Das Wort des Lebens
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Das Wiederkommen Christi

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Wenn Christen über die Wiederkunft Jesu sprechen, treffen oft starke Erwartungen auf große Unsicherheit. Die Bibel zeichnet kein schlichtes Bild eines einzigen Zeitpunktes, sondern entfaltet mehrere Linien, in denen Christus verborgen und offen wiederkommt, seine Gemeinde zu sich nimmt, richtet und sein Reich aufrichtet. Wer diese biblische Linie in Ruhe nachzeichnet, entdeckt nicht nur prophetische Details, sondern vor allem das Herz Christi, der eine wachsame, liebende Braut für sich bereiten möchte.

Die geheime Seite der Wiederkunft: Christus kommt wie ein Dieb

Wenn Jesus ankündigt, dass Er „wie ein Dieb“ kommen wird, stößt das zuerst auf inneren Widerstand. Ein Dieb ist ja jemand, der heimlich kommt, der in der Nacht einbricht und das Kostbare an sich nimmt. Gerade dieses Bild wählt der Herr, um zu zeigen, wie verborgen und überraschend der erste Aspekt seines Wiederkommens ist. In der Offenbarung heißt es: „Wenn du aber nicht wachsam bist, werde Ich kommen wie ein Dieb, und du wirst auf keinen Fall wissen, zu welcher Stunde Ich über dich kommen werde“ (Offb. 3:3). Ein Dieb klingelt nicht an der Haustür und gibt seinen Besuchsplan bekannt; er zählt darauf, dass man schläft, abgelenkt ist, unaufmerksam. So zeichnet Jesus eine ernste, aber zugleich tröstliche Linie: sein heimliches Kommen zielt nicht auf Zerstörung, sondern auf das Herausholen dessen, was Ihm kostbar ist – Menschen, die in innerer Wirklichkeit mit Ihm leben und nicht nur äußerlich zu Ihm gehören.

Offenbarung 3:3 und 16:15 sagen uns beide, dass Christus wie ein Dieb kommen wird und dass wir wachsam sein sollen. Kein Dieb kommt offen oder kündigt sein Kommen an. Wie wir in einer früheren Botschaft hervorgehoben haben, wird der Herr, wenn er wie ein Dieb kommt, kommen, um die kostbaren Dinge zu stehlen. In Matthäus 24:40 und 41 sprach der Herr von seinem geheimen Kommen und sagte: „Dann werden zwei Männer auf dem Feld sein; einer wird genommen und einer gelassen. Zwei Frauen werden an der Mühle mahlen; eine wird genommen und eine gelassen.“ (Witness Lee, Life-Study of Revelation, Botschaft fünf, S. 53)

Darum beschreibt Er die Stunde seines geheimen Kommens mit ganz schlichten Bildern aus dem Alltag: zwei Männer arbeiten auf demselben Feld, zwei Frauen bedienen dieselbe Mühle; äußerlich sind sie identisch beschäftigt, doch plötzlich wird einer genommen und der andere bleibt zurück. Diese Worte stellen den Hörer in das Licht Gottes: Nicht die religiöse Kulisse, nicht die sichtbare Zugehörigkeit entscheidet, sondern ein wachsames Herz, das sich von Christus durchdringen lässt. „Was aber jenen Tag und jene Stunde betrifft, weiß niemand, nicht einmal die Engel der Himmel noch der Sohn, sondern allein der Vater“ (Mt. 24:36). Weil niemand Zeitpunkte berechnen kann, zerschlägt der Herr unser Bedürfnis nach Kontrolle und trägt uns hinein in das Vertrauen: Der Vater kennt die Stunde, und die Aufgabe der Jünger ist nicht Rechnen, sondern Wachsein. Wer so lebt, erfährt das heimliche Kommen des Herrn nicht als Bedrohung, sondern als Belohnung – als das stille Aufgehen des Morgensterns in der eigenen Nacht, lange bevor für die Welt die Sonne der Gerechtigkeit über dem Horizont erscheint.

Zu dieser verborgenen Seite seines Wiederkommens gehört auch, dass Christus zunächst nicht sichtbar auf die Erde tritt, sondern in den Bereich der Wolken herabkommt, in den Luftraum, der in der Schrift als Schauplatz geistlicher Mächte beschrieben wird. Paulus schreibt: „danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein“ (1.Thess. 4:17). In diesem Bereich sammelt der Herr die Seinen um sich, auch jene, die zu diesem Zeitpunkt noch leben. Die Begegnung in den Wolken ist aber nicht nur Wiedersehen und Trost; sie ist auch der Beginn eines heiligen Gerichtes. Am Richterstuhl Christi wird offenbar, was aus seiner Gnade in unserem Leben geworden ist – nicht zur Verdammnis, sondern zur Klärung von Lohn und Verlust. In dieser verborgenen Sphäre wird sichtbar, wie ernst der Herr unsere heutige Wachsamkeit nimmt. Wer Ihn jetzt als inneren Herrn ehrt, wird Ihn dann als Morgenstern empfangen; so heißt es: „und Ich werde ihm den Morgenstern geben“ (Offb. 2:28). Diese Perspektive darf nicht in Angst treiben, sondern in eine stille, entschiedene Freude: Unser verborgener Umgang mit Ihm ist kostbar, und nichts, was in der Nacht der Welt für Ihn gelebt wurde, bleibt unbemerkt.

Darum erinnere dich daran, wie du es empfangen und gehört hast, und bewahre es und tu Buße. Wenn du aber nicht wachsam bist, werde Ich kommen wie ein Dieb, und du wirst auf keinen Fall wissen, zu welcher Stunde Ich über dich kommen werde. (Offb. 3:3)

Was aber jenen Tag und jene Stunde betrifft, weiß niemand, nicht einmal die Engel der Himmel noch der Sohn, sondern allein der Vater. (Mt. 24:36)

Die geheime Seite des Wiederkommens Christi lädt zu einem Leben ein, das von innen her wach ist. Wo vieles nach außen glänzt, aber innerlich schlafrig wird, erinnert das Bild vom Dieb daran, wie ernst Jesus die verborgene Wirklichkeit des Herzens nimmt. Der Gedanke an sein überraschendes Kommen will nicht lähmen, sondern befreien: Die Stunde liegt in der Hand des Vaters, der unsere Geschichte kennt. Gerade deshalb gewinnt jeder unscheinbare Schritt mit Ihm, jedes treue Ausharren, jedes leise Nein zur Gleichgültigkeit bleibendes Gewicht. Wer so lebt, muss nicht fieberhaft Zeichen deuten, sondern darf nüchtern und getrost seinen Weg gehen – im Vertrauen darauf, dass der Herr sein Erscheinen nicht gegen, sondern für die Seinen verwendet. In der Stille eines solchen Vertrauens wächst eine Hoffnung, die die Nacht nicht verdrängt, aber mitten in der Dunkelheit schon den leisen Schimmer des Morgensterns ahnt.

Die offene Seite der Wiederkunft: Christus erscheint in Macht und Herrlichkeit

Auf die verborgene Seite des Kommens Christi folgt ein zweiter, öffentlicher Aspekt, der alles Verdeckte zerreißt. Die Schrift zeichnet ihn mit starken Bildern: „Siehe, Er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird Ihn sehen, auch die, die Ihn durchbohrt haben; und alle Stämme des Landes werden über Ihn trauern, Ja, Amen“ (Offb. 1:7). Was zuvor nur im Glauben ergriffen wurde, tritt dann unwiderruflich vor die Augen der Welt. Jesus vergleicht dieses Erscheinen mit einem Blitz, der vom Osten ausgeht und bis zum Westen leuchtet: auf einmal ist der Himmel aufgerissen, und niemand kann sich mehr entziehen. Mit dieser Bildsprache macht Er deutlich, dass seine offene Wiederkunft keinen verborgenen Winkel auslässt, keine Macht und kein Volk umgeht. Der, der jetzt scheinbar verborgen herrscht, wird als Sohn des Menschen in Macht und großer Herrlichkeit sichtbar werden.

Wie wir gesehen haben, wird Christus im geheimen Aspekt seines Wiederkommens wie ein Dieb kommen. Im offenen Aspekt aber wird er mit Macht und großer Herrlichkeit kommen, sodass ihn alle Stämme des Landes sehen werden (1:7; Mt. 24:27, 30). In Offenbarung 1:7 heißt es: „Siehe, Er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird Ihn sehen, auch die, die Ihn durchbohrt haben; und alle Stämme des Landes werden über Ihn trauern, Ja, Amen.“ Der Herr wird erscheinen wie ein Blitz, der vom Osten ausgeht und bis zum Westen leuchtet. (Witness Lee, Life-Study of Revelation, Botschaft fünf, S. 57)

Dieses öffentliche Erscheinen ist eingebettet in den Zusammenhang der letzten Erschütterungen der Geschichte. Jesus spricht von einer „großen Drangsal, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist noch je sein wird“ (Mt. 24:21). Ein markantes Zeichen dieser Zeit ist der „Greuel der Verwüstung“ an heiliger Stätte, von dem der Prophet Daniel kündet und den der Herr ausdrücklich aufgreift (Mt. 24:15; Dan. 9:27). Der Mensch der Gesetzlosigkeit erhebt sich, setzt sich in den Tempel Gottes und beansprucht Anbetung. Inmitten dieser Zuspitzung greift Gott nicht sofort durch sichtbare Macht ein, sondern lässt das Böse zur Reife kommen. Dann aber setzt ein dramatischer Wendepunkt ein: Der Herr selbst wird auf den Wolken zur Erde herabkommen, und die Schrift fügt hinzu: „Und seine Füße werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem im Osten liegt“ (Sach. 14:4). An dem Ort, von dem aus Er einst in den Himmel emporgehoben wurde, setzt Er nun sichtbar seine Füße auf die Erde – es ist der Augenblick, in dem Gottes Langmut in die öffentliche Durchsetzung seines Rechts umschlägt.

Für Israel ist diese Stunde zugleich Gericht und Gnade. Die, die ihren Messias verwarfen, „werden den Sohn des Menschen auf den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit kommen sehen“ (Mt. 24:30). Die Erkenntnis, dass der Verworfene der von Gott Gesandte war, bricht sich Bahn in einem tiefen Weinen, das die Propheten als Trauer über den Durchbohrten schildern. Gerade in dieser Reue erfüllt Gott seine Verheißungen an sein Volk; der offene Auftritt des Messias wird zum Beginn eines erneuerten Verhältnisses zwischen Israel und seinem Gott. Zugleich sammelt der Herr die Heere der Nationen, die sich seiner Herrschaft widersetzen, wie Trauben zur Kelter, um das Unrecht zu richten und den Krieg von der Erde zu nehmen. Die offene Wiederkunft Christi ist darum nicht nur ein Thema zukünftiger Spekulation, sondern der feste Punkt, an dem Gott der Geschichte eine Wende gibt. Wer in dieser Erwartung lebt, sieht die zunehmenden Spannungen der Welt nicht als blinde Schicksalsschläge, sondern als Ereignisse, die in der Hand dessen stehen, der am Ende nicht verborgen, sondern sichtbar König ist.

Dass Jesus so wiederkommen wird, richtet den Blick über alle kurzfristigen Hoffnungen hinaus. Menschen bauen Ordnungen, Systeme, Friedenspläne – manches ist gut und notwendig, aber nichts davon trägt die letzte Zukunft in sich. Die Verheißung seiner offenen Erscheinung schenkt einerseits einen nüchternen Realismus: manche Dunkelheiten werden nicht vor der Wiederkunft Christi weichen. Andererseits öffnet sie das Herz für eine Hoffnung, die sich nicht an den Stimmungen der Geschichte festmacht, sondern an der Treue Gottes. Wer weiß, dass der Herr sichtbar kommt, darf in aller Zerbrechlichkeit damit rechnen, dass kein Unrecht ungesühnt bleibt und kein Ruf nach Gerechtigkeit im Leeren verhallt. Diese Gewissheit nimmt dem Jetzt nicht die Ernsthaftigkeit, sondern verleiht ihm ein anderes Gewicht: jedes mühsame Tun, jede kleine Entscheidung für Wahrheit und Barmherzigkeit steht unter dem Licht dessen, der einmal in großer Herrlichkeit erscheinen wird.

Siehe, Er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird Ihn sehen, auch die, die Ihn durchbohrt haben; und alle Stämme des Landes werden über Ihn trauern, Ja, Amen. (Offb. 1:7)

denn dann wird große Drangsal sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist noch je sein wird. (Mt. 24:21)

Die offene Wiederkunft Christi führt das Herz aus der Enge des Augenblicks in den weiten Horizont der Verheißung. Wer weiß, dass der Herr sichtbar auf den Plan treten wird, muss weder die Dunkelheiten der Geschichte beschönigen noch in ihnen versinken. Die Bilder vom Blitz, von den Wolken und vom Ölberg erinnern daran, dass es einen Tag gibt, an dem Gott selbst das letzte Wort spricht. Diese Aussicht will nicht in religiöse Weltflucht treiben, sondern innerlich frei machen, das Heute treu zu leben – ohne den Anspruch, alles selber zu vollenden, und doch im Vertrauen, dass nichts Gutes vergeblich ist. So wächst eine Hoffnung, die belastbar ist: Sie hält Krisen aus, ohne zynisch zu werden, und sie kann sich freuen, ohne die zerbrochene Welt zu verdrängen. In dieser Spannung gereift, wird die Erwartung des kommenden Christus zu einer stillen, aber kräftigen Kraft, die den Alltag durchzieht und ihm eine Richtung gibt, die über alle Zwischenstationen hinausweist.

Wachende Liebe statt Spekulation: Leben im Licht der Wiederkunft

Wenn die Bibel vom Wiederkommen Christi spricht, verfolgt sie nicht das Ziel, Neugier zu bedienen oder Berechnungen zu nähren. Die Fülle der Bilder und Aussagen zielt auf das Herz. Am Ende der Offenbarung bündelt sich alles in zwei kurzen Sätzen: „Siehe, Ich komme bald …“ und „Amen, komm, Herr Jesus!“ (vgl. Offb. 22). Zwischen diesen beiden Ausrufen spannt sich das Leben der Gemeinde: auf der einen Seite der Zuspruch des Herrn, auf der anderen die Antwort derer, die Ihn lieben. Paulus spricht von einer „Krone der Gerechtigkeit“, die der Herr denen geben wird, „die Sein Erscheinen geliebt haben“ (2.Tim. 4:8). Hier wird eine innere Haltung sichtbar: Es geht nicht nur darum, an die Wiederkunft zu glauben, sondern sie zu lieben – Christus selbst mehr zu lieben als alle gegenwärtige Erfüllung. Diese Liebe macht wach und nüchtern, aber sie ist frei von jener Unruhe, die immer neue Sensationen sucht.

Wenn wir dies tun, werden wir völlig davon überzeugt sein, dass das Kommen Christi zwei Aspekte hat: den geheimen, privaten Aspekt und den offenen, öffentlichen Aspekt. (Witness Lee, Life-Study of Revelation, Botschaft fünf, S. 52)

So wird die Hoffnung auf das Kommen Jesu zu einer Kraft, die den Alltag durchzieht. In Situationen der Trauer oder des Abschieds erinnert Paulus daran, dass der Herr kommen wird, dass die Toten in Christus auferstehen und wir „allezeit beim Herrn sein“ werden (1.Thess. 4:16–17). Er fügt hinzu, man solle sich mit diesen Worten trösten. Die Wiederkunft ist also keine Drohkulisse, sondern ein Trostgrund. Gleichzeitig spricht dieselbe Schrift von einem Richterstuhl Christi, vor dem offenbar wird, was unser Tun in seinem Licht bedeutet. Diese Spannung ist heilsam: Die Zusage, immer beim Herrn zu sein, nimmt die Angst vor dem Letzten; die Aussicht auf Rechenschaft schützt vor Gleichgültigkeit. Johannes fasst beides zusammen, wenn er sagt: „Wir wissen, daß wir, wenn Er offenbar wird, Ihm gleich sein werden … Und jeder, der diese Hoffnung auf Ihn hat, reinigt sich selbst, so wie Er rein ist“ (vgl. 1.Joh. 3:2–3). Hoffnung, Trost und Ernst stehen hier nicht gegeneinander, sondern durchdringen sich.

Dass niemand den Zeitpunkt des Kommens kennt, macht deutlich, dass Wachsamkeit keine Spezialdisziplin geistlicher „Experten“ ist, sondern Grundhaltung des Glaubens. Jesus sagt schlicht: „Seid darum wachsam, denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt“ (Mt. 24:42). Wachsamkeit meint hier nicht ein nervöses Spähen nach Zeichen, sondern ein Leben, das sich von Christus her ordnen lässt. Wer sein Erscheinen liebt, wird nicht alles aus der Hand fallen lassen, sondern umso sorgfältiger mit dem anvertrauten Leben umgehen – im Bewusstsein, dass es auf den Punkt hin gelebt wird, an dem wir Ihn sehen werden. So wird das Heute zu einem Raum, in dem das Zukünftige schon jetzt Gestalt gewinnt: in der Art, wie wir mit Schuld umgehen, wie wir vergeben, wie wir Besitz und Erfolg verstehen, wie wir Leid deuten. Die Wiederkunft verlegt das Gewicht nicht in eine unbestimmte Ferne, sondern zieht die Zukunft in die Gegenwart hinein.

In dieser Perspektive bekommt auch die große Linie von Gottes Vorsatz ihren Klang. „So wie Er uns in Ihm vor Grundlegung der Welt auserwählt hat, damit wir heilig und makellos seien vor Ihm in Liebe“ (Eph. 1:4) – dieser Satz spannt den Bogen von der vergangenen Ewigkeit zur zukünftigen. Gott hat nicht erst am Rand der Geschichte beschlossen, Menschen zu retten, sondern von Anfang an darauf hingearbeitet, eine Gemeinschaft zu schaffen, die in Liebe vor Ihm steht. Das Wiederkommen Christi ist die Vollendung dessen, was in der Auserwählung begann und in der täglichen Heiligung weitergeführt wird. Wer in diesem Licht lebt, sieht sein eigenes Leben nicht mehr als lose Aneinanderreihung von Tagen, sondern als Teil eines Weges, den der Dreieine Gott mit seiner Gemeinde geht. Gerade diese Einbindung in den großen Plan lässt durch die Begrenzung des Einzelnen hindurch eine stille Würde aufscheinen.

Von nun an ist mir die Krone der Gerechtigkeit aufbewahrt, mit der es mir der Herr, der gerechte Richter, am jenem Tag zurückerstatten wird, und nicht nur mir, sondern auch all denen, die Sein Erscheinen geliebt haben. (2.Tim. 4:8)

Seid darum wachsam, denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. (Mt. 24:42)

Die Hoffnung auf das Wiederkommen Christi fordert nicht zuerst den Verstand, sondern das Herz heraus. Sie lädt ein, Christus selbst zum Mittelpunkt der Erwartung zu machen: nicht die Fülle von Szenarien, sondern die Person, die verheißen hat, zu kommen. Wo dieser Blick wächst, darf das Leben zugleich nüchtern und getröstet werden – nüchtern, weil jeder Tag Gewicht hat; getröstet, weil kein Tag dem blinden Zufall gehört. Die zeitliche Unbestimmtheit seiner Wiederkunft ist dabei keine Lücke im Plan, sondern Raum für Vertrauen. In diesem Raum kann die Liebe zu seinem Erscheinen wachsen und den Alltag prägen: Entscheidungen werden durchlässiger für sein Licht, Beziehungen barmherziger, Hoffnung geduldiger. So wird aus einer Lehre eine Lebenshaltung, aus einem zukünftigen Ereignis eine gegenwärtige Kraft. Und mitten in allen offenen Fragen bleibt eine schlichte Zuversicht: Der, der gesagt hat „Ich komme bald“, wird keinen, der auf Ihn hofft, vergessen.


Herr Jesus Christus, du kommende König, danke, dass dein Wiederkommen sicher ist, auch wenn uns viele Einzelheiten verborgen bleiben. Du kennst die Verwirrung und die Angst unserer Zeit und sprichst doch zu uns: „Siehe, ich komme bald.“ Stärke unser Vertrauen, dass dein Plan gut ist und dass du nichts aus der Hand gibst, weder in der Weltgeschichte noch in unserem persönlichen Leben. Erneuere in uns die erste Liebe, damit wir nicht von Furcht oder Spekulation bestimmt werden, sondern von einer sehnsuchtsvollen Hoffnung auf dich. Lass uns zu Menschen werden, die wachend und nüchtern leben, weil sie wissen, dass du treu bist und keinen vergisst, der sich dir anvertraut hat. Bewahre uns bis zu dem Tag, an dem du offenbar wirst in Herrlichkeit und du alle Tränen abwischst und alles Unrecht richtest. In dieser Hoffnung wollen wir dir gehören – heute und bis du kommst. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Revelation, Chapter 5

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