Die Entrückung der Gläubigen (2)
Die Vorstellung, dass Gläubige plötzlich zu Christus entrückt werden, fasziniert und verunsichert viele Christen zugleich. Manche hoffen, allem Leid zu entkommen, andere fürchten die große Trübsal und fragen sich, was die Bibel wirklich über Zeit, Ort und Bedingungen der Entrückung sagt. Wenn wir die Schrift als Ganzes lesen, erkennen wir eine klare Linie: Gott ist gerecht, Er macht Unterschiede im Lohn, und Er bereitet sowohl Überwinder als auch die große Masse der Gläubigen auf die Begegnung mit Christus vor. Diese Hoffnung ist nicht dazu gegeben, uns in Spekulationen zu verlieren, sondern unser heutiges Leben im Glauben und in der Treue zu prägen.
Die besondere Entrückung der Überwinder
Die Bilder, die der Herr Jesus von der Entrückung gebraucht, sind erstaunlich schlicht: zwei Männer auf demselben Feld, zwei Frauen an derselben Mühle. „Zu jener Zeit werden zwei Männer auf dem Feld sein; einer wird mitgenommen, und einer wird zurückgelassen. Zwei Frauen werden mit der Mühle mahlen; eine wird mitgenommen, und eine wird zurückgelassen“ (Matthäus 24:40-41). Äußerlich teilen sie denselben Arbeitsplatz, denselben Staub, dieselbe Mühe. Innerlich aber gehen sie auseinander: der eine lebt in stiller Wachsamkeit vor Gott, der andere in einem Leben, das seinen Herrn ausblendet. Die Entrückung des einen und das Zurückbleiben des anderen entlarven, was im Verborgenen gewachsen ist. Der Acker des Alltags wird zur Bühne, auf der unsichtbare Treue sichtbar wird.
Dann werden zwei Männer auf dem Feld sein; einer wird genommen und einer zurückgelassen. Zwei Frauen werden an der Mühle mahlen; eine wird genommen und eine zurückgelassen. Hier sehen wir zwei Brüder auf dem Feld und zwei Schwestern an der Mühle. Einer der Brüder und eine der Schwestern werden genommen, die anderen bleiben zurück. … Äußerlich sind sie gleich, innerlich jedoch verschieden. Wenn du den Zusammenhang liest, wirst du sehen, dass der eine wachsam und bereit ist und der andere nicht. (Witness Lee, Life-Study of Revelation, Botschaft dreißig, S. 349)
Die Offenbarung vertieft diese Linie durch starke, himmlische Bilder. Von der Frau, die den mannhafte Sohn gebiert, heißt es: „Und sie gebar einen Sohn, ein männliches Kind, der alle Nationen mit einem eisernen Stab weiden soll; und ihr Kind wurde zu Gott und zu Seinem Thron entrückt“ (Offenbarung 12:5). Dieses Kind wird nicht einfach in die allgemeine himmlische Sphäre, sondern „zu Gott und zu Seinem Thron“ entrückt – in die unmittelbare Regierungsnähe Gottes, und das vor dem Ausbruch der großen Trübsal. Später sieht Johannes „das Lamm … auf dem Berg Zion“ mit den Hundertvierundvierzigtausend, „die Seinen Namen und den Namen Seines Vaters an ihren Stirnen geschrieben hatten“ (Offenbarung 14:1). Sie werden als „Erstlingsfrucht für Gott und für das Lamm“ beschrieben (Offenbarung 14:4). Erstlingsfrucht ist nicht das ganze Feld, sondern der erste, gereifte Teil, der Gott in besonderer Weise gehört.
In all dem tritt ein Prinzip hervor: Gott macht einen Unterschied zwischen denen, die Ihm im Verborgenen konsequent gehören, und denen, die zwar erlöst sind, aber in ihrem praktischen Leben lau, angepasst oder kompromissbereit bleiben. Zur Gemeinde in Philadelphia spricht der Herr: „Weil du das Wort von Meinem standhaften Ausharren bewahrt hast, werde auch Ich dich bewahren vor der Stunde der Prüfung, die im Begriff ist, über die ganze bewohnte Erde zu kommen“ (Offenbarung 3:10). Bewahrt vor der Stunde der Prüfung, nicht nur in ihr: das ist die Zusage an eine Gemeinde, die nicht Größe, sondern Treue kennt. Ebenso verheißt der Sohn Gottes denen in Thyatira, die nicht mit der entarteten religiösen Mischung gehen, sondern seine Werke bis ans Ende bewahren, dass sie mit Ihm über die Nationen herrschen (vgl. Offenbarung 2:18.26). Hier antwortet der Herr auf beständige Liebe zu seiner Person, auf Ausharren in Widerstand und Spott, auf das Überwinden religiöser Verführung, indem Er sie vor der großen Prüfung in die Nähe seines Thrones zieht.
Die frühe Entrückung der Überwinder ist darum keine Belohnung für geistliche Selbstdarsteller, sondern Ausdruck göttlicher Gerechtigkeit. Der Herr vergisst keine Träne, keinen verborgenen Verzicht, keinen stillen Sieg über Sünde und Welt. Er ist gerecht, wenn Er diejenigen, die mit Ihm gelitten, gekämpft und gewacht haben, nicht einfach in den allgemeinen Strom der Geschichte hineintreibt, sondern sie als Erstlingsfrucht zu sich zieht. Wer das versteht, muss sich nicht vergleichen oder messen, sondern darf leise ermutigt werden: Jeder Tag, an dem das Herz neu an Christus hängt, jede Stunde treuer Wachsamkeit inmitten ganz normaler Pflichten, hat Gewicht vor seinem Thron. Die Aussicht, einmal vielleicht zu den Früh-Gereiften zu gehören, wird dann nicht zum Druck, sondern zur stillen Motivation, heute nicht zu verwässern, sondern Ihm in der verborgenen Tiefe des Herzens Raum zu geben.
Zu jener Zeit werden zwei Männer auf dem Feld sein; einer wird mitgenommen, und einer wird zurückgelassen. Zwei Frauen werden mit der Mühle mahlen; eine wird mitgenommen, und eine wird zurückgelassen. (Mt. 24:40-41)
Und sie gebar einen Sohn, ein männliches Kind, der alle Nationen mit einem eisernen Stab weiden soll; und ihr Kind wurde zu Gott und zu Seinem Thron entrückt. (Offb. 12:5)
Die besondere Entrückung der Überwinder lädt dazu ein, das Verborgene ernster zu nehmen als das Sichtbare. Nicht die Bühne, sondern die stille Treue, nicht der Applaus, sondern das unbeachtete Ausharren in Liebe zu Christus wird eines Tages offenbar werden. In dieser Perspektive verliert mancher Vergleich mit anderen seinen Reiz, und der Wunsch wächst, zu denen zu gehören, die der Herr in einer von Lauheit geprägten Zeit als Erstlingsfrucht erkennt. Gerade weil diese Hoffnung nicht auf Leistung, sondern auf eine treue Herzbindung an Christus zielt, darf sie trösten und beflügeln: Kein Schritt mit Ihm, den niemand bemerkt, ist vergeblich; vor Seinem Thron wird alles, was heute verborgen ist, zur Freude werden.
Die Entrückung der Mehrheit: Ernte am Ende des Zeitalters
Nachdem die Offenbarung die Hundertvierundvierzigtausend als Erstlingsfrucht gezeigt hat, weitet sich der Blick auf das ganze Feld. Johannes sieht „eine weiße Wolke, und auf der Wolke saß einer wie der Sohn des Menschen, der hatte auf Seinem Haupt eine goldene Krone und in Seiner Hand eine scharfe Sichel“ (Offenbarung 14:14). Dann heißt es: „Und der auf der Wolke saß, warf seine Sichel auf die Erde, und die Erde wurde abgeerntet“ (Offenbarung 14:16). Die Ernte ist das Bild der späten Entrückung: nicht mehr die ersten Garben, sondern die gesamte gereifte Saat. Hier geschieht, was der Herr in den Briefen angekündigt hat: Er kommt als König mit Krone, als Herr der Geschichte, um am Ende dieses Zeitalters die Seinen heimzuholen, die durch den Druck der letzten Jahre zur Reife geführt wurden.
Die Entrückung der Mehrheit der Gläubigen wird dadurch gekennzeichnet, dass „die Ernte eingeholt wird“ (14:14–16). … Daher gibt es gemäß Offenbarung 14 zwei Arten der Entrückung: die Entrückung der Erstlingsfrucht und die Entrückung der Ernte. (Witness Lee, Life-Study of Revelation, Botschaft dreißig, S. 355)
Diese späte Entrückung begegnet uns in anderer Perspektive im Wort über die Auferstehung und Verwandlung der Gläubigen. Paulus schreibt: „Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn, daß wir, die Lebenden, die übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden; weil der Herr Selbst mit einem Befehlsruf, mit der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes vom Himmel herabkommen wird, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen“ (1.Thessalonicher 4:15-16). Und an die Korinther: „in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn die Posaune wird ertönen, und die Toten werden auferweckt werden unverderblich, und wir werden verwandelt werden“ (1.Kor. 15:52). Auferstehung der entschlafenen Heiligen, Verwandlung der Lebenden, gemeinsames Entrücktwerden, um dem Herrn in der Luft zu begegnen – das ist die große Ernte, die am Ende der großen Trübsal eingeholt wird.
Die Schrift verbindet diese Zeit mit der letzten, der siebten Posaune (vgl. Offenbarung 10:7; 11:15), dem Schlusspunkt der Gerichte Gottes in diesem Zeitalter. Zugleich macht Paulus deutlich, dass dieser Schluss nicht kommt, bevor sich die letzte, widergöttliche Macht entfaltet hat: der „Mensch der Sünde“, der sich „in den Tempel Gottes setzt und sich ausweist, dass er Gott sei“ (2.Thessalonicher 2:3-4). Offenbarung 12 und 14 zeichnen dazu die geistliche Rückseite: Nachdem das männliche Kind entrückt ist, wird der Drache „zornig über die Frau“ und führt Krieg „mit den übrigen ihrer Nachkommenschaft, welche die Gebote Gottes halten und das Zeugnis Jesu haben“ (Offenbarung 12:17). Und über die, die in dieser Zeit dem Tier widerstehen, heißt es: „Hier ist das Ausharren der Heiligen, welche die Gebote Gottes und den Glauben Jesu bewahren“ (Offenbarung 14:12). Viele Gläubige werden also nicht vor jeder Not bewahrt, sondern mitten in der Drangsal getragen und geläutert.
Dass die Mehrheit erst in dieser späten Ernte entrückt wird, wirft ein Licht auf den Weg Gottes mit seinen Kindern. Wie der Bauer das Feld nicht sofort nach dem ersten Grün abschneidet, sondern gereife Ähren sucht, so nutzt Gott auch Widerstand, Druck und Leid, um Glauben zu vertiefen und Liebe zu festigen. Die Entrückung der Mehrheit ist keine zweite Chance für Versager, sondern das Einholen einer durch Prüfungen gereiften Saat. Dass Er manche früh als Erstlingsfrucht zu sich nimmt, andere aber durch die Hitze der Trübsal zur Reife führt, zeigt nicht Willkür, sondern eine Weisheit, die jeden Weg persönlich kennt. Unter dieser Perspektive müssen Leid und Druck nicht den Mut rauben: Sie können zum geheiligten Boden werden, auf dem Treue Wurzeln schlägt, bis der Herr kommt, um die ganze Ernte in seine Scheune zu bringen.
Und ich sah, und siehe, da war eine weiße Wolke, und auf der Wolke saß einer wie der Sohn des Menschen, der hatte auf Seinem Haupt eine goldene Krone und in Seiner Hand eine scharfe Sichel. (Offb. 14:14)
Und der auf der Wolke saß, warf seine Sichel auf die Erde, und die Erde wurde abgeerntet. (Offb. 14:16)
Die späte Ernte der Mehrheit der Gläubigen erdet die Hoffnung auf Entrückung. Sie nimmt der Erwartung des Herrn das Naive und schenkt ihr Tiefe: Christsein bedeutet nicht, aus jeder Bedrängnis herausgehoben zu werden, sondern im Feuer bewahrt und in der Hitze gereift zu werden. Wer so auf das Ende schaut, darf seine gegenwärtigen Spannungen, Widerstände und Schmerzen in einem größeren Horizont sehen. Nichts, was als Weg unter der Hand des Herrn angenommen wird, bleibt fruchtlos; alles kann zur geistlichen Reife werden. Die Gewissheit, dass der Herr am Ende die ganze Ernte heimholt, gibt dem Ausharren Sinn und lässt mitten in der Unruhe dieser Zeit eine leise, aber tragende Hoffnung wachsen.
Wachsam leben: zwischen normalem Alltag und lebendiger Hoffnung
Wenn die Schrift von Entrückung spricht, führt sie nicht in spekulative Aufgeregtheit, sondern hinein in einen nüchternen, wachen Alltag. Jesus stellt nicht asketische Sonderlinge vor, sondern Menschen mitten in ihren Pflichten: „Zu jener Zeit werden zwei Männer auf dem Feld sein; einer wird mitgenommen, und einer wird zurückgelassen. Zwei Frauen werden mit der Mühle mahlen; eine wird mitgenommen, und eine wird zurückgelassen … Deswegen seid auch ihr bereit, weil der Sohn des Menschen zu einer Stunde kommt, da ihr es nicht erwartet“ (Matthäus 24:40-44). Dass der Herr mitten im Arbeiten kommt, ehrt die Arbeit und entlarvt zugleich jede Frömmigkeit, die den Alltag vom Glauben trennt. Wachsamkeit zeigt sich nicht darin, dass jemand vor den Terminen flieht, sondern darin, wie er in ihnen lebt: mit einem Herzen, das auf die Ankunft des Herrn ausgerichtet bleibt.
Allezeit zu wachen und zu beten bedeutet nicht, dass wir nur beten und nicht arbeiten, schlafen oder essen. Es bedeutet, dass wir, während wir arbeiten, einen betenden Geist haben und beständig beten. Ein solches beständiges Gebet zu haben, erfordert nicht, dass wir mit der Arbeit aufhören. (Witness Lee, Life-Study of Revelation, Botschaft dreißig, S. 352)
Jesus beschreibt diesen inneren Zustand mit den schlichten Bildern von gegürteten Lenden und brennenden Lampen: „Es seien eure Lenden umgürtet und die Lampen brennend; und ihr, seid Menschen gleich, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen mag von der Hochzeit“ (Lukas 12:35-36). Der Gürtel steht für Sammlung und Bereitschaft, die Lampe für ein Herz, das im Licht Gottes steht. Dazu kommt das leise, anhaltende Rufen im Gebet: „Seid aber zu jeder Zeit wachsam und fleht, dass ihr stark seid, um all diesen Dingen zu entfliehen, die im Begriff stehen zu geschehen, und vor dem Sohn des Menschen zu stehen“ (Lukas 21:36). Wachen und flehen heißt nicht, in frommer Starre zu verharren, sondern während Arbeit, Begegnungen und Ruhezeiten innerlich mit dem Herrn in Verbindung zu bleiben. So wird der Alltag nicht weniger, sondern mehr – er wird zum Weg mit Ihm.
Mit dieser inneren Haltung verbindet die Schrift eine erstaunliche Verheißung: Paulus spricht von der „Krone der Gerechtigkeit“, die der Herr, der gerechte Richter, ihm und „nicht nur mir, sondern auch allen, die sein Erscheinen lieben“ geben wird (vgl. 2.Timotheus 4:8). Den Erscheinungstag zu lieben heißt, Christus selbst zu lieben – Ihn als Leben zu nehmen, Ihn zu leben und Ihn zu großmachen, wie es ein Wort zusammenfasst: Wir sollen „Sein Kommen erwarten und Sein Erscheinen lieben; das sollte unser Herzenswunsch und unser Leben sein als diejenigen, die hoffen, in Seine Freude hineinzugehen, in das himmlische Königreich des Herrn hineingerettet zu werden und die Krone der Gerechtigkeit zu erhalten“. Wer so hofft, schaut nicht vor allem auf die Ereignisse, sondern auf die Person: auf den Herrn, der gekommen ist, der kommt und der kommen wird.
Diese Ausrichtung bewahrt vor zwei Verirrungen: vor weltflüchtiger Entrückungsspekulation und vor religiöser Verfälschung. In Thyatira sieht die Offenbarung eine Christenheit, in der fremde Lehre und geistliche Unzucht Raum gewonnen haben (vgl. Offenbarung 2:18-23). Gleichzeitig erscheint später die große Hure, ein Bild einer religiösen Macht, die sich mit den politischen Kräften dieser Welt verbündet und schließlich von denselben gehasst und gerichtet wird: „und die zehn Hörner, die du gesehen hast, und das Tier, diese werden die Hure hassen und werden sie verwüsten und nackt machen und werden ihr Fleisch fressen und sie mit Feuer verbrennen“ (Offenbarung 17:16). Wer das überwindet, bindet sein Herz nicht an religiöse Systeme, die sich selbst, ihre Traditionen oder menschliche Vermittler in den Mittelpunkt rücken, sondern an die Person und das Werk Jesu – an seinen Tod, seine Auferstehung, seine Himmelfahrt und seine Wiederkunft.
Zu jener Zeit werden zwei Männer auf dem Feld sein; einer wird mitgenommen, und einer wird zurückgelassen. Zwei Frauen werden mit der Mühle mahlen; eine wird mitgenommen, und eine wird zurückgelassen. Seid darum wachsam, denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Jenes aber sollt ihr wissen: Wenn der Hausgebieter gewusst hätte, in welcher Nachtwache der Dieb kommt, hätte er gewacht und nicht zugelassen, dass in sein Haus eingebrochen wird. Deswegen seid auch ihr bereit, weil der Sohn des Menschen zu einer Stunde kommt, da ihr es nicht erwartet. (Mt. 24:40-44)
Es seien eure Lenden umgürtet und die Lampen brennend; und ihr, seid Menschen gleich, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen mag von der Hochzeit, damit, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich aufmachen. (Lk. 12:35-36)
Zwischen der Normalität des Alltags und der lebendigen Hoffnung auf das Kommen des Herrn entfaltet sich ein Glaube, der weder in Hektik noch in Trägheit verfällt. Die Erwartung der Entrückung ruft dazu, jeden Tag als Geschenk des Herrn zu verstehen, in dem Wachsamkeit, inneres Gebet und treue Erfüllung der Aufgaben zusammengehören. So wächst ein Lebensstil, der nicht von Angst vor der Zukunft, sondern von der Liebe zu Christus geprägt ist. Wer sein Herz an Ihn und an seine Wiederkunft bindet, wird frei, die Gegenwart mit klaren Augen anzunehmen und doch innerlich unterwegs zu bleiben – mit der stillen Gewissheit, dass kein Tag, der in dieser Hoffnung gelebt wird, verloren ist.
Herr Jesus Christus, danke, dass Du als der kommende Herr unsere Tage siehst, unsere Mühen kennst und unsere Liebe zu Dir nicht übersiehst. Du weißt um unsere Unsicherheit angesichts von Entrückung, Trübsal und Zukunft, und doch sprichst Du zu uns als derjenige, der den Anfang und das Ende in seiner Hand hält. Stärke in uns die Liebe zu Deiner Person und zu Deinem Erscheinen, damit wir inmitten eines normalen Alltags mit wachem Herzen und einem betenden Geist leben können. Bewahre uns davor, uns an religiöse Formen, Traditionen oder eigene Leistungen zu klammern, und ziehe uns tiefer in das Vertrauen auf Dein vollbrachtes Werk am Kreuz, Deine Auferstehung und Deine Wiederkunft. Lass uns zu Menschen reifen, die Du als Erstlingsfrucht oder als reife Ernte mit Freude zu Dir nehmen kannst, und tröste alle, die vor Leid und Verfolgung zurückschrecken, mit der Gewissheit, dass Du in jeder Not bei ihnen bist und sie ans Ziel bringst. Fülle uns neu mit der Hoffnung Deines Kommens, damit unser Glaube standhält und unsere Liebe nicht erkaltet. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Revelation, Chapter 30