Das Wort des Lebens
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Die Szene im Himmel nach der Himmelfahrt Christi

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Wenn wir an Jesus im Himmel denken, stellen wir uns oft lediglich vor, dass er „bei Gott“ ist – still, fern und irgendwie weit weg von unserer Realität. Die Offenbarung zeichnet jedoch ein kraftvolles Bild dessen, was nach seiner Himmelfahrt im Himmel geschieht: Ein Thron steht im Mittelpunkt, Bundestreue und Gericht begegnen sich, Engel und ganze Schöpfung beten an. Wer diese Szene erfasst, sieht Geschichte, Leid und eigenes Leben nicht mehr als zufällige Abfolge von Ereignissen, sondern als Teil von Gottes zielgerichteter Regierung, die auf seine ewige Wohnung mit den Erlösten zuläuft.

Der Thron im Himmel – Zentrum von Gericht und Gnade

Wenn Johannes nach der Himmelfahrt Christi in den geöffneten Himmel schauen darf, trifft sein Blick nicht zuerst auf goldene Straßen oder selige Gefühle, sondern auf einen Thron. „Nach diesen Dingen sah ich, und siehe, eine geöffnete Tür im Himmel … Komm hier herauf, und Ich werde dir die Dinge zeigen, die nach diesen Dingen geschehen müssen“ (Offb. 4:1). Mitten in dieser Schau steht „ein Thron … im Himmel“. Dieser Thron ist „gesetzt“ – nichts wankt, nichts wird neu eingerichtet, nichts hängt von Launen, Mehrheiten oder Stimmungen ab. In einer Welt, in der Herrschaft ständig umkämpft und gefährdet ist, steht im Himmel ein Thron, der nicht gerückt wird. Von hier aus wird die Geschichte gelenkt: die sichtbaren Bewegungen der Völker, die verborgenen Ränke Satans, die scheinbar zufälligen Wendungen eines einzelnen Lebens. Alles läuft, oft unbemerkt, durch die Hände dessen, der auf diesem Thron sitzt.

Vers 2 sagt: „Sogleich war ich im Geist; und siehe, ein Thron stand im Himmel.“ Im Himmel steht zuerst ein Thron, und auf diesen Thron ist das Buch der Offenbarung ausgerichtet. Mit Kapitel 4 beginnt dieses Buch, Gottes universale Verwaltung zu enthüllen. Der Thron Gottes in der Offenbarung ist das Zentrum von Gottes Verwaltung. Während der Thron in den Briefen der Thron der Gnade ist, von dem wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden (Hebr. 4:16), ist der Thron hier der Thron des Gerichts, von dem aus die Welt Gericht empfängt. (Witness Lee, Life-Study of Revelation, Botschaft siebzehn, S. 213)

Dass dieser Thron das Zentrum von Gottes universaler Verwaltung ist, bedeutet nicht, dass er kalt und distanziert wäre. In den Briefen lesen wir, dass wir „mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe“ (Hebr. 4:16). Dieselbe Wirklichkeit, die Johannes als Thron des Gerichts sieht, ist für die Gemeinde der Ort, an dem Gnade reichlich fließt. In der Offenbarung umgibt den Thron jedoch das Dröhnen des Gerichtes – Lichtblitze, Stimmen und Donner. Gott nimmt das Böse nicht hin, er reagiert nicht achselzuckend auf Ungerechtigkeit. Sein heiliger Zorn ist keine Entgleisung, sondern Ausdruck seiner reinen Liebe, die seine Schöpfung nicht endgültig der Zerstörung durch Sünde und Rebellion überlässt.

In der Erscheinung dessen, der auf dem Thron sitzt, leuchtet die innere Einheit von Gericht und Gnade auf. Johannes beschreibt ihn mit Bildern aus der Welt der Edelsteine: Er gleicht einem Jaspis und einem Sardis. Jaspis, in der Schrift verbunden mit Klarheit und durchscheinender Fülle, weist auf das reiche, reine Leben Gottes hin, das von ihm ausgeht. Sardis, rot leuchtend, erinnert an das Blut – an die Erlösung, die Christus durch sein Opfer vollbracht hat. Der, der richtet, ist zugleich der, der Leben spendet und sein eigenes Blut gegeben hat, um Gefallene heimzuholen. Gericht ist in dieser Perspektive nicht Gegenpol, sondern Wegbereiter des Lebens: Es räumt weg, was das Leben zerstört, damit das Leben ungehindert fließen kann.

Dieses Ziel wird in den letzten Kapiteln der Offenbarung sichtbar: Aus eben diesem Thron geht ein Strom lebendigen Wassers hervor, „klar wie Kristall“, und in seiner Mitte steht der Baum des Lebens, dessen Blätter „zur Heilung der Nationen“ dienen (vgl. Offb. 22:1–2). Was im vierten Kapitel als Donner und Blitz erscheint, endet in heilsamer Klarheit und ununterbrochener Lebensversorgung. Der Thron, der die Geschichte durch Gericht hindurchführt, ist derselbe Thron, aus dem ewige Erquickung kommt. Darin liegt eine stille, aber starke Ermutigung: Weder das Chaos der Weltpolitik noch die Dunkelheiten des eigenen Lebens haben das letzte Wort. Unter allem Lärm unserer Zeit steht im Himmel ein Thron, und auf diesem Thron sitzt einer, der uns kennt, der richtet, weil er liebt, und der am Ende alles so ordnet, dass sein Leben frei und ungehindert durchbricht. Vor diesem Thron zu leben heißt, nüchtern mit der Realität des Gerichtes zu rechnen, ohne bitter zu werden – und zugleich mit einem Vertrauen zu gehen, das tiefer reicht als die wechselnden Nachrichten unseres Tages.

Nach diesen Dingen sah ich, und siehe, eine geöffnete Tür im Himmel, und die erste Stimme, die ich hörte, war wie eine Posaune, die sprach mit mir und sagte: Komm hier herauf, und Ich werde dir die Dinge zeigen, die nach diesen Dingen geschehen müssen. (Offb. 4:1)

Laßt uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe. (Hebr. 4:16)

Wer den Thron im Himmel als Zentrum von Gericht und Gnade vor Augen hat, muss sich nicht von den Wellen der Ereignisse hin- und herwerfen lassen. Die Szenen der Offenbarung lehren eine gelassene Ehrfurcht: Gott ist weder sentimental noch grausam, sondern heilig und gütig zugleich. Wer sich im Glauben an Christus an diesen Thron bindet, findet inmitten von Unsicherheit eine tragfähige Mitte. Die Wirklichkeit, dass aus dem Thron einst der Strom des Lebens fließen wird, legt eine Spur in den Alltag: Entscheidungen werden leichter, wenn sie im Licht dieses Thrones getroffen werden; Leiden verlieren ihren reinen Zufallscharakter, wenn sie in die Hand dessen gelegt werden, der Geschichte zu seiner guten Vollendung führt. In der stillen Gewissheit: Über allem, was mich berührt, steht ein Thron – und auf diesem Thron sitzt mein Erlöser.

Der Regenbogen und das feurige Meer – Bundestreue mitten im Gericht

Um den Thron, den Johannes sieht, spannt sich ein Regenbogen wie ein smaragdgrüner Ring. Dieses Bild knüpft an eine der frühesten Bundesgeschichten der Bibel an. Nachdem die Flut abgeebbt ist, spricht Gott zu Noah: „Meinen Bogen setze Ich in die Wolken, und er soll als Zeichen eines Bundes zwischen Mir und der Erde dienen“ (1.Mose 9:13). Gott bindet sich an seine eigene Schöpfung, an Menschen und Tiere, und erklärt, dass die Erde nie wieder durch eine Flut vernichtet werden soll. Wenn nun der Regenbogen nicht nur am Himmel der Erde, sondern rings um den Thron Gottes erscheint, wird deutlich: Während Gott in der Offenbarung die Erde richtet, vergisst er seinen Bund nicht. Sein Zorn löscht seine Zusagen nicht aus; seine Treue wird vom Gericht nicht verschluckt.

In Vers 3 sehen wir, dass „ein Regenbogen rings um den Thron, gleich einem Smaragd an Ansehen“ ist. Der Regenbogen ist ein Zeichen von Gottes Bund mit dem Menschen und den lebenden Geschöpfen, dass Er sie nicht wieder durch die Flut vernichten wird (1.Mose 9:8–17). In diesem Buch wird Gott die Erde mit all ihren Bewohnern richten. Der Regenbogen rings um Seinen Thron macht deutlich, dass Gott der Bund schließende Gott ist, der treue Gott, der Seinen Bund hält, während Er Sein Gericht über die Erde ausführt: Er wird die Menschheit nicht wieder durch eine Flut richten und nicht die ganze Menschheit vernichten, sondern einige bewahren, damit sie als Nationen der Erde zu Seiner Herrlichkeit bestehen (21:24, 26). (Witness Lee, Life-Study of Revelation, Botschaft siebzehn, S. 214)

Die smaragdgrüne Farbe ist nicht nebensächlich. Grün ist in der Schrift mit Leben verbunden, mit frischer Kraft und Neuanfang. Der Regenbogen um den Thron leuchtet also wie ein lebendiger Kranz: Mitten in allem, was zusammenzubrechen scheint, bewahrt Gott Leben für seine Herrlichkeit. Die Offenbarung zeigt, dass am Ende nicht nur die Stadt Gottes, sondern auch Nationen auf der neuen Erde existieren, die „die Herrlichkeit der Nationen“ in die Stadt bringen (vgl. Offb. 21:24, 26). Gott ist kein Zerstörer, der alles niederbrennt, um sich in einem leeren Universum zu sonnen. Er ist der Bund schließende Gott, der treue Gott, der durch das Gericht hindurch ein gereinigtes, bewahrtes Leben ans Ziel bringt.

Vor dem Thron sieht Johannes gleichzeitig „etwas wie ein gläsernes Meer, gleich Kristall“. An anderen Stellen erscheint dieses Meer als „mit Feuer vermischt“, und im weiteren Verlauf des Buches begegnet uns immer wieder das Thema des Feuers: Gott lässt Feuer auf Sodom und Gomorra regnen (1.Mose 19:24), sein Feuer verzehrt Auflehnung und Götzendienst, und schließlich wird der Teufel „in den Feuer- und Schwefelsee“ geworfen (Offb. 20:10). Seit dem Bund mit Noah richtet Gott nicht mehr mit Wasser, sondern mit Feuer. Wasser vernichtete einst die Welt, Feuer reinigt nun das, was vor ihm keinen Bestand haben kann. Das gläserne Meer vor dem Thron steht wie ein Sammelpunkt allen vollzogenen Gerichtes da: Alles Negative ist durchsichtig geworden, nichts bleibt verborgen, keine Schuld ist mehr unter Teppiche geschoben.

So stehen Regenbogen und feuriges Meer nebeneinander, ohne sich gegenseitig aufzuheben. Der Regenbogen verkündet: Gott widerruft seine Zusagen nicht, er hält fest an seinem Plan, Leben zu bewahren. Das Meer, klar wie Kristall und vom Feuer gezeichnet, zeigt: Er nimmt die Realität der Sünde tödlich ernst und lässt kein Unrecht ungerichtet. Für den, der Christus gehört, ist das keine Drohkulisse, sondern ein Ort tiefer Entlastung. Gottes Gericht ist nicht unberechenbar, sondern durchzogen von seiner Bundestreue. Er ist weder ein Richter, der aus Willkür verurteilt, noch ein Großvater, der alles durchgehen lässt. Er ist der heilige Bundesherr, der das Böse verbrennt, um seine Verheißungen ungestört zur Reife zu bringen. Wer sich in seinem Bund in Christus weiß, darf in dieser Spannung ruhig stehen: getragen von einem Gott, der treu bleibt, während er alles reinigt, was seiner ewigen Gemeinschaft entgegensteht.

Meinen Bogen setze Ich in die Wolken, und er soll als Zeichen eines Bundes zwischen Mir und der Erde dienen. (1.Mose 9:13)

Dann ließ Jehovah über Sodom und über Gomorra Schwefel und Feuer regnen von Jehovah her aus dem Himmel. (1.Mose 19:24)

Wer den Regenbogen um den Thron erkennt, lernt, Gottes Treue nicht gegen sein Gericht auszuspielen. In Krisen, in denen alles nach Zerbruch aussieht, erinnert dieses Bild daran, dass Gott nicht aus dem Affekt handelt, sondern innerhalb eines Bundes, den er selbst gestiftet hat. Das gläserne Meer nimmt zugleich die Angst vor dem Tag, an dem alles offenbar wird: Was ans Licht kommt, wird nicht ausgelöscht, sondern durch das Feuer seiner Heiligkeit hindurchgetragen. Aus dieser Sicht lässt sich ehrlicher mit Schuld und Verletzung umgehen, ohne zu verzweifeln, und zugleich nüchtern mit dem Bösen rechnen, ohne zynisch zu werden. Die Gewissheit, dass über dem eigenen Leben ein Regenbogen aus Gottes Treue steht, der nicht verblasst, und vor Gott bereits ein Meer bereitliegt, in dem alles geklärt werden wird, macht innerlich frei, in der Gegenwart aufrecht, hoffnungsvoll und verantwortungsvoll zu leben.

Engel, lebende Wesen und die ganze Schöpfung in Anbetung

Die himmlische Szene nach der Himmelfahrt Christi ist von Anbetung erfüllt. Rund um den Thron sitzen vierundzwanzig Älteste auf Thronen, „bekleidet mit weißen Kleidern und mit goldenen Kronen auf ihren Häuptern“. Sie repräsentieren die himmlische Welt, die in Gottes Regierung Anteil hat, königlich und priesterlich zugleich. Mit ihnen zusammen stehen die vier lebenden Wesen mitten im und um den Thron – geheimnisvolle Gestalten, die verschiedene Bereiche der Schöpfung in sich tragen: das Angesicht eines Löwen als Haupt der wilden Tiere, eines Kalbes als Sinnbild des Nutzviehs, eines Menschen und eines fliegenden Adlers als Vertreter der Vögel. Auffallend ist, was fehlt: Weder kriechende Tiere noch Meereswesen erscheinen in ihrer Gestalt; das, was in der Schrift oft mit dem Bereich der Schlange und des Gerichtswassers verbunden ist, hat in dieser ewigen Szene keinen Platz mehr.

Vers 4 sagt: „Und rings um den Thron waren vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, bekleidet mit weißen Kleidern und mit goldenen Kronen auf ihren Häuptern.“ … Dass sie auf Thronen sitzen und goldene Kronen auf ihren Häuptern tragen, zeigt, dass sie die Herrscher des Universums sein müssen bis zum Tausendjährigen Königreich, wenn die Autorität, über die Erde zu herrschen, den überwindenden Heiligen gegeben werden wird. (Witness Lee, Life-Study of Revelation, Botschaft siebzehn, S. 218)

Über diesen lebenden Wesen und Ältesten liegt eine durchdringende Klarheit. Die lebenden Wesen sind „ringsum und innen voller Augen“, nichts in ihnen ist blind oder verschlossen. Ihre Bewegung ist durchleuchtet, ihr Sein transparent vor Gott. Sie tragen Züge sowohl der Seraphim – der „Brennenden“, die „heilig, heilig, heilig“ rufen – als auch der Cherubim, die den Thron Gottes begleiten. Wenn sie rufen: „Heilig, heilig, heilig, Herr, Gott, der Allmächtige, der war und der ist und der kommt“, klingt darin die dreimalige Betonung der Heiligkeit an, die auf die göttliche Dreieinigkeit hinweist, und zugleich die Zeitfülle des göttlichen Daseins. Die Ältesten antworten nicht mit kühler Distanz, sondern fallen nieder, legen ihre Kronen vor den Thron und bekennen: „Du bist würdig, unser Herr und Gott, die Herrlichkeit und die Ehre und die Macht zu empfangen; denn Du hast alle Dinge erschaffen, und Deines Willens wegen waren sie und wurden sie erschaffen“ (Offb. 4:11).

In dieser Wechselrede der Anbetung deutet sich eine tiefere Unterscheidung an. Die lebenden Wesen, die die erlöste Schöpfung verkörpern, geben Gott „Herrlichkeit, Ehre und Dank“ – Worte, die den Empfang von Gnade, Bewahrung und Rettung widerspiegeln. Die Ältesten, als Vertreter der Engelwelt, betonen „Herrlichkeit, Ehre und Macht“ – sie sind vertraut mit der Autorität Gottes und seiner Verwaltung des Universums. Zusammen entsteht ein vielstimmiges Lob, in dem alle Bereiche der Schöpfung ihren Platz finden: Engel und Menschen, Wildtiere und Nutzvieh, Vögel unter dem Himmel – alles, was erlöst und gereinigt ist, stimmt ein in ein Loblied, das den Schöpfer und Erlöser zugleich erhebt. Was ausgeschlossen bleibt, sind die Bereiche, die sich der Schlange verbunden haben und im Wasser des Gerichtes verbleiben – sie tauchen im Feuersee auf, nicht im Chor der Anbeter.

Für die Erlösten wird in dieser Szene ihre eigene Berufung durchsichtig. Sie sind nicht Zuschauer eines fernen Himmelsdramas, sondern berufen, Teil dieses Lobes zu sein. Schon jetzt werden sie in Christus „zu einem geistlichen Haus“ und „heiliges Priestertum“ gemacht, damit durch sie ein Klang entsteht, der einst im Neuen Jerusalem seine Vollendung findet. Offenbar wird, dass der Mensch in der Mitte dieser Anbetung steht: Er ist geschaffen, um mit der Schöpfung zu Gott hin und mit Gott über die Schöpfung zu leben – transparent, durchdrungen von göttlichem Licht, frei von dem Dunkel, das sich vor Gott verbirgt. Wenn Johannes den Himmel erfüllt von Anbetung sieht, öffnet sich damit auch ein Raum, die eigene Existenz neu zu verstehen: nicht als zufällige Ansammlung von Tagen, sondern als vorbereiteter Teil eines ewigen Liedes, das jetzt schon angestimmt wird und nie mehr verstummen wird.

Du bist würdig, unser Herr und Gott, die Herrlichkeit und die Ehre und die Macht zu empfangen; denn Du hast alle Dinge erschaffen, und Deines Willens wegen waren sie und wurden sie erschaffen. (Offb. 4:11)

Und Er sagte zu ihm: Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes auf dem Sohn des Menschen auf- und niedersteigen. (Joh. 1:51)

Die Anbetung im Himmel zeichnet eine Berufung vor, die über alle religiöse Pflicht hinausreicht: Der Mensch ist geschaffen, in Christus an einem kosmischen Lob teilzuhaben, in dem Engel und erlöste Schöpfung zusammenkommen. Wer sich innerlich auf diese Bewegung ausrichtet, wird nicht aus der Welt fliehen, sondern sie als Feld der Anbetung sehen. In der Treue zu kleinen Aufgaben, in der Art, wie mit Mitmenschen und der Schöpfung umgegangen wird, klingt schon jetzt etwas von dem Lob an, das vor Gottes Thron ertönt. Und wo das Bewusstsein wächst, Teil eines großen, heiligen Chores zu sein, gewinnt die Seele Ruhe: Sie muss sich nicht mehr selbst ins Zentrum stellen, sondern darf ihren Platz im Kreis der Anbetenden einnehmen – eine Haltung, die zugleich tief befreit und leise froh macht.


Herr Jesus Christus, du erhöhter Herr, der du auf dem Thron der Gnade und des Gerichts sitzt, wir beten dich an, weil du die Geschichte in deiner Hand hältst und die geheimnisvolle Buchrolle unseres Lebens und der ganzen Schöpfung führst. Danke für den Regenbogen deiner Bundestreue, der über allen Stürmen unseres Alltags steht und uns zusagt, dass dein Gericht nicht unser Ende, sondern unsere Reinigung und unsere Zukunft in deiner Nähe zum Ziel hat. Öffne uns die Augen wie den lebenden Wesen, damit unser Inneres vor dir transparent wird, Dunkles ans Licht kommt und deine Heiligkeit uns mehr und mehr prägt. Lass uns jetzt schon inmitten von Unsicherheit und Leid einstimmen in das Lob des Himmels, dir Herrlichkeit und Ehre geben und in allem auf deinen guten Willen vertrauen, der im Neuen Jerusalem vollkommen offenbar wird. Stärke alle, die müde, enttäuscht oder verunsichert sind, durch den Anblick deines Thrones: dass nichts aus deiner Hand gleitet und deine Liebe uns sicher zu deinem ewigen Haus führt. Dir, der war und ist und kommt, sei Lob und Anbetung in Ewigkeit. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Revelation, Chapter 17

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