Das Wort des Lebens
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Die Heiligung des Geistes, das Besprengen des Blutes und die lebendige Hoffnung

11 Min. Lesezeit

Viele Christinnen und Christen empfinden das eigene Glaubensleben als Stückwerk: Sie wissen um Gottes Erwählung und um Jesu Kreuzestod, aber der Alltag fühlt sich oft so wenig verändert und so wenig hoffnungsvoll an. Petrus verbindet in seinem Brief drei große Themen – den Geist, das Blut und die Hoffnung – zu einer Linie: Was Gott in der vergangenen Ewigkeit beschlossen und in Christus vollbracht hat, wird durch den Heiligen Geist persönlich und erfahrbar. So entsteht ein Leben, das unter dem Schutz des Blutes steht und von einer Hoffnung getragen ist, die lebt, wächst und schon jetzt etwas von der kommenden Herrlichkeit kosten lässt.

Die Heiligung des Geistes: Gottes Auswahl wird erfahrbar

Petrus beschreibt das Werk Gottes in einer überraschenden Reihenfolge. Er spricht von der Vorkenntnis des Vaters, der Heiligung des Geistes und der Besprengung mit dem Blut Jesu Christi und fügt dann den Gruß hinzu: „Gnade euch und Friede werde euch vermehrt“ (1.Petr. 1:2). So zeigt er, dass der Heilige Geist nicht erst nach der Erlösung eingreift, sondern mitten zwischen Erwählung und Blut steht. Was der Vater in der vergangenen Ewigkeit beschlossen hat und was der Sohn historisch am Kreuz vollbracht hat, erreicht unser tatsächliches Leben durch das stille, aber wirkungsvolle Eingreifen des Geistes. Ohne diese Anwendung bliebe Erwählung ein herrlicher, aber ferner Gedanke, und Erlösung ein objektives Geschehen außerhalb von uns.

Als ich über diesen Vers betete und ihn studierte, wurde mir klar, dass nicht nur die Erlösung Christi durch den Geist angewendet werden muss, sondern ebenso die Auswahl des Vaters. Ohne die Anwendung durch den Heiligen Geist – wie könnte Gottes Auswahl in praktischer, erfahrungsmäßiger Weise irgendetwas mit uns zu tun haben? Gottes Auswahl hat uns durch die Anwendung des Geistes erreicht. Diese Anwendung ist es, was Petrus mit der Heiligung des Geistes meint. (Witness Lee, Life-Study of 1 Peter, Botschaft vier, S. 32)

Die Heiligung des Geistes beginnt daher nicht erst, wenn ein Mensch bewusst Ja zu Christus sagt. Lange bevor wir den Namen Jesu in Wahrheit anrufen, hat der Geist bereits begonnen, uns aus unseren eigenen Wegen „herauszuwehen“ und in die Reichweite des Evangeliums zu bringen. Begegnungen, die uns aufrütteln, eine innere Unruhe über unsere eingefahrenen Pfade, ein plötzliches Offenwerden für Gottes Wort – all das sind Spuren dieser Heiligung. Der Geist stellt uns innerlich auf die Seite Gottes, noch bevor wir das genau benennen können. So werden wir von der Stellung der Ferne in eine neue Stellung vor Gott versetzt, auch wenn unsere Worte und Begriffe noch hinterherhinken.

Heiligung ist in diesem Licht viel mehr als moralische Besserung oder religiöse Absonderung. Sie ist ein Vorgang, in dem der Geist uns zu Gott hin abgesondert und mit Christus durchsättigt, bis Gottes Rettungsplan eine erfahrbare Einheit wird: Erwählung, Erlösung und Bewahrung greifen ineinander. In 1.Petrus 1:5 heißt es, wir seien diejenigen, „die ihr durch die Kraft Gottes sicher bewahrt werdet mittels des Glaubens zu einer Errettung, die bereit steht, um in der letzten Zeit offenbart zu werden“. Der Glaube, durch den wir bewahrt werden, ist nicht selbst erzeugt; er ist Frucht derselben Heiligung, mit der der Geist uns überhaupt erst vor Gott stellt.

So entsteht ein stiller Trost: Unser Heil hängt nicht an der Stabilität unserer Gefühle, sondern an der Treue des Geistes, der das Werk des Vaters und des Sohnes in uns zur Wirkung bringt. Selbst unsere erste Hinwendung zu Christus ist bereits Antwort auf ein vorhergehendes Wirken Gottes in uns. Wer dies erkennt, sieht sein Leben nicht mehr als zufällige Kette von Entscheidungen, sondern als innerlich geführte Geschichte der Gnade. Das macht demütig, entspannt und zugleich wach: Wo der Geist heiligt, dort ist der Raum offen, dass Christus mehr Gestalt gewinnt und die Erwählung Gottes aus der vergangenen Ewigkeit in unserem Alltag einen warmen, lebendigen Ausdruck findet.

die auserwählt wurden nach der Vorkenntnis Gottes des Vaters in der Heiligung des Geistes, zum Gehorsam und zur Besprengung des Blutes Jesu Christi: Gnade euch und Friede werde euch vermehrt. (1.Petr. 1:2)

die ihr durch die Kraft Gottes sicher bewahrt werdet mittels des Glaubens zu einer Errettung, die bereit steht, um in der letzten Zeit offenbart zu werden, (1.Petr. 1:5)

Wer die Heiligung des Geistes so versteht, beginnt sein eigenes Glaubensleben ehrfürchtig und dankbar zu betrachten: selbst die tastenden ersten Schritte waren schon von Gott umfangen. Das entzieht dem Stolz die Grundlage, nimmt aber auch der Angst den Stachel – denn derselbe Geist, der uns zu Christus hingezogen hat, wird auch weiterhin daran arbeiten, uns in dieser Erwählung zu bewahren und zu vertiefen. Inmitten von Schwachheit und Fragen darf deshalb die leise Gewissheit wachsen: Ich halte Gott nicht in meiner Hand, sondern der Dreieine Gott hält mich in der Seinen.

Die Gehorsamkeit und Besprengung des Blutes: von der alten zur neuen Haushaltung

Wenn Petrus von „Gehorsam“ und „Besprengung des Blutes Jesu Christi“ spricht (1.Petr. 1:2), öffnet sich der Hintergrund des Alten Bundes. Damals wurde das Volk Israel mit Blut besprengt, wenn Gott einen Bund bestätigte. So heißt es über Mose: „Darauf nahm Mose das Blut, besprengte damit das Volk und sagte: Siehe, das Blut des Bundes, den der HERR auf all diese Worte mit euch geschlossen hat!“ (2.Mose 24:8). Das Blut auf dem Volk war sichtbares Zeichen: Gott hat sein Wort gegeben, das Volk antwortet, und das Blut steht zwischen ihnen als Schutz und Bindung. Tierblut, Gesetz, sichtbarer Kult – das war die Form, in der Israel vor Gott stand.

Mit dem Kommen Christi begann die neutestamentliche Ökonomie. Der Herr Jesus kam, um das Gesetz zu ersetzen, und Sein Blut erfüllt das Vorbild des Tierblutes und tritt an seine Stelle. Die Bestandteile der neutestamentlichen Ökonomie sind daher die Person Christi und das Blut Christi. (Witness Lee, Life-Study of 1 Peter, Botschaft vier, S. 34)

Mit Christus beginnt eine andere Haushaltung. Er erfüllt das Gesetz und trägt an seinem Leib die ganze Last dieses alten Systems. Sein eigenes Blut tritt an die Stelle des Tierblutes. Der Hebräerbrief fasst das zusammen, wenn er davon spricht, dass Christus in das himmlische Heiligtum eingegangen ist und „eine ewige Erlösung erlangt hat“ (vgl. Hebräer 9:12). Vor Gott gilt nun nicht mehr das Blut der Stiere und Böcke, sondern allein das Blut des Sohnes. „Gehorsam des Blutes“ bedeutet daher, sich nicht länger auf die Sicherheit eigener Werke, Traditionen oder religiöser Leistungen zu stützen, sondern Gottes Ruf zu folgen, das Blut Jesu als einzig gültige Grundlage anzuerkennen.

Dieses Anerkennen ist mehr als eine theologische Zustimmung. Es ist ein inneres Sich-Unterstellen unter das, was dieses Blut sagt. Es spricht von vollendeter Versöhnung, von gerechter Vergebung und von einer geöffneten Tür in das Allerheiligste. In Römer 16:26 heißt es, dass das Evangelium „allen Heiden bekannt gemacht worden ist für den Gehorsam des Glaubens“. Glaubensgehorsam heißt, dem Zeugnis des Blutes nicht zu widersprechen, indem man neben Christus noch eigene Sicherheiten aufbaut, sondern sich von Gott in die neue Ordnung der Gnade versetzen zu lassen, in der das Blut des Lammes die ganze Last trägt.

Die „Besprengung des Blutes“ ist im neuen Bund keine äußere Zeremonie mehr, sondern eine reale Anwendung auf unser Inneres. Das Blut reinigt das Gewissen, es stellt uns unter den Schutz des neuen Bundes, es legt einen unsichtbaren, aber wirksamen Schutzschirm über unser Leben gegenüber dem Gericht. So werden Menschen, die zuvor unter dem Druck eines unvollendeten religiösen Lebens standen, in eine Stellung der Ruhe gebracht: Sie stehen nicht mehr unter dem unerfüllbaren Anspruch des Gesetzes, sondern unter der Zusage Christi, dass sein Opfer genügt. Wo der Geist uns in diesen Gehorsam des Blutes hineinführt, endet die unruhige Selbstrechtfertigung und es beginnt ein Leben unter dem sanften, aber festen Schutz dessen, was Christus ein für alle Mal vollbracht hat.

die auserwählt wurden nach der Vorkenntnis Gottes des Vaters in der Heiligung des Geistes, zum Gehorsam und zur Besprengung des Blutes Jesu Christi: Gnade euch und Friede werde euch vermehrt. (1.Petr. 1:2)

Darauf nahm Mose das Blut, besprengte damit das Volk und sagte: Siehe, das Blut des Bundes, den der HERR auf all diese Worte mit euch geschlossen hat! (2.Mose 24:8)

Je klarer wird, was es heißt, dem Blut Jesu zu gehorchen, desto weniger zwingend erscheint der Druck, sich vor Gott selbst rechtfertigen zu müssen. In der neuen Haushaltung Gottes ist der sicherste Ort nicht die eigene Leistung, sondern die Besprengung mit dem Blut des Sohnes. Daraus erwächst ein Leben, das weder leichtfertig noch ängstlich ist, sondern von Dankbarkeit geprägt: Schuld wird ernst genommen, aber nicht mehr als letzter Maßstab; Christus ist der Maßstab, und sein Blut bleibt stärker als jede Anklage, die sich im Herzen oder von außen gegen uns erhebt.

Die lebendige Hoffnung und das himmlische Erbe

Petrus stimmt einen Lobpreis an, der gleichsam das Tor zur christlichen Hoffnung öffnet: „Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach Seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unverderblichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das in den Himmeln aufbewahrt ist für euch“ (1.Petr. 1:3–4). Hoffnung und Erbe sind hier untrennbar verbunden. Hoffnung beschreibt die Weise, in der wir nach vorn schauen; das Erbe ist der Inhalt, auf den wir schauen. Weil Gott uns wiedergeboren hat, ist unsere Hoffnung nicht bloß ein gedanklicher Optimismus, sondern wächst aus dem Leben, das er in uns gelegt hat.

Eine lebendige Hoffnung ist eine Hoffnung des Lebens, insbesondere eine Hoffnung des ewigen Lebens. Das Leben ist die Quelle der Hoffnung. (Witness Lee, Life-Study of 1 Peter, Botschaft vier, S. 37)

Lebendig ist diese Hoffnung, weil sie aus der Auferstehung Christi stammt und von seiner Gegenwart in uns genährt wird. Wo nur menschliche Wunschträume sind, stirbt die Hoffnung mit den Umständen. Wo aber Auferstehungsleben ist, entsteht eine Hoffnung, die sich nach unten in Leiden und Sterben hinein beugen kann und dennoch nicht verlischt. Das Erbe, auf das Petrus verweist, ist „unverderblich und unbefleckt und unverwelklich“ – damit zeigt er auf den Dreieinen Gott selbst, dessen Leben nicht zerfällt, dessen Heiligkeit nicht verunreinigt wird und dessen Herrlichkeit nicht verblasst. Dieses Erbe ist „in den Himmeln aufbewahrt“, also unzugänglich für Diebstahl, Verfall und menschliche Launen.

Damit ist jedoch nicht gemeint, dass wir erst in ferner Zukunft einen ersten Vorgeschmack davon erhalten würden. Schon jetzt können wir aus diesem himmlischen Schatz „leben“, indem wir mit Christus verbunden sind, der in den Himmeln ist und zugleich in uns wohnt. Wenn Petrus im nächsten Vers davon spricht, dass wir „durch die Kraft Gottes sicher bewahrt werdet mittels des Glaubens“ (1.Petrus 1:5), dann zeigt sich die Verbindung: dieselbe Kraft, die das Erbe bewahrt, trägt auch die Hoffnung in uns. So wie Eltern für ihr Kind hoffen, weil in ihm Leben ist, so entspringt unsere Hoffnung dem ewigen Leben, das Gott in der Wiedergeburt geschenkt hat.

Diese lebendige Hoffnung verengt den Blick nicht auf ein spätes Jenseits, sondern färbt den Alltag. Wer weiß, dass sein Erbe unverwelklich ist, kann Verluste ernst nehmen, ohne innerlich am Ende zu sein. Wer erfährt, dass Christus selbst der Inhalt dieses Erbes ist, entdeckt inmitten normaler Tage Augenblicke, in denen die kommende Herrlichkeit aufleuchtet: in einem Wort der Schrift, das trifft; in einem Gebet, das von Frieden durchzogen ist; in einer Versöhnung, die über menschliche Möglichkeiten hinausgeht. So wird die lebendige Hoffnung zur leisen, aber beharrlichen Kraft, die uns durch die Zeit trägt und gleichzeitig nach vorne zieht, hin zu der Vollendung, die Gott schon bereitet hat.

Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach Seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, (1.Petr. 1:3)

zu einem unverderblichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das in den Himmeln aufbewahrt ist für euch, (1.Petr. 1:4)

Die lebendige Hoffnung, von der Petrus spricht, nimmt dem Leben nicht die Schwere, aber sie nimmt ihm die Aussichtslosigkeit. Wer sein Erbe im Himmel weiß und zugleich in der Gemeinschaft mit Christus schon jetzt etwas von seiner Kraft erfährt, muss nicht zwischen Flucht in die Zukunft und Resignation in der Gegenwart wählen. Stattdessen kann er Schritt für Schritt gehen, gehalten von einer Hoffnung, die aus Gottes eigenem Leben stammt und darum nicht verwelkt – selbst dann nicht, wenn vieles andere sichtbar vergeht.


Herr Jesus Christus, danke für die tiefe Gnade, dass der Vater uns in der vergangenen Ewigkeit erwählt, du uns durch dein Blut erlöst und der Heilige Geist uns geheiligt hat, damit all dies in unserem Leben Wirklichkeit wird. Du siehst, wie schnell wir auf unsere eigene Leistung und unsere wechselhaften Gefühle schauen; richte unseren Blick neu auf die Kraft deines Blutes und auf die lebendige Hoffnung, zu der wir wiedergeboren sind. Lass die Heiligung des Geistes unsere Gedanken, Entscheidungen und Beziehungen durchdringen, sodass wir bewahrt bleiben in einer Welt voller Verwirrung und Angst. Stärke in uns die Gewissheit, dass dein himmlisches Erbe nicht verdirbt, nicht beschmutzt wird und nie verblasst, sondern sicher für uns aufbewahrt ist und schon heute im Verborgenen unseres Herzens strahlt. Wenn wir schwach werden, erinnere uns daran, dass deine Auferstehungskraft stärker ist als jede Sünde, jede Niederlage und jede dunkle Zukunftsangst. So sei unser Leben ein leiser, aber beständiger Widerschein deiner unfading Herrlichkeit, bis wir dich von Angesicht zu Angesicht sehen. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of 1 Peter, Chapter 4

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