaspis ist, zeigt, dass das Neue Jerusalem als der korporative Ausdruck Gottes in der Ewigkeit das Aussehen Gottes trägt. Diese Stadt ist auf allen vier Seiten in ihrem Aussehen einheitlich. Das macht deutlich, dass alle Unterschiede verschwunden sind und dass die Stadt der einzigartige Ausdruck des Dreieinen Gottes ist. (Witness Lee, Life-Study of Revelation, Botschaft zweiundsechzig, S. 712)

Der Weg dahin ist kein ästhetisches Korrekturprogramm, sondern ein tiefes Werk Gottes im Inneren. Am Anfang steht der Mensch als geformter „Ton“: „da formte Jehovah Gott den Menschen vom Staub des Erdbodens und hauchte ihm den Lebensatem in die Nasenlöcher, und der Mensch wurde zu einer lebenden Seele“ (1.Mose 2:7). Dieser irdische Stoff wird durch Wiedergeburt und Umwandlung zu einem kostbaren Stein, der Licht durchlässt und Gottes Aussehen trägt. In diesem Prozess werden nicht Temperamente ausgelöscht, sondern in einen anderen Dienst gestellt: Eigendünkel, kulturelle Selbstverständlichkeiten und fromme Eigenwilligkeit verlieren die Herrschaft, damit die göttliche Prägung hervortreten kann. Je stärker Gottes Leben unser Denken, Fühlen und Reden durchdringt, desto weniger bestimmt uns die Frage, wie „unsere“ Gemeinde sein soll, und desto mehr wird sichtbar, wie Christus die Gemeinde haben will. Es ist eine stille, aber tiefgreifende Hoffnung, in dieser jaspisfarbenen Einheit zu stehen: dort, wo die Unterschiede nicht verleugnet, aber von der Herrlichkeit Gottes durchleuchtet sind, wird Gemeinschaft leicht, Vertrauen möglich und Gottes Antlitz inmitten seiner Menschen erkennbar.

Ich ermahne euch aber, Brüder, durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus, daß ihr alle dasselbe redet und nicht Spaltungen unter euch habt, sondern in demselben Sinn und in derselben Meinung völlig zusammengefügt seid. (1.Kor. 1:10)

da formte Jehovah Gott den Menschen vom Staub des Erdbodens und hauchte ihm den Lebensatem in die Nasenlöcher, und der Mensch wurde zu einer lebenden Seele. (1.Mose 2:7)

Die Vision der jaspisfarbenen Stadt lädt dazu ein, Einheit nicht als Ergebnis geschickter Abstimmungen zu betrachten, sondern als Frucht der Umwandlung. Wo Gott mehr Raum in Herz und Denken gewinnt, verlieren kulturelle Fronten und persönliche Profiles an Gewicht. Es wächst ein innerer Wunsch, nicht mehr das Eigene zu betonen, sondern dass in mir und in der Gemeinde „das Gleiche“ gesehen und gehört wird: Christus. Das ermutigt, Spannungen nicht zu dramatisieren, sondern als Hinweise zu verstehen, wo Gottes Aussehen uns noch weiter durchdringen will. So wird die Perspektive weit: die Gemeinde ist berufen, wie ein Jaspis zu leuchten – nicht in der grellen Farbe des Eigenen, sondern im ruhigen, einheitlichen Glanz des Dreieinen Gottes.

Göttliche Natur statt menschlicher Bemühung: Wie der Aufbau wirklich geschieht

Die goldene Stadt mit der jaspisfarbenen Mauer zeigt, wie Gott seine Gemeinde denkt: Gold gehört ins Innere, Jaspis nach außen. Gold steht für seine göttliche Natur als Inhalt; Jaspis für sein Aussehen in der Erscheinung. Solange eine Gemeinde im Innersten von anderem erfüllt ist – Traditionen, Gruppendruck, nationaler Stolz, moralische Ideale –, bleibt sie in sich geteilt, auch wenn die Formen freundlich und höflich sind. Man kann Konflikte glätten, ohne dass wirkliche Einheit entsteht. Der Hebräerbrief spricht von Gott als dem Baumeister: Abraham wartete „auf die Stadt, die die Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist“ (Hebräer 11:10). Gott selbst entwirft, gründet und baut; der Aufbau der Gemeinde beginnt nicht bei der Frage, wie wir besser miteinander auskommen, sondern bei der Frage, was unseren inneren Kern ausmacht.

Wir haben gesehen, dass die Stadt des Neuen Jerusalem durch und durch, in ihrem ganzen Wesen, golden ist. Das zeigt, dass die ganze Gemeinde in ihrem Wesen durch und durch von der göttlichen Natur sein sollte. Das ist der Inhalt der Gemeinde. Die Gemeinde darf als Substanz und Inhalt nichts anderes haben als Gott Selbst in Seiner Natur. (Witness Lee, Life-Study of Revelation, Botschaft zweiundsechzig, S. 714)

Diese Verwandlung beschreibt Paulus nicht als moralisches Anstrengungsprogramm, sondern als Erneuerung von innen: „Und paßt euch nicht diesem Zeitalter an, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes“ (Röm. 12:2). Der Sinn – unser inneres Bewertungszentrum – wird neu, wenn Gottes göttliche Natur unsere Maßstäbe prägt. Dann verliert der Drang, sich zu behaupten, an Kraft, und die Lust wächst, Christus Raum zu geben. So verändert sich das Klima in der Gemeinde: Es geht nicht mehr darum, wer recht hat, sondern was dem Ausdruck Christi entspricht. Nettigkeit und Nachsicht bleiben wertvoll, reichen aber nicht als Fundament. Erst wenn Gott als Gold unseren inneren „Stadtbereich“ erfüllt, kann die Gemeinde nach außen wie Jaspis erscheinen. Der Trost in dieser Sicht ist, dass der Aufbau nicht auf unseren Launen ruht, sondern auf Gottes Wirken: Er ist bereit, uns „bis zum Äußersten“ mit sich selbst zu erfüllen. Darin liegt eine tiefe Ermutigung: Jeder Schritt, in dem wir eigenes Recht loslassen und Raum für seine Natur schaffen, trägt dazu bei, dass die Gemeinde mehr zu dem wird, was sie in Gottes Augen schon ist – eine Stadt, deren Inhalt Gott ist und deren Aussehen von ihm erzählt.

Wo die goldene Natur Gottes unser Inneres füllt, verliert die Anstrengung, „gute Christen“ zu sein, ihre Schwere. Statt uns um den Erhalt eigener Vorstellungen zu drehen, wächst das Verlangen, dass Christus Gestalt gewinnt – im Denken, in Gesprächen, in Entscheidungen. So wird Gemeinde weniger Schauplatz menschlicher Bemühung und mehr Ort göttlicher Realität. Die Aussicht, von Gott selbst aufgebaut zu werden, nimmt den Druck, alles im Griff haben zu müssen, und stärkt das stille Vertrauen: Er vermag, aus brüchigen Beziehungen tragende Verbindungen zu machen, aus müden Herzen lebendige Steine – bis die Gemeinde in ihrer inneren Substanz wirklich golden und in ihrem Ausdruck jaspisfarben wird.

Relevante Schriftstellen: Offb. 21:18-19, Röm. 12:2, Eph. 4:3-6, Hebr. 11:10, 1.Kor. 3:9-11.

Diese Wahrheit ermutigt dazu, vor dem Herrn still zu werden und neu zu sehen, wie sein Leben Denken, Fühlen und Handeln von innen her prägt.

auf die Stadt, die die Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. (Hebräer 11:10)

Fundamente der Apostel und der Regenbogen der Bundestreue

Wenn die Offenbarung vom neuen Jerusalem als „Stadt, die die Grundlagen hat“, spricht, knüpft sie an die Sehnsucht Abrahams an: Er „wartete auf die Stadt, die die Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist“ (Hebräer 11:10). Diese Grundlagen werden sichtbar, wenn Johannes die Stadt beschreibt: „Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Fundamente, und auf ihnen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes“ (Offb. 21:14). Die Gemeinde ruht also nicht auf der Dynamik religiöser Bewegungen, sondern auf dem apostolischen Zeugnis des Lammes, das Gott selbst gesetzt hat. Bemerkenswert ist, dass diese Fundamente aus kostbaren Steinen bestehen. Auch die Apostel waren nicht von Anfang an „Edelsteine“; sie waren Ton, geprägt von Schwäche, Angst und Eigenwillen. Durch Wiedergeburt, die Schule des Gehens mit Christus und manche Zerbrüche wurden sie zu Steinen, die Gottes Licht durchlassen. Dass die Fundamente übereinandergeschichtet sind, deutet an: Gottes verschiedene Dienste in der Geschichte stehen nicht gegeneinander, sondern tragen einander. Frühere Schichten werden nicht entsorgt, sondern bleiben tragfähig, während neue Schichten hinzukommen.

Hebräer 11:10 sagt von Abraham: „Denn er wartete auf die Stadt, die die Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.“ Die Stadt mit den Grundlagen, das Neue Jerusalem, wurde von Gott entworfen und gemacht. (Witness Lee, Life-Study of Revelation, Botschaft zweiundsechzig, S. 717)

Die Vielzahl der Edelsteine mit ihren Farben ergibt das Bild eines Regenbogens, wie er an der Mauer der Stadt aufscheint. So erinnert die Stadt unübersehbar an den Bogen Gottes in den Wolken: „Meinen Bogen setze Ich in die Wolken, und er soll als Zeichen eines Bundes zwischen Mir und der Erde dienen“ (1.Mose 9:13). Dort hat Gott seinen Bund mit der Erde geschlossen und zugesichert, das Leben nicht wieder durch eine Flut zu vernichten (1.Mose 9:8-17). Der Regenbogen an den Fundamenten des neuen Jerusalem zeigt: Die Gemeinde ruht auf der Bundestreue Gottes. Seine Verheißungen im Neuen Bund und das von ihm bestätigte apostolische Zeugnis sind der Boden, auf dem sie steht. Das bewahrt davor, die Gemeinde auf aktuelle Strömungen, charismatische Gestalten oder eigenständige „Projekte“ zu gründen. Wer sich an die apostolische Grundlage und die Bundestreue Gottes bindet, steht nicht auf bröckelndem Gestein, sondern auf Trägern, die Gott selbst gelegt hat. Diese Sicht schenkt Gelassenheit: Veränderungen, Krisen und Übergänge sind real, aber sie reichen nicht bis unter die Fundamente. Dort trägt Gottes unwandelbare Treue – wie ein Regenbogen, der über allen Wellen bleibt.

Die Betrachtung der zwölf Fundamente und der Regenbogenfarben weitet den Blick für unsere Stellung in der Gemeinde. Wir stehen nicht auf der Stärke einer Generation, einer Richtung oder eines Dienstes, sondern auf Gottes Bund und dem durch die Apostel bezeugten Christus. Das befreit von der Angst, alles absichern zu müssen, und lädt zu einem ruhigen Vertrauen ein: Gott selbst sorgt für die Tragfähigkeit seines Hauses. In diesem Vertrauen lassen sich unterschiedliche Dienste, Prägungen und Zeiten nicht mehr als Konkurrenz erleben, sondern als verschiedene Schichten eines Werkes, das auf dieselbe Treue Gottes gegründet ist. So wird die Gemeinde zu einem Ort, an dem nicht menschliche Stabilität, sondern göttliche Zuverlässigkeit leuchtet – wie ein Regenbogen, der an die Hand erinnert, die ihn in den Himmel gesetzt hat.

Relevante Schriftstellen: Offb. 21:14, Offb. 21:19-20, Hebr. 11:10, Eph. 2:20, 1.Mose 9:8-17, Johannes 1:42.

Diese Einsicht ermutigt dazu, im Vertrauen auf Gottes Treue zu leben und seinen Bau an uns und in der Gemeinde zu erwarten.


Herr Jesus Christus, wir danken dir für die Vision des neuen Jerusalem, in der du uns zeigst, wie du selbst das Leben, der Inhalt und die Erscheinung deiner Gemeinde bist. Du siehst unsere Verschiedenheit, unsere vielen Meinungen und Prägungen – und du willst sie nicht durch Druck, sondern durch deine göttliche Natur in uns verwandeln. Fülle uns neu mit deinem Leben, erneuere unser Denken und verschlinge das, was nur aus uns selbst kommt, damit deine Gesinnung, dein Reden und dein Aussehen in uns Raum gewinnen. Stärke in uns das Vertrauen, dass deine Treue wie ein Regenbogen über unserem Leben und über deiner Gemeinde steht und dass dein Bau nicht scheitern wird. Lass uns innerlich auf dem apostolischen Fundament deiner Gnade ruhen und in der Gewissheit leben, dass du uns bis zur Vollendung in dein Bild umgestaltest. So möge dein Volk schon heute etwas von der einen, strahlenden Jaspis-Erscheinung des kommenden Jerusalem widerspiegeln. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Revelation, Chapter 62

Stadt, die die Grundlagen hat“, spricht, knüpft sie an die Sehnsucht Abrahams an: Er „wartete auf die Stadt, die die Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. (Hebräer 11:10)

Diesen Artikel teilen

Wenn er hilfreich war, kannst du ihn einfach weitergeben.

E-Mail WhatsApp