Die Lehre der Salbung in Bezug auf den Dreieinen Gott erfahren
Viele Christen haben schon von der „Salbung“ gehört, wissen aber kaum, was sie im Alltag bedeutet. Johannes verbindet die Salbung mit der tiefen Wirklichkeit des Dreieinen Gottes, der sich in Geschichte und Erlösung offenbart und heute im Inneren der Gläubigen wirkt. Gerade in einer Zeit verwirrender Stimmen über Jesus Christus will diese Salbung uns gewiss machen, wer der Herr ist und wie eng wir mit Ihm verbunden sind.
Die Salbung – die innere Bewegung des zusammengesetzten Geistes
Wenn Johannes schreibt: „Und ihr habt eine Salbung von dem Heiligen, und ihr alle wisst es“ (1. Johannes 2:20), berührt er etwas Zutiefst Inneres. Er spricht nicht von einer äußeren Einweihung, nicht von einem besonderen Erlebnis für einige wenige, sondern von einer stillen, beständigen Bewegung in allen Wiedergeborenen. Diese Salbung ist das innere Bewegen des zusammengesetzten, allumfassenden, lebengebenden Geistes in uns. In 2. Mose 30:23–25 wird dieser Geist bildhaft vor Augen gestellt: ein heiliges Salböl, „eine Mischung von Gewürzsalbe, ein Werk des Salbenmischers; es soll ein Öl für die heilige Salbung sein“. Das einfache Olivenöl steht für die göttliche Natur, die Gewürze deuten auf Leiden, Tod, Auferstehung und den süßen Duft des vollbrachten Werkes Christi hin. In dieser göttlichen „Mischung“ sind die Person des Vaters, des Sohnes und des Geistes, die göttliche und menschliche Natur und die ganze Erlösungswirksamkeit des Herrn untrennbar verbunden.
In Vers 20 spricht Johannes die jungen Kinder in Bezug auf die Salbung an: „Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen und wisst alle.“ Die Salbung ist das Bewegen und Wirken des innewohnenden zusammengesetzten Geistes, der in 2. Mose 30:23–25 vollständig durch das Salböl, das zusammengesetzte Salböl, vorgebildet wird (siehe Life-study of Exodus, Botschaften 157–163). Dieser allumfassende, lebengebende Geist vom Heiligen ist bei unserer Wiedergeburt in uns hineingekommen und bleibt in Ewigkeit in uns (V. 27). Durch diesen Geist haben die jungen Kinder den Vater erkannt (V. 13) und erkennen die Wahrheit (V. 21). (Witness Lee, Life-Study of 1 John, Botschaft einundzwanzig, S. 184)
Damit ist die Salbung nichts Geringeres als der Dreieine Gott selbst, der in Christus durch Menschwerdung, menschliches Leben, Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt gegangen ist und nun als Geist in uns wohnt und sich bewegt. Wenn dieser Geist sich in uns regt – oft leise, manchmal mit deutlicher innerer Eindrücklichkeit –, dann „salbt” Er uns mit allem, was Gott ist und was Christus vollbracht hat. Johannes kann darum sagen: „Ich schreibe euch, Väter, weil ihr den erkannt habt, (der) von Anfang an (ist). Ich schreibe euch, ihr jungen Männer, weil ihr den Bösen überwunden habt“ (1. Johannes 2:13). Das Erkennen des Vaters, das Überwinden des Bösen, das Verstehen der Wahrheit – all das ist Frucht dieser inneren Bewegung. So wie eine Farbe ihre Bestandteile erst beim Auftragen offenbart, zeigt sich der Reichtum dieses Geistes, wenn Er sich auf unser praktisches Leben „aufträgt“: in einer leisen Unruhe, wenn wir in eine Unwahrheit gleiten, in einem inneren Frieden, wenn wir im Willen Gottes stehen, in einem süßen Trost mitten im Druck. Durch diese Salbung werden wir nicht nur informiert, sondern innerlich geprägt, geklärt, gestärkt. Darin liegt eine stille Ermutigung: Unser Wachstum im Leben hängt nicht zuerst an unserer Analysestärke, sondern an diesem unermüdlich wirkenden Geist, der uns Tag für Tag tiefer mit Gott verbindet und uns Schritt für Schritt in ein klares, nüchternes und zugleich warmes Erkennen des Vaters führt.
Und ihr habt eine Salbung von dem Heiligen, und ihr alle wisst es. (1.Joh. 2:20)
und mache daraus ein Öl der heiligen Salbung, eine Mischung von Gewürzsalbe, ein Werk des Salbenmischers; es soll ein Öl für die heilige Salbung sein. (2.Mose 30:25)
Die Salbung in uns macht deutlich, dass geistliche Erkenntnis nie von der inneren Bewegung des Geistes zu trennen ist. Erkenntnis im biblischen Sinn ist nicht das Ansammeln religiöser Informationen, sondern das allmähliche Durchdrungenwerden von dem, was der Dreieine Gott in Christus ist und getan hat. Wer auf diese subtile, aber beharrliche innere Bewegung achtet, lernt, das Leben mehr zu gewichten als bloße Begriffslogik. Wenn Wahrheit in unserem Inneren von der Salbung bestätigt, bezeugt und bewohnt wird, wird sie tragfähig und wirkt verwandelnd. Das bewahrt vor einer nüchternen, aber leeren Orthodoxie und ebenso vor schwärmerischer Ungebundenheit: Der salbende Geist führt nüchtern in die Wahrheit und gleichzeitig warm in die Gemeinschaft mit dem Vater. In dieser Mischung aus Klarheit und Herzensnähe wächst ein stilles Vertrauen: Der, der uns salbt, hört nicht auf, uns zu lehren, auch wenn unser Verständnis begrenzt ist. Das gibt Gelassenheit und zugleich Mut, im Alltag innerlich wach zu bleiben für die feinen Hinweise dieses Geistes.
In den Namen des Dreieinen Gottes hineingetauft – organische Einheit und inneres Lehren
Wenn der auferstandene Herr seinen Jüngern sagt: „Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie hinein in den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Matthäus 28:19), eröffnet Er einen Blick in das Innere der Taufe. Es ist bemerkenswert, dass Er von einem Namen spricht, nicht von drei Namen. Dieser eine Name steht für die eine göttliche Person in der Fülle der drei: Vater, Sohn und Geist. In diesen Namen hineingetauft zu werden heißt daher, in die Person des Dreieinen Gottes hineingenommen zu werden, in eine organische, lebendige Einheit mit Ihm. Die Taufe ist mehr als ein Symbol; sie ist das Tor in eine neue Wirklichkeit, in der Er und wir nicht nur aufeinander bezogen, sondern innerlich verbunden sind. Aus diesem Grund kann Paulus später sagen: „Und der Herr ist der Geist; und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2. Korinther 3:17). Der, in dessen Namen wir hineingetauft wurden, ist der, der nun als Geist in uns wohnt.
In Matthäus 28:19 sagte der Herr Jesus zu seinen Jüngern: „Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie hinein in den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ In seinem Werk Word Studies in the New Testament sagt M. R. Vincent, dass der Name in Matthäus 28:19 der Person entspricht. Daher bedeutet es, Menschen hinein in den Namen des Vaters, des Sohnes und des Geistes zu taufen, sie hinein in die Person des Dreieinen Gottes zu taufen. So wie ein menschlicher Name eine menschliche Person bezeichnet, so bezeichnet der göttliche Name die göttliche Person. Menschen in den Namen des Dreieinen Gottes zu taufen bedeutet, sie in die Person des Dreieinen Gottes hineinzubringen. (Witness Lee, Life-Study of 1 John, Botschaft einundzwanzig, S. 187)
Der Dreieine Gott, der so mit uns verbunden ist, bleibt nicht stumm. Er belehrt uns beständig über sich selbst – nicht zuerst durch Begriffe, sondern durch Leben. So wie ein Nahrungsmittel am tiefsten durch seinen Geschmack erkannt wird, erkennen wir Gott, indem wir Ihn „kosten“: in der täglichen Hinwendung, im Vertrauen, in der stillen Übereinstimmung mit Seiner inneren Leitung. Diese innere Bewegung des Geistes in unserer Verbindung mit Ihm ist die Salbung. Johannes schreibt von ihr im Zusammenhang mit der Gefahr antichristlicher Lehren und sagt: „Kinder, es ist die letzte Stunde, und wie ihr gehört habt, daß der Antichrist kommt, so sind auch jetzt viele Antichristen aufgetreten; daher wissen wir, daß es die letzte Stunde ist“ (1. Johannes 2:18). Im selben Abschnitt führt er aus, dass die Salbung die Gläubigen befähigt zu unterscheiden, was den Sohn leugnet und damit den Vater verfehlt (1. Johannes 2:22–23). So wirkt die Salbung in dieser organischen Einheit zweifach: Sie macht die Gemeinschaft mit dem Vater, dem Sohn und dem Geist erfahrbar – und sie schärft zugleich den inneren Sinn für das Echte und das Falsche, das Christus gemäß ist und das Ihn verdunkelt. Diese Spannung ist nicht bedrückend, sondern heilsam: Je mehr wir den Dreieinen Gott in unserem Alltag „schmecken“, desto ruhiger und sicherer werden wir in der Erkenntnis dessen, wer Er ist, und desto weniger sind wir von religiösen Stimmen hin- und hergeworfen.
Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie hinein in den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Matth. 28:19)
Und der Herr ist der Geist; und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. (2.Kor. 3:17)
Die Taufe in den Namen des Dreieinen Gottes und das fortlaufende Lehren durch die Salbung gehören untrennbar zusammen. Wer in diese Beziehung hineingestellt wurde, lebt nicht mehr vor einem fernen Gott, sondern mit einem Gott, der in ihm wohnt und sich mitteilt. Daraus ergibt sich eine nüchterne, aber tief tröstliche Konsequenz: Die entscheidenden Lektionen über Gott werden nicht in erster Linie im Hörsaal oder durch Streitgespräche gelernt, sondern auf dem Boden einer gelebten Beziehung, in der die Salbung innerlich bezeugt, korrigiert und bestätigt. Das entwertet weder Lehre noch Studium, ordnet sie aber ein: Sie bleiben wichtig, doch ihre Fruchtbarkeit hängt daran, dass der innere Lehrer – der salbende Geist – mitreden darf. Wer sich an diese feine, doch verlässliche Führung gewöhnt, erlebt, dass die Erkenntnis des Dreieinen Gottes zugleich klarer und persönlicher wird. Darin liegt eine stille Motivation, das eigene Leben als Raum zu sehen, in dem der Getaufte und der Taufende – der Dreieine selbst – in einer lebendigen, lernenden Gemeinschaft miteinander unterwegs sind.
Der eine Dreieine in uns – die Salbung bewahrt in der Erkenntnis Christi
Die Salbung beleuchtet uns nicht nur über einzelne Gaben Gottes, sondern über Ihn selbst in Seiner dreieinen Wirklichkeit. Die Schrift hält hier zwei Linien zusammen, die menschlich schwer zu fassen sind: Sie unterscheidet klar zwischen Vater, Sohn und Geist – und bezeugt zugleich ihre unauflösliche Einheit. In Jesaja 9:6 heißt es über den kommenden Messias: „Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Ewig-Vater, Friedefürst.“ Der gegebene Sohn wird „Ewig-Vater“ genannt. Im Johannesevangelium antwortet Jesus auf den Wunsch, den Vater zu sehen, mit den Worten: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ und erklärt: „Ich bin im Vater und der Vater ist in mir“ (Johannes 14:9–11). An anderer Stelle sagt Er: „Ich bin in dem Namen meines Vaters gekommen, und ihr nehmt mich nicht auf“ (Johannes 5:43). Der Sohn kommt im Namen des Vaters, der Vater ist im Sohn, und beide sind eins – ohne deshalb ineinander aufzugehen.
Nach der Bibel lehren wir, dass der Vater, der Sohn und der Geist eins sind. In Jesaja 9:6 heißt es, dass uns ein Sohn gegeben ist, dessen Name jedoch „Ewig-Vater“ genannt wird, oder „ewiger Vater“ oder „Vater der Ewigkeit“. Dies entspricht dem Wort des Herrn über sich selbst und den Vater, das im Evangelium nach Johannes aufgezeichnet ist. Der Herr Jesus sagte, dass er, der Sohn, im Namen des Vaters gekommen ist (Joh. 5:43). (Witness Lee, Life-Study of 1 John, Botschaft einundzwanzig, S. 188)
Das Neue Testament verbindet diese Einheit noch weiter mit dem Geist: „Und der Herr ist der Geist; und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2. Korinther 3:17). Wenn Johannes schreibt: „Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater“ (1. Johannes 2:23), wird deutlich, dass sich in der Person Christi der Zugang zum Vater und die Gegenwart des Geistes bündeln. In der Erfahrung bedeutet das: Wir haben nicht drei unterschiedliche innere Stimmen, sondern einen wunderbaren Bewohner. Wenn die Salbung in uns wirkt, „schmecken“ wir in einer und derselben inneren Wirklichkeit die Väterlichkeit Gottes, die Nähe und Menschlichkeit des Sohnes und die Kraft und Freiheit des Geistes. In Momenten, in denen wir tief getröstet, zugleich aber auch zurechtgebracht werden; wenn wir innerlich gewiss sind, dass eine bestimmte Lehre oder Darstellung Jesu „nicht stimmt“, obwohl wir vielleicht noch nicht alle Argumente formulieren können – dann wirkt diese Salbung. Sie befestigt uns darin, dass der in uns wohnende Christus nicht ein bloßer religiöser Lehrer oder moralisches Vorbild ist, sondern der Dreieine Gott selbst, der uns erlöst hat und uns nun innerlich in alle Wirklichkeit führt. Diese Gewissheit bleibt nicht abstrakt: Sie wirkt Ruhe inmitten theologischer Strömungen, Demut im Umgang mit Geheimnissen und eine anbetende Einfachheit: Den, den wir im Inneren kennen, bekennen wir mit dem Mund und verehren Ihn als den einen Dreieinen, der sich uns in der Salbung mitteilt.
Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Ewig-Vater, Friedefürst. (Jes. 9:6)
Relevante Schriftstellen: Jesaja 9:6, Johannes 5:43, Johannes 10:30, Johannes 14:9–11, 1.Joh. 2:23, 2.Kor. 3:17.
Diese Wahrheit ermutigt dazu, vor dem Herrn still zu werden und neu zu sehen, wie Sein Leben Denken, Fühlen und Handeln von innen her prägt.
Herr Jesus Christus, danke, dass Du als der Dreieine Gott in mir wohnst und mich durch Deine Salbung von innen her belehrst. Wo Gedanken, Stimmen oder Lehren mich verunsichern wollen, lass den stillen, aber klaren Zug Deines Geistes in mir stärker sprechen als alles andere und mein Herz auf Dich ausrichten. Vater, vertiefe in mir das lebendige Wissen, dass ich in Deinen Namen hineingetauft bin und unauflöslich mit Dir verbunden bin, sodass ich Dich im Alltag als meinen Frieden, meine Weisheit und meine Kraft erfahre. Heiliger Geist, präge mich mit allem, was in diesem „Salböl“ enthalten ist – mit der Liebe des Vaters, der Menschlichkeit und dem Kreuz des Sohnes und der Auferstehungskraft, die Du in mich hineinträgst –, damit mein Leben ein stilles Zeugnis für Deine Wirklichkeit ist. Stärke jeden, der schwach, angefochten oder verwirrt ist, durch den Trost dieser Salbung, und bewahre uns als Dein Volk in der klaren, freudigen Erkenntnis der Herrlichkeit Christi, bis wir Dich von Angesicht zu Angesicht sehen. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of 1 John, Chapter 21